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Ein Rufer in der Wüste

Jakob Boßhart: Ein Rufer in der Wüste - Kapitel 31
Quellenangabe
typefiction
authorJakob Boßhart
titleEin Rufer in der Wüste
publisherGrethlein & Co. Leipzig-Zürich
year1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Elftes Kapitel

Dortchen

Von diesem Tage an umschlich Reinhart, wo er hinkam, ein hämisches Mißtrauen, ja, er stieß täglich auf offene oder schlecht verhüllte Feindschaft. Er fühlte, daß diese Stimmung gegen ihn im gleichen Maße wuchs, wie der Einfluß Schucharinows. Der Russe fand seine Rekruten besonders bei der Jugend. Denn dieser erscheint ein allgemeiner Kehraus immer als eine Tombola ohne Nieten. Er kürzt den Weg ab, er bringt mühelos in den Besitz der Macht, der Lebensgenüsse und alles dessen, um das man sonst in jahrelangem Kampf mit den Alten und Sesselfesten ringen muß.

In einem Teil der Jugend waltet aber auch der Glaube an die Macht des Guten und die Sehnsucht nach einer Welt des Friedens. Bei diesen Glaubenden und Sehnenden fand Reinhart seinen Anhang. Daß die Gewalt, auch wenn sie etwas Gutes will, dem Bösen dient, brauchte er diesen weichen Menschen nicht zu sagen. Aber sie waren alle in dem Gedanken aufgewachsen und befangen, daß das Heil von dem stetigen Anschwellen und dem endlichen Übergewicht des Proletariats kommen müsse. Reinhart dagegen war zu dem Glauben geführt worden, die Menschheit habe einen falschen Weg eingeschlagen, sie sei nicht noch mehr zu proletarisieren, sondern aus dem Proletarierzustand herauszuführen, von der Maschine, dem Arbeiterquartier, dem Hundertseelenhaus, dem Ohneseelenleben, dem Macht- und Geldwahn, der auch die Arbeiter ergriffen hatte, zu erlösen. Seit sich ihm einst das trübselige Haus ›Zur Hoffnung‹ in eine liebliche sonnige Gruppe von Landhäuschen aufgelöst und verklärt hatte, verfolgte ihn dieser Gedanke wie ein Paradiesestraum. Durch ein erschütterndes Ereignis wurde er in seinem Glauben bestärkt.

Dortchen, das älteste Kind Reichlings, war an einem Abend von der Mutter in den Konsum geschickt worden. Auf dem Ladentisch prahlte und lockte ein Berg von Schokoladetafeln in verführerischer Verpackung. Nun mußte in dem Kopf des sonst so ernsten und klugen Kindes eine Verwirrung entstanden sein. Es hatte Hunger, Schokolade war ihm etwas Wunderbares, weil selten zu Erlangendes. Es dachte an die Geschwister, die nicht besser daran waren als es selbst, es dachte an das Sorgengesicht der Mutter, das zu enträtseln es scharfsichtig genug war. Es dachte in seiner Verwirrung nur an das Nächste, die Folgen sah es nicht. Es ergriff in einem Augenblick, als sich die Verkäuferin bückte, eine der Tabletten und verbarg sie unter dem Schürzchen. Aber im Hinterraum des Ladens saß die Mutter der Verkäuferin, eine alte, kränkliche, ewig grantige Frau. Sie sah durch die offene Türe die Verirrung der Kleinen und rief: »Leg' es sofort wieder hin, du Diebin!« hätte das Mädchen gehorcht, so wäre vielleicht alles glimpflich abgelaufen. Aber es verlor die Besinnung nun ganz und rannte aus dem Laden. Die Verkäuferin eilte ihm nach und rief unter der Türe: »Haltet die Diebin! Nein, so was!« Vorübergehende packten das Kind und schleppten das Weinende und Zappelnde zurück. Zum weitern Unglück stand ein Polizist an der nächsten Straßenecke. Er nahm sich der Sache an und gab ihr so ein gewichtiges Aussehen. Er beschloß, Milde zu üben und das Mädchen, statt nach dem Polizeiposten, nach Hause zu führen und den offenbar auch nicht sauberen Eltern einen väterlichen Zuspruch zu halten. Damit machte er aber die Sache noch schlimmer. Denn es hatten sich in und vor dem Laden Leute angesammelt, darunter viele Kinder, denen es nun eine große Sache war, dem Mädchen im Bewußtsein der eigenen Schuldlosigkeit das Geleite zu geben, hatten sie doch alle noch nie etwas gemaust. Als der Zug sein Ziel erreichte, war das Haus zur Hoffnung schon unterrichtet und in großer Erregung und Entrüstung. Ein paar Jungen, die Dortchen von der Schule her kannten, hatten sich in heiligem Eifer zu Sendboten gemacht.

