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Ein St. Johannis Nachts-Traum

William Shakespeare: Ein St. Johannis Nachts-Traum - Kapitel 8
Quellenangabe
typecomedy
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1993
publisherHaffmans Verlag
addressZrich
isbn3-251-20147-6
titleEin St. Johannis Nachts-Traum
pages3-5
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1762
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Dritter Auftritt.

Demetrius, welchem Helena folget

Demetrius.
                                                Was verfolgst
Du den, der dich nicht liebt? Wo ist Lysander? wo
Die schöne Hermia? jenen will ich tödten,
Und diese tödtet mich. Du sagtest mir,
Sie hätten sich in diesen Wald gestohlen;
Und hier bin ich, und wild in diesem Walde,And here am I, and Wood within this Wood. Wood heißt Wald, und heißt auch wüthend, wild; dieses dem Shakespear so gewöhnliche Spiel mit dem Schall der Worte hat im Deutschen hier nur unvollkommen ausgedrükt werden können, und wird künftig oft gar nicht geachtet werden.
Weil ich hier meine Hermia nicht entdeke.
Weg, pake dich, und folge mir nicht mehr!

Helena.
Du ziehst mich an, hartherziger Magnet,
Doch ziehest du nicht Eisen; denn mein Herz
Ist treu wie Stah'l. Hör' auf mich anzuziehen,
Und ich will unterlassen dir zu folgen.

Demetrius.
Such' ich dich zu gewinnen? Sag' ich dir
Liebkosungen? und nicht vielmehr mit runder
Aufrichtigkeit, daß ich dich weder liebe,
Noch lieben kan?

Helena.
                    – – – Und eben dessentwegen
Lieb' ich dich desto mehr; ich bin dein Hündchen,
Demetrius! das nur destomehr liebkoset,
Je mehr du's schlägest. Halte mich nur so,
Als wie dein Hündchen, scheuche, schlage mich,
Vergiß, verliehr' mich, nur erlaube mir,
So werthlos als ich bin, dir stets zu folgen;
Welch schlechtern Plaz kan ich in deiner Liebe
Erfleh'n, (und doch ist er in meinen Augen hoch!)
Als daß du mich wie deinen Hund nur haltest?

Demetrius.
Reiz nicht zu sehr den Abscheu meiner Seele;
Mir wird schon übel, wenn ich dich nur sehe.

Helena.
Und mir ist übel, wenn ich dich nicht sehe.

Demetrius.
Du sezest deine Tugend in zu grosse
Gefahr, die Stadt so zu verlassen, und
Dich in die Hände eines Manns, der dich
Nicht liebt zu liefern, und der lokenden
Bequemen Nacht, und dieses öden Waldes
Versuchung, deiner jungferlichen Ehre
Kostbaren Werth so sorglos zu vertrauen.

Helena.
O! Meine Sicherheit ist deine Tugend!
Und darum, däucht mich, bin ich nicht im Dunkeln.
Es ist nicht Nacht, wenn ich dein Antliz sehe;
Auch fehlt es diesem Hayne nicht an Welten
Gesellschaft; denn für mich bist du die ganze Welt.
Wie kan man denn, daß ich allein sey, sagen,
Wenn alle Welt hier ist, und auf mich schaut?

Demetrius.
Ich werde von dir rennen, in das Farrenkraut;
Mich dort versteken, und den wilden Thieren
Dich überlassen – – –

Helena.
                            – – – O! das wildeste
Hat kein solch Herz wie du! Flieh', wenn du willst,
Flieh' nur, so wird sich die Geschichte drehen,
Apollo flieh'n, und Daphne ihn verfolgen.
Die Daube jagt den Gey'r, die sanfte Hindin eilt
Den Tyger zu erhaschen. Schwaches Eilen!
Wenn Zagheit jagt, und Dapferkeit entflieht.

Demetrius.
Ich will nicht länger säumen, deine Fragen
Zu hören. Laß mich geh'n; und folgst du mir,
So glaube nur, ich füge dir ein Leid
In diesem Holze zu – –

Helena.
                                – – O! in der Stadt
Im Feld, im Tempel fügst du Leid mir zu!
O! schäme dich, Demetrius, deine Härte
Entehret mein Geschlecht. Wir können nicht
Für Liebe fechten, wie die Männer mögen;
Gesucht zu werden, und nicht selbst zu suchen,
Sind wir gemacht! – –jedoch, ich folge dir;
Und selbst der Tod von dieser werthen Hand
Wird eine Hölle mir zum Himmel machen.

(Sie gehen ab.)

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