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Ein St. Johannis Nachts-Traum

William Shakespeare: Ein St. Johannis Nachts-Traum - Kapitel 5
Quellenangabe
typecomedy
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1993
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20147-6
titleEin St. Johannis Nachts-Traum
pages3-5
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1762
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Vierter Auftritt.

Squenz, Schnok, Zettel, Flaut, Schnauz und Schluker treten auf.

Squenz.
Ist die Companie beysammen?

Zettel.
Es wär' am besten, ihr rieffet sie alle Mann für Mann auf, wie es der Rodel giebt.

Squenz.
Hier ist die Liste von jedermanns Namen, der in ganz Athen für tüchtig gehalten wird, in unserm Zwischenspiel vor dem Herzog und der Herzogin zu spielen, an seinem Hochzeittag zu Nacht.

Zettel.
Vor allen Dingen, guter Peter Squenz, sagt uns, wovon das Stük handelt; dann leset die Namen von den Agenten, und so eins nach dem andern.

Squenz.
Sapperment! es ist die höchstklägliche Comödie, und der jämmerliche Tod von Pyramus und Thisbe.

Zettel.
Ein recht gutes Stük Arbeit, ich kan's euch sagen; und lustig! Izt, wakrer Peter Squenz, ruft euere Agenten nach dem Rodel auf – – ihr Herren! macht euch fertig!

Squenz.
Antwortet wie ich euch ruffe. Claus Zettel, der Weber!

Zettel.
Hier! Nennet meinen Part, und weiter!

Squenz.
Ihr, Claus Zettel, seyd für den Pyramus hingesezt.

Zettel.
Was ist Pyramus? Ein Liebhaber oder ein Tyrann?

Squenz.
Ein Liebhaber, der sich selber nur auf eine recht galante Art aus Liebe ersticht.

Zettel.
Das wird einige Zähren erfodern, wofern es recht gemacht werden soll. Wenn ich es mache, dann mögen die Zuschauer zu ihren Augen sehen! Ich will Stürme erregen, ich will condolieren, daß es eine Art haben soll! weiter! – – – – Aber meine gröste Declination ist zu einem Tyrannen. Ich wollte einen Herkles spielen, etwas rares! Oder einen Part, wo ich ein Vorgebürg einreissen müßte, daß alles zersplitterte – – »Der Felsen Schooß und toller Stoß zerbricht das Schloß der Kerkerthür, und Febbus Karr'n, Kommt angefahr'n, und macht erstarr'n, des stolzen Schiksals Zier!« – – Das gieng hoch! – – Namset izt die übrigen Agenten – – Das war Herklessens Ader! Eine Tyrannen-Ader! Ein Liebhaber geht schon gravitätischer.

Squenz.
Franz Flaut, der Blasbalg-Fliker.

Flaut.
Hier, Peter Squenz.

Squenz.
Ihr müßt Thisbe über euch nehmen.

Flaut.
Was ist Thisbe? Ein irrender Ritter?

Squenz.
Es ist die Princessin, in die Pyramus verliebt ist.

Flaut.
Nein, mein Six! gebt mir keinen Weiber-Part, ich fange schon an einen Bart zu bekommen.

Squenz.
Das ist all eins! Ihr müßt in einer Maske spielen; und ihr könnt so zart reden, als ihr wollt.

Zettel.
Wenn ich mein Gesicht verbergen darf, so gebt mir Thisbe auch; ich will mit einer monstrosen zarten Stimme reden – – »Thisne, Thisne, ach! Pyrimus, mein Liebster werth, dein' Thisbe zart, dein Liebchen zart« – –

Squenz.
Nein, nein, ihr müßt beym Pyramus bleiben, und Flaut muß Thisbe seyn.

Zettel.
Gut! fortgefahren!

Squenz.
Max Schluker, der Schneider.

Schluker.
Hier, Peter Squenz.

Squenz.
Max Schluker, ihr müßt Thisbes Mutter seyn. Hans Schnauz, der Keßler!

Schnauz.
Hier, Peter Squenz.

Squenz.
Ihr, des Pyramus Vater, ich selbst Thisbes Vater. Schnok, der Schreiner, ihr macht des Löwen Part. Ich hoffe, nun ist unsre Comödie in der Ordnung.

Schnok.
Habt ihr des Löwen Part geschrieben? Wenn es ist, so seyd so gut und gebt ihn mir; denn ich bin nicht gar fix zum Studieren.

Squenz.
Ihr könnt ihn ex tempore machen; denn es ist weiter nichts zu thun, als zu brüllen.

Zettel.
Gebt ihr mir den Löwen noch dazu; ich will brüllen, daß es den Leuten im Herzen wohl thun soll; ich will brüllen, daß der Herzog sagen soll: Laßt ihn noch einmal brüllen, laßt ihn noch einmal brüllen!

Squenz.
Wenn ihr es gar zu gut machtet, so könntet ihr die Herzogin und die Damen so erschreken, daß sie zu schreyen anfiengen, und das wäre genug, uns alle an den Galgen zu bringen.

Alle.
Ja, das würde uns jeden Mutter-Sohn hängen.

Zettel.
Sapperment! Das glaub ich wol, wenn wir sie erst aus ihren fünf Sinnen schrekten, so würden sie nicht mehr Secretion haben, als uns aufzuhängen. Aber ich will meine Stimme schon aggraviren, ich will euch so artig brüllen wie irgend eine junge Daube, ich will euch brüllen, als ob es eine Nachtigall wäre.

Squenz.
Ihr könnet keinen andern Part machen als den Pyramus; denn Pyramus ist ein Mann mit einem Weibergesichtchen, ein sauberer Mann als man irgend an einem Sommers-Tag sehen mag, gar ein hübscher Junker-mässiger Mann; und also müßt ihr nothwendig den Pyramus machen.

Zettel.
Gut, ich will ihn auf mich nehmen. Mit was für einem Bart wollt ihr, daß ich spielen soll?

Squenz.
Wie? Was für einen ihr wollt!

Zettel.
Mir gilt es auch gleich; ich will ihn entweder in euerm strohfarbnen Bart machen, oder in euerm orangebraunen Bart, oder in euerm carmesin-rothen Bart, oder in euerm französisch-kron-farbnen Bart, in euerm hochgelben!

Squenz.
Etliche von unsern französischen Kronen haben gar kein Haar mehr, und das liesse als ob ihr gar mit einem kahlen Gesicht spieltet. Aber, ihr Herren, hier sind eure Pärte, und ich bitte, ermahne und ersuche euch, sie bis morgen Nachts auswendig zu lernen, und in den Schloßwald, eine halbe Stunde von der Stadt, wieder zu mir zu kommen, damit wir dort beym Mondschein probieren; denn wenn wir in der Stadt zusammen kämen, so würden wir Zuhörer kriegen, und die Sache käme aus. Unterdessen will ich einen Aufsaz von den Zurüstungen machen, die wir zu unserm Spiele nöthig haben. Ich bitte, bleibt mir nicht aus.

Zettel.
Wir wollen kommen! Der Einfall ist gut; wir können im Wald obscener und herzhafter probieren.

Squenz.
Bey des Herzogs Eiche wollen wir einander antreffen.

Zettel.
Genug, die Stränge mögen halten oder brechen! – –

(Sie gehen alle ab.)

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