Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Aurbacher >

Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 110
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
Schließen

Navigation:

Wie die sieben Schwaben des Sees ansichtig werden, und was sie dazu sagen.

Als die sieben Schwaben des Sees ansichtig wurden, sagte der Seehaas: Das ist der Bodensee. Die blieben stehen, und rissen Aug und Maul auf, und lugten Eines Lugens. Bygost! sagte der Allgäuer, das ist eine Lache, so groß, man könnte den Grindten drin versäufen. Und der Spiegelschwab fragte den Seehaasen: ob das Wildenten seien, so man dort in der Ferne sehe? Es waren aber Schiffe. Und der Gelbfüßler: Ob jenseits drüben auch Leute wohnen, wie diesseits? Und einer um den andern fragte dies und jenes, und der Seehaas erzählte, und sagte: Es sei dies das deutsche Meer – müßten sie wissen – und es habe einen Umfang von wenigstens hundert Meilen – er lüge nicht, sagte er. – Und der See, sagte er, habe gar keinen Grund und Boden; darum heiße er eben auch der Bodensee, wie leicht zu begreifen sei. Und bei stillem, hellen Wetter, sagte er, sehe man versunkene Städte und Schlösser drin, und ganze Landschaften – er sag' es, sagte er. – Und Fische geb' es drin, sagte er, so groß, wie das Kostnitzer Münster, – er lasse nichts abmarkten, sagte er. – Auch Nixen geb' es die Menge, zu Land und zu Wasser – sehen müßt ihr's, sagte er. Und wenn der See aber stürmisch sei, so werfe er Wellen – er übertreibe nicht – so hoch, wie der Sentis (ist ein Berg). Und er könnte der Wunderdinge noch viel erzählen, sagte er; aber wer's nicht selbst sehe, der glaub' es nicht. Potz Blitz! sagte der Blitzschwab ein um das andere Mal; die andern aber sagten kein Wörtle. – Nachdem sie sich nun schier die Augen ausgelugt, so zogen sie fürder, Ueberlingen vorbei, gegen den Wald zu, wo das Ungeheuer hauste. Um sich aber auf dem Weg dahin die lange Weile zu vertreiben, und die bösen Gedanken, sang der Blitzschwab das schwäbische Wallfahrtslied, und die Andern stimmten mit ein, wie folgt:

Jetzt stellen die Bauren ein'n Kreuzgang an,
Zu dem muß kommen Jedermann.

Es läuten schon die Glocken ein,
Der Pfarrer will nicht der letzte sein.

Der legt ein zottlets Hemat an,
Unten und oben Zwickele dran.

Nachher tragt man ein' große Stang voraus,
Z'oberst hangt ein Fahnen heraus.

Man sagt uns viel vom ewigen Leben,
Und noch viel mehr vom Stuirengeben.

Da geht man um den Altar h'rum,
Daß keiner z'spät zum Opfer kumm.

Beim rothen Bären kehrt man ein,
Da muß es auch recht g'soffen sein.

Der Pfarrer, der geht da hinten drein,
Und schenkt mit dem Weihwedel ein.

Der Kreuzgang sich dem Dorf zuwendt,
Jetzt hat die Prozession ein End.

 << Kapitel 109  Kapitel 111 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.