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Ein Stern fiel vom Himmel

Hans Dominik: Ein Stern fiel vom Himmel - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorHans Dominik
titleEin Stern fiel vom Himmel
publisherv. Hase & Koehler Verlag
printrun131.-170. Tausend
yearo.J.
firstpub1934
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151230
projectid7f219c23
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Neuland aus der See

Drei Männer beraten. Ein Nibelungenhort von acht Milliarden. Seegrund soll Ackergrund werden. Eine Spundwand durch die Nordsee. Meteoreisen für den Bau. Ein Plan wird beschlossen.

 

Die Obstbäume, an deren duftigem Flor Dr. Wille und seine Leute sich bei ihrer Rückkehr nach Deutschland erfreut hatten, waren verblüht, und die Früchte an ihren Zweigen begannen sich zu runden. Dem Frühling war der Sommer gefolgt, und überall ging in die Ferien, wer die Zeit und das Geld dazu hatte. Ausnahmen von der allgemeinen Ruhe- und Ferienstimmung waren nur in einigen Ämtern der deutschen Reichsregierung zu finden, in denen man sich mit gewissen immer dringender werdenden Fragen beschäftigte. Minister Schröter hatte den Ministerialdirektor Reute und Professor Eggerth zu sich gebeten, um im kleinen Kreise noch einmal die Fragen durchzusprechen, die auf der Tagesordnung der nächsten Kabinettssitzung standen.

Reute war dazu besonders von der Kraterstation nach Berlin gekommen und erst vor kurzem eingetroffen. Er brachte die neuesten Untersuchungen der dortigen Sachverständigen mit, über die er eben Vortrag hielt.

»Das Gesamtergebnis unserer Gutachter«, sagte er zum Schluß seiner Ausführungen, »läßt sich wie folgt zusammenfassen. Die Erzschicht auf dem Kratergrund ist ein- bis zweihundert Meter stark. Unter ihr liegt das Urgestein der Antarktis. Das Erz besteht zum weitaus größten Teil aus reinem Nickeleisen. Nur vereinzelt sind Adern eingesprengt, die Edelmetalle führen, stellenweise bis zu zehn Prozent Gold oder Platin. Im Laufe der letzten achtzehn Monate haben wir Gold im Werte von fünfzehn Milliarden Reichsmark daraus gewonnen. Unsere Sachverständigen glauben, daß noch etwa fünf Milliarden herausgezogen werden können. Danach dürfte der Goldvorrat des großen Meteoriten so ziemlich erschöpft sein. Wir werden ... vorläufig wenigstens ... mit dem Gesamtbetrag von zwanzig Milliarden zu rechnen haben.«

Reute faltete das Schriftstück, aus dem er die Zahlen verlesen hatte, wieder zusammen. Der Minister räusperte sich.

»Zwanzig Milliarden also, mit denen wir sicher rechnen dürfen.«

Reute nickte. »So ist es, Herr Minister. Es wäre ein glücklicher, aber nicht wahrscheinlicher Zufall, wenn man doch noch auf andere Goldadern stieße.«

»Wer weiß, ob es ein Glück wäre«, sprach der Minister nachdenklich vor sich hin, sagte dann zu Professor Eggerth und Reute gewandt:

»Ziehen wir das Fazit, meine Herren! Alles in allem können wir nach dem Gehörten mit zwanzig Milliarden rechnen. Zwei Milliarden stecken in deutschen Sparstrümpfen und werden sobald nicht wieder ans Tageslicht kommen. Fünf weitere hat das Ausland in gleicher Weise geschluckt. Dafür hat die Reichsbank den Gegenwert in Devisen vereinnahmt. Zur Ankurbelung unserer Industrie und Wirtschaft haben wir aber auswärtige Rohstoffe im Betrage von vier Milliarden Reichsmark über unsere sonstigen normalen Einkäufe hinaus erworben ...« Minister Schröter schrieb einige Zahlen auf den vor ihm liegenden Block, während er weitersprach: »Nach Adam Riese verbleiben uns noch eine Milliarde in Devisen und dreizehn Milliarden in Gold, mit denen wir zweckmäßig weiterzuwirtschaften haben.«

»Gestatten Sie mir eine Zwischenbemerkung«, warf Professor Eggerth ein, »zu wiederholten Malen hat man mir nicht nur in Industriekreisen, sondern auch in Regierungsstellen, von der Möglichkeit einer Goldinflation gesprochen. Ich möchte, bevor ich auf das komme, was ich Ihnen, Herr Minister, später unterbreiten werde, betonen, daß eine solche Gefahr nicht besteht.

