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Ein Mönchsleben aus der empfindsamen Zeit - Band 2

Franz Xaver Bronner: Ein Mönchsleben aus der empfindsamen Zeit - Band 2 - Kapitel 4
Quellenangabe
typefiction
authorFranz Xaver Bronner
titleEin Mönchsleben aus der empfindsamen Zeit - Band 2
publisherVerlag Robert Lutz
seriesZweite Auflage
volumeBand 2
editorOskar Lang
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Vierzehntes Kapitel:

Registratur und geistliche Kämpfe.

Anstellung als Registrator – Unannehmlichkeiten – Andere Verdrießlichkeiten und Verdächtigungen – Krankheit – Eine wichtige Entdeckung – Genesung, Schwärmerei und moralische Unarten – Erstes Ausgehen – Fehlgeschlagene Hoffnungen und Entstehung dieser Schrift – Die elektrische Maschine – Besuche in Dillingen und Höchstädt – Geistliche Ehrenkämpfe – De Haiden, Sailer und Ungelter gestürzt.

Mein gesellschaftliches Leben schränkte sich auf einen kleinen Zirkel von Menschen ein. Nur an der Tafel des Herrn Statthalters, bei Herrn Provikar de Haiden, bei meinem gütigen Hausherrn, bei Collin und seiner Geliebten und einigen Büchertrödlern bedurfte ich der menschlichen Sprache, übrigens betrug ich mich mitten in einer ziemlich großen Stadt nicht viel umgänglicher als ein Einsiedler. Meine Gesundheit litt in dieser Zeit, und ich kränkelte oft, ohne einen sichern Grund meiner Unpäßlichkeit angeben zu können. Vielleicht hätte ich dieselbe keiner andern Veranlassung beimessen sollen, als den Umständen, daß ich mittags und abends allzu reichliche Mahlzeiten und mitunter zu sehr gewürzte Speisen genoß, unmäßig viel Wasser dazu trank, nur selten durch eine Freude des Herzens erheitert ward und das Beschränkte, meinen Grundsätzen Widersprechende und Unbehagliche meiner Lage allzu lebhaft empfand.

In dieser Lage machte ich vor meinen geistlichen Obern, den Herren von Ungelter und de Haiden, kein Geheimnis daraus, daß ich kein Mittel unversucht lassen würde, um den Fesseln, in denen ich schmachtete, je eher je lieber zu entrinnen. Ich erklärte überdas mein Vorhaben so unzweideutig und kühn, daß ihnen wegen des Ernstes meiner Äußerungen kein Zweifel mehr übrig bleiben konnte. Herr Statthalter nahm bei solchen Gelegenheiten immer einen sehr freundschaftlichen Ton an, machte mich in unbedeutenden Sachen mit der Miene der Wichtigkeit zu seinem Vertrauten, suchte mich durch besondere Gunstbezeigungen, die seiner bisherigen Erfahrung zufolge nie ganz an mir verloren gingen, näher an sich zu ziehen und von neuem meinen Glauben an seine tätige Verwendung zu beleben. Herr de Haiden handelte offener und unverstellter mit mir. Bei der Geistlichen Rats- und Vikariatskanzlei war niemals ein Expeditor angestellt, seine Geschäfte besorgte der Sekretär. Man fand aber nötig, teils der genauern Schriftenfertigung halber, teils damit die Taxen richtiger eingetrieben würden, einen Expeditor anzustellen. Herr de Haiden, dem die Kanzleidirektion anvertraut war, hatte über die neue Einrichtung zu referieren und fragte mich, ob ich die Stelle eines Registrators oder Expeditors wählen wollte. Ich wählte die erstere, einmal weil ich in Registraturarbeiten besser bewandert war und dann, weil der Registrator ein eigenes Zimmerchen zu bewohnen hat und also freier ist, als der Expeditor, der seine Geschäfte neben den übrigen Kanzleioffizianten im gemeinschaftlichen Zimmer besorgen muß, schließlich weil ich dabei in keine Geldgeschäfte verwickelt wurde, welche für den Expeditor eine reichliche Quelle von Sorgen und Verdrießlichkeiten sind. Auch Herr von Ungelter ließ sich bereden, mir bei dem Kurfürsten, der eben sein schwäbisches Bistum besuchte, ein wirksames Vorwort zu verleihen, und ich ward unterm 15. September 1789 mit 400 Gulden Gehalt als Registrator bei der Geistlichen Rats- und Vikariatskanzlei angestellt. Meinen Vorgänger ernannte man zum Expeditor.

So hatte ich zwar einen Schritt vorwärts getan, aber freilich sträubte sich mein Herz ein wenig, wenn ich einen Blick in die Zukunft wagte. Da sollte ich nun im Aktenstaube vergrauen, den ganzen Tag über juristisch-kanonischem Unsinne brüten, in ein Chaos durcheinandergeworfener, in großen Haufen liegender Schriften Ordnung bringen, niemals meinen graden Sinn offenherzig äußern, niemals ein Buch, das frei und kühn geschrieben war, dem Drucke außer unter falschem Namen (und das ist teils gefährlich, teils beleidigt es meine kleine Ehrbegierde) übergeben dürfen und vielleicht, vom beschwerlichen Tagwerk ermüdet, nicht einmal Lust oder Zeit behalten, meinen Durst nach wissenschaftlichen Dingen zu stillen. Da könnte ich denn nach und nach ein Knecht, der um Lohn arbeitet, ein Mietling mit erstickter Kraft und getötetem Gefühle werden, der mechanisch seine Akten durchstöbert und weiter kein Verdienst hat, als daß er richtig nach der Uhr in seiner Schreibstube erscheint, übrigens aber in der Vervollkommnung seiner selbst um keinen Schritt weiterkommt. Das waren häßliche Aussichten, die mich lange sehr bedrückten. Aber ich tröstete mich dann wieder mit dem Gedanken, daß ich doch nirgends eine Stelle finden könnte, die mir Brot gäbe, ohne daß dafür eine Verbindlichkeit gefordert würde, und daß ich zu frühe, was edel, gut, wahr und schön ist, fühlen gelernt habe, als daß ich untätig, sklavisch, abergläubisch, oder an Leib und Seele verkrüppelt, jemals leben könnte. Was mir allerdings am meisten mangelte, war Umgang mit Edeln und Aufmunterung zur Tätigkeit, wenn manchmal Mißmut und Trägheit das Triebwerk meiner Geisteskräfte störten.

Im Anfange des Jahres 1790 betrat ich zum erstenmal die Vikariats-Registratur. Der vorige Registrator hatte gehofft, diesen Posten einst einem seiner Söhne in die Hände spielen zu können, sah sich durch mich zur Expeditorstelle verdrängt und empfing mich – nicht mit Kälte – sondern mit allem Feuer des lebhaftesten Hasses. Nachdem er mir verschiedene Vorwürfe gemacht hatte, prophezeite er, ich würde bei meinem Amte, von dem ich ihn so ungerecht vertrieben hätte, stets mit Verdruß, Not und Schande zu kämpfen haben, hielt dafür, ich sei nicht imstande, eine Registratur zu besorgen, und endigte seine schöne Anrede mit derben Verwünschungen. Gelassen hörte ich den aufgebrachten Mann an, ließ mir von ihm die Einteilung der Kasten und Fächer zeigen und prägte mir alles wohl ins Gedächtnis. Das erste, was ich unternahm, war, daß ich die Zimmer und den Saal des Archives reinigen ließ, denn man hatte seit zwölf Jahren weder die Fenster darin geputzt, noch die Gänge ausgekehrt. In sichrer Heimat hausten tausend Spinnen zwischen den doppelten Fenstern und in allen Winkeln umher. Dann hob ich, ohne Beistand irgendeines Gehilfen, einige schwere Kasten vermittels starker Hebel auf Walzen und schleppte sie mit unsäglicher Mühe und einem nicht geringen Aufwande von Kraft an die Stellen, wo ich sie haben wollte. Denn ich fand mehrere leere Kästen an den Wänden umher verteilt, indes die vollen, nachlässig aneinander gelehnt, in der Mitte standen und wankten, so oft ich an sie die Leiter anlehnte, um die nötigen Akten zu suchen, so daß ich in jedem solchen Falle samt den Kästen umzuschlagen fürchten mußte. Um dies zu verhüten, befestigte ich die vollen an den Wänden umher und verteilte die leeren im mittleren Raume des Gewölbes. Diese Veränderung nahm ich deswegen ganz allein vor, weil ich fürchtete, ein Gehilfe möchte mir, seiner Bequemlichkeit halber und, um die Lasten leichter zu bewegen, die Akten aus den Fächern ziehen und sie dadurch in Unordnung bringen. Das Bistum Augsburg besteht aus einigen vierzig Landkapiteln, deren jedes im Durchschnitt 24 bis 30 Pfarreien in sich begreift, und zählt eine große Menge Klöster, Stipendien, Kollegiatstifte usw. Daraus läßt sich abnehmen, wie weitläufig die Registratur sein muß und wie nötig es ist, die Rubriken der Orte landkartenförmig einzuteilen. Ich fand die ältere Einteilung der Registratur nicht ungeschickt. Auch hatte mein Vorgänger sehr fleißig darin gearbeitet und die Akten etwas mehr als zur Hälfte unter gewisse Generalrubriken gebracht, so daß sie in sehr vielen Fällen mit leichter Mühe gefunden werden konnten. Aber wenn eine Schrift, die bayrischen Landkapitel oder einige Klöster usw. betreffend, welche noch gar nicht bearbeitet waren, hervorgesucht werden sollte, mußte ich die Akten, welche den Ort betrafen, erst ganz in Ordnung bringen, ehe ich die verlangte Auskunft geben konnte. Ein großer Fehler war es, daß die neuern Akten ganz abgesondert von den ältern in eigenen Fächern unter den allgemeinen Rubriken der Landkapitel und nicht in den Schubladen jedes Ortes lagen. Dies verursachte, daß man immer erst an mehreren Stellen und unter Stößen suchen mußte, ehe man an die verlangte Schrift geriet. – Zudem mangelte ein genaues Namenregister der Personen; dasjenige, welches ich vorfand, war sehr unvollständig und faßte ohne Rücksicht auf genauere alphabetische Ordnung eine außerordentliche Menge Namen durcheinander unter jedem auch noch so reichhaltigen Buchstaben zusammen. Es wies noch obendrein nicht unmittelbar auf die Stelle und Lade der Registratur zurück, wo das verlangte Aktenstück liegen sollte, sondern gab nur mit einzelnen Buchstaben und Zahlen das Verzeichnis des Landkapitels usw. an, in welchem eine kurze Rubrik der Akten zu finden wäre. Ich war also gezwungen, sogleich ein neues Personal-Namenregister nach bessern Grundsätzen anzufangen.

