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Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887

Edward Bellamy: Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887 - Kapitel 24
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bellamy
titleEin Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
editorGeorg von Gizycki
year1890
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071005
projectid973f0b56
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Zweiundzwanzigstes Kapitel

Wir hatten uns verabredet, mit den Damen im Speisehause zum Mittagessen zusammenzutreffen. Da sie einige Besorgungen zu machen hatten, ließen sie uns dann am Tische zurück, wo wir uns bei Wein und Cigarren über viele Dinge unterhielten.

»Herr Doktor,« sagte ich im Laufe unseres Gesprächs, »vom moralischen Standpunkte aus betrachtet ist Ihre Gesellschaftsordnung eine solche, daß ich unvernünftig sein müßte, wollte ich sie nicht bewundern, wenn ich sie mit irgend einer anderen, die zuvor in der Welt bestanden hat, und besonders mit der meines eigenen unglückseligen Jahrhunderts vergleiche. Sollte ich heute Abend wieder in einen Starrkrampf verfallen, der so lange dauerte, wie jener andere, und sollte die Zeit inzwischen rückwärts anstatt vorwärts fließen, und ich demnach wieder im neunzehnten Jahrhundert aufwachen, so würde jeder meiner Freunde, wenn ich ihnen erzählte, was ich gesehen habe, zugeben, daß Ihre Welt ein Paradies der Ordnung, der Gerechtigkeit und des Glückes sei. Aber meine Zeitgenossen waren ein sehr praktisches Volk, und nachdem sie ihre Bewunderung für die moralische Schönheit und den materiellen Glanz des Systems ausgedrückt hätten, würden sie sogleich zu rechnen anfangen und fragen, woher Sie denn das Geld bekommen hätten, um jedermann so glücklich zu machen; denn wahrlich, um die ganze Nation in einem solchen Wohlleben, ja selbst Luxus zu erhalten, wie ich ihn um mich her sehe, dazu bedarf es eines erstaunlich größeren Reichtums, als ihn zu meiner Zeit die Nation produzierte. Wenn ich meinen Freunden nun auch in allem Übrigen die Grundzüge Ihres Systems ziemlich genau beschreiben könnte, so würde ich doch ganz außer stande sein, diese Frage zu beantworten, und infolge dessen würden sie mir, da sie sehr genaue Rechner waren, sagen, daß ich geträumt habe, und mir überhaupt nichts mehr glauben. Ich weiß, daß zu meiner Zeit in den Vereinigten Staaten bei einer absolut gleichen Verteilung des Gesamtbetrages der Jahresproduktion nicht mehr als drei- bis vierhundert DollarsZwölf- bis sechzehnhundert Mark. auf den Kopf gekommen sein würden, – nicht sehr viel mehr, als gerade hinreicht, um die notwendigen Lebensbedürfnisse zu befriedigen und sich einige wenige, wenn überhaupt irgend welche, Annehmlichkeiten zu verschaffen. Wie kommt es, daß Sie so viel mehr haben?«

»Das ist eine sehr berechtigte Frage, Herr West,« erwiderte Dr. Leete, »und ich würde Ihre Freunde nicht tadeln, wenn sie in dem von Ihnen angenommenen Falle Ihre Erzählung für ein Phantasiegebilde erklärten. Es ist eine Frage, die ich nicht auf einmal erschöpfend erledigen kann, und was die genauen statistischen Nachweise für meine allgemeinen Angaben anbetrifft, so werde ich Sie auf die Bücher in meiner Bibliothek verweisen müssen; aber es wäre gewiß bedauerlich, wenn Sie in jenem Falle durch Ihre alten Bekannten in Verlegenheit gesetzt würden, nur weil ich unterlassen hätte, Ihnen einige wenige Andeutungen zu machen.

»So lassen Sie mich denn mit einigen kleinen Punkten beginnen, in denen wir, mit Ihnen verglichen, sparen. Wir haben keine Reichs-, Staats-, Provinzial- oder städtischen Schulden, deren Zinsen wir zu zahlen hätten. Wir haben keinerlei Ausgaben für ein Kriegsheer und eine Kriegsflotte, da wir nichts dergleichen besitzen. Wir zahlen keine Steuern, und die ganze Beamtenschar, die mit deren Einziehung und Verwaltung beschäftigt war, ist daher in Wegfall gekommen.

Was unser Personal von Richtern, Polizisten, Exekutivbeamten und Gefängniswärtern anbetrifft, so unterhielt zu Ihrer Zeit Massachusetts allein deren weit mehr, als jetzt für die ganze Nation hinreicht. Wir haben keine Verbrecherklasse mehr, die davon lebt, daß sie das Vermögen der Gesellschaft beraubt. Die Anzahl der Personen, die durch körperliche Gebrechen für die werkthätige Arbeit mehr oder minder verloren sind, die der Kranken, Schwachen und Krüppel, die zu Ihrer Zeit den Gesunden so sehr zur Last fielen, ist jetzt, da Alle unter gesunden und behaglichen Bedingungen leben, auf einen kaum merklichen Bruchteil der Bevölkerung zusammengeschrumpft und verschwindet mit jeder Generation immer vollständiger.

