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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 209
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Zwei Stücklein aus der Chronik von Kempten und Memmingen.

Der Leser muß aber wissen, daß die Altstadt Kempten gegen die Neustadt zu kein Thor hat, sondern nur eine offene Lucke, worein die Stiftler ohne Aufhalt kommen können. Das schreibt sich aber von der Zeit her, sagt man, wo die Geiß den Thorriegel abgefressen. Und das ist so zugegangen: Bei einem plötzlichen Ueberfalle der Stiftler steckte der Thurner, da er den Thorriegel vergebens suchte, einen Dorschen in die Klammer. Während er aber nun die Städtler zusammen blasen wollte, kam eine Geiß herbei und fraß den Dorschen ab, so daß das Thor angelweit aufsprang und dem Feind den Eingang öffnete. Das Thor wurde sofort nieder gerissen, und ist nicht mehr erbaut worden. Seit der Zeit besteht auch zwischen den Stiftlern und Städtlern Fried' und Einigkeit. – Also erzählt man; ob's auch so in der Kempter Chronik stehe, kann ich nicht sagen. Kurz: der Spiegelschwab spielte darauf an, so wie auf ein anderes Stücklein, als er den Wirth fragte: wie es mit dem Meisenfang gehe? Der Wirth zupfte ihn beim Ohrenläpple und sagte: »He, Gevattersmann! Aber erzählt mir doch,« sagte drauf der Wirth, »wie ist's denn mit dem Gucker gegangen in Memmingen?« »Davon weiß ich nichts; ihr müßt darüber die von Ulm fragen.« »Nu, nu!« sagte der Wirth; »dumm seid ihr Memminger auch genug, daß man so etwas von euch glauben könnte.« Und so neckten sie sich denn wechselseitig, wie es denn die Schwaben gern thun unter einander als gute Landsleute. – Das Stücklein will ich dir aber im Vertrauen erzählen, günstiger Leser, wenn du es nicht weiter erzählst. Dem Bürgermeister in Kempten ist einmal seine Meise ausgekommen; da ist alsogleich der Befehl ergangen, man sollte alle Thore schließen, und die Bürger mußten alle Straßen und Häuser durchsuchen, ob die Meise nicht zu finden sei. Und noch heutigs Tags, wenn ein Kemptner einen Winkel durchsucht, sagt man, daß er die Meise fangen wolle. Darum werden die Kempter von ihren Landsleuten Meisenfänger genannt. – Für die Wahrheit dieser Geschichten will ich aber nicht gut stehen; wie man denn den Schwaben Vieles nachsagt, was verstunken und verlogen ist. Aber sie haben zum Glück einen breiten Buckel und können's ertragen.

Es gibt in der Welt viel Lappen,
Denen nur abgeht die Narrenkappen.
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