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Ein Volksbüchlein

Ludwig Aurbacher: Ein Volksbüchlein - Kapitel 101
Quellenangabe
typelegend
booktitleEin Volksbüchlein
authorLudwig Aurbacher
year1878
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleEin Volksbüchlein
created20040403
sendergerd.bouillon
modified20171017
firstpub1827/1829
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Wie der Spiegelschwab einen Tyroler foppt,
und von ihm wieder gefoppt wird.

In der Herberg, wo sie übernachtet, war auch ein Tyroler zugegen, der mit Theriak und Schneeberger handelte. Nun sind, wie bekanntlich, die Tyroler nicht so dumm, als wofür sie sich ausgeben wollen, sondern sie haben's faustdick hinter den Ohren. Und darum, wenn Andere Schimpf und Glimpf mit ihnen spielen, und Trumpf sagen, so sagen sie Stich. Und so geschah es denn auch, als der Spiegelschwab ihn aufziehen wollte, und ihn fragte: Welche Sprache die feinere sei, die schwäbische oder die tyroler? da antwortete jener: Die tyroler sei von Loden, und die schwäbische von grobem Tuch. – Weiter fragte ihn der Spiegelschwab: Wenn ein Schwab und ein Tyroler beisammen seien, wer von ihnen wol der dümmste sein möge? Einer um den Andern, sagte der Tyroler. – Drauf fragte der Spiegelschwab: Wann denn die Tyroler anfangen thäten, gescheidt zu werden? Der Tyroler sagte: Die Schwaben, sagt man, werden halter im vierzigsten Jahr gescheidt, und die Tyroler im fünfzigsten; aber, sagt man, die Tyroler holen die Schwaben bald wieder ein. Und so foppten sie denn einander, und blieben demungeachtet beide gut Freund. Woraus hervorgeht, daß die Schwaben wol Spaß leiden mögen, wenn's mit guter Meinung geschieht. – Vor dem Abschied sagte noch der Spiegelschwab zum Tyroler: Laß dir meinethalb noch ein Käntle Branntwein einschenken. Das that der Tyroler, und er trank ihm Gesundheit zu, und sagte: Dank für die Bezahlung! Und so mußte denn wol der Spiegelschwab Ehren halber bezahlen, und war wiederum der Gefoppte.

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