»Ein anderer Posten, wobei wir sparen, ist die Beseitigung des Geldes und der tausend Beschäftigungen, welche mit den Finanzoperationen aller Art zusammenhingen und ein Heer von Menschen der nützlichen Arbeit entzogen. Berücksichtigen Sie auch, daß die Verschwendung, welche die sehr Reichen zu Ihrer Zeit trieben, der auf ihre eigene Person verwandte unmäßige Luxus, aufgehört hat, – freilich ein Posten, dessen Bedeutung man leicht überschätzen kann. Berücksichtigen Sie ferner, daß es keine Müßiggänger mehr giebt, weder reiche noch arme, – keine Drohnen.

»Eine sehr gewichtige Ursache der früheren Armut war die gewaltige Verschwendung von Arbeit und Material, die sich aus dem Waschen und Kochen zu Hause und der getrennten Vornahme unzähliger anderer Arbeiten ergab, auf welche wir jetzt das System genossenschaftlichen Zusammenwirkens anwenden.

»Bedeutender als alle diese Ersparnisse, ja bedeutender als alle zusammengenommen, ist diejenige, welche durch die Organisation unsrer Warenverteilung erzielt wird. Die Arbeit, welche einst von Kaufleuten aller Art, den Großhändlern, Kleinhändlern, Mäklern, Agenten, Reisenden und allen den Mittelspersonen mit unmäßiger Verschwendung von Arbeitskraft in nutzlosen Verschickungen der Waren verrichtet wurde, wird jetzt vom zehnten Teile der früher erforderlichen Anzahl von Menschen ohne unnötige Umdrehung auch nur eines Rades zu stande gebracht. Sie kennen unser Verteilungssystem schon einigermaßen. Unsre Statistiker berechnen, daß ein Achtzigstel unsrer Arbeiter ausreicht, den gesamten Verteilungsprozeß zu besorgen, der zu Ihrer Zeit ein Achtel der ganzen Bevölkerung in Anspruch nahm und der produktiven Arbeit entzog.«

»Ich fange an zu begreifen,« sagte ich, »wie Sie zu Ihrem größeren Reichtum gelangen.«

»Ich bitte um Verzeihung,« entgegnete Dr. Leete, »das können Sie bis jetzt schwerlich. Die von mir bisher erwähnten Ersparnisse an Arbeit und Material mögen vielleicht, zusammengenommen, einer Vermehrung Ihrer jährlichen Gesamtproduktion um die Hälfte gleichkommen. Diese Posten sind jedoch kaum erwähnenswert gegenüber der, jetzt beseitigten, ungeheuren Verschwendung, welche aus der Überlassung der nationalen Industrie an Privatpersonen unvermeidlich folgte. So sparsam auch immer Ihre Zeitgenossen die Konsumtion hätten einrichten mögen, und so wunderbare Fortschritte auf dem Gebiete der mechanischen Erfindungen auch gemacht worden wären, so hätten sie sich doch niemals aus dem Moraste der Armut erheben können, so lange sie an jenem Systeme festhielten.

»Man hätte eine größere Verschwendung in der Nutzbarmachung menschlicher Arbeitskraft gar nicht ersinnen können, und zur Ehre des menschlichen Verstandes sollte man dessen eingedenk bleiben, daß dieses System überhaupt nicht erfunden worden ist, sondern nur ein Überbleibsel aus einem rohen Zeitalter war, in welchem der Mangel einer festen Gesellschaftsordnung jede Art des Zusammenwirkens unmöglich machte.«

»Ich will gern zugeben,« sagte ich, »daß unser Industriesystem in moralischer Hinsicht sehr schlecht war; aber als eine Reichtum schaffende Maschine, abgesehen von ihrer moralischen Seite, erschien sie uns bewundernswert.«

»Wie ich Ihnen schon sagte,« antwortete der Doktor, »ist dieser Gegenstand zu umfassend, als daß wir ihn jetzt eingehend erörtern könnten; aber wenn es Sie wirklich interessiert, die Haupteinwände kennen zu lernen, welche wir Neueren gegen Ihr Industriesystem, verglichen mit dem unsrigen, zu machen haben, so kann ich einige derselben kurz berühren.

»Vier Arten des Verlustes waren es hauptsächlich, welche daraus entstanden, daß die Leitung der Industrie unverantwortlichen, gänzlich ohne gegenseitige Vereinbarungen handelnden Individuen überlassen wurde: Erstens der Verlust durch verfehlte Unternehmungen; zweitens der Verlust durch die Konkurrenz und die gegenseitige Feindseligkeit derer, welche ein Gewerbe betrieben; drittens der Verlust durch die periodische Überproduktion, die Krisen und die ihnen folgenden Unterbrechungen jeder Gewerbthätigkeit; viertens der Verlust, den die Nichtbeschäftigung von Kapital und von Arbeitskraft zu allen Zeiten verursachte. Jeder einzelne dieser vier großen Lecke würde, wären selbst alle anderen verstopft, hinreichen, eine Nation arm zu machen.

