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Ein königlicher Kaufmann

Ida Boy-Ed: Ein königlicher Kaufmann - Kapitel 5
Quellenangabe
pfad/boyed/koenkauf/koenkauf.xml
typefiction
authorIda Boy-Ed
titleEin königlicher Kaufmann
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
printrun38.-45. Tausend
year1922
firstpub1911
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090107
projectid19315a16
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V

Der erste, der sich im Konferenzsaal einfand, war Dr. jur. Burmeester. Als ständiger Rechtsbeistand der Firma seines Vetters hatte er diesem noch vor Ankunft der übrigen geladenen Herren einige Berichte abzustatten.

Draußen schien die Sonne und vom Fluß herauf kam der Widerschein der schuppigen Unruhe der Wasseroberfläche. In Wellenlinien zitterte das fließende Spiel dieser Lichtbewegung rastlos und gleichmäßig über Schreibtisch und Wand.

Da kam auch schon Baumann und ließ eine breit ausladende Markise herab. Nun hatte das Gespräch der beiden Männer eine Begleitung von allerlei willkürlichen Geräuschen. Der Wind stieß an das Eisengestänge der Markise, daß es knarrte, oder beulte und knuffte in ihre Leinwand hinein; ihr straffes Widerstreben klang so hohl, wie das Blähen von Segeln klingt.

»Du siehst verteufelt blaß und überanstrengt aus,« sagte Burmeester, »und wenn nicht gerade die Senatswahl vor der Tür stände, riet' ich: spann mal aus!«

»Es ist nichts. Ich habe schlecht geschlafen.«

»Wer kommt denn alles?«

»Du wirst es gleich sehen. Unter anderen auch – Sanders.«

Burmeester wunderte sich gar nicht, daß der Name erst nach einem kleinen Anlauf herauskam.

»Bravo!« sprach er kräftig. »Wenn du ihn mit heranziehst, kann er nicht mehr gegen dich arbeiten, was oft zum Schaden des Gemeinwesens geschah – denn Sanders ist schon so: hindert aus Eifersucht und Eitelkeit. Aber da er ja sonst 'n fixer Kerl ist ... Sympathisch hin, sympathisch her – hier kommt's nicht auf persönliche Prädilektionen und Abneigung an, sondern darauf, daß die Tüchtigen Schulter an Schulter arbeiten. Vorwärts müssen wir. Koste es, was es wolle.«

»Und dann ... jawohl, Senator Doktor Landskron kommt auch.«

»Nanu? ... ›Mich dünkt, der Herr ist fehl am Ort‹,« zitierte Burmeester aus den Meistersingern.

»Gewiß – ja, darüber bin ich mir selbst klar – indessen – hör mal, du, Georg – ladet mich doch mit Fräulein Therese ein – du sagtest doch vorgestern ...«

»Gott, das war ja halb und halb Spaß,« sagte Burmeester.

»Was halb und halb Spaß ist, ist eben anderseits halb und halb Ernst,« sprach Bording.

»Freilich– es ist kein unebener Gedanke. Ich könnte das auch unauffällig machen, daß nicht mal Grete was merkt. Das wohl – du kennst vielleicht ihre Manier – immer patronisiert sie irgendein junges Mädchen, befreundet sich innig, trotz größeren Altersunterschiedes – na, und dann erzürnt man sich über kurz oder lang – die Busenfreundschaft kriegt einen Riß und die junge Dame, ohne die bei uns monatelang kein festliches Mahl, kein Tee, kein Ausgang sein konnte, verschwindet von der Bildfläche. Seit einiger Zeit hält Grete es mit Therese Landskron, die aber ihrerseits keine Zeit oder Neigung zu Verkehr mit Hochdruck zu haben scheint. Wenigstens muß man sie viermal bitten, ehe sie einmal kommt. Ich könnte dir ja – wenn sie an einem der nächsten Abende mal bei uns sein sollte – telephonieren und du ›überraschst‹ uns dann ... ja, das ginge natürlich. Aber ...«

Er besann sich noch.