Allein mein Amt hatte noch Unannehmlichkeiten, die bei meiner Denkungsart gar nicht davon zu sondern waren. Um die neueingehenden Akten ordnen zu können, mußte ich sie größtenteils lesen. Da fand ich denn oft, was ich noch nie erfahren, ja nicht einmal ganz geglaubt hatte: das liebloseste, ungerechteste Verfahren, in die Form strenger Justiz vermummt. Bald sah ich voll Wehmut einen geringen Fehler mit unerbittlicher Härte bestraft, bald zürnte ich, daß ein Bösewicht vom Parteigeist gerettet wurde und wegen unverdienter Gunst irgendeines geistlichen Patrons, zur Qual der Rechtschaffenen noch länger ungestraft seinen Unfug forttreiben durfte, bald glühte es in meinem Innern, und ich hätte rasen mögen, wenn ich Unschuld und Verdienst als Verbrechen und Laster verfolgt, eingekerkert und ins tiefste Elend gestürzt sah. Nur einige Beispiele! Ein armer Pfarrer, Eisele, den sein Landdechant anfeindete, ward wegen ebendesselben Fehlers fünfmal in Inquisition genommen und immer wieder losgesprochen, ohne doch in Ruhe gelassen zu werden, bis er seine Pfründe, nach welcher ein Freund des Dechants strebte, gegen ein ärmliches Benefizium vertauschte. Sein ganzes Verbrechen war, daß ihm ein schönes Landmädchen gebackene Frösche zugeschickt und denselben ein Zettelchen beigelegt hatte, welches seine eifersüchtige Köchin übel ausdeutete, dem Dechant in die Hände spielte und mit lügenhaften Angaben begleitete, die sie in der Folge feierlich als Lügen zurücknahm. Selbst aus den Akten erhellte, daß der Dechant die Bauern des Dorfes aufgehetzt hatte, gegen ihren Pfarrer, der etwas heftig war und ihnen einige Male derbe Strafpredigten hielt, eine Beschwerdeschrift einzureichen. – Ein andrer junger Geistlicher, H., wurde angeklagt, er habe einem artigen kranken Fräulein, das er mit einem andern Priester besuchte und zu Bette liegend antraf, zärtlich die Hand geküßt; sein Gefährte, der Kläger, war schlau genug gewesen, dies im Spiegel zu beobachten, und lebte eben als Informator bei einem jungen Baron, der das Fräulein gern selbst zu seinem freiherrlichen Gebrauch gewonnen hätte. Der Baron legte also der Anzeige seines Hauspfaffen ein donnerndes Schreiben bei, welches bei Herrn Generalvikars freiherrlicher Exzellenz so gute Wirkung tat, daß der arme Händeküsser sogleich nach Augsburg zitiert und in die sogenannte Kuh (Custodia, geistlicher Kerker) gesperrt wurde. Herr Statthalter war über den Verbrecher so aufgebracht, daß er ihn bei seiner Abreise nach Koblenz im Kerker vergaß, wie er sagte, und so mußte der arme Jüngling seinen Handkuß mit mehr als vierteljähriger Einkerkerung büßen. Diese Behandlung, mit welcher immer die größte Schande verbunden ist, setzte den Unglücklichen in die schmerzliche Lage, fast überall mit Verachtung oder Abscheu angesehen zu werden, und wirkte auf seinen Charakter so übel, daß er wirklich nachher weniger Achtung vor sich selbst hatte und in der Folge zu unsittlichen Ausschweifungen verleitet wurde. – Ein Kaplan ging auf dem Heimwege von einer Kirchweihe auf einer Waldwiese hinter einem Beamtensohne her, der eben sein Mädchen nach Hause führte. Da er beide kannte, so verdoppelte er seine Schritte, bis er zu dem Paare kam. Aber der junge Herr mochte verdrießlich sein, daß er eben an der angenehmsten Stelle von einem beschwerlichen Gesellschafter ereilt würde, hieß denselben zürnend fortgehen und hetzte, als sich dieser scherzend weigerte, seines Vaters großen Doggenhund, der ihn begleitete, auf den Geistlichen, so daß dieser mit zerrissenen Kleidern, blutend und zerfleischt nach Hause kam. Der Beamte, welcher verklagt zu werden besorgen mußte, hatte noch die Unverschämtheit, den Beschädigten beim Geistlichen Rate zu belangen, und der arme Kaplan mußte zur Strafe (oder vielmehr weil sich der geistliche Referent fürchtete, einen bayrischen Beamten vor den Kopf zu stoßen) seine Stelle verlassen. – Ein sehr verdienter, rechtschaffener Geistlicher namens Fischer, Schuldirektor in Mündelheim, hatte eine Lesegesellschaft errichtet, die von Augsburg aus für schädlich und gefährlich erklärt und aus geistlicher Machtvollkommenheit abgeschafft wurde, weil man das Buch Pierre Charron de la Sagesse, das die Ehre hat, im römischen Index zu paradieren, im Katalog der Lesegesellschaft vorfand. Fischer hatte auch mehrere nützliche Schulschriften zum Drucke gegeben, in denen die Feinde des Lichtes Ketzereien finden wollten, ohne doch jemals ganz zu ihrem Zwecke gelangen zu können. Die Laurer ermüdeten aber nicht. In ebendem Augenblicke, da er zum Geistlichen Rate in München ernannt werden sollte, strengten die Jesuiten alle ihre Kräfte an, um den edlen Mann zu stürzen. Man wollte wissen, er habe vor sieben Jahren in einem Weinhause unter guten Freunden gesagt, es sei nicht recht, daß auf einem Altare drei Marienbilder zugleich prangten, indes kaum ein einziges Bildnis des Gekreuzigten darauf stünde, und späterhin habe er behauptet, man sei gegen die Illuminaten in Bayern allzu tumultuarisch verfahren. Ein Schreiben von München forderte die Geistliche Regierung in Augsburg auf, die Sache strenge zu untersuchen, man verbat sich aber sehr dringend einen parteiischen Kommissar, der dem Fischer aus der Schlinge helfen könnte. So strenge nun auch der abgesandte Geistliche Rat verfuhr, so konnte er doch gegen den Beklagten kaum einen Schein des Unrechts finden. Die jesuitische Partei fürchtete deshalb, das Opfer möchte ihrer Wut entgehen, und erwirkte zu München einen Kabinettsbefehl, laut dessen der unschuldige Mann nachts aus dem Bette gerissen und von Polizeireitern gleich dem schändlichsten Verbrecher nach München geführt wurde. In jedem andern Falle hätte man von Augsburg aus große Klagen wegen Verletzung der geistlichen Immunität geführt, aber jetzt schwieg man stille und sah ruhig zu, wie der verdienteste Schulmann vom Verfolgungsgeist um Glück und Ruhe gebracht wurde. Seine Ankläger wurden mit Pfründen und Titeln belohnt.

Dergleichen Vorfälle, bei denen ich immer mit dem Verfolgten litt, waren nur zu häufig und konnten durch das seltene Vergnügen, einem Bedrängten etwa durch ein hervorgesuchtes Aktenstück zu helfen, bei weitem nicht vergütet werden. Die Art, wie man die Prozesse leitete, die zögernde Bequemlichkeit, mit welcher über die klarsten Dinge oft erst nach halben und ganzen Jahren referiert wurde, die Parteilichkeit und Grübelsucht, mit der die lautersten Angaben entstellt, und an der gerechtesten Sache eine schwache Seite ausfindig gemacht wurde, gründeten in mir die Überzeugung, daß alle juristischen Formalitäten nichts mehr und nichts weniger seien, als Fechterkünste und -regeln, die dem boshaften Renommisten und Klopffechter weit besser zustatten kommen, als dem herausgeforderten unbefangenen Manne. Diese Umstände und die Besorgnis, wieder eine kränkende Verfügung treffen zu sehen, machte, daß ich nur mit Widerwillen an meine Geschäfte ging und gar bald sehr lebhaft empfand, daß bei der Registratur für mich keine Zufriedenheit zu erwarten sei. Der Mangel an Zeit zu wissenschaftlichen Beschäftigungen, die Ermüdung am Abend, welche mich zum Dichten und Philosophieren beinahe unfähig machte, die Disharmonie meiner Grundsätze mit meinen täglichen Amtsverrichtungen und der völlige Mangel der dazu nötigen Stimmung brachten in mir die Überzeugung hervor, daß für mich in Augsburg kein bleibendes Glück blühe.