»Beginnen wir mit dem Verluste durch verfehlte Unternehmungen. Da zu Ihrer Zeit Produktion und Konsumtion ohne einheitliche Regelung waren, so gab es kein Mittel, zu erfahren, wie groß die Nachfrage in irgend einem Artikel oder wie groß das Angebot sei. Daher war jedes geschäftliche Unternehmen eines Privatkapitalisten ein zweifelhafter Versuch. Da ihm der Überblick über das gesamte Gebiet der Produktion und Konsumtion fehlte, wie unsre Verwaltung ihn jetzt hat, so konnte er niemals weder über die Bedürfnisse des Publikums noch über die Veranstaltungen, welche andere Kapitalisten zu deren Befriedigung getroffen hatten, genau unterrichtet sein. Wenn wir dies erwägen, werden wir uns nicht wundern, zu erfahren, daß bei jedem geschäftlichen Unternehmen die Chance zu verlieren mehrmals so groß war, wie die Aussicht auf Erfolg, und daß diejenigen, welche ihr Ziel endlich erreichten, es gewöhnlich schon wiederholt verfehlt hatten. Ein Schuhmacher, der, ehe er ein paar Schuhe zu stande bringt, immer erst das Leder für vier oder fünf Paare beim Zuschneiden verdirbt, würde, die verlorene Arbeitszeit nicht zu rechnen, ungefähr ebenso viel Aussicht haben, reich zu werden, wie Ihre Zeitgenossen sie bei ihrem System der Privatunternehmungen hatten, von denen auf vier bis fünf mißlungene durchschnittlich eine erfolgreiche kam.

»Ein anderer großer Verlust entstand durch die Konkurrenz. Das Gebiet der Industrie war ein Schlachtfeld, so weit wie die Welt, auf dem die Arbeiter in gegenseitiger Bekämpfung Kräfte verschwendeten, die, wenn sie sich, wie es heute geschieht, in einheitlichem Zusammenwirken bethätigt hätten, hingereicht haben würden, alle reich zu machen. Von Gnade und Schonung war in diesem Kriege absolut keine Rede. Wenn jemand in ein Geschäftsgebiet eindrang und mit Überlegung die Unternehmungen derjenigen, welche es vorher beherrscht hatten, zerstörte, um sein eigenes Unternehmen auf deren Trümmern aufzubauen, so ward seine That unfehlbar von allem Volke bewundert. Auch erscheint der Vergleich dieser Art des Kampfes mit dem wirklichen Kriege keineswegs gesucht, wenn man die Seelenangst und die körperlichen Leiden, die jenen Kampf begleiteten, und das Elend erwägt, welchem die Besiegten und die von ihnen Abhängigen preisgegeben waren. Es giebt nun für einen Mann der Gegenwart auf den ersten Blick nichts Erstaunlicheres in Ihrem Zeitalter, als die Thatsache, daß Menschen, welche in demselben Industriezweige thätig waren, statt, als Kameraden und Mitarbeiter zu einem gemeinsamen Werke, brüderlich miteinander zu verkehren, einander als Nebenbuhler und Feinde betrachteten, die man erwürgen und vernichten müsse. Dies erscheint sicherlich wie barer Wahnsinn, wie eine Scene aus dem Tollhause. Aber wenn man näher zusieht, erkennt man, daß es gar nichts derartiges war. Ihre Zeitgenossen mit ihrem gegenseitigen Halsabschneiden wußten sehr wohl, was sie thaten. Die Produzenten des neunzehnten Jahrhunderts arbeiteten nicht, wie die unsrigen, gemeinschaftlich für den Unterhalt der Gesamtheit, sondern jeder allein für seinen eigenen Unterhalt auf Kosten der Gesamtheit. Wenn sie bei der Arbeit zu diesem Ziele gleichzeitig den Nationalwohlstand erhöhten, so war das ein reiner Zufall. Ebenso leicht und häufig konnte es vorkommen, daß die Praktiken, durch die das eigene Vermögen vermehrt werden sollte, dem Allgemeinwohl nachteilig waren. Die schlimmsten Feinde eines Menschen waren notwendig diejenigen, die das gleiche Gewerbe betrieben; denn bei Ihrem Systeme, welches den Privatvorteil zur Triebfeder der Produktion machte, wünschte jeder Produzent, daß der von ihm erzeugte Artikel recht selten sein möchte. Es lag in seinem Interesse, daß nicht mehr davon produziert wurde, als er selbst herstellen konnte. Es war sein beständiges Bestreben, dieses hohe Ziel, soweit die Umstände gestatteten, dadurch zu erreichen, daß er diejenigen, welche in seinem Geschäftszweige thätig waren, niederschlug und entmutigte. Wenn er alle, die er konnte, aus dem Felde geschlagen hatte, war seine Politik die, sich mit denjenigen, welche er nicht besiegen konnte, zu verbinden und ihren Kampf gegeneinander in einen gemeinsamen Kampf gegen das Publikum zu verwandeln, indem sie zusammen, wie Sie es ja wohl nannten, einen Ring bildeten und die Preise bis zu dem höchsten Punkte trieben, den das Publikum noch aushielt, bevor es auf die betreffenden Artikel verzichtete. Der Herzenswunsch eines Produzenten des neunzehnten Jahrhunderts war, die Beschaffung eines unentbehrlichen Artikels allein zu beherrschen, so daß er das Volk an der Grenze des Verhungerns erhalten und für seine Artikel stets die äußersten Teuerungspreise erzielen konnte. Das nannte man im neunzehnten Jahrhunderte ein Produktionssystem. Ich überlasse es Ihnen zu entscheiden, Herr West, ob dies nicht in gewisser Hinsicht weit mehr wie ein Produktionshemmungssystem aussieht. Wenn wir einmal viel Zeit haben, will ich Sie bitten, mir genau auseinanderzusetzen, was ich nie habe begreifen können, obwohl ich ein gut Teil Studium auf die Sache verwandt habe: wie doch solche schlaue Leute, wie Ihre Zeitgenossen in vielen Hinsichten gewesen zu sein scheinen, je darauf verfallen konnten, die Sorge um den Unterhalt der Gesamtheit einer Klasse anzuvertrauen, die ein Interesse daran hatte, sie auszuhungern. Ich versichere Ihnen, daß wir uns nicht darüber wundern, daß die Welt unter einem solchen System nicht reich wurde, sondern darüber, daß sie nicht aus Mangel ganz und gar zu Grunde ging. Diese Verwunderung steigert sich noch, wenn wir einige andere gewaltige Verschwendungen betrachten, welches jenes System kennzeichneten.

