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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 113
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie die sieben Schwaben den Strauß bestehen.

Da es nun aber an dem ist, daß ich dir, günstiger Leser, das größte und gefährlichste Abenteuer erzählen soll, welches die sieben Schwaben bestanden: so befinde ich mich in keiner kleinen Verlegenheit, wie ich die Sache der Wahrheit gemäß darstellen soll. Denn weil ich die That, leider! nicht selbst mitgethan, so mußte ich sie eben von jenen vernehmen, die, wie verlautet, dabei gewesen; absonderlich von dem Seehaasen, dem Anführer der Helden und dem Verkündiger ihres Heldenthums. Der aber, wie du weißt, ist ein Erzlügner gewesen, ein Windbeutel, ein Ploderer, ein Mährensager von Haus aus. Und die übrigen, mit Respect zu melden! verdienen wol eben so wenig Glauben; denn Jeder, wie leicht zu vermuthen, wird nur zu eignen Gunsten erzählet, und seinen Part am Abenteuer heraus gestrichen haben. In solcher Noth, was soll der Geschichtsschreiber thun? Ohne Zweifel das Beste. Und so will ich denn die Historie also nehmen und geben, wie sie mir als die natürlichste und wahrhaftigste erscheint. Andere machen es auch nicht anders im Andern. – Es sei also kund und zu wissen, wie daß die sieben Schwaben in den Strauß zogen, hübsch langsam voran gegen den Busch zu, wo, wie der Seehaas sagte, der Drach sein Nest hatte. Als sie schon ganz nahe waren, sagte der Spiegelschwab: Mich grimmt's im Bauch, und ich muß abseiten. Das wollte der Allgäuer nicht leiden, und er sagte: er sollte mit den andern mitmachen, und nicht apart thun. Der Spiegelschwab versetzte: er wolle ja nur spioniren gehen, wo das Thier stecke. Laß es stecken, sagte der Allgäuer, wo es steckt, und bleib, sag ich. Jetzt seid stät, und haltet's Maul, rief der Seehaas, und lugt und los't. Und wie sie nun gegen den Busch weiter vordringen, und lugen und losen, siehe da liegt ein Haas im Busch, der lugt und los't auch, und macht ein Männle, und erschrickt, und lauft davon. Die sieben Schwaben aber blieben stehen ganz erstaunt und erstarrt. Hast's gesehn? hast's gesehn? rief einer um den andern; und es war so groß wie ein Pudelhund – wie ein Mastochs – wie ein Trampelthier, sagte einer um den andern. Bygost! sagte zuletzt der Allgäuer, wenn das kein Haas gewesen, so weiß ich den Grindten von keinem Büchel zu unterscheiden. Nun ja, Haas hin, Haas her! sagte der Seehaas; ein Seehaas ist halt größer und grimmiger, als alle Haasen im heiligen deutschen Reich. Und das hat er gut gemacht. – Dieses Thiergeschlecht aber, mein' ich, wird seit der Zeit wol ausgestorben sein, wie die Mammuth.

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