Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Heinrich Seidel >

Ein Skizzenbuch

Heinrich Seidel: Ein Skizzenbuch - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleEin Skizzenbuch (Gesammelte Schriften, VI. Band)
authorHeinrich Seidel
firstpub1878-1886
year1889
publisherA. G. Liebeskind
addressLeipzig
titleEin Skizzenbuch
created20070612
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Ein Skizzenbuch.

Neue Geschichten

von

Heinrich Seidel.

 


 

Leipzig
A. G. Liebeskind.
1889.

 


 

V Meinem Bruder Hermann

                            zugeeignet.

 


 

      VI Waldesrauschen, wunderbar
Hast du mir das Herz getroffen.
Lenau.

 

      Tief die Welt verworren schallt,
Oben einsam Rehe grasen.
Eichendorff.

 

  Waldeinsamkeit,
Die mich erfreut.
Tieck.

 


 

VII An Hermann.

Der Geist des Waldes spricht:

        »Kennst du mich noch? Ich bin der Geist des Waldes,
Des Heimathwaldes, der dich einst umrauschte.
Von meines Sees vielgeliebter Fluth,
Von meinen Buchen, meinem Tannengrün
Macht' ich mich auf und Grüsse bring' ich dir
Von deines Heimathlandes goldner Flur.
Wir kannten uns gar wohl. In meinem Reich
Warst du ein steter Gast. Du liebtest mich,
Du liebst mich auch noch heut, das weiss ich wohl,
Dir ist vertraut noch heut des Windes Wehn,
Der bald mit Brausen meine Wipfel beugt
Und bald im Blattwerk lieblich singt und säuselt.

VIII Dir ist vertraut des Morgens blanke Frische,
Des Mittags träumerische Gluth – der Abend,
Wenn hinter dunklen Wipfeln sinkt die Sonne,
Und still der Tag im Glanz des Abendrothes
Dahinstirbt. – Du vernimmst im Geist das Rauschen
Des Sees noch, der an sein Ufer wallt,
Du siehst ihn schimmernd glatt dahingestreckt,
Ein Silberspiegel für des Himmels Glanz,
Du hörst ihn noch, wie er zur Winterszeit
Mit mächt'gem Donner seine Fesseln sprengt.

Vor Allem aber war dir lieb und werth
Die vielgestalt'ge buntgefärbte Schaar
Der Vögel, wie sie gross und klein, vom winz'gen
Zaunkönig bis zum mächt'gen Aar die Fluren,
Die Wälder und die Seen belebten rings.
Du liebtest sie und spürtest eifrig aus
IX Ihr Treiben und ihr Thun: Was in den Wipfeln
Sein Liedchen schlug, was auf dem Boden lief,
Was singend durch die Büsche sprang, was lieblich
Im Blau verloren jauchzend tirelirte,
Was heimlich im Geröhricht zwitscherte,
Was auf den Wassern schwamm und was im Blauen
Mit heis'rem Schrei die mächt'gen Kreise zog –
Nicht wahr, dies Alles ist dir wohl bekannt.

Ich dachte einst, du würdest bei mir bleiben,
Du dachtest selber so. Dein Streben war,
Ein Forscher einst zu werden, der im Wald
Und auf der Flur das liebliche Geheimniss
Der schaffenden Natur belauscht. – Ein Andres
Hast du erwählt, und köstlich ist auch dies.
Denn was ist besser wohl als Wunden heilen?
Was göttlicher, als Leiden zu vermindern?
Was edler, als ein Samariter sein?

X Doch schwer ist auch, was du dir auserwählt,
Der steten Mühsal und der Plage voll.
Drum, bist du von der Arbeit müd' und matt,
Lass deinen Blick auf diese Blätter schweifen,
Durch die ein Waldduft weht aus jener Zeit,
Da noch dein Ohr den holden Stimmen lauschte,
Der Wald der Heimath noch dein Haupt umrauschte.«

 

 

Inhalt.

              Der Haselwurm (1888)

Der Neuntödter (1888)

Ein Brief an den Frühling (1887)

Der Hagelschlag (1887)

Das letzte Geleit (1887)

Am See und im Schnee (1888)

Allerlei Thiere (1878)

Die Geschichte eines Thales (1886)

Die Kohlmeise (1883)

Der Goldbrunnen (1886)

Der Trilpetritsch (1886)

 

 

 Kapitel 2 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.