Wenn der Teufel sich einen Braten rüsten will, fehlt es ihm nie an Kohlen. An der Hausecke, gegenüber dem Restaurant ›Zur roten Fahne‹, stieß der Zug mit Benedikt Reichling zusammen, der auf der Seitenstraße in sich verloren daherkam. Ein Junge erkannte ihn und schrie: »Sie hat gestohlen, sie hat gestohlen, Dortchen Reichling hat gestohlen!« Alle andern begriffen, daß man dem Vater der Sünderin gegenüberstand und wiederholten im Chor: »Dortchen Reichling hat gestohlen! Gestohlen!« Nun erst blickte Benedikt aus sich heraus und betrachtete die Ansammlung durch seine Brille. Dortchen schrie: »Vater, Vater, hilf!« Er erkannte nun sein Kind in den Krallen des Polizisten. »Dortchen, was ist dir, mein Kind?« rief er und eilte hinzu, um dem Schutzmann seine Beute zu entreißen. Der aber stieß ihn mit der derben Faust gegen die Schulter: »Sachte, Mann!« worauf sich das Geschrei der Kinder verdoppelte. Die Alten nahmen Partei gegen den Polizisten, der in einem Arbeiterquartier immer als versteckter Feind betrachtet wird, die Jungen hingegen schrien in ihrem naiven Rechtsempfinden gegen den Vater und sein Kind.

»Wo wohnen Sie, Mann?« schnauzte der Polizist Benedikt Reichling an. Dann zu der Menge: »Geht eures Wegs, ihr habt da nichts zu schaffen!« Die Erwachsenen ließen es sich gesagt sein, die Kinder hingegen drangen hinter dem Polizisten und seinen Opfern ins Haus und polterten, aller Abwehr zum Trotz, die Treppen hinauf und in den Gang. Bewohner des Hauses, besonders Frauen, traten aus ihren Türen, fragten, schnalzten entrüstet mit der Zunge und schüttelten die Köpfe. Der Polizist stapfte mit Dortchen in Reichlings Wohnung. Benedikt folgte ihm zusammengedrückt und etwas vor sich hin murmelnd. Auf dem Gang wurde es still, man horchte. Drinnen ertönte die tiefe, auf scharfe Worte eingestellte Stimme des Polizisten. Dann vernahm man ein lautes Ausklagen, fast einem Schrei gleich. Jemand auf dem Gang fand das lustig und platzte mit einer Lache heraus, und einige stimmten ein.

»Jetzt hat er's! Der Hochmutsnarr!« rief eine Frau.

»Und sie!« stimmte eine zweite bei und hatte alle für sich, weil Benedikt und seine Frau in ihrer Schüchternheit mit niemand im Hause verkehrten, hielt man sie für hochmütig.

Der Polizist trat heraus und schritt gravitätisch durch die Neugierigen, wie einer, der seine Pflicht redlich getan hat.

»Hat's eingeschlagen?« fragte ihn einer lachend und er erwiderte: »Nicht übel.« Er war ganz mit sich zufrieden.

