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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 2
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Ein Volksbüchlein.
Erster Theil

I.
Geschichte des ewigen Juden.

Erstes Kapitel.

Als der Herr Jesus – dessen Name hochgelobt sei! – durch die Straßen von Jerusalem sein schweres Kreuz trug nach Golgatha, da ward er matt und müde ob der schweren Last; und, um eine Weile zu ruhen, wollte er sich auf eine Bank setzen vor dem Hause Ahasveri, eines Juden aus dem Stamme Nephthali. Dieser aber wehrte es ihm, sagend, ein Gottesläugner und Sabbathsschänder und Verführer des Volkes solle keine Gemeinschaft haben mit ihm noch mit Allem, was sein sei. Da blickte ihn der Herr an mit dem zürnenden Blicke des Richters, und sagte: Ahasvere, weil du denn des Menschen Sohn keine Rast vergönnst, so sei auch dir fortan keine Ruhe vergönnt, und du sollst wandeln und wandern, bis daß ich wieder kommen werde. Mit diesen Worten ging der Herr weiter; und die Schergen, die ihn führten, zwangen einen gewissen Simeon aus Cyrene, daß er ihm das Kreuz tragen helfe. Ahasverus aber folgte dem Zuge von ferne nach, und es däuchte ihm, als höre er eine Stimme sagen: Und wenn dieser Mensch auch ein Gottesläugner gewesen wäre, und ein Sabbathsschänder und ein Volksverführer, so leidet er da jetzt die Strafe für seine Schuld, und du hättest ihm nicht den Liebesdienst verweigern sollen. Er aber dachte bei sich: Wie hätte er verdient, daß ich Mitleid mit ihm haben sollte. Hat er ja doch den Fluch über mich ausgesprochen. – Und er folgte dem Zuge weiter, und stand unfern dem Hügel Golgatha, wo der Herr ans Kreuz geschlagen und am Kreuze erhöht wurde. Und er sah, wie die Mutter des Gekreuzigten und andere fromme Frauen und viele gerechte Männer um den Sterbenden trauerten und weinten, und eine Stimme sagte, daß er's hören mochte: Wahrhaftig, dieser Mann ist gerecht. Er aber dachte bei sich: War dieser Mensch gerecht vor Gott, und ein Wohlthäter des Volkes, warum hat er die Rache nicht Gott überlassen und mich mit Fluch belegt und Strafe? – Und um die neunte Stunde neigte der Herr Jesus das Haupt, und verschied. Und die Sonne und der Mond wurden verfinstert, die Erde erbebte, die Todten stiegen aus ihren Gräbern und der Vorhang des Tempels riß entzwei von oben bis nach unten. Da erbleichte Ahasverus, und ein Schreck durchzuckte seine Glieder, daß er erzitterte, und ein furchtbarer Gedanke stieg auf in seinem Innern, und er glaubte und rief: Wahrhaftig, mich hat Gottes Fluch getroffen. Und verzweifelnd an der Gnade rannte er von dannen und ward nicht mehr gesehen in der Nähe der Gottesstadt.

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