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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 151
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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19. Volkssagen aus Niederbayern.

1. Das Glöcklein

Unfern Reischach, im Gericht Oetting, steht eine einsame Kapelle, der Mutter Gottes geweiht. Von deren Thurm ertönet oft das Glöcklein, man möchte meinen, als würde es von Geisterhand gezogen; denn es ist keine Stunde bei Tag und bei Nacht, wo man es nicht von Zeit zu Zeit läuten hört. Die Geschichte von dieser Kapelle, und dem Glöcklein wird aber so erzählt: Vor vielen, vielen Jahren, als die Gegend umher weit und breit noch Wald und Wildniß war, wurde ein Pilger, der des Weges nach Oetting zum Gnadenbilde wanderte, von Räubern überfallen, die ihn des Seinen beraubten und bis zum Tode mißhandelten. In der Angst seines Herzens gelobte er, an der Stelle ein Kirchlein zu erbauen, wenn er, durch Gottes und seiner Mutter Gnade, mit dem Leben davon käme. Die Räuber ließen ihn für todt liegen; er aber genas auf eine wunderbare Weise wieder. Demnach erfüllte er sein Gelübde; er erbaute die Kapelle und versah sie mit einem Glöcklein. Auf die Votivtafel aber, die er in der Kapelle aufhängen ließ, stellte er die Bitte, es möge jeder Pilger, der des Weges ziehe, zu Ehren Mariä das Glöcklein läuten und für seine arme Seele beten. Das geschieht denn noch, bis auf den heutigen Tag.

2. Das Brünnlein.

Unfern Roding, im Regenthale, liegt ein Berg, auf dem eine Kirche steht, zum Brünnlein genannt. Schon in uralten Zeiten floß dort eine frische, klare Quelle, deren Wasser sich fernab in einem Becken sammelte. Der Rasen umher war so üppig und der Born so erquicklich, daß der Hirt gern seine Heerde dahin trieb, wo sie sattsame Nahrung fand und Kühlung unter Buchen und Tannen. Eines Abends, als die Dämmerung ihn zur Rückkehr mahnte, wollte er noch vorerst seinen Durst stillen am Brunnen. Da, wie er an den Rand des Beckens tritt, sieht er auf dem Wasser ein schönes Marienbild schwimmen. Mit freudiger Begierde will er es haschen; aber je länger er darnach greift, desto tiefer sinkt das Bild, bis es zuletzt seinen Augen ganz entschwindet. Als er nach Hause gekommen, erzählte er die wundersame Erscheinung dem Pfarrer. Dieser zog des andern Tages, von vielen Gläubigen begleitet, zur Stelle, und siehe da! das Marienbild erschien wieder, wie es der Hirte berichtet, auf der Oberfläche des Wassers. Der Priester hob es ohne Mühe heraus, und trug es in die Kirche des Ortes. Von der Zeit an geschahen große Wunder an der Quelle. Viele, die an den Augen litten, oder lahme Glieder hatten, oder sonst von Kräften gekommen waren, erlangten wieder ihre Gesundheit. Es ward daher zu Ehren Maria ein Gotteshaus zur Stelle erbaut, und das Bildniß dahin übertragen. Noch heutiges Tages fließt die Quelle inmitten der Kirche, und es finden immer noch viele Kranke Linderung und Genesung am Gnadenorte »zum Brünnlein.«

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