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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 199
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie der Spiegelschwab und der Allgäuer nach Kostnitz kommen,
und was sie allda treiben.

»Wir gehen dem Bodensee nach,« sagte der Allgäuer; »dann kommen wir ans Gebirg, und dann können wir nimmer fehlen.« »Los, Brüderle, was ich dir sagen will,« sagte der Spiegelschwab; »was meinst: wollen wir nicht vorerst noch ein Bißle auf und über das deutsche Meer? Die Gelegenheit ist gar kommlich, und wir haben sie nicht alle Tag'. Auch sagt der Seehaas: es liege dort jenseits eine Stadt, die heiße Kostnitz; da dürfe man nur fragen: Maul, was willt? so habe man's, wie im Schlarauffenland; und was die Hauptsache sei, sagt er: es kost nits, wovon eben die Stadt den Namen habe.« – »Bygost!« sagte der Allgäuer, »recht wär's schon, wenn's nur auch wahr wär'.« – »Probiren können wir's ja,« versetzte der Spiegelschwab, »das Probiren kost nits.« – Also fuhren sie mit dem Marktschiff nach Kostnitz; und das erste Wirthshaus, das ihnen in die Augen fiel, war der blaue Bock, und sieh da! auf dem Schild stand geschrieben: morgen ist alles zechfrei. »Bygost!« sagte der Allgäuer, »diesmal hat der Seehaas nicht gelogen.« – »'s nur Schad, sagte der Spiegelschwab, daß wir um einen Tag zu früh gekommen.« Also kehrten sie beim blauen Bock ein. Abends, als sie die kleine Zeche bezahlten, fragte der Spiegelschwab den Wirth: »Mit den Worten auf Eurem Schild hat's doch seine Richtigkeit?« »Ja,« sagte der Wirth, »ein Mann, ein Wort!« So saßen sie denn, wie angepicht, den ganzen folgenden Tag, und zechten vom frühen Morgen bis tief in die Nacht hinein. der Worte eingedenk, die auf dem Schilde zu lesen waren. Und der Wirth und die Wirthin gingen fleißig zu und von, und hatten ihre Freude an den Zechbrüdern, und zumal auch an des Spiegelschwaben seinen Schnaken und Schnurren. Als ihn der Wirth fragte, warum sie nach Kostnitz gekommen, ob vielleicht dem großen Teufel zu Ehren? antwortete der Spiegelschwab: »Ja; denn,« sagte er, »es sei gut, daß man sich allerorts gute Freunde werbe. Auf die Frage: ob sie auch nach Schaffhausen wollten, zum großen Herrgott, versetzte der Allgäuer: »Nein; denn,« sagte er, »wir Schwaben haben selbst, bygost! einen schwäbischen Heiland, und brauchen keinen schweizerischen.«

Es zogen Gimpel über den Rhein,
Und kamen wieder als Gimpel heim.
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