Nun trat die Hausmeisterin, die einen Ausgang gemacht hatte, auf und ließ sich den Fall auseinandersetzen. Zehn Mäuler besorgten das zugleich. Gleich fing sie zu lärmen an: »So geht's mit solch vornehmen Herrschaften! Wissen nicht, wie hoch sie sich die Nase aufpflanzen und wie fest sie den Mund zuklemmen sollen! Und nun stiehlt die Diebsbagage und bringt einem die Polizei auf den Hals und die ganze Bude in einen schlechten Ruf! Ich dulde nur ehrliche Leute im Haus, das aber ist Bruch und muß fort. Den Mietzins sind sie auch seit vier Monaten schuldig. Aber wenn wir auch Verlust haben sollten, hinaus müssen sie, hinaus! Diebsbagage das!« Sie rief so laut, daß es durch alle Türen drang.

Reinhart, der auch herausgetreten war, bat: »Laßt doch diese armen Leute in Ruh.«

»Haben Sie uns was zu sagen, Sie?« rief einer, und ein zweiter: »Ist eben auch so ein Achtelskapitalist!« Man lachte.

»Wißt Ihr denn nicht, was Erbarmen ist?« redete ihnen Reinhart ins Gewissen. »Hat denn noch keiner von euch Erbarmen nötig gehabt?«

Das Wort machte sie wild. »Ihr Erbarmen brauchen wir einmal nicht, sie Rattenfänger!«

»Doch, Erbarmen braucht Ihr, denn Ihr benehmt euch erbärmlich!« übertönte sie Reinhart.

»Was sagst du?« schrie man, »willst du besser sein als wir?« Er hatte nun das ganze Haus gegen sich.

In diesem Augenblicke trat Benedikt Reichling auf den Gang. Ganz klein war er, ganz gebogen und hilflos. »Straft uns nicht noch mehr, gute Leute, meine Frau ...« Er wollte wohl um milde Gesinnung bitten, fand aber die Worte nicht und verkroch sich wieder wie ein verwundetes Tier.

Den Kindern erschien der Auftritt lustig und sie kicherten. Die Alten wurden schweigsam. Da arbeitete sich etwas wie eine Schildkröte an Reinhart heran. Es war Trude, die vom vierten Stock herabgekrochen war. Sie schaute zu Reinhart auf und fragte: »Gelt, es hat eine große Sünde begangen?«

»Wer?« fragte er. Seine Gedanken waren noch bei Benedikt.

»Das Dortchen meine ich, das böse Kind.«

»Freust du dich etwa?« fertigte er sie zornig ab.

Nun stolperte der Totengräber Unold vor. Er war betrunken und tastete mit den Fingern an der Wand, um Halt zu suchen und seine Unsicherheit zu verbergen.

»Willst du zu deinem Freund auf Visite?« polterte er gegen Trude. Man kicherte und stieß sich an. Diese Leute hatten eine eigene Art der Verständigung. Das harmloseste Wort wurde durch eine kaum merkliche Betonung mit irgendeiner Anzüglichkeit besudelt. Der Trunkenbold hatte sich nicht entblödet, sein Kind öffentlich zu beschimpfen.

In Reinhart kochten Zorn und Ekel durcheinander. Er stieß den Säufer von sich, so daß er von den hinter ihm Stehenden gehalten werden mußte. Nun brach der Sturm gegen Reinhart erst recht los, und er hielt es für geboten, sich in sein Zimmer zu retten.

In ihm wühlte Trudes Frage nach. Auf einmal meinte er den Schlüssel zum Gebaren dieser Leute in den Händen zu halten. »Jede Sühne, deren Zeugen sie sind, wird ihnen zur Erleichterung, zur Abwälzung, zur Rechtfertigung. Sie verlangen nach einem Sündenbock, der ihr eigenes Schuldkonto in die Wüste hinaus trägt und ihnen das Gefühl des Besserseins zurückläßt. Sie laden ihm so viel aufs Haupt, als sie können, ohne Mitleid, gedankenlos, in kindlicher Selbstsucht.«

Reinhart nahm an jenem Abend ein paarmal die Türklinke in die Hand, um zu Reichlings hinüber zu gehen. Aber er traute sich das Geschick nicht zu, den rechten Trost zu bringen und unterließ den Besuch, der vielleicht einen furchtbaren Entschluß verhindert hätte.