»Weißt du, Jakob, sie ist ein sehr wertvoller Mensch – dies Mädchen – und es, wäre mir doch schrecklich, wenn durch mich Gelegenheit zu Hoffnungen geboten würden, die dann vielleicht in Enttäuschungen endeten. Das fühl mir nach.«

»Wie wollt' ich nicht!« sagte Bording ernst. »Aber nimm mein Wort: wenn diese erste Begegnung – für mich ist sie es im eigentlichen Sinn – wenn sie mir nicht sofort das entscheidende Gefühl gibt, Therese paßt für mich, werde ich jedes weitere Zusammentreffen vermeiden.«

»Das ist ja nun auch wieder verkehrt,« meinte Burmeester seufzend, »denn oft ändert sich der erste Eindruck, völlig ... Grete fand mich anfangs unausstehlich ... ich war der letzte, an den sie dachte ...«

Dies Gespräch blieb zu Burmeesters Erleichterung unentschieden in der Luft hängen – es hätte ja auch, gerade infolge seiner letzten Bemerkung, eine Wendung zum Unentscheidbaren annehmen müssen. – Wie es so geht: das unverantwortlich gesprochene Wort, der flüchtig aufgetauchte Gedanke – sei er an sich noch so vernünftig – werden voll beklemmender Verantwortlichkeit, wenn es sich zeigt: das war Saat auf bereiteten Boden.

»Nee,« dachte Burmeester, »Ehen stiften is ja nu nich mein Geschäft – das wollen wir doch lieber den kaffeetrinkenden und skatspielenden alten Damen überlassen.«

Der Senator Doktor Landskron kam herein, in freundlicher Verlegenheit hinter seiner goldgefaßten Brille lächelnd.

Mit einer Lebhaftigkeit, ja Wärme, die sich in keiner Weise aus ihren bisher nur flüchtigen Beziehungen erklärte, eilte Bording auf ihn zu und begrüßte ihn, voll Dankbarkeit über sein Erscheinen, wie er ausdrücklich und mit viel Verbindlichkeit betonte.

»Ich komme etwas vorzeitig,« begann der Senator, »weil ich Ihnen gern vertraulich –«

Burmeester machte sofort eine Bewegung nach der Tür zu; aber Landskron antwortete schon mit einem Wink, daß er nur bleiben solle.

»Ja, vor Beginn der Konferenz, noch ehe ich die Fragen kenne, die mit zu erörtern Sie mir die Ehre gönnen wollen – ja, ich wollte Ihnen sagen, Herr Bording, daß ich kein Kapitalist bin.«

»Ich weiß es, Herr Senator.«

»Deshalb hätte ich vielleicht keineswegs zur Beratung eines Unternehmens erscheinen sollen, an dem ich mich gar nicht, oder nur in einem lächerlich kleinen Maßstab werde beteiligen können.«

»Doch, Herr Senator, denn es gibt Werte, die noch stärker wuchten als Geld. Sie bringen uns einen solchen. Ihre Persönlichkeit.«

Landskron verbeugte sich ein wenig, mit einem fast rührenden Lächeln, etwas unsicher, voll unbeschreiblich kindlicher Liebenswürdigkeit.

»Therese sagte auch ... ja, sie bestand darauf, als ich Zweifel hatte ...«

»Was sagte Fräulein Therese?« fragte Bording eifrig.

»Sie meinte, es lägen natürlich Ihrerseits Gründe vor, mich einzuladen, und Ihre Gründe, wenn man sie auch noch nicht kenne, seien immer richtig und wichtig.«

»So, so. Ich bin Fräulein Therese für dies Zutrauen dankbar verpflichtet und bitte um die Erlaubnis, ihr meine ehrerbietigsten Grüße senden zu dürfen.«

Doktor Burmeester, obgleich er nicht leicht verdutzt wurde, war doch ein höchst erstaunter Zeuge dieses außerordentlichen Austausches von höflichen Reden. Und er konnte nicht umhin, zu bemerken, daß das Wesen beider Herren gleichsam ineinander hinüberfloß, wie Ströme von Liebenswürdigkeit und Entgegenkommen, die sich vereinen wollen.

»Nanu!« dachte er. Und schloß eine Reihe flinker Vermutungen damit: zwischen Bording und Therese ist offenbar schon längst was im Gange und mein Rat war Senf nach Tisch; es hat Jakob beliebt, mich etwas an der Nase herumzuführen; aber da kann ich die zwei ja auch, ohne Kupplerverantwortlichkeit, schleunigst zusammen einladen.

