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Ein Tagebuch

Ludwig Tieck: Ein Tagebuch - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleSchriften, Funfzehnter Band
authorLudwig Tieck
year1829
firstpub1798
publisherGeorg Reimer
addressBerlin
titleEin Tagebuch
pages72
created20131031
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Ludwig Tieck.

Ein Tagebuch.

1798.

 


 

1.

Es ist gar keinem Zweifel unterworfen, daß es von sehr mannichfaltigem Nutzen sei, ein Tagebuch zu halten. Man kann darin am besten die Dokumente über sich selbst niederlegen, und noch nach Jahren erinnert man sich der Vergangenheit genau und der verschiedenen Gedanken und Gefühle. Darum halten sich auch die Herrnhuter so gern Tagebücher, damit es ihnen bequem fällt, sich beständig beobachten zu können; ich habe keinen schlechtern oder bessern Grund dazu, das meinige anzufangen.

In meiner Kindheit wurde ich schon dazu angeführt, um mich in der Selbstkenntniß zu üben; indessen ging es mir damals sehr übel. Ich log ungemein viele Empfindungen in mich hinein, damit nur die Blätter nicht leer bleiben durften. Das Tagebuch wollte anfangs gar nicht von der Stelle rücken, bis ich auf die heilsame Erfindung verfiel, mit mir selbst eine Komödie aufzuführen. Ich hoffe, daß dieser Fall nicht jetzt von neuem eintreten soll.

Und so beginne denn nun der Monolog mit mir und über mich selbst. Ich habe mich den ganzen Tag auf den Gedanken gefreut, am Abend mein Tagebuch anzufangen, und nun ist es Abend, und ich sitze wirklich hier und schreibe daran, und doch freue ich mich nicht mehr. Ja wenn uns doch alles in der Ausübung 294 eben so neu bliebe, als uns oft der erste Vorsatz entzückt! Wenn meine Kindeskinder in diesem Werke blättern und lesen, dann wird mir ganz anders zu Muthe sein, als mir jetzt ist.

Ich muß heut nur wahrlich aufhören, denn mir will durchaus nichts Denkwürdiges beifallen.


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