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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 201
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie sie mit dem Wirth blinde Mäusle spielen um die Zeche,
und wer sie bezahlen muß.

Des andern Tags in der Früh, nachdem sie noch ein Paar Seideln zu Gemüth genommen, schickten sie sich endlich zum Aufbruch an, und sie sagten zum Wirth: »Schönen Dank für die höfliche Bewirthung!« »Ist meine Schuldigkeit gewesen,« sagte der Wirth. »Aber, mit Verlaub!« setzte er hinzu, »laßt nun sehen, was eure Schuldigkeit sei.« Und er ging zur Schreibtafel, und rechnete. »He!« rief der Spiegelschwab, »was wär' denn dieß? Was steht denn auf Eurem Schild?« »Ein Bock,« sagte der Wirth lachend, »der die Leute blau anlaufen läßt.« »Aber die Worte drunten?« »Ich steh' zu meinen Worten: Morgen ist alles zechfrei, – aber nicht heute, nicht nächten und vornächten. Verstanden?« »Bygost!« sagte der Allgäuer, »merkst du nun, was die Kreide gilt?« Der Spiegelschwab aber dachte sich: Schalk muß mit Schalk gefangen werden: und er hatte alsbald seinen Einfall, den er dem Allgäuer ins Ohr raunte. Beide nahmen sofort ruhig ihre Beutel heraus, und kläpperten damit, als hätten sie was; und der Spiegelschwab sagte zum Allgäuer: »Laß! ich will schon bezahlen.« »Bygost!« sagte der Allgäuer, »die Ehr' laß ich mir nicht nehmen – ich will bezahlen.« So stritten sie eine Weile mit einander. Da sagte endlich der Spiegelschwab zum Wirth, der ihnen die Schuldtafel wies: »Ihr seht schon, wir beide können uns nicht vertragen, allein von wegen der Ehre; da wird's nun schon am besten sein, daß das Loos entscheide. Wißt ihr was? Um zum Kehraus noch einen Jux zu haben, wollen wir girigingelen oder blinde Mäusle spielen; wen ihr ertappt, der zahlt – damit Punktum!« Der Wirth ließ sich den Spaß gefallen und die Augen verbinden; die beiden zogen ihre Schlarfen aus, und nun ging's in der Stube husch auf und ab, 'rum und 'num. Bald war der Allgäuer zur offenen Thür hinaus; und der Spiegelschwab, nachdem er noch ein und den andern Schuß gethan, schlich ihm nach, lugte aber noch zum Guckerle hinein, um zu sehen, welche Sprung und Griff der blaue Bock mache. Indem trat die Wirthin zur Thür herein; der Wirth rannte auf sie zu, und rief. »Du mußt bezahlen.« – Der Schwabenstreich ward nun kundbar; der Wirth wollte den Strolchen nach, aber die Wirthin sagte: »Laß die hungrigen Schwaben laufen. Haben sie uns doch von dem Hasen befreit, dem Unthier, das zuletzt noch unsere Kinder und Rinder aufgefressen hätte.« So kamen beide ohne Kosten aus Kostnitz, und fuhren mit dem Marktschiff wohlgemuth nach Lindau über.

Wer will in der Welt verbleiben,
Der muß List mit List vertreiben.
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