Daß der eine Mann in einem Vorsatz handelte, den er sich in bitterer Stunde selbst aufgezwungen, konnte er ebensowenig ahnen, wie er die zitternde Aufregung des anderen Mannes zu erraten vermochte, der sich ja gar nichts anderes einbildete, als daß seine Therese und Bording sich füreinander interessierten.

Im Vorzimmer, wo Baumann den Herren beflissen Hut und Stock abnahm, hörte man Stimmen. Burmeester kannte seine Leute und dachte sich, daß sie wohl draußen einer auf den anderen warten und sich gegenseitig etwas auszuhorchen trachten würden, um dann alle auf einmal in geschlossener Gruppe, etwas zögernd und zum Teil unfrei, hereinzukommen. Dieser Voraussicht entsprachen die Herren denn auch.

Indessen war die gegenseitige, allgemeine Begrüßung von einer fröhlichen Kameradschaftlichkeit. Mehrere der Herren nannten sich Du. Sie waren entweder irgendwie miteinander verschwägert oder hatten zusammen auf der Schulbank gesessen. Das war auch der Fall mit Jakob Martin Bording und Meno Sanders.

Seit mehr als sechs Jahren, wenn gemeinsame Pflichten im Dienst der Vaterstadt sie in irgendeiner Kommission zusammenführten, wenn man sich bei Herrendiners oder sonst irgendwo traf – seit mehr als sechs Jahren begegnete Jakob Bording dem Blick des anderen voll gleichgültiger Ruhe.

Und heute – heute, wo er zum ersten Male vielleicht ihn wieder frei hätte ansehen dürfen – heute fühlte er, zu seinem eigenen Schreck, ein rasch einsetzendes Herzklopfen, und eine leichte Röte flackerte über sein Gesicht. Er zwang das nieder, sein Stolz besiegte die peinvolle Demütigung, die in dieser Aufwallung versteckt lauerte.

Auch Sanders hatte mit Unfreiheit zu kämpfen. Dann nahm sein volles, langes Kürbisgesicht einen Ausdruck von Hochmut ohnegleichen an und in den hellen Augen glimmte ein Stechen.

»Ich danke dir, Sanders, daß du gekommen bist.«

»Oh, bitte – ich bin gespannt, was du uns vorzutragen haben wirst.«

»Interessantes hoffe ich; Zukunftreiches denk' ich.«

Und plötzlich vergaß er all die Schranken, die persönliche Abneigung, Schuld und Vorsicht zwischen diesem Manne und ihm aufgerichtet hatten.

»Sanders,« sagte er warm, »es sollte mich herzlich freuen, wenn wir zum ersten Male Hand in Hand gingen. – Wir wollen ja doch beide dasselbe: die neue Blüte unserer Hansestadt!«

Solcher Wärme hatte Meno Sanders sich nicht versehen. Er dachte gleich: »Was bezweckt er damit?« und dachte weiter: »Die Sache wird wohl riskant sein und er hofft mehr von meinem als von seinem Gelde hineinzustecken ...«

Aber er sprach auch seinerseits einiges, worin unbestimmt und allgemein die Worte »vaterstädtische Interessen« und »Pflichten gegen unser auf sich selbst beruhendes Gemeinwesen« vorkamen.

Die anderen Herren taten, als ob sie auf die Begrüßung der beiden Männer, deren unklare, aber starke Gegnerschaft bekannt war, nicht achteten.

Einige von ihnen spaßten und neckten sich.

»Man weiß ja noch nich, was los ist,« sagte der Konsul Hartmann-Flügge, »aber daß du 'n guten Rock dabei anziehst, das ist allemal gewiß.«

Dabei schlug er Burmeester auf die Schulter, der wohlgelaunt lachte.