Wenn ich mittags und abends in die Dompropstei kam, so trat ich beinahe allezeit vor die Küchentür und fragte, wenn man zu Tische ginge. Der Koch las gern die Zeitungen, ich auch. Deshalb ging ich zuweilen durch die Küche, um sie zu holen, wenn mir derselbe zuvorgekommen war. Einst brachte mir mein Vetter Mayrock (der Schuhmacher, welcher meine Base in Dillingen geheiratet hatte) ein junges Hündchen, und ich bat das Küchenmädchen mir täglich Knochen aufzubewahren, damit ich für meinen kleinen Rebell Futter hätte. Das tat sie gern, weil ich sie dafür mit einem Trinkgeld belohnte. Bei dergleichen Anlässen war es unmöglich, gar nie ein Wörtchen mit dem weiblichen Gesinde zu verlieren. Das Küchenmädchen war ein frohes bayrisches Mädchen, das immer sang und scherzte und lustige Einfälle in Bereitschaft hatte. Allen im Hause war sie ihres muntern Sinnes halber lieb und wert. Nie ging ich an ihr vorüber, ohne sie zu grüßen, und gar oft fragte ich im Scherze: »Ew. Schönheit, wie befinden Sie sich?« Stets antwortete sie mir mit schalkhafter unbefangener Offenheit. Die Beschließerin und der Koch, die fast immer zugegen waren, stimmten mit ein, und unser Gespräch ward oft lebhaft und lustig genug. Aber es fiel mir gar nicht ein, daß man dies anstößig finden könnte, da ich mich von jeher wohl gehütet hatte, im Hause eines so kritischen Keuschheitswächters, als Herr Statthalter war, ja doch keinen Anlaß zu einem mir nachteiligen Verdachte zu geben. Ich wußte zugleich, daß das Küchenmädchen einen gewissen Kornmesser Kaspar liebte, der vor kurzem noch in der Dompropstei gedient hatte. Am Katharinafeste fügte es sich, daß ich das Mädchen wider ihre Gewohnheit ganz düster am Herde fand. Sie legte Holz ins Feuer und sprach kein Wort. »Wie so traurig, Eure Schönheit,« fragte ich, »heute am heil. Namenstage?« Da fing sie zu weinen an und klagte mir im Beisein der Beschließerin: »Der Herr (ich will ihn Golo nennen) hat mir einen Brief aufgefangen und erbrochen; er ist zwar nur von meiner Schwester und enthält gar nichts Bedenkliches. Aber es ist doch nicht schön, daß man mich in so schlechtem Verdacht hat und mir Briefe erbricht. Golo schleicht mir, seitdem ich mit Kaspar Umgang habe, auf allen Schritten nach und behandelt mich, als wenn ich die ausgelassenste Dirne wäre. Wie soll ich nun nicht traurig sein!« Golo hatte in der Dompropstei sehr viel zu bedeuten, bewachte das Mädchen wie ein Eifersüchtiger und ließ den beiden Liebenden auf dem Kirchwege, auf der Gasse und allenthalben auflauern. Mir selbst erzählte er im Vertrauen, er habe dem Mädchen schon öfters wegen ihrer Bekanntschaft mit Kaspar eine derbe Strafpredigt gehalten und beiden vorgestellt, entweder sollten sie nicht mehr miteinander sprechen oder unverweilt einander heiraten. »Ihr kennt einander,« sagte er, »was braucht es da noch lange des Besinnens?« Das Mädchen mußte dem Eifersüchtigen von jeher täglich ein Frühstück bringen. Nun wollte sie es aber einige Zeit her nicht mehr tun und sandte an ihrer Statt den Hausdiener mit dem Kaffeezeug hin. Ich dachte, sie meide jede Zusammenkunft mit Golo nur allein, damit sie einer neuen Strafpredigt auswiche. Am Ende des Januars 1791 ward das Mädchen kränklich und klagte mir, als ich einst in die Küche kam, sie sei so unruhig und könnte nicht mehr schlafen, der Arzt habe ihr ein paar Lot Salpeter verschrieben. Da kam Golo hinter der Haustreppe hervorgerannt und rief mir mit brennendem Angesichte und sonderbaren Grimassen zu: »Küchenhahn! Küchenhahn!« Ich lachte seiner Torheit und ging scherzend mit ihm in ein Zimmer. Leise hielt ich's ihm vor, daß er dem Mädchen Briefe erbrochen habe. Er antwortete, er hätte es nur zum Spaße getan, es sei nichts Besonderes in den Briefen gestanden. Ich erwiderte, das Erbrechen dünkte mich doch nicht artig, denn er hätte vorläufig nicht wissen können, was die Briefe enthielten. Da brannte er auf, brach zu meinem nicht geringen Erstaunen in laute heftige Vorwürfe aus, beschuldigte mich im Beisein des Hausdieners, der eben hereintrat, ich pflege einen auffallend bedenklichen und vielleicht gar unerlaubten Umgang mit der Küchenmagd und lief zürnend in die Küche, um den Dienstboten zu sagen, sie sollten mit mir in Zukunft kein Wort mehr reden, sonst würde er sie unfehlbar bei Herrn Dompropst verklagen. Dies letzte mußte mich notwendig am meisten aufbringen. Augenblicklich forderte ich ihn auf, seine Klage zu führen, oder ich würde selbst den ganzen Hergang dem Herrn Dompropst erzählen, denn ich glaubte ganz gewiß, und der Gedanke stand wie ein Gespenst vor mir, eine Beschuldigung von der Art, wenn ich sie auf mir liegen ließe, würde den häßlichsten Schatten auf meinen Charakter werfen. Dergleichen Hirngespenster haben mich oft in meinem Leben auf Abwege geführt. Sie erhitzen das Blut, erregen Schwindel und verwirren die Sehkraft, ein Stein im Wege von geringer Größe erscheint uns dann ungeheuer wie ein Berg, weil er dem Auge zu nahe gerückt wird. Als ich abends nach Tische dem Herrn von Angelter die Zeitungen, wie gewöhnlich, vorgelesen hatte, trug ich ihm mein Anliegen klar und unverhohlen vor. Zugleich war ich entschlossen, dieses Anlasses mich zu bedienen, um mich seiner Tafel ganz zu entschlagen und auf diese Weise eine meiner schwersten Fesseln zu sprengen, denn Golo speiste seit einiger Zeit täglich mit uns, und ich ergriff diesen Umstand, um ihm zu zeigen, daß es meiner Gesundheit zuträglicher wäre, allein zu essen, als einem Verleumder gegenüber zu speisen, bei dessen Anblicke mir jederzeit die Galle von neuem steigen müßte. Es gelang mir, meine Vorstellungen so gut zu fassen, daß er erkannte, es könnte mir nicht Wohl bekommen, wenn ich täglich neben Speise und Trank zugleich mit Verdruß gesättigt würde. Am Ende willigte er förmlich ein, daß ich von nun an anderswo meine Kost suchen dürfte. Beruhigt ging ich nach Haus. Den andern Tag ließ er mich rufen, sagte, er hätte indessen mit Golo gesprochen, hielt mir eine donnernde Strafpredigt über mein Betragen gegen die Küchenmagd und machte es so bunt, daß ich, vom quälendsten Verdrusse, mich ganz verkannt zu sehen, überwältigt, in Ohnmacht sank. Mein Herz war nicht fähig, auf einmal so viel Beschämung und Unrecht zu ertragen, ohne unter dieser drückenden Last zu erliegen. Herr Dompropst schleppte mich selbst auf einen freien Söller hinaus und setzte mich auf einen Stuhl. Als ich wieder zu mir selbst kam, raffte ich mich auf, ging ohne ein Wort zu sagen davon und eilte ins Freie hinaus. Es tobte in meinem Innern. Ich hatte geglaubt, mich im Hause des Herrn Dompropsts in Absicht auf das weibliche Geschlecht ganz untadelhaft betragen zu haben, und dennoch wollte man nun so viel zu tadeln finden. Dies brachte mich im höchsten Grade auf. Tiefer Schnee bedeckte die Gegend, wild brauste der Sturmwind, feuchtes Gestöber umwehte mich. Ich achtete es kaum und trabte im Gewitter fort. Fest und unerschütterlich stand nun mein Entschluß, dem Herrn Dompropst nie wieder näher zu kommen, außer wenn ich müßte. Als ich nach Hause kam, schrieb ich an ihn, verteidigte mich mit kühner Freimütigkeit und kündigte ihm meinen Entschluß an. »Weil ich auch jetzt,« so schrieb ich unter anderm, »noch nicht in der Verfassung bin, ein solches Übermaß von widrigen Eindrücken auszuhalten, so stelle ich Ihnen meine Verteidigung schriftlich zu... Sie werden leicht einsehen, daß es mir nach Ihren letzten Äußerungen höchst schmerzlich fallen müßte, ferner an Ihrem Tische zu sitzen. Mein Gemüt ist nicht so beschaffen, daß es eine so niederträchtige Begegnung ertragen könnte. Auf mich kann dies Ereignis keinen Schatten werfen, außer bei Leuten, die mich sonst nicht leiden mögen. Ob deren mehrere sind, weiß ich nicht. Man kennt mich in Augsburg nicht viel, und wer mich kennt, hoffentlich von einer guten Seite.«

Er antwortete mir hierauf, er sei bei seinem ersten Vortrag zu mild und bei der zweiten Unterredung zu streng gewesen; Golo habe es nicht so übel gemeint, immerhin sei es unanständig, zu Dienstmädchen scherzweise »Eure Schönheit« zu sagen usw. usw.

Ich setzte sogleich ein neues Schreiben auf und sandte es nach München, wohin Herr Dompropst gereist war. Unter anderm hieß es darin: »Ein Titel, wie Eure Schönheit, einem muntern Mädchen in Gegenwart bekannter Leute vom Hause gegeben, kann nur dem unerträglichsten Rigorismus ein unanständiger Scherz heißen. – Die Küche besuchte ich nie der Unterhaltung halber, wie Sie mir Schuld geben, und Golo hat mir nicht nur mit einer etwa härtern Art das Gemeinmachen untersagt, sondern mich selbst in Gegenwart des Hausdieners beschuldigt, ich habe einen auffallend bedenklichen und wohl gar einen unerlaubten Umgang mit der Hausmagd. Nicht Erinnerung wegen einer mir abgesprochenen Delikatesse im Umgang mit Geringern, sondern öffentliche Beschuldigung gegen meine Ehre und Moralität, die, wenn sie Grund haben könnte, mich als doppelt strafwürdig darstellen würde, weil ich dann selbst auf das Haus meines Wohltäters keine Rücksicht genommen haben müßte – dies ist, wogegen sich mein ganzes Gefühl empört, und wovon mir nur der Gedanke unerträglich ist. Golo hat mich verleumdet, nicht etwa nur etwas rauh ermahnt, wie Sie sagen. Dieser Mann, der nun so genau das Delikate und die feinen Nuancen des Anständigen und Unanständigen abzuwägen wissen soll, hat Ihrem eigenen schon oft wiederholten Geständnis zufolge gar kein Gefühl dafür und ist der roheste Mensch, wie Sie wissen, und hiermit ganz unfähig, mich in dergleichen Dingen zu meistern. – – Ich danke Gott, daß er mir ein leichtes Blut, unbefangenen Sinn und frohen Mut gegeben hat, der sich auch unter solchen Umständen nicht verlor, unter denen er vielleicht bei jedem andern schon lange verloren gegangen wäre. Man hat mir mehr als einmal ins Gesicht gesagt: An Ihrer Stelle könnte ich nicht leben!.... Es ist mir ganz unbegreiflich, wie Eure Exzellenz mir einerseits Ihren Tisch wie vorher anbieten, andrerseits aber alles anführen mögen, was mir immer die Luft, von diesem gütigen Anerbieten dankbar Gebrauch zu machen, notwendig gänzlich benehmen muß.«

Wirklich konnte ich mich nicht entschließen, die Dompropstei wieder zu betreten. Ohne mich bei jemandem zu beklagen, kaufte ich täglich soviel Brot, als ich verzehren möchte, ließ mir einen Krug Wasser auf die Registratur bringen und begann mutig den Versuch zu machen, mit so wenig Bedürfnissen als nur möglich zu leben. Die Gedanken: »So wirst du ganz unabhängig! Wasser und Brot kannst du überall verdienen! Unabhängigkeit macht den König!« ermunterten mich immer. Nachdem ich etwa vierzehn Tage ohne irgendein Gefühl von Unbequemlichkeit gar nichts Warmes genossen hatte und bereits meine neue Lebensart lieb zu gewinnen anfing, besonders weil sie mir so viele schöne Stunden zum Arbeiten übrig ließ, bemerkte ich ein leises Frösteln, das wie Schauer den Rücken hinauflief und sich im Körper verteilte; ich hielt es für eine Wirkung der kalten Jahreszeit. Um jedoch nicht auf einmal aller tierischen Nahrung zu entbehren und allen Anlaß zum Übelbefinden beiseite zu räumen, ließ ich mir, etwa vom 15. Februar an, täglich ein Mäßchen Milch bringen, bröckelte mein Brot darein und verzehrte es so mit Herzenslust. Bald stellte sich eine hartnäckige Verstopfung ein, die laufenden Schauer vermehrten sich, und ich nahm oft zum warmen Ofen meine Zuflucht. Ich fühlte, daß mir keine Arbeit mehr wie sonst vonstatten gehen wollte und brütete manchmal stundenlang auf meinem Stuhle, ohne recht zu wissen, was ich dachte. »Das ist nur die Wirkung deiner neuen Lebensart,« sagte ich zu mir selbst, »laß dich nicht irremachen! Eine so wichtige Veränderung gewöhnt man nicht in einem Tage. Wenn du ausharrst, so wird sich dein Körper allmählich daran gewöhnen, und dann bist du so frei, wie nur wenige Menschen sind!« In Augsburg wollte ich nicht bleiben, das war ausgemacht, denn Herr von Ungelter würde mich verfolgen, das wußte ich wohl. Also machte ich Pläne zu einer neuen Flucht und sann auf ein leichtes Mittel, mir meinen Unterhalt zu erwerben. An meine Freunde in Zürich schrieb ich: »Erlöst muß ich werden, das fühle ich so lebhaft als niemals vorher. Denn entweder muß ich den Wissenschaften für immer oder der Registratur entsagen. Da entsteht dann die Frage: aber woher soll Nahrung kommen? Diese zu beantworten, überlege, wäge, studiere ich schon lange, und ich glaube nun wirklich, Freund, meine Gedanken sind reif, erwarten Sie also bald sonderbare Nachrichten von mir!« Alle Pläne waren auf die Voraussetzung gebaut, daß ich zum Leben nur Wasser und Brot nötig hätte. Auf die Pfründe, welche mir Herr Domdechant versprochen hatte, setzte ich keine Hoffnung mehr, denn ich fürchtete, Herr Dompropst würde ihn wohl abzuhalten wissen, daß er mir dieselbe nicht konferierte.

