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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 139
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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7. Arm Elend.

Adam und Eva hatten nebst vielen andern Kindern auch eines, welches von gar häßlicher Gestalt war, und das sie deßhalb von sich stießen, und Elend nannten. Arm Elend wäre wol in der Wüste verkümmert, wenn sich der liebe Gott nicht seiner erbarmet hätte. Der aber kam in seiner Milde zu Elend, und sagte: es solle sich drei Wünsche thun, die er ihm gewähren wolle. Da wünschte sich Elend erstlich einen wilden Birnbaum, von dessen Früchten es sich zur Noth nähren könne; zweitens wünschte sich Elend, daß jeder, der auf den Birnbaum steige, gegen seinen Willen nicht mehr herab kommen könne; drittens wünschte sich Elend nach dem Tode das himmlische Leben. Das Alles gewährte ihm der liebe Gott. So lebte denn Elend lange Zeit auf kümmerliche Weise. Zuletzt wurde es krank, und litt große Schmerzen. Da wollte sich der liebe Gott seiner wiederum erbarmen, und er sendete den Tod, daß er arm Elend auf immerdar erlösete von seinen Nöthen. Als aber Elend den Tod vor Augen sah, erschrak es, und sagte zum Tod: er solle ihm nur noch einige Birnen vom Baum herab holen, daß es nochmals davon essen möge, ehe es sterben müßte. Das that der Tod; er stieg auf den Baum, hieb mit seiner Sense einen ganzen Ast ab, und warf ihn dem hungernden Elend zu. Als Elend davon genossen, ward es wieder gesund. Nun wollte der Tod vom Baum herab; Elend aber, das neue Lust zum Leben bekommen, ließ es nicht zu, sondern sagte: es werde ihm nur dann von seinem Bann befreien, wenn er verspräche, nicht mehr wieder zu kommen. Das versprach denn der Tod. Also lebt arm Elend noch heutzutage unter uns, und wird auf Erden fortleben bis zum jüngsten Tag.

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