»Sehr richtig,« stimmte jemand bei, »die Welt stellt sich immer die drei Hansestädte als kaufmännische Republiken vor. Und im Grunde sind wir Kaufleute offenbar bloß da, damit wir die Fettweide für euch Juristen düngen.«

»Meine Herren, lassen Sie mich in Frieden,« sprach Burmeester vergnügt, »schließlich ziehen wir ja alle an einem Strang. Patriotismus und Geschäft durchdringt sich gegenseitig. Kann es was Gesünderes geben? Was man auch unternimmt: Nutzen muß dabei sein, für den Staat und für jeden beteiligten Bürger. Sonst sind die Sachen faul in sich.«

»Ich bitte, meine Herren!« rief jetzt Bording laut und nötigte mit anordnender Handbewegung zum Sitzen.

Nun reihte man sich um den Tisch, auf den durch das Oberlicht helles Licht fiel. Acht Bogen lagen auf der grünen Tischplatte, und neben jedem dieser länglich viereckigen weißen Papierflecke ein schwarzblanker Bleistift.

Der Herr des Hauses saß vor; hinter seinem Rücken blieb die Tür zum Privatkontor auseinandergeschoben und dort saß Naumann, etwaiger Befehle zum Stenographieren oder Telephonieren gewärtig, eine Schachtel mit hustensänftigenden Pastillen in der Seitentasche seines Sakkos.

Rechts neben Bording hatte Senator Doktor Landskron seinen Platz. Rote Bäckchen machten sein bartloses Gelehrtengesicht blühend und er saß beinahe in festlicher Erwartung wie ein Geburtstagskind und dachte immerfort gerührt und strahlend: »Ja, meine Therese ...«

Obgleich sie ja in der Welt Gottes nicht das allermindeste mit dieser Konferenz zu tun hatte.

Ihm folgte in der Reihe Heinrich T. Kröger, ein bärtiger Mann, schon grau, mit nervöser Unruhe im Wesen und schweifenden Blicken. Vom beständigen gebückten Sitzen und Schreiben am Kontorpult seit seinem fünfzehnten bis zu seinem gegenwärtigen sechzigsten Jahre war seine rechte Schulter ein wenig höher und das Blatt trat nach hinten leise heraus, während die Linke etwas hing. Kritische Ablehnung lag vorweg in seiner Miene, ehe er wußte, worum es sich handelte, denn seine Frage war all und jeder Neuerung gegenüber: »Was soll das?«

Als dritter an dieser Seite des Tisches hatte der Konsul Hartmann-Flügge seinen Platz angewiesen bekommen, der etwas einem älteren Hauptmann in Zivil glich, blond und forsch, aber doch von allzu tollem, nicht mehr statthaftem Übermut schon fern. Jedenfalls machte er aber den Eindruck eines Mannes, der sich in unbesorgter Lage fühlt und was von Essen und Trinken versteht. Er hielt die Hände vor sich gemütlich auf dem Tisch gefaltet und sah aus wie einer, der alle Dinge wohlwollend an sich 'rankommen läßt.

Unten am Tisch, hoch und breit, in dem männlichen Charme seiner alternden Gladiatorenerscheinung, saß Burmeester und fuhr sich voll Ungeduld das eine und andere Mal mit fünf Fingern durch sein grauschwarzes, unwahrscheinlich dickes Haar.

Zu seiner Rechten, dem Konsul Hartmann-Flügge gegenüber, wartete der kaufmännische Senator Nikolaus Hedenbrink voll verzehrender Spannung auf Bordings Mitteilungen. Er, Hedenbrink selbst, ein weißhaariger Charakterkopf, an dem kein Mensch vorbeisehen konnte, so bedeutend waren seine etwas scharfen Züge, so klug und fest sein Blick, so stolz die hagere Gestalt – er trug sich auch mit einem großen Plan, ebenfalls eines Unternehmens von weithin wirkenden, förderlichen Möglichkeiten ... Und da er wußte, daß die Duplizität der Ereignisse eine immer wiederkehrende Erscheinung ist, so wäre er nicht erstaunt gewesen, seinen eigenen Plan von Bording entwickeln zu hören – – für welchen Fall er seine Entwürfe und Berechnungen in einer Aktenmappe mit sich führte, um den Konferenzteilnehmern sogleich beweisen zu können, er habe den gleichen oder ähnlichen Gedanken gehabt.