Am folgenden Tag, gegen Abend, trat Benedikt Reichling bei ihm ein. »Reden wir nicht darüber, Freund,« begann er. »Du hast gestern für mich gesprochen, habe Dank. Aber schau, es mußte alles so kommen. Es ist ganz gut so. Das arme Dortchen wird jetzt nicht mehr sündigen. Gelt, du denkst nicht schlecht von ihm? Alle Schuld trifft mich, ich bin ein unfähiger Mensch. Aber ich will alles gut machen. Man soll staunen. Ich hab' nur noch eine Sorge. Die Hausmeisterin hat uns gekündigt, ich stehe in ihrer Schuld. Sie hat es ja gestern laut genug ausgekräht. Ich möchte sie bezahlen. Ich möchte überhaupt tabula rasa machen. Drum komme ich zu dir. Du bist mein Freund und ein treuer Mensch. Versteh' mich wohl! Ich will nicht borgen, du mußt mir schenken, hörst du?«

»Ich. besitze nicht mehr viel, aber was ich habe, gehört dir. Also, wie viel bedarfst du?«

Benedikt fing an zu rechnen: »Mietzins, vier Monate, 280 Franken, Konsum, viel, 70, macht 360.«

»350,« verbesserte Reinhart.

»Um so besser! 350, Schuhmacher 36, man braucht schrecklich viel Schuhe, macht 380, 386. Metzger 17, macht 403, und Bäcker etwa 10, also rund 410 oder 415.« Sein Blick hing ängstlich fragend an Reinhart.

»Es reicht,« sagte dieser und öffnete eine Schublade.

»Dann hab' ich noch ein Anliegen. Sieh, ich bin heute ganz närrisch, man kann das schon so nennen. Ich möchte mich mit Weinlaub bekränzen. Ich möchte meiner Familie zum Abschluß des alten und zum Beginn des neuen Seins ein kleines Fest geben. Willst du auch da helfen? Wein möchte ich ihnen einmal spendieren, und eine Pastete und etwas Süßes, etwas ganz, ganz Süßes.«

Reinhart stutzte. Er mußte annehmen, das Unglück habe Benedikt überworfen. Aber er gab ihm so viel Geld, daß er seinen Plan ohne Ängstlichkeit ausführen konnte. »Ich komme dann auch einen Augenblick hinüber, darf ich?« Benedikt wehrte hastig ab: »Komm lieber nicht, mein Freund, meine Frau schämt sich so, und erst das arme Kind!« Er schüttelte Reinhart krampfhaft die Hand und verschwand.

Am folgenden Morgen, als es tagte, wurde das Haus aus dem Schlafe geschreckt. Aus Reichlings Wohnung drang Gasgeruch. Ein Schlafgänger, der im Bahnhof Nachtdienst gehabt und in der Frühe heimgekehrt war, hatte die Entdeckung gemacht und den Hausmeister geweckt. Die Türe war verschlossen, man lief nach der Polizei und zu einem Sanitätsposten. Man sprengte die Türe auf: Das Zimmer war mit Leuchtgas gefüllt. Die drei Kinder lagen auf dem Boden auf Kissen, die Eltern in den Kleidern auf dem Bett. Der Kopf der Frau Auguste hing über den Bettrand herab. Benedikt gab noch Lebenszeichen, die andern waren schon kalt.