»Abgesehen von der Verschwendung von Arbeit und Kapital durch falsch geleiteten Industriebetrieb und durch den beständigen Blutverlust im Konkurrenzkampfe, war Ihr System von Zeit zu Zeit Erschütterungen unterworfen, welche die Klugen sowohl wie die Thörichten, den erfolgreichen Halsabschneider sowohl wie sein Opfer zu Boden stürzten. Ich meine die in Zwischenräumen von fünf bis zehn Jahren wiederkehrenden Geschäftskrisen, welche die Industrien der Nation ruinierten, alle schwachen Unternehmungen zu Grunde richteten und die stärksten lähmten, und auf welche lange, oft mehrere Jahre dauernde Perioden sogenannter schlechter Zeiten folgten, während deren die Kapitalisten die verlorenen Kräfte langsam wiedergewannen und die Arbeiter hungerten und revoltierten. Dann pflegte wieder eine kurze Zeit günstigen Geschäftsbetriebes zu kommen, bis abermals eine Krisis und die daraus folgende jahrelange Erschöpfung eintrat. In dem Maße, als der Handel sich entwickelte und die Nationen gegenseitig voneinander abhängig machte, dehnten sich diese Krisen über die ganze Welt aus, während die Dauer des dadurch herbeigeführten Geschäftsniedergangs mit dem Gebiete, welches durch jene Erschütterungen betroffen wurde, zunahm. Je mehr die Industrien der Welt sich vervielfältigten und verwickelter wurden und je größer das in ihnen angelegte Kapital ward, um so häufiger traten diese Erschütterungen ein, bis im letzten Teile des neunzehnten Jahrhunderts zwei schlechte Jahre auf ein gutes kamen und das nie zuvor so ausgedehnte und imposante Industriesystem in Gefahr schien, unter seinem eigenen Gewicht zusammenzubrechen. Nach endlosen Erörterungen scheinen Ihre Nationalökonomen zu jener Zeit zu dem verzweifelten Schlusse gekommen zu sein, daß man diese Krisen ebensowenig verhindern oder einschränken könne, wie eine Dürre oder einen Orkan. Es blieb lediglich übrig, sie als notwendige Übel zu ertragen und, wenn sie vorüber waren, das zertrümmerte Gebäude der Industrie von neuem aufzubauen, wie die Bewohner eines von Erdbeben heimgesuchten Landes ihre Städte immer wieder auf derselben Stelle aufbauen.

»Insofern sie meinten, daß die Ursachen der Störung in ihrem Industriesystem selbst lägen, hatten Ihre Zeitgenossen sicherlich recht. Sie lagen in der eigensten Grundlage desselben und mußten notwendig immer bösartiger werden, je größer und verwickelter der Geschäftsbetrieb wurde. Eine dieser Ursachen war der Mangel jeder gemeinsamen Leitung der verschiedenen Industrien und die daraus folgende Unmöglichkeit ihrer geregelten und ebenmäßigen Entwicklung. Sie kamen unaufhörlich aus Schritt und Tritt und verloren den Zusammenhang mit dem herrschenden Bedarf.

