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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 102
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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* Von einem Heldenstück, das der Blitzschwab gethan.

Indem die sieben Schwaben am andern Tag ihres Wegs weiterzogen, sahen sie von ferne die hohe Waldburg auf ihrem Tannenberg liegen. Der Blitzschwab fragte den Seehaasen, als einen der Gegend kundigen Mann: wer dort oben hause im Schlosse? Der Seehaas sagte: Es hause droben ein gewaltiger Riese. Und nun erzählte er den Gesellen ein Langes und Breites von dem Ungeheuer, und welches Unheil es schon angerichtet habe in der Gegend umher. Es war aber alles, was er sagte, ganz und gar verlogen, ob er gleich selbst steif und fest daran glaubte. Der Blitzschwab fragte ihn: ob sie des Weges nahe vorbeikämen an jenem Berge? Jener sagte: Nein; und er brauche sich nicht zu fürchten. Potz Blitz! sagte der Blitzschwab; was? ein Kerl, wie ich bin, sich fürchten? . . . Und während die Gesellen schliefen, machte er sich allein auf den Weg nach der Waldburg. Der Riese lugte soeben über die hohe Ringmauer heraus, wie Unsereiner zur Dachluke hinausguckt. Sein Kopf schien so groß wie die Scheibe des Vollmonds im Aufgange, und die schwarzen, struppigen Haare hingen ihm vom Scheitel herunter. Er fiselte so eben ein Kalb ab als wär's eine Lerche, und zermalmte die Knochen, als wären es Zuckerstriezel. Indem er so dem Fraß bedächtig oblag, mochte er das Männle nicht bemerken, das, wie ein Wiesel, durch das Gesträuch sich Weg machte. Unser Held aber springt – mir nichts, dir nichts – keck auf den Riesen zu, umfaßt eines seiner Beine, und klettert dran hinauf, wie ein Eichkätzle auf einen Tannenbaum. Nun muß man wissen, daß sich Riesen vor nichts mehr fürchten, als vor Kröten, gleichwie sich Löwen fürchten vor dem Geschrei des Hahns. Eine solche Kröte, glaubte der Riese, hänge an seinem Bein. Voll Schrecken lauft er fort, hin und her, auf und ab, und zappelt, und schlenzt, und kann des Scheusals doch nicht los werden. Da stolpert er endlich und fällt. Halb des Todes vor Angst ächzet er und stöhnt mehr und mehr, wie er fühlt, daß die Kröte immer weiter hinaufkriecht über den Leib. Und schon sitzt sie ihm auf dem Genick. Jetzt verliert er alle Besinnung und unser Held schneidet ihm nun geruhig und gemächlich den Kopf ab.

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