Wieder strömte das ganze Hundertseelenhaus zusammen. Die Mehrzahl der Neugierigen waren nur halb angekleidet und barfuß. Die Gesichter voller Schreck und blaß. Man drängte sich an die Türe und starrte auf das Leichenlager. Der Totengräber stolperte heran und scherzte mit seiner Talgstimme: »Da bekomme ich, scheint's, Arbeit.« Alle blieben ernst, der Tod ist auch in der Mietkaserne eine Majestät. Die Hausmeisterin wälzte sich im Morgenrock heran und begann zu klagen: »Nichts als Unmus hat man mit dem Pack! Man denke, wenn man mit Licht ins Zimmer getreten wäre! Die Explosion! Das ganze Haus wäre auf die Gasse geflogen!« Niemand antwortete ihr. Sanitätsleute kamen und trugen Benedikt hinaus. Der Krankenwagen stand schon unten.

»Da zieht er aus und wir haben das Nachsehen mit dem Zins!« klagte die Hausmeisterin.

Reinhart, der im Begriff war, den Freund ins Spital zu begleiten, hatte dieses Wort noch aufgefangen. Er drehte sich um: »Das stimmt nicht, Frau Küderli, Herr Reichling hat Sie gestern abend bezahlt! Ich weiß es bestimmt!«

Sie wurde verlegen. »Dann hat er das Geld meinem Mann gegeben.« Als sie so log, brach ein lautes Murren gegen sie los. War das Haus am Abend gegen Reichling verbunden gewesen, so war es jetzt einig gegen die Hausmeisterin.

»Blutegel!« fauchte sie eine Frau an, und man fühlte, daß sie aller Urteil aussprach.

Sie fuhr zusammen, machte kehrt und rollte wie eine Gummikugel durch den Gang und in ihre Stube. Sie schlug die Türe zu und riegelte sie fest. Die andern gingen nach und nach lautlos davon, der letzte aber schmetterte die Etagentüre so heftig zu, daß es durch das ganze Haus krachte. Der Zorn mußte ihm die Hand geschwungen haben.

Jetzt erst begriff Reinhart das Hundertseelenhaus ganz. Es war ein Trog, in dem alles zu einem einheitlichen Teig geknetet wurde. Die Bewohner bildeten eine Gemeinschaft, eine Gemeinschaft der Armut, der Leidenschaft und des Liebens, des Neides und Hasses, alles durch das Zusammenleben vergrößert, vergrößert, aus den Gefühlen aller Einzelwesen summiert. Die gleichen Gedanken, die gleichen Gewohnheiten. Die gleichen Leiden und Freuden, die gleiche Sprache und Tracht durch alle Stuben und Stockwerke. Und wer sich nicht kneten ließ, war verfemt, war ein Fremdkörper in dem Teig und auszustoßen. Wie diese Menschen die Not des Magens teilten, so die Not der Seele. Selbst ihre Güte war hart, wie die Schwielen ihrer Hände, und ihre Teilnahme blieb auf die Mitleidenden beschränkt.

Reinhart trat in das nun ganz verlassene Totenzimmer. Er schluchzte auf bei dem Anblick der kleinen, tapferen Frau, die nun doch den Kampf aufgegeben hatte. Denn hinter ihrer feinen, stolzen Stirne mußte der entsetzliche Entschluß gereift sein. Reinhart berührte beim Abschied den blassen Scheitel Dortchens und des kleinen Kreuzträgers, dem die Last abgenommen worden war, bevor er sie recht erfahren hatte, und beschloß, das verfluchte Haus zu verlassen. Aber er verwarf den Vorsatz in der gleichen Stunde wieder, warum sollte er es besser haben als die andern? Nicht sich freimachen, sondern die andern! Nicht sich zum Richter über sie auswerfen, sondern ihre Ketten mittragen und ihren Kerker teilen. Er wußte, daß die Natur keine Uniformschneiderin ist, aber soweit sie es zuließ, sollten alle Menschen das gleiche Anrecht auf das Leben und seine Güter haben.

An jenem Tage hängte er in seinem Zimmer ein Kruzifix auf und schrieb darunter die Worte: »Komm, sieh, vollende.«

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