Als das Ende des ersten Monats meiner neuen Lebensordnung anrückte, ward mir einst morgens in der Registratur so übel, daß ich mich kaum mehr zusammenraffen und den Weg zum Arzte einschlagen konnte. Auf der Gasse befiel mich eine solche Schwachheit, daß ich mein Haupt an die Häuser lehnen und warten mußte, bis ich mich wieder erholte. Im Zimmer des Arztes mußte man meine weichenden Lebensgeister mit Essig und Schlagwasser wieder zurückrufen. Die Zunge war höchst unrein, und der Arzt verordnete mir auf der Stelle ein Brechmittel; allein ich verstand ihn nicht recht. Anstatt es sogleich zu nehmen, glaubte ich bis den andern Tag morgens damit warten zu müssen. Sehr frühe besuchte mich der Arzt, war böse über den Mißverstand, daß ich die verschriebene Arznei nicht sogleich genommen hatte, und befahl mir, sie ungesäumt zu gebrauchen. Ich tat es, ward müde und matt und mußte mich zu Bette legen. Am andern Tag war ein galliges Faulfieber, wie der Doktor meine Krankheit nannte, völlig ausgebrochen. Man ließ mir zur Ader und beredete mich, eine Wärterin zu dingen. Während der ganzen Krankheit schwanden meine Kräfte nie völlig, ich konnte immer ohne fremde Beihilfe mich aufrichten, in eine alte Wildschur schliefen (die ich bei einer Versteigerung gekauft hatte und nun als Schlafrock gebrauchte) und vom Bedürfnisse getrieben, in ein Nebenzimmer taumeln. Meine Wärterin schickte ich jede Nacht nach Hause und half mir allein fort. Mein Nachbar, ein Geistlicher, den ich sehr wohl kannte, lag tödlich krank und wurde nach katholischem Gebrauche mit den Sterbesakramenten versehen. Ich hörte das laute Geschrei der Rosenkranzbeter, ward erschüttert und konnte mir alle Zeremonien vorstellen, die man nun mit dem Sterbenden vornehmen würde. Aus einigen Reden, die den Besuchenden entschlüpft waren, merkte ich, daß es auch um mich gefährlich stünde und empfand ganz die Qual, von einem Priester nach der gewöhnlichen Methode ins andre Leben hinübergemartert zu werden. »O Gott!« betete ich dann, »wenn ich nun auch hinwegwandern muß, so gib mir Kraft genug, meine Todesschwäche bis ans Ende zu verbergen, damit mir kein Priester die letzten Empfindungen verbittern möge. Ich habe zwar viel verschuldet, Allgütiger! aber strafe mich nicht so strenge, sondern gib, daß mein Geist ruhig seine Hülle verlasse und sich zu dir hinaufschwinge.« Dann prüfte ich meine Grundsätze und glaubte mit Zuversicht, redlich gehandelt zu haben, als ich mein Glaubenssystem untersuchte und neu umformte. »Hab' ich geirret,« so sagte ich, »o, so vergib mir, Vater! Redlich bin ich zu Werke gegangen! Nur Fehler des Verstandes, nicht des Willens, können mir hierbei zur Last fallen.« So wäre ich in Absicht auf meine Grundsätze ruhig ins Elysium hinübergeschritten. Wegen andrer moralischer Fehler und Vergehungen hatte ich mir freilich vieles vorzuwerfen. Aber ich hoffte auf Gottes Allgüte und wäre ohne Furcht vor schrecklichen Strafen in die andre Welt gewandert. Oft deuchte es mich, meine Seele müßte zu ihrer Besserung mit einem neuen Körper bekleidet werden. Dann meinte ich, nach mehreren Jahrhunderten würde sich mein Geist wieder in einen irdischen Körper gehüllt finden und unter einer Masse von Menschen, die sich indessen um vieles gebessert hätte, in Situationen versetzt werden, welche ihn immer mehr der Vollkommenheit und Glückseligkeit näherbringen müßten.

Der Arzt verordnete mir täglich eine Fleischsuppe mit allerlei Mixturen. Ich konnte aber nur mit dem äußersten Ekel ein paar Löffel voll Suppe hineinzwingen, gehorchte hierin dem Arzte nicht, so sehr er auch in mich drang, und unterließ es bald ganz, sie zu kosten, so daß ich etwa vierzehn Tage nichts Warmes oder Nahrhaftes genoß. Desto fleißiger und pünktlicher nahm ich die Arzneien, trank täglich drei große Krüge voll Wasser aus und erquickte mich mit Zitronensaft, den ich Tag und Nacht in die vier Wassergläser drückte, welche stets in einer Orgelreihe vor meinem Bette standen. Mein Hausherr hatte dem Herrn Dompropst von meiner Krankheit erzählt und sagte, er habe Befehl erhalten, mir alles Nötige zu verschaffen. Unser gnädiges Fräulein Josepha wollte mich auch mit einem Briefe trösten, den Herr Dompropst von Dillingen aus, wohin er gereist war, an sie geschrieben hatte. Er sagte darin, er hätte vernommen, daß es übel um mich stünde, meinte, es möchte mein Ende herannahen, und erteilte seiner Dienerschaft die Weisung, mir die letzten Liebesdienste nicht zu versagen. Diese Nachricht, anstatt mich zu trösten, schmerzte mich sehr, denn ich glaubte, es leuchte daraus der Wunsch hervor, daß es mit mir ein Ende nehmen möchte. Laut weinte ich deshalb einige Zeit in meiner Schwachheit. Endlich ermunterte mich mein Hausherr wieder, malte mir die Güte und das tätige Wohlwollen des Herrn Dompropstes mit so lebhaften Farben aus und spornte mich so lange an, ihm meine Dankbarkeit zu beweisen, daß ich mich hinreißen ließ und versprach, so schwer mir auch das Konzipieren ward, einen Brief an denselben zu schreiben. Meine Freunde besuchten mich oft, aber ich war froh, wenn sie mich bald wieder verließen, denn meine Gehörorgane waren so empfindlich, daß mich jeder auch leise Ton schmerzte. Mein liebes Fräulein in Dillingen vernahm, daß ich krank sei und schickte eilig ein Mädchen nach Augsburg, um meiner zu warten. Innig ward ich gerührt und durch diesen Zug lebendiger Liebe erquickt. Aber ich dankte und sandte das Mädchen mit einem Geschenk nach Hause. Auch Lenore ließ sich täglich durch Collin um meine Gesundheitsumstände erkundigen. Meine Wärterin war sehr wohl mit mir zufrieden und lobte stets meine Geduld und ruhige Fassung.

Einst kam das Küchenmädchen aus der Dompropstei, um mich zu besuchen, und erzählte mir im Vertrauen, sie habe den Dienst aufgesagt, denn sie könne nicht hoffen, daß Golo sie in Ruhe lassen werde. Seine Eifersucht verfolge sie bei jedem Schritte. Leider habe er allerlei Versuche gewagt, ihrer zu genießen und sie sei manchmal, wenn sie ihm sein Frühstück brachte, unbesonnen genug gewesen, sich von ihm küssen zu lassen. (Ich machte große Augen.) Weil sie ihm das übrige versagt habe und nun ihrem Liebling Kaspar getreu bleibe, sei Golo in Eifersucht entbrannt und unterlasse nichts, Rache an ihr auszuüben. Wenn sie aus dem Dienst getreten sei, möchte ich nur dem Herrn Dompropst die Ursache vertrauen, ihrer aber bis dahin schonen, damit sie nicht zu Bekenntnissen gezwungen würde, die sie schamrot machen müßten.

Staunend über diese Entdeckung hörte ich ihr aufmerksam zu und sah mich nun auf einmal imstande, mich völlig zu rechtfertigen. Das Mädchen gestand zugleich, daß sie das Geheimnis auch dem Koche des Herrn Dompropsts vertraut hätte. Ich versprach dem Mädchen, wenn ich diese Nachricht dem Herrn Dompropst mitteilen würde, sie wenigstens so lange nicht zu nennen, bis sie sich von Augsburg entfernt hätte.

Bald versuchte ich nun, von der Freude, mich siegreich rechtfertigen zu können, hingerissen, den versprochenen Brief an Se. Exzellenz zu schreiben. Aber ich hatte große Mühe, denn mein Kopf war so geschwächt, daß ich kaum die Begriffe zu Anfang des Redesatzes mit jenen an seinem Ende zusammenzudenken vermochte. Dennoch brachte ich den Brief zustande, bat darin Herrn Dompropst, der mir nun wider Verhoffen dennoch Speise zu reichen befohlen hatte, wegen des Vergangenen um Vergebung und ließ wörtlich folgendes einfließen: »Eine Person aus Ihrem Hause hat mir eine Entdeckung gemacht, die auf einmal volles Licht über Golos Vorwürfe verbreitet und mir nun zeigt, daß ich von Herzen darüber hätte lachen und es ganz und gar nicht ernsthaft aufnehmen sollen. Ich mußte versprechen, diese Entdeckung erst nach der Abreise dieser Person zu offenbaren. Denn sie fürchtet, sie möchte sonst durch Golos Lügen in Verdruß und Beschämung geraten.« Indessen hatte auch der Koch dem Herrn Dompropst seine Entdeckungen vertraut und ihm soviel gesagt, daß derselbe höchst begierig ward, der Sache auf den Grund zu sehen.

Meine ehemalige Kostfrau hatte mir ein Gläschen voll in Zucker eingemachter Kirschen gesandt, ich mochte nichts davon genießen und stellte sie mit Ekel beiseite. Aber am 21. Tage meiner Krankheit empfand ich eine so lebhafte Eßlust, daß ich in Abwesenheit der Wärterin das Gläschen öffnete und es nach und nach nicht ohne Furcht, der Genuß der gezuckerten Früchte könnte mir schaden, rein ausleerte. Nach einer Stunde, als ich keine schlimmen Folgen bemerkte, schleppte ich mich zu meinem Schreibtische und naschte sogar in den gedörrten Pflaumen, die ich im Anfange meiner Krankheit als Vorrat zum Kochen hatte herbeiholen lassen. Die Wärterin überraschte mich über diesem Wagestücke, hielt mir sogleich eine derbe Strafpredigt und begrüßte den kommenden Arzt mit Klagen über meine Naschhaftigkeit. Er lachte, verordnete mir China und tröstete mich mit der Nachricht, daß ich nun der Gefahr glücklich entgangen sei. Mit leichten Milch- und Pflanzenspeisen ward ich allmählich wieder zu Kräften gefüttert. Aber noch lange konnte ich weder Eier noch Fleisch genießen, denn sie ekelten mich unausstehlich an.

Während ich krank war, starb nicht nur mein schwindsüchtiger Nachbar, von dem ich oben sprach, sondern auch noch ein andrer Benefiziat (Bierherr) im Domstift, in dessen Stelle ein Geistlicher, der nicht ferne von uns wohnte, sogleich eintrat. Das Benefizium, welches durch diese Promotion erledigt ward, hatte Herr Domdechant zu vergeben, und ich dachte, es würde ihm wenig darauf ankommen, welche Pfründe er mir erteile, wenn es ihm Ernst wäre, mich zu versorgen. Freilich war ich kaum imstande, während des Fiebers eine ordentliche Bittschrift aufzusetzen, aber ich wagte es doch und wollte mir's durchaus nicht zuschulden kommen lassen, daß ich von ihm mein Glück zu erbitten versäumt hätte. Als ich nun wieder sicher war, mein Erdenleben noch länger fortzusetzen, und doch die Hoffnung, der Registratur vermittels der Beförderung auf eine Pfründe zu entgehen, scheitern sah, wandte ich mich mit einer Inbrunst an den Himmel, die bisher nur selten in mir aufgelodert war und woran die gespannte Empfindlichkeit meines Nervensystems gewiß keinen geringen Anteil hatte, und betete um schleunige Erlösung aus einer Lage, die meinen Grundsätzen und der Neigung meines Herzens so ganz zuwider war. Wirklich mischte sich viel Schwärmerei in meine religiösen Empfindungen, und ich glaubte in meiner Schwäche, mein eifriges dringendes Rufen zu Gott müßte sogleich sichtbare Wirkungen in Absicht auf meine künftige bessere Versorgung hervorbringen. Ein Freund in der Schweiz, Herr Landeshauptmann Bd. in W., mit dem ich durch einen Geistlichen aus Augsburg bekannt wurde, hatte mir Hoffnung gemacht, mir eine Frühmesserstelle in seiner Vaterstadt zuzuwenden. Aber der glückliche Erfolg seiner Bemühungen hing noch von manchem kleinen Umstande ab, der zum voraus berichtigt werden mußte; da sagte ich Gott gleichsam, wie er es zu fügen hätte, wenn ich Frühmesser werden sollte, setzte zwar immer bei: dein Wille geschehe, behielt aber doch soviel Eigensinn im Herzen, daß es mir beinahe unmöglich schien, bei einer so gerechten Bitte nicht erhört zu werden, und daß ich ganz und gar nicht gefaßt gewesen wäre, wenn mir eine Stimme gesagt hätte: »Gott will, du sollst noch länger in deiner jetzigen Lage ausharren!« Beinahe glich ich einem Kinde, das mit seinem Spielzeuge unzufrieden ist, eben ein besseres zu erschmeicheln hofft und heimlich denkt: »Papa wäre doch ein harter Mann, wenn er mir nun nicht gäbe, was ich will!«

Herr Statthalter besuchte mich, sobald er von Dillingen ankam, und fand mich bereits außer dem Bette, wie ich mich eben am Anblicke der gelbblühenden Kornelkirschensträucher und an dem wiederauflebenden Grün in den nahen Gärten erquickte. Sogleich fragte er mir die ganze Geschichte des Mädchens mit Golo ab. Er hatte schon die meisten Umstände aus des Koches Munde vernommen und schien nun seine Nachrichten zu vergleichen. Die Person erriet er sogleich. So feierlich er mir versprochen hatte, die Magd nicht zur Rede zu stellen, sondern erst ihren Abschied abzuwarten, so nahm er sie doch schon am andern Tage in die strenge Frage und setzte das arme Kind in solche Verlegenheit, daß sie mir nachher beteuerte, sie wollte lieber sogleich entlaufen, als sich noch einmal einer solchen Beschämung ausgesetzt sehen. Herr Statthalter entschied: da sie sich doch so weit vergessen konnte, dem Golo hin und wieder einen Kuß zu gestatten, und da sie nun seinen Dienst aufgekündigt habe, so nehme er ihre Aufkündigung, sie möge nun ernstlich oder nichternstlich gemeint sein, mit Vergnügen an und werde gern sehen, wenn sie je eher je lieber sein Haus verlasse. Zum guten Glücke fand der Koch dem armen Kinde sogleich einen annehmlichen Dienst und empfahl sie einer Herrschaft auf dem Lande zur Köchin. Golo blieb ungestört wie vorher an seiner Stelle.

