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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 132
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Zwölftes Kapitel.

»Die 24 Jahre des Doctor Fausti waren verloffen, und eben an dem letzten Tage derselben Woche erschien ihm der Geist, überantwortete ihm seinen Brief oder Verschreibung, und zeigte ihm darneben an, daß er auf die andere Nacht dem Tod und Teufel verfallen sei, dessen er sich zu versehen habe. Da nun Doctor Faustus seines Lebens Ende so nahe und gewiß sah, so schickte er zu seinen Bekannten, Magistris Baccalaureis und andern Studenten mehr, die ihn zuvor besucht hatten; die bittet er, daß sie mit ihm in das Dorf Rimlich, eine halbe Meile Weges von Wittenberg gelegen, wollten spazieren und allda mit ihm Mahlzeit halten; was ihm die Gesellen auch zusagten. Nachdem nun das Nachtmahl eingenommen war, bat Doctor Faustus die Studenten, sie wollten mit ihm in eine Stube gehen, er hätte ihnen etwas zu sagen. Das geschah. Doctor Faustus sprach also zu ihnen: »Meine liebe Vertraute und ganz günstige Herren! Warum ich euch berufen habe, ist dies, daß euch viele Jahre her an mir bewußt, was ich für ein Mann war, in vielen Künsten und Zauberei erfahren. Es sind aber diese nirgends als vom Teufel hergekommen, zu welcher teufelischen Lust mich auch Niemand gebracht, als mein Fleisch und Blut, mein halsstarriger und gottloser Willen und meine stolzen, hochfliegenden Gedanken, welche ich mir vorgesetzt. Daher ich mich habe dem Teufel versprechen müssen, nämlich, daß ich ihm nach 24 Jahren verfallen sei. Nun sind solche Jahre bis auf diese Nacht zum Ende gelaufen, und es stehet mir das Stundenglas vor Augen, das ich gewärtig sein muß, wenn es ausläuft. Darum habe ich euch, freundliche, günstige, liebe Herren, vor meinem Ende zu mir berufen, und mit euch einen Johannes-Trunk zum Abschied nehmen wollen, daß ihr meines Hinscheidens Zeugen sein möchtet. Bitte euch hierauf, ihr wollet alle die Meinen, und die meiner in Gutem gedenken, von meinetwegen brüderlich und freundlich grüßen, daneben mir nichts für übel halten, und wo ich euch jemals beleidiget, mir solches herzlich verzeihen. Was aber die Abenteuer belanget, die ich in solchen 24 Jahren getrieben, das werdet ihr Alles nach mir aufgeschrieben finden, und laßt euch mein gräulich Ende euer Lebtag ein Fürbild und Erinnerung sein: daß ihr wollet Gott vor Augen haben, nicht von ihm ablassen, und von ihm abfallen, wie ich gottloser und verdammter Mensch, der ich abgesagt habe der Taufe, den Sacramenten, Gott selbst, einem solchen Gott, der nicht will, daß einer sollt verloren werden. – Endlich nun und zum Beschluß ist meine freundliche Bitte: ihr wollet euch zu Bette begeben, mit Ruhe schlafen und euch nichts anfechten lassen, auch wenn ihr ein Gepolter und Ungestüm im Hause höret. Und so ihr meinen Leib todt findet, so lasset ihn zur Erden bestatten. Denn ich sterbe als ein böser und guter Christ; als ein guter Christ, darum daß ich eine herzliche Reue habe, und im Herzen immer um Gnade bitte, damit meine Seele errettet werden möge; als ein böser Christ, was ich gar wohl weiß; und ich will ja gern dem Teufel Leib und Leben lassen; er möge nur, Gott geb'! mir die Seele zufrieden lassen. Und nun verfüget euch dann zu Bette, und habt eine gute Nacht.« Diese Studenten und gute Herren, als sie Faustum gesegneten, weineten sie und umfingen einander. Doctor Faustus aber blieb in der Stube, und da die Herren sich zu Bette begeben, konnte keiner recht schlafen; denn sie den Abgang wollten hören. Es geschah aber zwischen zwölf und ein Uhr in der Nacht, daß gegen das Haus her ein großer ungestümer Wind ging, so das Haus an allen Orten umgab, als ob Alles zu Grunde gehen, und das Haus zu Boden reißen wollte. Die Studenten lagen nahe bei der Stube, da Doctor Faustus inne war. Sie hörten ein gräuliches Pfeifen und Zischen, als ob das Haus voller Schlangen, Nattern und anderer schädlicher Würme wäre. Indem hub an Doctor Faustus um Hilfe zu schreien, aber kaum mit halber Stimme. Bald hernach hörte man ihn nicht mehr. Als es nun Tag ward, und die Studenten die ganze Nacht nicht geschlafen hatten, sind sie in die Stube gegangen, darin Doctor Faustus gewesen war. Sie sahen aber keinen Faustum mehr. Letztlich aber funden sie seinen Leib draußen auf dem Mist liegen, welcher gräulich anzusehen war. Diese gemeldte Magistri und Studenten, welche bei des Fausti Tod gewesen, haben so viel erlangt, daß man ihn in diesem Dorf begraben hat. Darnach sind sie wiederum hinein gen Wittenberg, und in Doctor Fausti Behausung gegangen, allda sie seinen Famulum, den Wagner, gefunden, der sich seines Herrn halber übel gehub. Sie fanden auch diese, des Fausti Historiam aufgezeichnet, und von ihm beschrieben, wie hievor gemeldet, alles außer sein Ende, welches von obengenannten Studenten und Magistris hinzugethan. – Also endet sich die ganze wahrhaftige Historia und Zauberei Doctor Fausti, daraus jeder Christ zu lernen, sonderlich aber diejenigen, welche eines hoffärtigen, stolzen, fürwitzigen und trotzigen Sinnes und Kopfes sind, der Welt, dem Teufel und seinen Werken abzusagen, Gott dem Herrn aber allein zu dienen, und ihn zu lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften, damit sie Christi Verdienste theilhaftig, und mit ihm endlich ewig selig werden mögen. Amen!«

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