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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 172
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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40. Die Standeswahl.

Ein Vater hatte drei Söhne. Als diese zu ihren Jahren gekommen waren, dachte er mit Ernst daran, einem jeden derselben einen Stand anzuweisen, in dem sie ihr Glück und ihre Zufriedenheit finden möchten. Da er aber, als ein weiser Mann, wol einsah, daß der Mensch selbst seines Glückes Schmied sei, so wollte er vor Allem ihre Neigung und Sinnesart prüfen, um zu erfahren, welche Anstelligkeit sie überhaupt zur Welt hätten, und welche Willfährigkeit gegen die Menschen. Zu dem Ende berief er sie eines Tages zu sich, und reichte dem ältesten Sohn einen Apfel dar, indem er sagte: Theile mit deinen Brüdern! Der Sohn schnitt den Apfel entzwei, und gab den Brüdern jedem einen Theil, den größten aber behielt er für sich selbst. Da dachte der Vater bei sich: der schickt sich für einen Bürger und Kaufmann; denn ein solcher sucht sich in allen Dingen ein Profitlein, damit er sichern Erwerb und gutes Fortkommen haben möge. Des andern Tages, als die Söhne wieder erschienen waren, reichte der Vater dem andern Sohn einen Apfel, mit der Weisung, er sollte mit seinen Brüdern theilen. Der zerschnitt den Apfel in drei gleiche Theile, und gab den Brüdern willig ihren Theil. Da dachte der Vater: der schickt sich für einen Kriegsmann und Abenteurer; denn zu Feld und auf Reisen thut es noth, daß sich gute Kameraden allzeit zur Hand und Hilfe stehen, und Tisch und Bett brüderlich mit einander theilen. Am dritten Tage endlich ließ er die Söhne abermals zu sich kommen, und er gab diesem Mal dem jüngsten Sohne einen Apfel, mit dem Auftrag, daß er ihn theilen sollte mit seinen Brüdern. Der zerlegte ihn in drei Theile, und behielt den kleinsten für sich. Da dachte der Vater: der schickt sich für einen Knecht und Bauersmann; denn ein solcher muß immerdar mit den geringsten und schlechtesten Bißlein vorlieb nehmen, indeß die Andern von seiner Hände Arbeit reichlich und gemächlich zehren mögen. Also faßte der kluge Mann demnach seinen Beschluß, und wies einem jeden Sohne den Stand an, zu dem er sie für geschickt hielt. Und er erfuhr auch späterhin, daß er ganz richtig geurtheilet und gewählt habe; denn der älteste Sohn erwarb als Kaufmann groß Geld und Gut; der andere gewann Ruhm und Ansehen in der Welt; und der dritte, welcher sehr genügsam war, hatte in seiner Hütte, bei Weib und Kind, ein zufriedenes Leben.

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