Die sieben Goldmilliarden sind, wie bereits mehrfach gesagt, spurlos versickert. In keinem Goldausweis irgendeiner der großen Banken sind sie wieder zum Vorschein gekommen. Nach wie vor beträgt der nachweisliche Goldvorrat der Welt nur fünfzig Milliarden. Bei diesem Tatbestand können aber unsere dreizehn Milliarden niemals eine Inflation heraufbeschwören. Rund fünf davon würde ja die Reichsbank unter allen Umständen in ihren Gewölben behalten, was einer hundertprozentigen Golddeckung unseres Notenumlaufes entspricht. Es verbliebe uns noch eine Reserve von acht Milliarden. Acht Milliarden in barem Gold, Herr Minister; eine gewaltige Summe, mit der man viel kaufen kann, wenn sich ein Verkäufer findet. Darf ich frei aussprechen, wie ich darüber denke?«

Der Minister nickte. »Bitte, Herr Professor. Herr Ministerialdirektor Reute darf alles hören, um so mehr, als sich unsere Gedanken auf halbem Wege begegnen. Wir sind uns alle darüber einig, daß wir neuen Raum, jungfräuliches Land, für unser Volk brauchen.«

»Das ist es, Herr Minister!« sagte Professor Eggerth lebhaft. »Wir brauchen Neuland. Fruchtbares Land mit einem erträglichen Klima. Neue Scholle, auf der wir deutsche Bauern ansetzen können.«

»Wo gäbe es das heut noch?« Resignation klang aus der Zwischenfrage von Reute.

»Es gibt es schon, Herr Reute«, fuhr der Professor fort, »aber leider besitzen es heut die anderen und halten es fieberhaft fest, obwohl manche herzlich wenig damit anzufangen wissen.«

Der Minister machte eine ungeduldige Bewegung. »Das hilft uns nicht weiter, Herr Professor. Ich hoffte, von Ihnen einen positiven Vorschlag zu hören.«

Professor Eggerth quittierte den Vorwurf mit einer leichten Verbeugung. »Was heut nicht ist, Herr Minister, kann vielleicht in wenigen Jahren sein. Die Stunde kann kommen, in der bare Goldmilliarden für einen Staat wichtiger sind als brachliegendes Land. Die Geschichte bietet uns mehr als ein Beispiel dafür. Wer das Gold dann bereit hat und entschlossen zugreift, der wird Land kaufen können, das ihm zusagt. Viele Millionen Quadratkilometer wahrscheinlich, wenn er acht Milliarden auf den Tisch legen kann.«

»Daraufhin wollen Sie acht Milliarden horten, Herr Professor?« fragte Reute kopfschüttelnd.

»Ganz recht, Herr Reute. Acht Milliarden, von denen die Welt nichts wissen darf, um die wir allein nur wissen. Das ist das Wesentliche dabei, daß dieser Nibelungenhort ... wenn ich einmal so sagen darf ... verborgen bleibt, bis die Stunde für seine Verwendung schlägt.«

Reute vermochte mit seiner Meinung nicht länger hinter dem Berge zu halten. »Ich würde es volkswirtschaftlich für verkehrt halten, Herr Professor, eine derartige Summe zinslos liegen zu lassen. Ich meine, man sollte ...«

»Verzeihung, Herr Reute. Genau dasselbe haben die Finanzleute schon vor einigen Menschenaltern gesagt, als das deutsche Reich einen Kriegsschatz von einer viertel Milliarde Gold im Juliusturm aufspeicherte, und wie nützlich hat es sich später erwiesen.«

»Herr Professor Eggerth trifft mit seinem Vorschlag vielleicht doch das Richtige«, mischte sich der Minister ein, »aber damit kommen wir im Augenblick nicht weiter. Das deutsche Reich braucht schnell neues Land. Wir können nicht Jahre ... vielleicht Jahrzehnte darauf warten, daß sich eine Gelegenheit bietet, es zu kaufen. Das ist die Frage, um die sich's dreht.«

»Sehr wohl, Herr Minister, und weil wir's heut noch nicht kaufen können, müssen wir's uns selber schaffen.«

Wie elektrisiert fuhren der Minister und Reute zusammen, als die Worte von den Lippen des Professors fielen.