Den 18. April, an einem schönen Frühlingstage, wagte ich's zum erstenmal, mit wankendem Tritte einen kleinen Spaziergang ins Grüne zu machen. Ich stand voll süßer Gefühle und blickte um mich. O, wie schön war alles rings umher! Die Bäume begannen teils zu grünen, teils schon zu blühen. Die Wiese kleidete sich mit Maßliebchen, Schlüsselblumen und jungem Grase, die Hecke schmückte sich mit hervorbrechendem Laube. Alles erwachte zu neuem Leben, und ich dankte Gott, daß er auch mich zu neuem Dasein erweckt hatte. Ich schlug den Fußweg nach einer Brücke ein, die mir schon immer lieb gewesen war; dort lehnte ich auf's Geländer, sah vergnügt den langen Teich auf und ab und fütterte, wie früher schon, die Fische mit Brosamen. – Bis ich etwas lesen und schreiben konnte, war die Langeweile meine größte, unausstehlichste Plage gewesen. Aber bald kam wieder hinlängliche Kraft in meine Sehnerven und mein Gehirn zurück, um lesen und sogar dichten zu können. Die allerdringendsten Registraturgeschäfte hatte indes mein Vorfahr, Herr Expeditor, zur Not besorgt. Als ich zum erstenmal wieder die Registratur besuchte, fand ich alle neueingegangenen und täglich gebrauchten Akten ordentlich aufeinandergeschichtet, so daß ich sie ohne viel Kopfzerbrechen mit Zeit und Weile an ihre gehörige Stelle bringen konnte.

Herr Dompropst hatte mir schon von Dillingen aus geschrieben: »In einigen Tagen komme ich wieder zurück, und da Sie ausgehen können, werde ich eigens heraus (im Saale) speisen, um Sie einladen zu können. Ich hoffe, die Aussöhnung mit Golo zu bewirken und also Ihnen wiederum die Kost zu geben.« Bei seiner Anwesenheit in Augsburg wiederholte er sein Anerbieten, besuchte mich fast täglich und bewog mich, ihm aufs neue zu versprechen, daß ich an seiner Tafel wie vorher erscheinen wollte. »Solange Sie sich nicht ganz unbefangen wie ehemals an meinen Tisch setzen,« sagte er, »solange muß ich noch zweifeln, ob Sie mit mir wahrhaft ausgesöhnt sind. Opfern Sie Ihren gerechten Unwillen gegen Golo der Religion und der Freundschaft zu mir auf!« Eine solche Sprache konnte bei mir niemals ihren Zweck verfehlen, sie drang tief in mein Herz; zu lebhaft erinnerte ich mich auch der Gefälligkeit, mit welcher er mir seit meiner Wiederauflebung Speise aus seiner Küche reichen ließ; gerührt versprach ich also, alles zu tun, was er wünschte. Mit sichtbarer Freude empfing er mich, als ich den 19. April zum erstenmal wieder an seiner Tafel erschien. Da ich meinen Gegner Golo gedemütigt wußte, so konnte ich gleichmütiger als ich gedacht hatte, mein Essen verzehren und an allerlei unterhaltenden Gesprächen teilnehmen.

Mein neuer Schweizer Freund, Herr Landeshauptmann B. in W. schrieb mir bald, daß es ihm gegenwärtig unmöglich sei, mir die bewußte Frühmesserstelle zuzuwenden, aber es gewinne das Ansehen, als wollte eine kleine Pfarre nahe bei seinem Wohnorte ledig werden, ich sollte ihm also unverweilt ein Zeugnis meiner guten Sitten und geistlichen Verdienste zusenden und im Falle der wirklichen Erledigung selbst zu ihm kommen, um ein paar Probepredigten zu halten und die Kollatoren zu meinem Vorteile einzunehmen. Herr Statthalter machte große Augen, als ich ihn sogleich bei meiner zweiten Erscheinung in der Dompropstei nebst offenherziger Anzeige meines Beweggrundes bat, er möchte mir ein Testimonium morum ausfertigen lassen. Nicht ohne sichtbares Mißvergnügen bezeigte er mir seine Verwunderung, daß ich so bald eine nicht unwichtige Stelle bei der Vikariatskanzlei verlassen wollte, schloß aber damit, er könnte mir's nicht verdenken, wenn ich mich um etwas Bessres umsehe. Das verlangte Zeugnis ward mir also ohne Weigerung ausgefertigt und darin versichert, daß ich schon acht Jahre lang im Priesterstande gelebt, sowohl durch Beichtsitzen als Predigen mich schon lange mit allem Lobe in der Seelsorge geübt und durch ganz untadelhafte priesterliche Sitten ausgezeichnet habe. Vom abgelegten Mönchsstande ward auf mein Verlangen keine Meldung darin getan. Mein Freund hatte mir die schöne Gegend beschrieben, in der die mir zugedachte Pfarre liegt, ich machte also bereits ganz hübsche Pläne, wie ich dort aller der anziehenden Naturschönheiten usw. auf die angenehmste Weise genießen wollte. Aber bald erhielt ich von Herrn B. die Anzeige, der Pfarrer, welcher zu resignieren gedachte, habe sich entschlossen, noch länger auf seiner Pfründe auszuharren, und der Geistliche von Augsburg, mein Bekannter, habe plötzlich seine Informatorstelle im B.'schen Hause verlassen, ich sollte also nur sogleich aufbrechen und die erledigte Informatorstelle antreten. Die Reisekosten würden mir die Eltern meiner Eleven willig vergüten, und ich sollte nicht lange als Hauslehrer ausharren dürfen, so müßte ich eine Pfründe haben usw. Meines Freundes, des vorigen Informators plötzlicher Aufbruch, der mich wenig Gutes ahnen ließ, die Nachrichten, welche ich bereits eingezogen hatte, daß ich die Aufsicht über viele, zum Teil nicht sehr gutartige Kinder führen sollte, die Empfindung, daß ich zu wenig Geduld zum häuslichen Unterricht hätte, die Ungewißheit, ob ich auch so bald, als man mir's versprach, von der Plage des Schulhaltens befreit werden würde, das gänzliche Stillschweigen von dem bestimmten Salär, der Mangel an genauerer Bekanntschaft mit dem Stipulanten usw. erzeugten in mir die Furcht, ich möchte einen bessern Zustand, der mir auf alle Fälle wenigstens sichern Unterhalt verschaffte, mit einem schlimmern und beschwerlichern vertauschen, der mir noch dazu keine bestimmte Aussicht auf eine baldige, gewisse Versorgung gewährte. Deswegen weigerte ich mich geradezu, die angebotene Infarmatorstelle anzunehmen und durfte hiermit von dieser Seite her ferner auf keine Erlösung hoffen.

Eine Ursache mehr, nicht als Hauslehrer nach W. zu gehen, war das von neuem beginnende Kränkeln des alten Benefiziaten, dessen Pfründe mir Herr Domdechant versprochen hatte. Wirklich starb der Greis im August 1791 und ich säumte keinen Augenblick, da mein Gönner verreist war, mich in Briefen an ihn zu wenden. Es hielt schwer, den Ort ausfindig zu machen, wo er sich damals eigentlich aufhielt. Die Dienerschaft in seinem Domherrnhofe sagte mir, er befinde sich in Ellwangen, andre meinten er sei in Eichstädt, und einige gnädige Fräulein aus dem Damenstifte raunten mir ins Ohr, er belustige sich inkognito bei seiner Geliebten, einem Fräulein S. zu H., und habe einem gewissen Geistlichen Anweisung hinterlassen, ihm alle Briefe nachzuschicken. Folglich schrieb ich, um meiner Sache recht sicher zu sein, drei Briefe, wovon einer nach Ellwangen, der andre nach Eichstädt und der dritte durch die Hände des Geistlichen nach H. lief. Dem letzten legte ich ein Empfehlungsschreiben des Herrn Dompropsts bei, das mir derselbe auf mein Bitten schleunigst von Dillingen aus zugesandt hatte. Als ich es erhielt, fragte ich mich öfters: »Ist's nicht etwa ein Uriasbrief?« Die Wißbegierde reizte mich, seinen Inhalt zu erforschen, und es wäre mir sehr leicht gewesen, das Schreiben unvermerkt zu öffnen und wieder zu schließen, allein ich gab mir meines Mißtrauens halber selbst Verweise und ließ den Brief ungelesen samt dem meinigen abgehen. Kaum zweifelte ich mehr an dem glücklichen Erfolge meiner Bemühungen und erwartete mit Sehnsucht die Ankunft des Herrn Domdechants. Im September traf er endlich in Augsburg ein, und einer seiner Hausbedienten, den ich darum ersucht hatte, zeigte mir dieses augenblicklich an. Mit klopfendem Herzen eilte ich hin, um die Entscheidung meines Schicksals zu vernehmen. Aber Se. Exzellenz waren schon ausgegangen, um Besuche zu machen. Geduldig wartete ich lange. Endlich verließ ich mißmutig seinen Hof. Sieh! da kam er mir eben entgegen. Ich trat voll Ehrfurcht und Zuversicht zu ihm, wünschte ihm zu seiner Ankunft Glück und bat, er möchte nun seiner gütigen Äußerungen eingedenk sein und mir die erledigte Pfründe verleihen. Trotzig blieb er stehen, schoß zornige Blicke auf mich und sprach bitter und rasch: »Überlästiger Mensch! Wollen Sie mich auch hier mit Ihrem Ungestüm quälen? War's nicht unverschämt, mich allenthalben mit Briefen zu bestürmen? Wissen Sie denn, daß Sie wegen Ihrer beleidigenden Zudringlichkeit das Benefizium gewiß nicht haben sollen, es ist bereits an einen andern vergeben.« Da ging er, und ich zog bitter lachend davon. So sehr mich seine Wortbrüchigkeit schmerzte, so hatte doch seine rauhe Art und der Vorwand selbst etwas Lächerliches. Wirklich war das Benefizium schon einem jungen geistlichen Musiker verliehen, der ihm von einer Kaufmannsfrau, einer bekannten Domherrnfreundin, empfohlen worden war. Als ich dem Herrn Statthalter die schöne Geschichte nicht ohne beißenden Spott erzählte, lachte er zwar mit, ermahnte mich aber, Herrn Domdechant nicht ferner lächerlich zu machen und benahm sich überhaupt so, daß in mir der Verdacht erwachte, ob er wohl den Kollator nicht selbst angetrieben hätte, mich so schnöde abzuweisen. Beinahe reute es mich nun, sein Empfehlungsschreiben nicht geöffnet zu haben. Nie setzte ich von nun an Vertrauen auf das Versprechen irgendeines Großen und beschloß, Heil und Rettung nur in meinen eigenen Kräften zu suchen.