»Um diesen zu beurteilen, gab es kein Merkmal, wie es uns die Organisation der Warenverteilung liefert, und das erste Zeichen, daß er in irgend einem Geschäftszweige überschritten war, war das Fallen der Preise, der Bankerott der Produzenten, die Einstellung der Produktion, die Herabsetzung der Löhne und Entlassung der Arbeiter. Dieser Prozeß vollzog sich in manchen Industrien selbst in den sogenannten guten Zeiten fortwährend; aber eine Krisis trat nur dann ein, wenn die betroffenen Industriegebiete sehr ausgedehnte waren. Der Markt war dann mit Artikeln überfüllt, von denen niemand selbst bei niedriger Preisstellung über seinen Bedarf hinaus etwas abnehmen wollte. Da die Löhne und die Gewinne derer, welche jene überflüssigen Artikel herstellten, sich verringerten oder ganz aufhörten, so war die Kaufkraft dieser letzteren als Konsumenten anderer Waren, von denen zuvor noch kein Überfluß vorhanden gewesen war, vermindert oder aufgehoben: und infolgedessen trat auch auf Gebieten, in welchen noch keine Überproduktion stattgefunden hatte, eine Überfüllung des Marktes ein, bis die Preise heruntergingen und die Hersteller der betreffenden Waren arbeits- und brotlos wurden. Dann war die Krisis recht ordentlich im Gange und nichts konnte ihr Einhalt thun, bis das Vermögen einer Nation verloren war.

»Eine gleichfalls in Ihrem System liegende Ursache häufiger und immer schwererer Krisen war Ihr Geld- und Kreditverkehr. So lange sich die Produktion in vielen Privathänden befand, und Kauf und Verkauf zur Befriedigung der Bedürfnisse unumgänglich waren, war das Geld notwendig. Es unterlag aber dem augenscheinlichen Einwande, daß es an die Stelle von Nahrung, Kleidung und anderen Dingen einen bloß durch Übereinkommen angenommenen Vertreter derselben setzte. Die Begriffsverwirrung, welche hierdurch begünstigt wurde, führte zu Ihrem Kreditsystem mit seinem erstaunlichen Truge. Schon daran gewöhnt, Geld für Waren anzunehmen, nahm das Publikum demnächst Versprechungen für Geld an und hörte schließlich überhaupt auf, hinter dem Repräsentanten das repräsentierte Ding zu suchen. Geld war ein Zeichen für wirkliche Waren; aber der Kredit war bloß das Zeichen eines Zeichens. Für Gold und Silber, das ist wirkliches Geld, gab es eine natürliche Grenze, für den Kredit nicht, und das Ergebnis war, daß der Kredit, das ist das Versprechen von Geld, aufhörte, in irgend einem festzustellenden Verhältnisse zu dem Gelde oder gar zu der Ware zu stehen, welche wirklich vorhanden war. Unter einem solchen System mußten häufige und regelmäßig wiederkehrende Krisen mit derselben Naturnotwendigkeit eintreten, als ein Gebäude zusammenstürzt, dessen Schwerpunkt über seinen Unterstützungspunkt hinausragt. Es war eine Ihrer willkürlichen Annahmen, daß nur die Regierung und die von ihr autorisierten Banken Geld auf den Markt brächten, während doch ein Jeder, der für einen Thaler Kredit gewährte, sich in diesem Maße an der Emission von Geld beteiligte, welches ebenso gut wie jedes andere den Geldumlauf anschwellen machte, bis die nächste Krisis eintrat. Die gewaltige Ausdehnung des Kreditsystems war ein Kennzeichen der letzten Jahrzehnte des neunzehnten Jahrhunderts und erklärt zum großen Teile die fast unaufhörlichen Geschäftsstockungen jener Zeit. So gefährlich auch der Kredit war, so konnten Sie ihn doch nicht entbehren, da er bei dem Mangel jeder staatlichen oder sonst öffentlichen Organisation des Kapitals des Landes Ihr einziges Mittel zur Konzentrierung und Heranziehung desselben zu den industriellen Unternehmungen war. Auf diese Weise steigerte er in hohem Maße die Hauptgefahr des Systems der Privatunternehmung in der Industrie, indem er einzelne Industrien in den Stand setzte, unverhältnismäßige Beträge von dem verfügbaren Kapital des Landes aufzusaugen und so das Unheil vorzubereiten. Die Geschäftsunternehmungen arbeiteten infolge des ihnen gewährten Kredits immer viel mit fremdem Gelde, welches sie teils voneinander, teils von den Banken und den Kapitalisten erhielten, und das schnelle Zurückziehen des Kredits beim ersten Anzeichen einer Krisis wirkte gewöhnlich darauf hin, dieselbe noch zu beschleunigen.

