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Ein seltsamer Zeuge

Matthias Blank: Ein seltsamer Zeuge - Kapitel 14
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typefiction
authorMatthias Blank
titleEin seltsamer Zeuge
publisherGustav Holst, Verlagsbuchhandlung Hamburg
seriesHamburger Volksbücher
year1919
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14.

Am Ziel.

In freudiger Erwartung stand Erna Sontheimer in ihrem Zimmer.

Er war schuldlos!

Frei war er nun!

Und sie dachte dabei an den Mann, der das allein fertig gebracht hatte.

Dabei zeigte sich aber das Bild von Detektiv Steinherz nur in unklaren Umrissen, während sie Michael Gebhart deutlich vor sich sah.

Steinherz hatte die Lösung gebracht. Steinherz hatte den Mörder entdeckt, Steinherz hatte diesen überführt.

Schritte näherten sich und im nächsten Moment öffnete sich die Tür.

»Vater!«

»Erna!«

Da lagen sie sich in den Armen und hatten sich fest und innig umschlungen, damit sie nichts mehr trennen könne. Fast kein Wort wurde zwischen den zweien gesprochen; sie sahen sich nur immer wieder glückselig an.

Sie hatten sich ja wiedergefunden nach soviel Nacht und Elend.

Wie lange sie dieses Glück des ersten Wiederfindens genossen hatten, sie wußten es nicht, denn für die Glücklichen entschwindet Stunde und Zeit.

Steinherz und Michael Gebhart waren eingetreten. Steinherz trug die gewöhnliche, unscheinbare Kleidung wie immer; deshalb bildete Gebhart einen auffallenden Kontrast, denn er hatte sich in schwarze Wichs geworfen, trug eine weiße Krawatte und hielt krampfhaft die Angströhre in der Hand.

Sontheimer war sofort auf Steinherz zugeeilt und empfing ihn mit größter Herzlichkeit.

»Erna, nur diesem Manne haben wir diese glückliche Stunde zu verdanken. Wenn er nicht gewesen wäre, so hätten wir vielleicht diese frohe Stunde nicht erlebt.«

Steinherz wehrte ab.

»Nicht mein Verdienst allein! Mein Teilhaber, Herr Michael Gebhart, der auch für Sie eingetreten ist, will Ihnen Glück wünschen.«

»Sie sind es!«

Sontheimer drückte auch diesem die Hand zum Gruße und sagte mit leiser Stimme, sodaß es Erna nicht hören konnte:

»Ich weiß, was Sie für mich getan haben. Ich werde selbstverständlich meine Schuld einlösen und meine Dankbarkeit bezeugen, so gut ich kann.«

Inzwischen war Erna Sontheimer zu Steinherz hingetreten.

»Sie haben mir den Vater wiedergegeben! Sagen Sie, wie ich es Ihnen danken soll?«

»Wie?«

Ein flüchtiges Lächeln huschte über das Gesicht des Detektivs, als er dann mit lauter Stimme hinzufügte:

»Sie hatten damals gesagt, Sie würden dem, der Ihren Vater retten und ihm die Ehre wiedergeben würde, alles geben, was er von Ihnen forderte, wissen Sie es noch?«

»Ja!«

»Habe ich das gehalten?«

»Ja!«

»Gut! Dann müssen auch Sie Ihr Versprechen einlösen. Ich fordere nicht zuviel! Eine Kleinigkeit nur. Dieses zierliche Händchen und Herz – –«

Bei diesem Verlangen war Erna Sontheimer erschrocken zurückgewichen und blickte, blaß geworden, auf Michael Gebhart hin.

Dieser aber war auf Steinherz zugesprungen.

»Steinherz! Wie können Sie das fordern! Sie wissen doch alles!«

Doch der Detektiv lächelte ebenso harmlos, als er dann entgegnete:

»Ausreden lassen! Ich fordere Ihr Herz und Ihre Hand, aber nicht für mich, denn ich wäre ein solches Geschenk nicht wert, sondern für meinen Freund und Kompagnon Michael Gebhart.«

Nun aber wich der Blässe eine brennende Röte. Erstaunt sah Hans Sontheimer von einem zum anderen; ihm war das alles unverständlich; ehe er etwas antworten konnte, war Steinherz auf ihn zugegangen und sagte in seiner gewinnenden, harmlos-fröhlichen Art:

»Ich denke, wir müssen gute Miene machen. Die Beiden haben sich in Nöten und Sorgen kennen und vielleicht auch lieben gelernt, die brennenden Wangen der beiden verraten es. Not ist ein guter Kitt! Wir werden sie nicht voneinander reißen.«

Da war nun auch Gebhart vor Erna hingetreten.

»Wollen Sie mir Ihr Herz und Ihre Hand schenken? Ich will es nicht fordern, ich will, daß Sie es mir aus Liebe schenken.«

Und Erna flüchtete an die Brust des Vaters und fragte mit leiser Stimme, während sie ihr Gesichtchen an seiner Brust barg:

»Väterchen, darf ich?«

»Wenn Dein Herz es will.«

»Es will!« hauchte sie.

»Das habe ich mir ja gleich gedacht!« polterte Steinherz darein. »Was so traurig beginnt, muß immer fröhlich enden.«

*

Das Ende war fröhlich genug.

Dafür sorgte besonders Steinherz, der bei der Hochzeit ein Ehrengast war, der von Bräutigam und Braut verwöhnt wurde.

Nur einer war unter den Gästen, der nicht die richtige Fröhlichkeit finden konnte.

Emil Willig, der auch den Glauben an Sontheimers Schuldlosigkeit in den Tagen der härtesten Prüfung bewahrt hatte. Er mußte an den Toten denken! Wenn er auch eine harte Natur besaß, wenn er auch stets ohne Rückerinnerung mit dem unvermeidlichen Schicksal abzurechnen pflegte, ganz vergessen hatte er ihn in seinem innersten Herzen nicht.

Die alte, beliebte Firma Sontheimer war wiedererstanden und nannte sich jetzt: Sontheimer-Gebhart.

Steinherz aber hatte seinen Teilhaber dadurch verloren und mußte allein seine Firma vertreten; er konnte nun immer von sich und der Firma reden, ohne dabei eine Unwahrheit zu sagen.

Jene Photographie aber, welche die erste Anregung zu dem Aufsehen erregenden Falle gegeben hatte, nahm im Hause Gebharts einen Ehrenplatz ein.

Hatte diese auch viel Leid gebracht, so hatte er ihr doch sein Lieb zu verdanken.

Das aber wollte er ihr nie vergessen!

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