Mein lieber Freund, Heinrich Geßner, hatte mich schon im vorigen Jahre ermuntert, ich sollte ihm eine kurze Geschichte meines Lebens aufsetzen, um sie einem bekannten großen deutschen Mäcenaten zu überreichen, dem es ein leichtes gewesen wäre, mir entweder unmittelbar durch sich selbst oder durch seine Vorsprache oder per primas preces eine annehmliche Stelle zu verschaffen. Ich gehorchte sogleich Heinrichs Winke und sandte schon im August 1790 den Grundriß meines Lebens an ihn ab. Getreulich stellte er ihn dem berühmten Herrn zu, der ihm versprochen hatte, sich meiner anzunehmen und erwartete von ihm schleunigere Hülfe als ich selbst; aber noch jetzt dürften wir warten. Die einzige bleibende Wirkung, welche meine Bemühung hatte, war die Lust, die in mir aufgeregt ward, mein Leben ausführlich zu schreiben. Ich bemerkte also von Zeit zu Zeit jeden Zug aus meiner Jugendgeschichte, der mir beifiel, mit einzelnen Worten, aber so vollständig als möglich, auf einem besonderen Blatte, reihte dann die Vorfälle genau nach der Zeitordnung und brachte die ausführliche Erzählung derselben im Jahre 1791 nach Muße zu Papier. So entstand gegenwärtige Schrift.

Sobald die Sonne aufging, schien sie durchs Fenster gerad in mein Bett und weckte mich aus meinen Träumen. Ich sprang auf und ging eine Zeitlang täglich mit Kants Kritik der reinen Vernunft und mit Reinholds Versuch einer neuen Theorie des menschlichen Vorstellungsvermögens im Taue spazieren und ruhte nicht, bis ich beide zu verstehen glaubte. Der Versuch, Kants Kritik ganz durchzustudieren, war mir schon mehr als einmal mißlungen; meine Aufmerksamkeit ermüdete, die Phantasie fand zu wenig, woran sie sich halten konnte, und öfters ward ich des Grübelns schon satt, noch ehe ich das Buch zur Hälfte durchlesen hatte. Jetzt aber empfand ich zu sehr die Notwendigkeit, mir wenigstens eine historisch-pragmatische Kenntnis der neuen Philosophie zu erwerben, als daß ich es länger hätte verschieben können, ihre Sätze von Grund aus kennen zu lernen. Ich glaubte einen Sieg errungen zu haben, als ich mich durch die Kritik durchgearbeitet hatte. Die Gewißheit, daß ich nun alle Sätze meines Gedankensystems an unleugbare Axiome und fest bestehende Wahrheiten der Vernunft anreihen könnte, erfüllte mein Herz mit unaussprechlicher Freude. Nachdem ich auch die Kritik der praktischen Vernunft mit weit mehr Leichtigkeit als jene der reinen durchstudiert hatte, war ich armer Zweifler wie ein müder Schwimmender im Meere, der endlich das Glück hat, ans feste Land geworfen zu werden. Ich nahm Anteil an einer Lesegesellschaft und genoß des Vergnügens, die Jenaische allgemeine Literaturzeitung, die Göttinger Anzeigen, den deutschen Merkur, die Berliner Monatschrift, Schlözers Staatsanzeigen und nachher auch die deutsche Monatschrift usw. um einen sehr geringen Preis lesen zu dürfen. So oft ich nun einen philosophischen Aufsatz über Moral, Naturrecht, Theodizee, radikales Böse in der menschlichen Natur und dergl. fand, hatte mein Geist ein Fest. Ich las, prüfte, verglich und ließ mich sehr oft weder Schlaf noch Mühe gereuen, die interessantesten, da und dort zerstreuten Gedanken und Abhandlungen auszugsweise oder vollständig abzuschreiben. Ich bemerkte sehr oft, daß durch diese kleine Bemühung die Sätze der kopierten Schrift sich meiner Seele deutlicher darstellten und tiefer in mein Gedächtnis prägten. Fand ich Einwendungen zu machen, so unterließ ich's nur selten, sie auf kleinen Blättchen zu notieren und der Schrift beizulegen. Manchmal versuchte ich auch, abgezogene interessante Lehren durch populären Vortrag für weniger geübte Denkende genießbarer zu machen oder sie wohl gar im Idyllentone anzupreisen. So weihte ich alle Stunden, die ich dem Schlafe und meinen Registratur- und andern Berufsgeschäften entziehen konnte, der Philosophie und der Dichtkunst und versäumte nebenbei nicht, mich zur Erholung im Violinspielen zu üben und einige leichte Stückchen und Lieder auf dem Klaviere zu lernen. Auch eine elektrische Scheibenmaschine verfertigte ich mir, an der ich sowohl den Handgriff als die vier Reibezeuge isoliert hatte, so daß ich mich selbst, auf dem Isolierbrett stehend, bald positiv, bald negativ elektrisieren konnte. Die Maschine tat so gute Wirkung, daß ich bald, von meinen Bekannten verraten, keinen geringen Zugang neugieriger Leute gefunden hätte, wenn mir nicht dergleichen Besuche ganz zuwider gewesen wären. Kaum hatte ich die Scheibe eingesetzt, so sandte mir der Drechsler, welcher nach meiner Angabe das meiste Holzwerk verfertigt hatte, einen erst vor kurzem während des Schlafes gelähmten Bauersmann zu; ich setzte ihn sogleich auf die Insel und zog aus den gelähmten Gliedmaßen mit einer Drahtspitze oder mit Holz die Elektrizität ab, so lange bis der Mann seine Arme und Finger wieder bewegen und mit vollem Troste einer nahen gänzlichen Genesung nach Hause gehen konnte. Auch die Fräulein des adeligen Damenstifts, samt ihrer Äbtissin, erwiesen mir bürgerlichem Elektrisierer die Ehre, einst sämtlich auf mein kleines Zimmerchen zu kommen, freilich nicht weil sie gelähmt waren, sondern um allerlei Versuche mit anzuschauen und einzeln auf der Insel stehend mit Lachen zu sehen, wie ihre fliegenden Haare sich megärenartig emporsträubten, oder wie ihnen beim scherzhaften Annähern zu schwesterlichen Küssen Funken aus den Nasenspitzen fuhren. Bei dieser Gelegenheit versäumte ich nicht, den Preis der Schönheit und Artigkeit in Gedanken der Verdientesten geben zu wollen, allein ich konnte damit zu keinem förmlichen Entschlusse kommen.

Als ich nach meiner Krankheit wieder zu Kräften gekommen war, äußerte ich vor Herrn Statthalter den Wunsch, ihn wieder einmal nach Dillingen begleiten zu dürfen. Ich sehnte mich herzlich, meinen lieben Vater in Höchstädt besuchen und meinem treuen Fräulein in Dillingen für die zärtliche Aufmerksamkeit danken zu können, mit der sie für meine Verpflegung im Krankenbette gesorgt hatte. Herr Statthalter erlaubte mir willig, ihn beim nächsten Anlasse in mein Vaterland zu begleiten. Bald nach unsrer Ankunft in Dillingen gelang es mir loszukommen. Sogleich eilte ich zu meinem geliebten Fräulein und überraschte sie am Nährahmen. Entzückt hüpfte sie mir entgegen und drückte mir die Hände, als wenn sie mir dieselben zerdrücken wollte. Ihre Mutter war im Zimmer. Unsre Blicke redeten eine feurige Sprache. Kaum ging die gute Frau einen Augenblick weg, so flogen wir einander in die Arme und küßten und herzten einander, wie wenn wir alle Zärtlichkeit in einem Kusse und in einer Umarmung vereinigen wollten. Es waren echte Idyllenstunden, die ich an der Seite meiner Trauten verlebte. Am Morgen nach unsrer Ankunft ging ich nach Höchstädt und weckte meinen lieben Vater aus seinen Träumen. Er empfing mich viel heiterer als ehemals, denn frohe Gesellschaftlichkeit hatte indes sein Gemüt erheitert. Eine gutgesinnte Nachbarsfamilie duldete ihn in ihrer Mitte wie einen Hausfreund und ließ ihn steten Anteil an ihren Unterhaltungen nehmen. Dies munterte den guten Greis so merklich auf, daß er mir vergnügt entgegenkam und selbst durch die gesunde Farbe seines Angesichts den innern Frieden seines Herzens bewährte. Wir verlebten einen sehr frohen Tag miteinander, und ich säumte nicht, ihn auf mein Vorhaben, von dem ich bald reden werde, allmählich vorzubereiten. Den andern Tag, nachdem ich die nötigen Besuche abgestattet hatte, eilte ich wieder nach Dillingen in das Haus meines geliebten Fräuleins, hütete mich aber wohl, meine Ankunft dem Herrn Statthalter oder der akademischen Geistlichkeit durch irgendein Merkmal zu verraten. Ungestört konnte ich also in Gesellschaft meiner Geliebten und ihrer Eltern einen glücklichen Abend hinplaudern. Sie hatte mir auch da und dort im Hause so mancherlei zu zeigen, daß es uns an Augenblicken, einsam zu sein und uns unbemerkt zu küssen, gar nicht fehlen konnte. Erst als die Dämmerung das Ende meines süßen Vergnügens herbeiführte, schieden wir sehr gerührt voneinander, und ich zeigte mich im Konvikte, wo ich mein Absteigequartier genommen hatte, als käme ich erst jetzt von Höchstädt zurück. Am folgenden Tag reiste ich mit Herrn Statthalter wieder nach Augsburg ab. Zum letztenmale hatte ich mein liebes Fräulein gesehen. Das Schicksal machte sie nach ein paar Jahren zur Braut.

Auf dem Wege merkte ich wohl, daß Herr Statthalter mit Sailer und de Haiden gar nicht zufrieden sei, besonders fiel ihm Sailers Herrschsucht auf. Um allein zu glänzen, hatte derselbe alle älteren Professoren, die ihn nicht als das Haupt ihrer Partei verehrten, entweder durch Intrigen unterdrückt oder durch ausgesprengte Anekdoten verächtlich gemacht. Schon damals, als ich im Reisewagen etwas vertraulicher als sonst mit Herrn von Ungelter sprach, merkte ich die geheimen Feindseligkeiten der geistlichen Spitzen untereinander und verspürte die ersten Vorzeichen des großen Kampfes, der bald danach unter ihnen ausbrechen sollte.

Sailer zog jährlich die besten Köpfe aus den Alumnen des Weltpriesterstandes an sich, verschloß sich mit etwa zwölf bis zwanzig derselben von vier bis sechs Uhr abends in sein Zimmer und hielt ihnen religiöse Vorlesungen, in welchen er sie ganz nach seinem Sinne bildete. Anfangs lernten die jungen Geistlichen noch genug Nützliches in diesen geheimen Unterweisungen, so daß ich gar nicht fürchtete, es könnte dadurch der guten Sache der Vernunft einiger Schaden zugehen. Aber Sailer affektierte von Jahr zu Jahr einen heiligeren Ton, bildete seine Auserwählten allmählich zu traurig-andächtigen Frömmlern, verdrehte ihnen mehr und mehr den Kopf mit pietistischer Mystik, lehrte sie nach dem Thomas a Kempis herzzerbrechend seufzen und weinen und erstickte in ihnen alle vordringende Denkkraft. Der Jesuitismus fährt freilich am besten, wenn er seine Herrschsucht hinter Andächtelei und Mystik versteckt. Solange er die Maske der Aufklärung vorhält, läuft er doch immer Gefahr, auf der einen Seite die Jugend klüger und nachdenkender zu machen, als er sie haben will, auf der andern, vom unerfahrenen Haufen mit den wahren Aufklärern vermengt und verfolgt zu werden. Offenbar handelt er also klüger und geht sicherer, wenn er sich im Heiligenscheine der Mystik Jünger wirbt, als wenn er mit der Leuchte der Aufklärung Anhänger sucht.