»Es war das Unglück Ihrer Zeitgenossen, daß sie das Gebäude ihrer Industrie mit einem Mörtel aufführen mußten, den ein Zufall in jedem Augenblicke in einen Sprengstoff verwandeln konnte. Sie waren in der Lage eines Mannes, der ein Haus mit Dynamit baut; denn der Kredit läßt sich mit nichts anderem vergleichen.

»Wenn Sie sehen wollen, wie unnötig die erwähnten Geschäftserschütterungen waren, und wie sie allein daraus hervorgingen, daß die Industrie ungeregelter Privatunternehmung überlassen wurde, so betrachten Sie jetzt das Wirken unseres Systems. Überproduktion in einzelnen Zweigen, das große Schreckgespenst Ihrer Tage, ist gegenwärtig unmöglich; denn bei der Verbindung zwischen der Produktion und der Verteilung der Waren wird das Angebot durch die Nachfrage so genau geregelt, wie der Gang einer Maschine durch deren Regulator. Aber nehmen wir einmal an, daß infolge eines Irrtums im Voranschlage eine übermäßige Produktion eines Artikels stattgefunden hätte. Die darauf folgende Einschränkung oder Einstellung der Produktion in jenem Industriezweige macht niemanden arbeitslos. Die unbeschäftigten Arbeiter finden sofort in irgend einer anderen Abteilung der ungeheuren Werkstatt Verwendung und verlieren nur die für den Wechsel erforderliche Zeit. Und was die Überfüllung des Marktes anbetrifft, so ist das Geschäft der Nation groß genug, um jede Menge eines über den Bedarf hinaus produzierten Artikels so lange auf Lager zu halten, bis die Nachfrage das Angebot eingeholt hat. In einem solchen Falle der Überproduktion, wie ich ihn angenommen habe, gerät bei uns nicht, wie bei Ihnen, eine ganze komplizierte Maschine in Unordnung, wodurch der ursprüngliche Fehler noch tausendmal vergrößert würde. Da wir kein Geld haben, so haben wir natürlich noch weniger Kredit. Alle unsre Voranschläge behandeln unmittelbar die wirklichen Dinge, – Mehl, Eisen, Holz, Wolle und Arbeit, – deren sehr irreführende Repräsentanten bei Ihnen das Geld und der Kredit waren. In unseren Kostenberechnungen kann es keine Fehler geben. Der Jahresproduktion wird der für den Unterhalt des Volkes notwendige Bedarf entnommen und es werden diejenigen Arbeiten angeordnet, welche nötig sind, um den Bedarf für das nächste Jahr herzustellen. Der Überschuß an Material und Arbeit kann ohne Gefahr auf Verbesserungen verwandt werden. Wenn die Ernte schlecht ausfällt, so ist der Überschuß für das betreffende Jahr geringer als gewöhnlich, – das ist alles. Abgesehen von den geringen gelegentlichen Wirkungen solcher natürlicher Ursachen giebt es keine Geschäftsschwankungen: der materielle Wohlstand des Volkes fließt stetig weiter von Geschlecht zu Geschlecht, wie ein beständig sich erweiternder und vertiefender Strom.

»Ihre Geschäftskrisen, Herr West,« fuhr der Doktor fort; »ebenso wie alle die großen Verluste, welche ich erwähnt habe, reichten für sich allein schon aus, Sie in beständiger Dürftigkeit zu erhalten; aber ich muß noch von einer anderen großen Ursache Ihrer Armut sprechen: dem Brachliegen eines großen Teiles Ihres Kapitals und Ihrer Arbeitskraft. Bei uns ist es die Aufgabe der Verwaltung, jedes Gramm von Kapital und Arbeit im Lande in beständiger Thätigkeit zu erhalten. Zu Ihrer Zeit gab es für die Verwendung derselben keine einheitliche Leitung, und ein großer Teil des Kapitals sowohl wie der Arbeitskraft fand keine Beschäftigung. ›Das Kapital‹, pflegten Sie zu sagen, ›ist von Natur furchtsam‹; und es wäre in der That leichtsinnig gewesen, wenn es nicht furchtsam gewesen wäre in einem Zeitalter, wo die Wahrscheinlichkeit so sehr überwog, daß jedes geschäftliche Unternehmen fehlschlagen würde. Wenn Sicherheit vorhanden gewesen wäre, so hätte zu jeder Zeit das in industrieller Produktion angelegte Kapital erheblich vermehrt werden können. Der Betrag, der in dieser Weise angewandt wurde, unterlag fortwährenden außerordentlichen Schwankungen, je nachdem die Geschäftslage für mehr oder minder sicher galt, sodaß der Ertrag der Industrien des Landes in den einzelnen Jahren sehr verschieden war. Aber aus demselben Grunde, aus welchem in Zeiten besonderer Unsicherheit weit weniger Kapital geschäftlich angelegt wurde, als in Zeiten etwas größerer Sicherheit, blieb ein sehr großer Teil überhaupt immer unbeschäftigt, weil eben selbst in den besten Zeiten das Risiko immer sehr groß war.

