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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 207
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie der Spiegelschwab zu einer neuen Gesellschaft kommt.

Als sie einander Pfüttigott sagten, druckte ihm der Allgäuer noch einmal die Hand, so keif, daß ihm alle Knöchel krachten. »Krautskerl!« schrie der Spiegelschwab vor Schmerz und schlenzte die Hand. Der Allgäuer lachte und sagte: »'s ist nur ein Gruß von den Lindauern, den ich nachbringen wollte.« Also schieden sie als gute Freunde von einander. Der Spiegelschwab schlug den Weg nach Kempten ein. Und er bekam bald wieder Gesellschaft. Denn vor Kempten begegnete ihm – rathe einmal der Leser! – der Knöpfleschwab. Der arme Matz Latz, als ihn alle seine Gesellen verlassen hatten, humpele dem Blitzschwaben auf dem Wege nach Memmingen nach. Der lief aber so stark – die Sehnsucht nach dem Kätherle trieb ihn – daß er ihm nicht nachkommen konnte, sondern zurückbleiben mußte. Das Schlimmste war, daß ihm das Geld ausgegangen war, so daß er schon seit zwölf Stunden kein gotziges Knöpfle mehr über das Herz gebracht hatte. Man konnte ihn nicht ohne Bedauern ansehen; seine Augen waren trüb, wie alte Kirchenfenster; sein Bauch schlotterte in Falten, wie ein leerer Blasbalg; der ganze Mensch wackelte daher, als gehe er auf Zaunstecken. In seiner Angst und Noth, sagte er, habe er den Allgäuer aufsuchen wollen, verhoffend, er werde ihm helfen, daß er nicht Hungers sterbe, wie er ihm geholfen habe, daß er nicht in der Iller ersoffen sei. Der Spiegelschwab hatte Bedauern mit dem Gesellen, obwol er überall so unmär war, wie der Stockfisch am Ostertag; und er sagte: er solle nur gleich mitgehen; er wolle für ihn sorgen, und machen, daß er gut nach Haus komme. Niemand war froher als der Knöpfleschwab; denn er hoffte doch, einmal wieder satt essen zu können, eh' er sterben müßte. Also kamen sie miteinander nach Kempten. Der Spiegelschwab aber, der denn alleboth dem Narren über's Säckle kam, sagte zu ihm: er habe in der Neustadt noch eine kleine Verrichtung, und der Geselle solle nur voraus und hinunter gehen in die Altstadt und Einkehr nehmen beim Wirth zum dummen Vieh. Das Haus liege am Weg, auf dem Schrannenplatz, links wenn man zum Thor hereinkommt; er könne nicht fehlen.

Ist das Kätzlein noch so glatt,
Es doch scharfe Klauen hat.
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