»Wie?!« Kaum hörbar stieß der Minister die kurze Frage heraus.

»Seegrund muß Ackergrund werden, Herr Minister«. Noch während Professor Eggerth es sagte, griff er nach seiner Aktentasche und breitete eine Landkarte auf dem Tisch aus, welche die deutsche Küste von der Emsmündung bis zum Kurischen Haff zeigte. Mit Rotstift waren Striche in die blau angelegten Meeresflächen eingezeichnet. Leicht geschwungen zog sich eine Linie von der Südspitze der Insel Sylt über Helgoland nach Juist hin. Ein kurzer Strich verband Juist mit Borkum. Ein anderer führte von Borkum zur Ostküste des Dollart. Von Flensburg ging eine Linie nach Fehmarn, strich dicht an Laaland vorbei, umging Rügen im weiten Bogen, um dann nach Osten und Nordosten zu verlaufen.

»Hier liegt unser Neuland«, sagte Professor Eggerth, während er mit einem Bleistift über diese Linien fuhr. »Reichlich fünftausend Quadratkilometer in der Nordsee, annähernd hunderttausend Quadratkilometer in der Ostsee. Nehmen wir alles in allem hunderttausend Quadratkilometer oder zehn Millionen Hektar an. Rechnen wir das Bauerngut zu hundert Morgen oder fünfundzwanzig Hektar, so können hier vierhunderttausend selbständige Bauern angesiedelt werden. Rechnen wir für die Familie einschließlich Mägden und Knechten zehn Köpfe für jedes Gut, so haben wir hier Raum für vier Millionen Menschen und gewinnen neue Nahrung für zehn bis zwölf Millionen. Es ist nicht so viel, wie es sein sollte. Unter uns gesagt, meine Herren, unser altes Deutsch-Ostafrika mit seiner Million Quadratkilometern wäre mir lieber, aber dafür würde dieses der See abgerungene Neuland den Vorteil haben, daß es unmittelbar an unser altes Reichsgebiet grenzt.«

Schon während der Professor sprach, hatte der Minister nach Block und Bleistift gegriffen, warf Ziffern auf das Papier und rechnete.

»Ihre Zahlen sind richtig, Herr Professor«, sagte er, als Eggerth schwieg, »aber ...«

»Es wird außenpolitische Verwicklungen geben, wenn wir die See bis Helgoland für uns nehmen«, vollendete Reute den Satz des Ministers.

»Darüber glaube ich Sie beruhigen zu können«, wies Professor Eggerth den Einwand zurück. »Nach internationalem Recht gehören Verlandungen demjenigen Staat, an dessen Küsten sie erfolgen. Unter diesem Gesichtspunkt habe ich den Plan für die Arbeiten aufgestellt. Wir wollen es der Sicherheit halber vermeiden, irgendwo aus der offenen See neue Inseln entstehen zu lassen. Das deutsche Sylt wird nach Südwesten wachsen, Juist nach Nordosten, Helgoland nach beiden Richtungen, und bald ... sehr bald, meine Herren, wird die deutsche Bucht ein Binnensee sein. Ganz ähnlich werden wir in der Ostsee verfahren und auf diese Weise alle politischen Verwicklungen vermeiden, überall werden unsere Deiche und Verlandungen aus der offenen See erst große Binnenmeere herausschneiden.«

»So könnte es in der Tat gehen«, sagte der Minister.

»Ein Binnensee ist aber noch kein Land, Herr Professor Eggerth. Woher wollen Sie den Boden nehmen, um diesen See auszufüllen?« fragte Reute.

»Aus der See, Herr Reute. Ich bin mir darüber klar, daß wir etwa eine Billion Kubikmeter Boden für die Auffüllung benötigen. Zum größten Teil wird sie uns die See selber liefern. Nur wo die Naturkraft nicht ausreicht, werden wir mit Strahlpumpen nachhelfen.«

Wieder griff der Professor nach seiner Mappe, holte neue Pläne, Zeichnungen, Berechnungen und Tabellen hervor, und was er jetzt vor seinen Zuhörern ausbreitete, das sah schon ganz anders aus als jener erste skizzenhafte Plan. Da waren bereits die mächtigen eisernen Spundwände eingezeichnet, die man in der Trace der geplanten Deiche in die See schlagen mußte. Da sah man Elbe und Weser sich bei Cuxhaven vereinigen und in gemeinsamem Bett das offene Meer bei Helgoland erreichen. Sah Straßen, Eisenbahnen und Ortschaften, wo jetzt noch die offene See wogte.