Die meisten Jesuiten in Augsburg gehörten in die Klasse der Schulmänner und Mitarbeiter, ich möchte sagen, zur niedrigern Stufe der Werkzeuge. Nur wenige Auserwählte unter ihnen standen hinter dem Vorhange und gehörten zur höheren Klasse der Dirigenten oder Führer. Beförderung der Ehre Gottes (Omnia ad majorem Dei gloriam) war von jeher, wenn man sie sprechen hörte, ihr letzter Zweck. Einige der gutherzigsten, seeleneifrigen Werkleute der Obern, die im Hinterhalte stecken, nicht der öffentlich ernannten Rektoren und Administratoren (die eben nicht immer die Schlauesten, aber wohl die Pünktlichsten sein müssen und meistens selbst nur Handlanger sind) – mochten wohl im Ernste, ihrem geringen Fassungsvermögen und ihren beschränkten Einsichten gemäß in fanatischer Einfalt nach diesem Zwecke aufrichtig hinstreben, die Eingeweihten unter ihnen waren wenigstens ganz überzeugt, daß man, um zur Ehre Gottes mit glücklichem Erfolge zu wirken, sich Gewalt und Einfluß verschaffen, das heißt herrschen müsse. Was Wunder, wenn der schlauere, am Irdischen hangende, für die Zukunft weniger als für die Gegenwart interessierte Kopf unter ihnen, manchmal im eifrigen Streben nach dem Mittel, des Zweckes vergißt? Herrschen ist dann das große Ziel, nach dem er aus allen Kräften strebt. Leicht beredet er sich dann, je unumschränkter er herrsche, desto mehr werde die Ehre Gottes befördert. Seine Sache ist alsdann Sache Gottes, und er findet, wenn jemals der Grundsatz, ›der Zweck heiligt die Mittel,‹ anwendbar sei, so müsse er es in Ansehung seines Zweckes sein. Denn – kann es je einen höhern geben, als Gottes Ehre? Deutlich erhellt hieraus, wie es zugeht, daß der Jesuit ein so geschickter Heuchler ist; er betrügt sich ja selbst, indem er sich beredet, er arbeite für den Himmel; da er doch nur sein eigenes wertes Ich zu erheben strebt, wie sollte er andre nicht mit seiner frommen Miene täuschen, welche durch eine so gute Meinung von sich selbst einen Anstrich erhält, der den Zügen der Wahrheit so ähnlich läßt? Hieraus und in der Überzeugung, daß er zu einem Korps gehöre, welches schon wirklich eine große Macht an sich gerissen hat, dieselbe aber ohne die Gnade der Großen nicht beibehalten kann, läßt sich auch die stolze Zuversicht des Jesuiten bei all seiner Unwissenheit, sowie sein Kriechen vor den Großen und seine Geneigtheit, jeden, der es nicht mit ihm hält, zu verleumden, verächtlich zu machen und durch alle mögliche, redliche oder unredliche Mittel zu unterdrücken usw., ohne Umschweife herleiten.

Strenge Orthodoxie nach der finstersten katholischen Dogmatik ist der sichere Rückhalt, den sich der Jesuit aus theologischen und politischen Gründen erkiest hat. Wer wagt es, hinter diesem Vollwerke ihn anzugreifen? Sobald er hinter demselben hervortritt, ist er verletzbar. Orthodoxie ist die magische Kraft, die ihn, wie einst den Achilles, mit Unverletzbarkeit umhüllet und gleich dem harten Überzuge des gehörnten «Ritters Siegfried jeden Kämpfer hindert, dem bezwingbaren Teile seines Gegners beizukommen. Hinter der Orthodoxie versteckt, trifft er jeden Schriftsteller, der nicht nach seinem Sinne schreibt, mit Bann und Interdikt und jede Schrift, die seinen Beifall nicht hat, mit den schimpflichen Prädikaten der Verdammung. Was kann der Beeinträchtigte tun? Sicher im Hinterhalte der Rechtgläubigkeit, lacht der Jesuit der ängstlichen zappelnden Bewegungen des Vögelchens, das er einmal zur Beute ausersehen und nun im Garne hat.

Freilich war es bei den Großen für kurze Zeit Mode, Aufklärung, Toleranz und freiere Denkungsart zu affektieren, und der Jesuit, um seinen Einfluß beizubehalten und nicht unausstehlich zu werden, sah sich genötigt, einige seiner Brüder in den Modeton, so viel als eben nötig war (nicht mehr und nicht weniger), mit einstimmen zu lassen. Aufklärung war ihm nur die Maske und der Modelehrer auch nur Merkzeug zu einem höheren Zwecke, der Macht, nur ein falscher Würfel in der Hand des geheimen Obern. Das ganze Korps hütete sich wohl, in diesem Tone zu lehren, es kannte seinen Vorteil zu gut; der größte Haufe seiner Helfer (Prediger, Volkslehrer und Beichtväter) donnerte desto feuriger auf die verderblichen Aufklärer los, indes der kleinere aber geschmeidigere Teil der Brüder (Hofprediger, Professoren und Geistliche Räte) eine Weile die Toleranten, Glaubensreiniger, Helldenker, machte. Einige derselben drangen sogar in geheime Gesellschaften ein und zeigten sich als Kleriker, Adepten, Mystagogen, Magier, um – allen alles zu werden. Aber es ergab sich bald, besonders nach Ausbruch der französischen Revolution, daß die Aufklärer unter ihnen bei der Rolle, die sie spielten, ihre Rechnung nicht fanden. Der herrschende Ton hatte sie gezwungen, den Schild der Orthodoxie wenigstens um etwas zu wenden. Nun waren sie verletzbar. Ihre blinden Brüder von der finstern Klasse lehrten, predigten, schrieben und intrigierten durch einen Mißverstand und aus Unbekanntschaft mit dem Ganzen selbst gegen sie. Es war nun das Reich, das in sich selbst getrennt ist. Sie mußten einander selber verderben, um fortwährend Einfluß zu haben und herrschen zu können. Hätten sie sich auch einander zu schonen verstanden, so wären sie doch niemals vor dem Anfalle orthodoxer Eiferer, die nicht Jesuiten waren, sicher gewesen. Die Jesuiten nach der Mode befanden sich also diesmal in einer nicht sehr behaglichen Lage, und man darf sich nicht wundern, wenn in diesem Zeitpunkte Jesuiten von Jesuiten bekämpft und verfolgt wurden. Beide Teile liefen nach ebendemselben Ziele, der Herrschergewalt, aber notgedrungen auf verschiedenen Wegen. Orthodoxie mußte ihnen immer die bewaffnete Führerin, Minerva, Aufklärung nur die Magd ihrer Herrschsucht sein. Im Falle eines Konflikts ward die zweite ganz natürlich immer der ersten aufgeopfert. Die Unmöglichkeit, zugleich orthodox und aufgeklärt zu sein, und die Notwendigkeit, welche die Neudenker unter ihnen zwang, zugleich beides dennoch zu scheinen, brachte sie in diese Klemme, aus der sich Sailer selbst nicht unbeschädigt retten konnte, so sehr er auch eilte, vermittels mystischer Frömmelei aus dem Tone der Aufklärung in das Unisono der Orthodoxie allmählich wieder einzufallen.

Ich muß, um die Entwicklung dieser Vorgänge zu verfolgen, in der Zeitrechnung vorspringen und den Faden meiner Geschichte einen Augenblick verlassen. Sailer hatte in Dillingen allmählich unumschränkte Autorität erlangt und es durchgesetzt, daß de Haiden, den er geschickt zu seinem Verbündeten machte, zum beständigen Visitator der Universität ernannt wurde. Ja, es schien sich die Vormacht dieser beiden noch gewaltig zu vermehren, indem sie einen Versuch machten, das Priesterhaus zu Pfaffenhausen in ihre Gewalt zu bekommen, als plötzlich ein Ereignis dem Ganzen ein Ende setzte und die Strengst-Orthodoxen unter den Jesuiten, die vortrefflich ihr Mäntelchen nach dem neuen Winde zu drehen wußten, ans Ruder brachte. Als nämlich die Franzosen gegen Trier vorrückten, flüchtete sich der Kurfürst von Koblenz nach Augsburg. Man kann denken, daß er weder zur Klasse der Demokraten noch der Moderierten gehörte. Wer nur immer eine freie Äußerung von der Kraft eines frischerwachten Volkes sich erlaubte, ward als ein Neuerer und Jakobiner mit scheelen Augen angesehen und von allen Hofleuten als ein Raubtier betrachtet, das sie, wie ihre Vorfahren Bären und Wölfe, ausrotten müßten. Bald wurden – dank der treuen Beihilfe der Jesuiten! – die Prädikate: ein heller Kopf, ein Aufklärer, Illuminate, Jakobiner und Aufrührer, bei Hofe gleichbedeutende Worte (Synonymen), und niemand durfte es wagen, klüger zu scheinen als der Läufer des Kurfürsten, dessen Hauptvorzug darin bestand, mit seinem Herrn immer einerlei Meinung zu sein. Wer es versah und sich's merken ließ, daß er mehr als Predigten und sein Gebetbuch lese, ward ohne weiteres unter die Verdächtigen gezählt. Eine solche Stimmung gab den Jesuiten zu St. Salvator die schönste Gelegenheit, ihre Pläne durchzusetzen und jeden zu verderben, der ihnen im Wege stand. Sie hatten auch nichts Angelegneres, als sich an den Minister Duminique zu halten, ihn beständig zu umlagern und seine ohnehin sehr exaltierte Phantasie, die vom Umsturze aller Throne träumte, noch mehr irrezuleiten: so ward er in ihren Händen ein brauchbares Instrument, ihr Vorhaben auszuführen. Der Geistl. Rat Nigg, als ihr treuester Anhänger, sollte das apostolische Rüstzeug werden, mit dem sie alle diejenigen niederkämpfen wollten, die es nicht ganz aufrichtig mit der heil. Religion, das heißt, mit ihrem Ordensreste, meinten. Alle älteren Geistlichen Räte und Professoren wurden ins Mittel gezogen, um die jüngern außer Wirkung zu setzen. Die Rollen waren zu gut ausgeteilt und die Stimmung des Hofes zu günstig für sie, als daß ihr Spiel mißlingen konnte.

Mit de Haiden hofften sie zuerst fertig zu werden. Der sonst verschmitzte Mann konnte nicht immer den Hauptzug des bayrischen Charakters, gerade Offenheit, verleugnen und hatte in einem Anfalle unpolitischer Schreibsucht eine Schrift verfaßt und herausgegeben, welche in Rom einige Sensation und noch mehr Ärgernis erregte. Der Verfasser schlug darin einen Vergleich der deutschen Bischöfe mit dem Papste vor und stieß durch mehrere, wenn auch größtenteils gerechtfertigte Angriffe die römische Kurie gewaltig vor den Kopf.