»Man muß auch noch beachten, daß die große Menge von Kapital, welches stets beschäftigt zu werden wünschte, wenn eine erträgliche Sicherheit vorhanden war, den Wettbewerb zwischen den Kapitalisten schrecklich verbitterte, sobald eine aussichtsvolle Gelegenheit sich darbot. Das Brachlegen des Kapitals, die Folge von dessen Furchtsamkeit, bedeutete natürlich in entsprechendem Grade ein Brachliegen der Arbeitskraft. Jeder Wechsel in der Art des Geschäftsbetriebes zudem, jede geringste Veränderung in der Lage von Handel und Gewerbe, nicht zu reden von den unzähligen Bankerotten, welche alljährlich selbst in den besten Zeiten stattfanden, machten fortwährend eine große Anzahl von Menschen auf Wochen, Monate oder selbst Jahre brotlos. Eine große Anzahl derselben durchstrich beständig, nach Arbeit suchend, das Land und wurde mit der Zeit zu Vagabunden und dann zu Verbrechern. ›Gebt uns Arbeit!‹ das war fast zu allen Zeiten der Schrei einer ganzen Armee Unbeschäftigter, und in schlechten Zeiten schwoll dieselbe zu einem so gewaltigen und verzweifelten Heere an, daß sie das Bestehen der Regierung bedrohte. Kann es einen bündigeren Beweis geben für die Schwäche Ihres Systems der Privatunternehmungen als eines Mittels, die Nation reich zu machen, als die Thatsache, daß in einer Zeit so allgemeiner Armut und Dürftigkeit die Kapitalisten einander vernichten mußten, um eine Gelegenheit zu finden, ihr Kapital sicher anzulegen, und die Arbeiter revoltierten und brandstifteten, weil sie keine Arbeit finden konnten?

»Und nun, Herr West,« fuhr Dr. Leete fort, »bitte ich Sie zu erwägen, daß diese Punkte, von denen ich gesprochen habe, nur in negativer Form die Vorteile der nationalen Organisation der Industrie darlegen, indem sie gewisse verhängnisvolle Mängel und erstaunliche Schwächen des Systems der Privatunternehmungen aufdecken, welche sich in jener nicht vorfinden. Sie müssen zugeben, daß sie allein so ziemlich hinreichen würden, zu erklären, warum die Nation jetzt so viel reicher ist, als zu Ihrer Zeit. Aber die größere, die positive Hälfte der Vorteile, die wir vor Ihnen voraus haben, habe ich bisher noch kaum erwähnt. Nehmen wir einmal an, das System der Privatunternehmungen wäre mit keinem der besprochenen Mängel behaftet: es gäbe keine Verluste infolge verfehlter Unternehmungen, die in irrigen Schätzungen der Nachfrage und in der Unfähigkeit, einen Überblick über das Gesamtgebiet der Industrie zu gewinnen, ihren Grund hätten; die Konkurrenz führte nicht zu einer Lähmung und einer nutzlosen Verdoppelung der Anstrengungen; es träten durch Krisen, Bankerotte, lange Geschäftsstockungen keine Verluste ein, und keine durch Brachlegen von Kapital und Arbeitskraft. Auch wenn alle diese Übelstände, welche der privatkapitalistischen Wirtschaftsordnung notwendig anhaften, durch ein Wunder beseitigt werden könnten, ohne daß darum das System aufgegeben werden müßte: – auch dann würden die Ergebnisse des heutigen, national organisierten Gewerbebetriebes die durch Ihr System erzielten Resultate gewaltig übertreffen.