»Was ist das?« fragte Reute und wies auf schraffierte Stellen in den projektierten Spundwänden. Fast wie Reisig sah es auf der Zeichnung aus, das eigenartig gelegt war, breit offen zu gegen die See, enger zusammenlaufend nach der Landseite.

»Sandfänger, Herr Ministerialdirektor. Jede Woge, die von außer her gegen den Damm schlägt, bringt Millionen von Sandkörnern mit sich. Herein lassen sie die Fänger, hinaus können sie nicht wieder. Ich habe die Erfindung gründlich ausprobiert, bevor ich sie in mein Projekt einsetzte. Die Verlandung hinter den Deichen wird rapid fortschreiten, sobald die Wände einmal stehen und die Fänger eingebaut sind.«

Während Professor Eggerth dem Ministerialdirektor die Einzelheiten seines Planes weiter erläuterte, hatte der Minister für sich eine Rechnung aufgemacht.

»Es wird Eisen kosten, Herr Professor«, sagte er, als er mit seiner Rechnung zu Ende war, »so etwa fünf Millionen Tonnen Eisen wird Ihr Damm verschlingen. Viel Eisen, Herr Professor ... wo sollen wir das hernehmen?«

»Aus dem Bolidenkrater, Herr Minister.«

Der warf den Bleistift hin und lachte laut auf. »Wie konnte ich das vergessen. Natürlich haben Sie recht. Dort liegt ja gediegenes Eisen in unerschöpflichen Mengen. Die Frage um das Eisen braucht uns wahrhaftig keine Kopfschmerzen zu machen.«

Auch Professor Eggerth hatte zum Bleistift gegriffen und rechnete, während er sprach. »Hundert Tonnen kann ein Stratosphärenschiff mitnehmen. Gibt fünfzigtausend Schiffsladungen. Wenn das Reich für diesen besonderen Zweck seine schweren Stratosphärenbomber zur Verfügung stellt und wir unsere Werkflotte hinzunehmen, könnten wir tausend Schiffe einsetzen. Daraus ergäbe sich eine fünfzigmalige Fahrt der ganzen Flotte. Rechnen wir einen halben Tag für Laden und Entladen, einen Tag hin und einen Tag zurück, so ergeben sich hundertfünfundzwanzig Tage. In vier Monaten könnten wir alles Eisen, das wir für das Projekt brauchen, hier in unsern Walzwerken haben.«

»Wir werden es hier haben, Herr Professor,« der Ton, in dem der Minister die Worte sprach, ließ keinen Zweifel daran, daß er entschlossen war, das Projekt tatkräftig anzupacken.

»Kosten ...? Arbeitskräfte? ...« Wie Stichworte warf Reute es in die Unterredung; Professor Eggerth griff es auf, als ob er darauf gewartet hätte.

»Ich rechne zunächst nur mit zehntausend Mann auf etwa einem Dutzend Baustellen an deutschen Küsten. Technisch könnte man auch anders vorgehen und sofort an hundert Stellen in der offenen See von Pontons aus mit den Arbeiten beginnen. Aus den politischen Gründen, die Sie bereits erwähnten, Herr Reute, halte ich es aber für zweckmäßig, nur an unsern Küsten anzufangen, so daß sich das ganze wirklich wie eine natürliche Verlandung abspielt. Ich habe hier einen Arbeitsplan entworfen.« Professor Eggerth breitete einen neuen Plan vor seinen Zuhörern aus und zeigte auf die Daten, die an verschiedenen Stellen eingetragen waren.