Dies hieß nun freilich die Unvorsichtigkeit weit treiben. Die römischen Nuntien, die sich im Vertrauen und in der Stille des Gemachs gegen einzelne Männer von jeher manches Geständnis entwischen ließen, um sie desto zuverlässiger zu ködern und auszulocken, können es unmöglich mit gleichgültigen Augen ansehen, wenn dergleichen Vertraulichkeiten ins Publikum gebracht und sie dadurch in Verlegenheit gesetzt werden. Von nun an zählte der römische Hof auch den allzu offenherzigen de Haiden unter die Embser Copronymen und ließ mit allem Nachdruck gegen ihn arbeiten und intrigieren. Der Nuntius und der Exjesuit Geistl. Rat Stattler zu München leiteten es so ein, daß der Kurfürst von Bayern in allen Jurisdiktionsstreitigkeiten mit dem Bistum Augsburg, die sonst de Haiden als bischöflicher Kommissar zu schlichten pflegte, sich es ausdrücklich verbat, denselben ferner zu dergleichen Geschäften gebraucht zu sehen. Denn Nigg trat nun zu rechter Zeit auf und beredete den Kurfürsten, de Haiden habe Se. Durchlaucht absichtlich verleitet, sein unkanonisches Machwerk zu approbieren, um eine Entzweiung mit dem römischen Hofe anzuzetteln und sich selbst bei den daraus erfolgenden Streitigkeiten notwendig zu machen. Ungelter half treulich dazu, seinen alten Antagonisten zu stürzen, ohne zu vermuten, daß die Reihe bald auch an ihn kommen würde. Er sammelte alle skandalösen Anekdötchen, die er von de Haiden aufbringen konnte, erzählte sie entweder dem Kurfürsten selbst oder doch denjenigen, die immer mit demselben umgingen, so daß er sicher sein konnte, sie würden im Kabinette wieder erzählt werden. Die Geistlichen Räte von seiner Partei ermangelten nicht, ihm in dergleichen gewissenhaften Operationen treulich beizustehen. De Haiden hatte die Unvorsichtigkeit begangen, seitdem er sein neues Haus bewohnte, das ihm nach dem Tode des Provikars Herz vom Hofe angewiesen ward, die Mademoiselle Frings als Haushälterin zu sich zu nehmen. Dies gab den schwachen Seelen seiner Herren Mitkollegen und den übrigen wohlbestellten Sittenwächtern des geistlichen Zions ein so großes Ärgernis, daß sie ihr Bedauern allerorten laut werden ließen und alle frömmelnden Seelen zum Seufzen bewogen. Man säumte nicht, diesen Umstand dem Kurfürsten als einen schreienden Skandal anzuzeigen, ihm vom Konkubinat zu sprechen und wegen der Unmöglichkeit, die jungen Geistlichen zur englischen Reinigkeit wirksam anzuhalten, solange sie bei einem Obern ein so verführendes Beispiel des Gegenteils sahen, dringende Vorstellungen zu machen. Er ließ sich endlich bewegen, den Provikar zur Rede zu stellen und ihm nach einem derben Verweise aufzutragen, seine Haushälterin zu entlassen. Damit er vor dem Publikum nicht zu sehr beschämt würde und die Sache doch unter einem scheinbaren Vorwande verdeckt bliebe, sollte Mademoiselle Frings zu ihrem Bruder, einem Pfarrer, für einige Zeit aufs Land reisen, um ihm sein Hauswesen in Ordnung zu bringen und dann nach Augsburg nicht mehr zu Herrn Provikar, sondern in die Wohnung ihrer Mutter zurückkehren. Aber das Siegesgeschrei der Gegner tönte zu laut, als daß dieser Vorfall den Ohren des Pöbels hätte entgehen können, und die Geistlichen Herren sparten aus christlicher Liebe keine Worte, die Nachricht davon bald in Umlauf zu bringen, es versteht sich, nur damit das gegebene Ärgernis durch Bekanntmachung der Strafe wieder einigermaßen gehoben würde. Nun feierte die siegreiche Bande nicht mehr, den Beschimpften vollends zugrunde zu richten. Man stellte dem Kurfürsten vor, de Halden habe längst wegen seiner Aufführung und nun auch wegen verhängter Ausschaffung seiner Haushälterin alle Achtung und Liebe des Klerus verloren und sei unfähig, nachdem er selbst keinen untadelhaften Wandel geführt habe, ferner mit gutem Erfolge den Geistlichen Obern und Sittenrichter zu machen. Man ließ es auf Kosten des Gestürzten nicht an Spott und lästerlichen Geschichten fehlen. Von den Augsburger Jesuiten gestimmt, trug der Minister Duminique das Seinige reichlich dazu bei. De Haiden mußte das Provikariat resignieren und dann auch vom Geistlichen Rat ausgeschlossen und auf das Konsistorium eingeschränkt, gleichsam im Inkognito, als Vize-Offizial leben, und erhielt selbst am Domherrn von Palmer, der bald darauf zum Offizial ernannt ward, einen Obern.

Kaum war es den Obskuranten gelungen, den Meister zu stürzen, so schickten sie sich schon an, auch seine Werke zu zerstören. Nichts war ihnen so verhaßt gewesen, als seine fortwährende Aufsicht über die Universität in Dillingen. Von daher, fürchteten sie, könnte am leichtesten zu viel Licht kommen und ihren hierarchischen Pfuhl beleuchten. Sie machten also de Haidens Verfügungen verdächtig, und der Regent und Professor Lumper, ein Anhänger Niggs und Schnellers, sammelte in der Stille Anzeigen und Beweise gegen Sailer, der als erster Urheber und Verteidiger der neuen Einrichtung bekannt war, klagte, derselbe werbe jährlich mehrere junge Leute zu einem geheimen Konventikel an, das in seinem Zimmer, bei verschlossener Tür gehalten werde und stellte vor, wie gefährlich für Staat und Religion es sei, so viele angehende Volkslehrer durch Illuminaten-Grundsätze verderben zu lassen. Man wußte dem Kurfürsten ein so schreckhaftes Bild von den Unternehmungen dieser Aufklärer vorzuzaubern, daß er die Geistlichen Räte Nigg und Rößle, de Haidens geschworenste Feinde, als Kommissarien dahin absandte, um dem Unfuge auf den Grund zu sehen.

Bei den Jesuiten trat nun der Fall ein, die Magd der Geliebten aufopfern zu müssen. Sie ließen den einzelnen aufgeklärten Ordensbruder Sailer sinken, um dem Ganzen und der Orthodoxie einen vollständigern Sieg zu sichern. Was lag ihnen daran, daß eines ihrer Werkzeuge beiseite geschoben wurde, das nun doch, seitdem die Aufklärung an den Höfen aus der Mode zu kommen begann, an dem jetzigen Platze für sie nicht mehr so recht brauchbar war? Sailer war ja anderswo auch zu gebrauchen und mochte ohne Schwierigkeit gut versorgt werden. Die ernannte Kommission stattete ihren Bericht ab, und der berühmteste Lehrer an der Universität Dillingen ward entlassen, dem Dekret nach in Gnaden, insgeheim als des Illuminatismus verdächtig.

Bald darauf kam, was eigentlich niemand vermutet hatte, auch an Herrn v. Ungelter die Reihe. Das trug sich folgendermaßen zu: Im Juli d. J. war im Bistum Augsburg ein – Jubiläum. Ungelter setzte sich dagegen, und als es dennoch von Rom verschrieben ward, hielt er's nicht, obgleich der Kurfürst selbst fünfzehn Tage vier Kirchen besuchte (dies war die Vorschrift). Ungelter hatte sich wirklich erklärt, so etwas sei heidnisch, nicht christlich, indem hier, gerade wie bei den gewöhnlichen Wallfahrten, der Wert des Gebetes an das Äußere und nicht an das Innere (im Geist und in der Wahrheit) geknüpft werde und dergl. Der Kurfürst drang öfters darauf, Ungelter sollte sich der aufgeklärten Leute nicht mehr annehmen, denn sie seien gewiß böse gefährliche Menschen. »Aber wenn sie sich doch gut und ordentlich aufführen?« – »Ja, so machen's die Aufklärer, die feineren Illuminaten, sie können sich gar leicht verstellen und viele Jahre lang das rechtschaffenste Leben führen, bloß um sich und ihren verderbten Grundsätzen Eingang zu verschaffen.« Also das hatten sie, die Jesuiten und ihre Anhänger dem Kurfürsten eingebildet! Allein das wäre alles noch nicht so schlimm gewesen. Woraus ihm jedoch der Strick gedreht wurde, das war, daß er sich entschlossen hatte, ein deutsches Brevier herauszugeben. Neben all seiner Strenge unterstützte er nämlich, soweit er die Sache einsah, mit Wärme jede Unternehmung, die zum Besten wahrer Frömmigkeit abzuzwecken schien. Es war dies eine der Eigenschaften, die mich immer wieder an ihn kettete. So begriff er unter anderm, daß es widersinnig sei, dem Volke, das kein Wörtchen Latein versteht, eine Menge Gebete in lateinischer Sprache vorzumurmeln und die einfältigen Nonnen den ganzen Tag mit gedankenlosem Herplappern des römischen Breviers zu martern. Oft ließ er also bei Feierlichkeiten, wo er auf dem Lande den Gottesdienst hielt, aus einer Mainzer Übersetzung des Meßbuches die Meßgebete des Tages von der Kanzel deutsch vorlesen, indes er sie am Altare lateinisch las. Ich selbst mußte öfters dergleichen Vorlesungen halten. Treulich bestärkte ich ihn in seinem Eifer, zur Erbauung des Volkes alles mögliche beizutragen. Um nun auch den Nonnen etwas Besseres als ein lateinisches Gemische ihnen ganz unverständlicher Psalmen in die Hände zu geben, bewog er einen ihm bekannten Karmeliter, ihm ein geistliches Erbauungsbuch zusammenzustellen, das den Namen ›Deutsches Brevier‹ führen sollte, überarbeitete das Ganze noch einmal selbst und gab es zum Teil auf eigene Kosten in den Druck. Die Wirkung des Büchleins unter den Orthodoxen war, zusammen mit einigen andern Vorkommnissen, so stark, daß es dem Statthalter trotz aller sofort inszenierter Rückzugsbewegungen nicht gelang, mit seiner Politik zu siegen. Zwar solange er um den Kurfürsten sein konnte, setzte es die jesuitische Faktion mit dem Widerrufe der Approbation des deutschen Breviers niemals durch. Allein sie führte den Kurfürsten nach München, als Ungelter wegen der Weihen in Augsburg sein mußte. Und hier siegte sie.

Das deutsche Brevier ward verboten, die Zensur förmlich widerrufen. Dadurch ward der Herr Statthalter gestürzt, er legte das Generalvikariat aus ›bewegenden Ursachen‹ nieder und mußte sich dieses Ehrenamtes wenigstens als ›ein halber Aufklärer‹ entsetzt sehen, damit Nigg es übernehmen könnte. Seine übrigen Stellen behielt Ungelter. Zwar drohte er anfangs mit der Niederlegung seiner sämtlichen Stellen, sofern man ihm das Generalvikariat nehmen würde, als er aber sah, daß die herrschende Faktion sich beim Kurfürsten schon so festgesetzt habe, daß ihm dieser eher alle Stellen abnehmen, als ihm jene lassen würde, so wollte er lieber die übrigen behalten, als mit der einen alle entbehren.

So entwickelte sich eine Farce, deren Vorspiel ich bereits auf meiner Rückreise mit Herrn Dompropst, von Dillingen nach Augsburg, einleiten sah. Es ist traurig, daß ich von keinem der mitspielenden Herren sagen kann, er sei mit gerader Ehrlichkeit zu Werke gegangen. Alle ließen sich von ihren eigenen oder andrer Leidenschaften zu weit hinreißen. Am Ende hatte niemand Vorteil von dem ganzen Gefechte als die Jesuiten (welche die gefangene Vernunft wieder in den alten Kerker triumphierend zurückgeschleppt hatten) und ihre Anhänger, die sich für ihre Folgsamkeit mit Ämtern und Ehren belohnt sahen.

Nun verfolge ich wieder den Gang meiner eigenen Geschichte.

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