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Ein St. Johannis Nachts-Traum

William Shakespeare: Ein St. Johannis Nachts-Traum - Kapitel 12
Quellenangabe
typecomedy
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1993
publisherHaffmans Verlag
addressZrich
isbn3-251-20147-6
titleEin St. Johannis Nachts-Traum
pages3-5
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1762
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Siebender Auftritt.

Demetrius, und Helena, die ihm nacheilt.

Helena.
Steh' hier, Demetrius, wär's auch mich zu tödten!

Demetrius.
Ich sag's dir, weg, und jage mich nicht so!

Helena.
Ach! willt du hier im Dunkeln mich verlassen?

Demetrius.
Bleib wo du willt, ich will alleine geh'n.

(Demetrius geht ab.)

Helena.
O! ich bin athemlos von dieser Jagd.
Glüksel'ge Hermia, wo du izt auch ligst,
Dich hat des Himmels Gunst allein mit Augen
Die Seelen an sich zieh'n, begabt.
Was machte sie so glänzend? wahrlich nicht
Gesalzne Thränen; diese waschen öfter
Die meinen als die ihrigen! Nein! ich bin
So häßlich als ein Bär, die Thiere selbst
Die mir begegnen flieh'n erschrekt von mir.
Was Wunder, daß, wenn mich Demetrius sieh't,
Er meine Gegenwart wie eines Scheusals flieht.
Welch ein verwünschtes lügenhaftes Glas
Beredte mich, mit Hermias Sternen-Augen
Die meinen zu vergleichen! – – Wer ist hier?
Lysander auf dem Grund! todt oder schlafend?
Ich sehe weder Blut noch Wund'. Erwache
Lysander, wenn du lebst, so höre mich!

Lysander erwachend.
Und durch die Flammen selbst renn' ich für dich!
Glanzreiche Helena! welch eine Kunst,
Beweiset die Natur, die mich dein Herz
Durch deinen Busen sehen läßt!
Wo ist Demetrius? O! verhaßter Name,
Gemacht, auf meinem Schwerdte zu ersterben.

Helena.
O! Sprich nicht so, Lysander, sprich nicht so!
Liebt er gleich deine Hermia! was ists mehr?
Sie liebet doch nur dich; drum sey zufrieden!

Lysander.
Mit Hermia? Wahrlich, nein! wie reuen mich
Die freudenlosen Augenblike,
Die sie mir stahl! Nicht Hermia, Helena
Ist's die ich liebe. Wer wird nicht den Raben
Um eine Daube tauschen? Unser Wille
Wird durch Vernunft beherrscht, und diese sagt,
Du sey'st die Liebenswerthere unter beyden.
Was noch erst wächßt, reift nicht vor seiner Zeit!
So reift' ich, noch zu jung, nicht zur Vernunft
Bis diesen Augenblik. Izt da mein Wachsthum
Den Punct der Reiff erreicht hat, ist Vernunft
Der Marschall über meinen Willen,
Und leitet mich zu deinen Augen hin,
Der Liebe reizendste Geschichten in
Der Liebe reichstem Buch zu lesen.

Helena.
Wofür ward ich zu diesem Hohn gebohren?
Wenn hab' ich diese Schmach um dich verdient?
Ists nicht genug, ists nicht genug, o Jüngling,
Daß von Demetrius Augen ich noch nie
Mir einen günstigen Blik erwerben konnte?
Must du noch meines Unvermögens spotten?
Diß ist unedel! Ja, fürwahr, es ist!
Doch fahre wohl! Du zwingst mir's ab, zu sagen,
Daß ich dich Meister beßrer Sitten glaubte.
O! daß ein Mädchen, die ein Mann verschmäht,
Vom andern noch verspottet werden soll!

(Sie geht.)

Lysander.
Sie siehet Hermia nicht; Hier, schlaf du, Hermia!
Und möchtest du Lysandern nimmer nahen!
Denn wie das Übermaaß der angenehmsten Speisen
Den Magen nur mit grösserm Ekel drükt;
Wie Kezereyen, wenn wir sie verlassen,
Uns nur verhaßter sind, je mehr sie einst uns täuschten,
So sey du, meine Unverdaulichkeit,
Und meine Kezerey,Man hat, so seltsam diese Einfälle tönen, eine wörtliche Uebersezung derselben gut befunden; und wird dieses noch öfters thun, damit die Leser den Shakespear auch von dieser Seite kennen lernen. von aller Welt
Gehasset, doch von niemand mehr als mir!
Und alle Kräfte meines Wesens sollen,
Für Helena zu Liebestrieben werden.

(Er geht ab.)

Hermia.
Hilf mir, Lysander! hilf! ich flehe dir,
Reiß diese Schlang' aus meiner Brust! – – Weh mir!
Was für ein Traum war das! Lysander! sieh'
Wie ich vor Schreken schlottre – – Eine Schlange,
Fraß, däuchte mich, mein Herz, und du
Sah'st lächelnd zu! – – Lysander! – – wie? Entfernt?
Lysander! Freund! Wie bist du denn so ferne,
Daß du nicht hören kanst? – – Kein Wort, kein Laut!
Ach, ach! wo bist du, sprich, wenn du noch hör'st,
O sprich, um aller Liebesgötter willen!
(Mir wird vor Angst ohnmächtig) – – Nun? – – Ich will
Es bald erfahren, ob du ferne bist.
Ich geh' den Tod zu finden, oder dich.

(Geht ab.)

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