»Ich habe die Zeiten so eingesetzt, daß die eisernen Spundbohlen in dem gleichen Tempo in den Seegrund geschlagen werden können, in dem sie von den Walzwerken angeliefert werden. Hier haben Sie ...«, der Professor legte ein anderes Blatt auf den Tisch, »... einen Arbeitsplan für unsere Hütten- und Walzwerke. Ich habe aus gutem Grunde von Neuanlagen abgesehen und lediglich eine forcierte Ausnutzung der vorhandenen Einrichtungen eingesetzt. Das war möglich, weil es sich bei dem reinen Kratereisen ja nicht mehr um die Verhüttung eines Erzes, sondern nur um ein einfaches Niederschmelzen handelt. Wenn wir nach diesem Plan hier arbeiten, können die Dämme in ihrer ganzen Länge heut übers Jahr stehen. Ein zweites Jahr wird die vollkommene Verlandung des eingedeichten Gebietes beanspruchen. In drei Jahren werden wir mit den ersten Ernten rechnen dürfen. Die Zahl der beschäftigten Hände wächst naturgemäß in dem gleichen Maße, in dem neues Land aus der See steigt.«

Während Professor Eggerth weitersprach, wies er auf die Zahlen einer Tabelle. »Für die Ramm- und Spülarbeiten wächst die Zahl der Beschäftigten mit der Länge der Dämme. Es werden schließlich 50 000 Mann am Werk sein, und das Aufbringen einer fruchtbaren Schlick- und Humusdecke wird das Heer der Werktätigen auf hunderttausend bringen. Gleichzeitig setzt in diesem Stadium schon die Anlage von Bahnen, Straßen und Ortschaften ein. Hier ließ ich mich von den Erfahrungen leiten, die Deutschland bereits in früheren Jahren mit der Ausnutzung urbar gemachter Gebiete sammeln konnte. Die Arbeiten schreiten in einem solchen Tempo fort, daß sie die allgemeine Wirtschaftslage auf lange Zeit beleben, aber keine überhitzte Hochkonjunktur schaffen.«

Der Minister nickte zustimmend.

»Wie berechnen Sie die Kosten, Herr Professor?« fragte Reute. Professor Eggerth zog eine Rentabilitätsberechnung aus seiner Mappe. Seiten voller Zahlen. Millionen von Tagewerken, Aufstellungen über Materialkosten. Er schlug die Blätter um, bis er zu den Schlußergebnissen kam.

»Hier haben Sie das Fazit, meine Herren. Das Neuland aus der See stellt sich billig. Zweihundert Mark werden wir für den Morgen fruchtbaren Marschlandes aufzuwenden haben, einen Betrag, um dessen Verzinsung und Amortisation wir uns wirklich keine Sorgen zu machen brauchen.«

»Das wäre in der Tat tragbar«, sagte Reute. »Ist es sicher, daß wir damit auskommen?« Der Professor schob ihm den Kostenanschlag zu und erhob sich.

»Meine Herren, ich lasse Ihnen die sämtlichen Unterlagen zur genauen Nachprüfung hier, überzeugen Sie sich selbst von der Richtigkeit meiner Aufstellungen und geben Sie mir Nachricht, wenn endgültige Entschlüsse gefaßt worden sind.«

Für einen Augenblick herrschte Schweigen. In die Stille fielen die Worte des Ministers.

»Wir werden einen Mann brauchen, der die Ausführung dieses Riesenprojektes in die Hand nimmt. Keinen besseren wüßte ich dafür als Sie, Herr Professor.«

Nachdenklich legte Professor Eggerth die Fingerspitzen seiner beiden Hände zusammen. »Ich habe es mir gedacht, Herr Minister, daß man mich eines Tages vor diese Aufgabe stellen könnte. Ich bin dazu bereit, denn ich glaube, daß ich sie besser als mancher andere zu lösen vermag. Doch vorerst muß der Plan beschlossen sein. Ich stehe dann zu Ihrer Verfügung. Vergessen Sie nicht, daß wir schnell arbeiten müssen.« – –

Ein Händedruck, eine kurze Verbeugung, Professor Eggerth ging aus dem Zimmer. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloß.

»Ein Kerl von Format«, sagte Reute bewundernd.

Während der nächsten Stunden vertieften sich der Minister und Ministerialdirektor Reute in die Unterlagen, die ihnen Professor Eggerth dagelassen hatte, und bevor der Abend hereinbrach, entstand in gemeinsamer Arbeit der beiden ein Dokument, keine dicke Schrift, sondern nur ein kurzes Exposé, das in knappster Form von wenigen Seiten alle Für und Wider des Projektes abwog. Es bildete die Unterlage für die folgende Kabinettssitzung, in der die Durchführung des Eggerth-Planes beschlossen wurde. Schon vierundzwanzig Stunden später stießen die ersten Stratosphärenschiffe der Reichsflotte in die Antarktis vor, um das Kratereisen zu holen, aus dem die neuen Seedeiche geformt werden sollten.

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