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Ein St. Johannis Nachts-Traum

William Shakespeare: Ein St. Johannis Nachts-Traum - Kapitel 20
Quellenangabe
typecomedy
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1993
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20147-6
titleEin St. Johannis Nachts-Traum
pages3-5
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1762
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Achter Auftritt.

Oberon und Puk.

Oberon.
Diß ist dein Fehler; stets versieh'st du was;
Doch bist du Schelms genug, vielleicht es gar
Mit Fleiß gethan zu haben – –

Puk.
                                        Glaubet mir,
König der Schatten, ich versahe mich.
Ihr sagtet ja, ich würde meinen Mann
An seinem Attischen Habit erkennen,
Und dieser täuschte mich; doch da der Irrthum
Nun einmal, ohne meine Schuld, begangen ist,
So freut mich's, weil mich diese Zänkerey
Kurzweilig däucht – –

Oberon.
Du siehest, diese Nebenbuhler suchen
Sich einen Plaz zum Fechten. Eile dann,
Robin, umzieh' die heitre Nacht mit Dunkel,
Und hülle das gestirnte Firmament
In Nebel ein, schwarz wie der Acheron;
Und führe diese Streiter so vonsammen,
Daß keiner in den Weg des andern komme.
Bald bilde deine Zunge gleich Lysanders,
Durch bittern Schimpf Demetrius aufzureizen,
Und bald Lysandern mit Demetrius Stimme;
Treib sie so lang umher, doch stets entfernt,
Bis über ihre Augenlieder
Der Schlaf mit Leder-Flügeln und mit Füssen
Von Bley, dem Tod nachäffend kriecht, dann lege
Diß Kräutchen auf Lysanders Augen, welches
Die Kraft besizt, von ihnen allen Irrthum
Hinweg zu thun, und nach gewohnter Art
Sie seh'n zu machen. Wenn sie dann erwachen,
So wird sie dünken, dieses ganze Spiel
Sey nur ein Tand, ein eitles Nachtgesicht
Der Scherz von einem Sommertraum gewesen;
Und durch ein Band verknüpft, das nur der Tod soll lösen,
Wird jedes Liebespaar sich nach Athen
Zurük begeben. Weil du diß verrichtest,
Will ich zu meiner Königin, von ihr
Die Ursach unsers Streits, den Indischen Knaben
Zu fordern; giebt sie ihn, so will ich ihr
Bezaubert Auge von dem Schwindel heilen,
Der für ein Ungeheuer sie entzükt;
Und alle Fehde soll in süssem Frieden enden.

Puk.
Diß muß, o Geisterfürst, in Eil verrichtet werden;
Die schnellen Drachen die den Wagen ziehen
Der braunen Nacht, durchschneiden schon die Wolken
Mit größrer Hast, und dorten scheint Aurorens
Vorläuffer schon, bey dessen Ankunft
Umirrende Gespenster schaarenweise
Heim zu Kirchhöfen eilen; Schon sind alle
Verdammten Geister, die in Scheidewegen
Und in den Fluthen ihr Begräbniß haben,
Zu ihrem Würmer-vollen Bette bebend
Zurük gekehrt; aus Furcht, der lezte Tag
Möcht' ihre Schande seh'n, verbannen sie
Freywillig sich vom Licht, und bleiben
Auf ewig zu der schwarzen Nacht gesellt.

Oberon.
Doch wir sind Geister einer andern Art.
Oft hab' ich mit dem Morgenlicht gescherzt,
Und mag so lang die Hayne, wie ein Jäger
Durchtraben, bis des Himmels Pfort' in Osten
Ganz feuerroth, sich gegen den Neptun
Mit weit umher ergoßnen Stralen öffnend,
All seine grünen Ström' in Gold verwandelt.
Doch eile drum nichts minder, zög're nicht,
Vor Tag kan alles schon verrichtet seyn.

(Oberon geht ab.)

Puk.
Auf und ab, auf und ab,
Führ' ich sie in schnellem Trab
Kobolt, führ' sie auf und ab.
Hier kömmt einer – –

Demetrius tritt auf.

Demetrius.
Lysander, sprich noch einmal,
Du Hasenherz, du feige Memme, du,
Bist du entlauffen? Sprich aus irgend einem Busch?
Wo hast du dich verstekt?

Puk.
Du, Memme selbst, wie? prahlst du zu den Sternen,
Sag'st zu den Stauden, daß du fechten wollest,
Und darfst nicht kommen? Komm, du kleiner Bube,
Die Ruthe sollst du haben; er ist fort
Der gegen dich ein Schwerdt gezogen.

Demetrius.
Ha, bist du dort – –

Puk.
Folg' meiner Stimme nach,
Hier ist kein Plaz zum Fechten.

(Sie gehen ab.)

Lysander kömmt zurük.

Lysander.
Stets läuft er vor mir her, und fordert mich
Heraus, und wenn ich komme wo er hin mich ruft,
So ist er fort; der Schlingel ist
Schnell-füssigter als ich, ich folgt' ihm schnell,
Doch er floh' schneller noch: Nun bin ich hier
In diesen dunkeln und unebnen Weg
Gerathen, und hier will ich ruhen. Komm,
Du holder Tag, (er legt sich;) denn zeigst du mir nur einst
Dein graues Licht, so will ich bald ihn finden,
Um diesen Hohn an ihm zu rächen.

Puk und Demetrius kommen zurük.

Puk.
Ho! ho! du Memme, warum kommst du nicht?

Demetrius.
Komm näher, wenn du darfst; ich weiß es wol,
Daß du von Ort zu Ort mir stets entläufst,
Und darfst nicht steh'n und mir ins Antliz sehen.
Wo bist du?

Puk.
                    Komm du nur hieher, hier bin ich!

Demetrius.
Du äffest mich; du sollt es theur bezahlen,
Wenn ich je dein Gesicht bey Tag erblike.
Izt, pake dich, mich zwingt die Mattigkeit,
Auf dieses kalte Bette mich zu streken.
Erwarte bey des Tages Anbruch mich!

(Er ligt nieder.)

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