»Es gab selbst zu Ihrer Zeit ziemlich große Webereien, obgleich sie sich freilich mit den unsrigen nicht vergleichen lassen. Sie haben ohne Zweifel jene großen Fabrikanlagen besucht, welche ganze Morgen Landes bedeckten, Tausende von Händen beschäftigten und unter einem Dache, unter einer Leitung alle die hundert verschiedenen Prozesse vereinigten, die zum Beispiel einen Ballen Baumwolle in einen Ballen Kattun verwandeln. Sie haben die gewaltige Ersparnis an Arbeit und Maschinenkraft bewundert, welche durch dieses vollkommene Zusammenwirken jedes Rades und jeder Hand erzielt wird. Sie haben ohne Zweifel daran gedacht, wie viel weniger diese selbe, in der Fabrik beschäftigte Arbeitskraft leisten würde, wenn sie zersplittert wäre und jeder Mann unabhängig von den anderen für sich arbeitete. Würden Sie es für eine Übertreibung halten, wenn man sagte, daß das größtmögliche Arbeitsprodukt solcher einzeln für sich thätiger Leute, wie freundschaftlich auch ihre gegenseitigen Beziehungen sein möchten, nicht nur um einen Prozentsatz vergrößert, sondern mehrmals vervielfacht werden würde, wenn man ihre Arbeit unter einheitlicher Leitung organisierte? Nun denn, Herr West: die Organisation der nationalen Arbeit unter einheitlicher Oberaufsicht, bei welcher alle Räder des ganzen Getriebes ineinandergreifen, hat, – selbst wenn wir die erwähnten vier großen Verlustquellen außer Berechnung lassen, – die Gesamtproduktion in demselben Grade über das unter dem früheren System mögliche Maß erhoben, wie die Produktion jener Fabrikarbeiter durch Kooperation vermehrt worden ist. Die Leistungsfähigkeit der nationalen Arbeitskraft unter der tausendköpfigen Leitung des Privatkapitals verhält sich, selbst wenn die Leiter desselben nicht gegenseitige Feinde sind, zu der Leistungsfähigkeit, welche sie unter einheitlicher Organisation erlangt, ebenso, wie die militärische Wirksamkeit eines Volkshaufens oder einer Horde von Wilden unter tausend kleinen Anführern sich zu der eines wohlgeschulten Heeres unter einem General verhält, – einer solchen Kampfmaschine zum Beispiel, wie die deutsche Armee unter Moltke war.«

»Nach dem, was Sie mir mitgeteilt haben,« sagte ich, »wundere ich mich weniger darüber, daß die Nation reicher als damals ist, als vielmehr darüber, daß Ihre Bürger nicht sämtlich Krösusse sind.«

»Nun, es geht uns ziemlich gut,« erwiderte Dr. Leete. »Unsere Lebensweise ist so luxuriös, wie wir es nur wünschen können. Der Wetteifer in äußerem Prunk, welcher zu Ihrer Zeit zu einem Aufwande führte, der zu größerem Behagen keineswegs beitrug, findet natürlich in einer Gesellschaft, deren Glieder alle genau das gleiche Einkommen haben, keine Stelle; und unser Begehren erstreckt sich nur auf solche Dinge, welche wirklich der Annehmlichkeit des Lebens dienen. Jeder einzelne von uns könnte in der That ein viel größeres Einkommen haben, wenn wir den Überschuß der Produktion verteilten; aber wir ziehen es vor, ihn auf öffentliche Werke und öffentliche Vergnügungen zu verwenden, an denen Alle teil haben, – auf öffentliche Hallen und Gebäude, Kunstgalerien, Brücken, Statuen, Verkehrswege, Verschönerungen unsrer Städte, große musikalische und theatralische Aufführungen, – und in ausgedehntem Maße für die Erholung des Volkes zu sorgen. Sie haben noch gar nicht gesehen, wie wir leben, Herr West. Zu Hause haben wir unsre Bequemlichkeit, aber der Glanz unseres Daseins, an dem wir Alle gemeinsam teil haben, zeigt sich erst in unserm geselligen Leben. Wenn Sie mehr davon kennen gelernt haben, werden Sie begreifen, ›wo das Geld bleibt‹, wie Sie zu sagen pflegten; und ich denke, Sie werden uns zustimmen, daß wir Wohl daran thun, es so zu verwenden.«

»Ich meine,« bemerkte Dr. Leete, als wir vom Speisehause heimwärts schlenderten, »daß kein Tadel die Menschen Ihres, das Geld anbetenden Jahrhunderts empfindlicher berührt haben würde, als wenn man ihnen gesagt hätte, daß sie vom Gelderwerb nichts verständen. Nichtsdestoweniger ist eben dieses das Urteil, welches die Geschichte über sie gefällt hat. Ihr System unorganisierter und einander bekämpfender Industrien war, vom nationalökonomischen Standpunkte aus betrachtet, ebenso absurd, wie es in moralischer Hinsicht abscheulich war. Selbstsucht war ihre einzige Kunst, und in der gewerblichen Produktion ist Selbstsucht Selbstmord. Die Konkurrenz, welche der Instinkt der Selbstsucht ist, ist nur ein anderes Wort für Kraftzersplitterung, während die Vereinigung das ganze Geheimnis erfolgreicher Produktion ist: und erst dann, wenn der Gedanke, das eigene Vermögen zu vergrößern, dem Gedanken, den Gesamtbesitz zu erhöhen, gewichen ist, kann eine wirkliche industrielle Vereinigung eintreten und die Schaffung von Reichtum ihren Anfang nehmen. Selbst wenn das Prinzip der materiellen Gleichstellung Aller nicht die allein humane und vernünftige Grundlage der Gesellschaft wäre, würden wir es doch als ein nationalökonomisch zweckmäßiges Prinzip aufrecht erhalten, da wir sehen, daß, solange nicht der zersetzende Einfluß der Selbstsucht unterdrückt ist, ein wahres Zusammenwirken der Industrie nicht möglich ist.«

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