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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 188
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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56. *Soll ich? oder soll ich nicht?

Ein Schwank.

Eine alte Wittwe von 70 Jahren bekam den Einfall noch einmal zu heirathen. Ehe sie sich jedoch entschloß, diesen Schritt zu machen, wollte sie vorerst die Mutter Gottes, Maria vom guten Rath, fragen, was sie dazu sage, ob ja oder nein. Sie ging daher in einer Nachmittagsstunde in die Kirche, und kniete und betete vor dem Altar der Mutter Gottes vom guten Rath, und sprach laut, daß sie's hören mochte: »Sag, soll ich noch mal heirathen, oder soll ich nicht?« Die Mutter Gottes aber schwieg, und sagte weder ja noch nein. In den folgenden Tagen kam sie wieder zur Stunde, wo sie niemanden in der Kirche glaubte, und betete und fragte, sie erhielt aber wieder keine Antwort. Indessen hatte sie der Meßner, der ein Schelm war, insgeheim belauscht. Der ging her, und machte außer der Zeit am Christkindlein, das die Mutter Gottes auf dem Schooße hatte, eine Vorrichtung, daß er den Kopf nach Belieben wenden konnte. Des andern Tages kam das heirathslustige alte Mütterlein wieder in die Kirche und vor den Altar, und sprach: »Sag, soll ich heirathen, oder soll ich nicht?« Sieh, da bewegte sich das Haupt des Kindleins, als wollte es sagen, nein. Das Fraule lugte, was es lugen konnte und rieb sich die Augen; aber wie sie wieder hinschaute, und abermals fragte: »Soll ich oder soll ich nicht?« da schüttelte das Kindlein abermal den Kopf, als wollte es sagen, du sollst nicht. Darüber wurde das Weib schier zornig, und es sprach zum Kindlein: »Was geht's denn dich an, du G'schnapperl! Wenn's nur der Mutter recht ist!«

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