Der ziemlich kleine Mann neben ihm war das, was man einen Sitzriesen nennt. Auf dem Stuhl, am Tische, hätte der Konsul Gundlach auf Fremde ganz stattlich wirken können. Sein weißer, starker Bart mit ausrasiertem Kinn, der Kneifer auf der gebogenen Nase, die kahle Stirn sahen nach etwas aus. Die Einheimischen wußten: wenn er aufstand, war er bloß ein Männchen, das sich rasch und vordrängerisch bewegte und es verstand, niemals übersehen zu werden. Es gab auch keinen Aufruf zu wohltätigem, vaterländischem oder vaterstädtischem Zweck, unter dem sein Name gefehlt hätte. Er war immer und überall dabei und glaubte in verantwortungsvollem Ernst, daß es anders nicht gehe, daß er sich einfach einer Pflicht beuge, und in dem Zwang dieser Autosuggestion brachte er viel Geldopfer. Denn natürlich: das ewige Aufrufunterzeichnen kostete Beiträge, die noch dazu einigermaßen ermunternd sein mußten. Oft, wenn von seinem Konsulat gesprochen wurde, hieß es, er sei Konsul von San Marino, aber das war natürlich nicht wahr. Immerhin vertrat er ehrenamtlich einen Staat von fabelhafter Fernheit und Kleinheit, der noch niemals einen Untertan in der Freien und Hansestadt in hilfsbedürftiger oder notheischender Lage gehabt hatte.

Zwischen Gundlach und dem vorsitzenden Hausherrn hielt sich Sanders imposant, ruhevoll und in äußerer Kälte, ohne zu vermuten, daß Burmeester es ihm an den bebenden Nüstern des Falkennäschens, an der erhöhten Farbe der langen Kürbiswangen ansah, wie er innerlich erregt war.

Bording, räusperte sich etwas. Das war seine Gewohnheit, ehe er zu sprechen begann. Die Linke auf die Mappe mit Dokumenten legend, die Finger der Rechten an die Tischkante gehakt, saß er gerade aufgerichtet, fast unbeweglich und sprach: »Zunächst, meine Herren, lassen Sie mich Ihnen danken, daß Sie meiner Aufforderung nachkamen. Ich darf wohl darin den Beweis erblicken, daß Sie, wenn nicht a priori mit Vertrauen vielleicht, so doch mit Interesse an das herantreten, was Ihnen zu unterbreiten ich mir nun erlauben werde. Es ist mir wohl bekannt, daß der eine oder andere von Ihnen jahrelang der Entwicklung meines Geschäftes mit einigem Mißtrauen gegenübergestanden und mich möglicherweise sogar mit jenem amerikanischen technischen Wunderkünstler verglichen hat, von dessen Arbeiten man jetzt Abbildungen in den Zeitungen sieht und der seine Brücken, ohne jenseitiges Widerlager und ohne Pfeilerstützen, in freiem Bogen in die Luft hineinbaut – wobei man noch nicht weiß: werden diese Bauten Dauerhaftigkeit haben?«

Jeder wußte: dies war vor allen Dingen Sanders gesagt. Während die Runde sich deshalb bemühte, Sanders nicht anzusehen, guckte Hartmann-Flügge in seiner völligen Gentlemanwurstigkeit ihn gerade an und dachte: »Süh so, Meno, nu kriegst du deinen Lex.«

»Mit einiger Genugtuung kann ich darauf verweisen, daß ich glaube, auch die Zögernden und Zweifelnden längst überzeugt zu haben, wenigstens davon, daß ich niemals ein Unternehmen begann, dem es an verständiger und übersichtlicher Grundlage gefehlt hätte. Auch das, an dem teilzunehmen ich heute nicht nur Ihnen proponieren will, sondern auch, je nach den Resultaten unserer Besprechung, einem weiteren Kreis von Mitbürgern, baut sich auf den verheißungsvollsten Vorbedingungen auf. Es ist Ihnen bekannt, meine Herren, daß mein Haus auf seiner ägyptischen Faktorei El Chatb seit acht Jahren Baumwolle gebaut hat. Man hat dort an Ort und Stelle mittels Egreniermaschinen den Samen abgeschieden und in der Hauptsache als Viehfutter und wohl auch zur Ölproduktion verkauft. Wir bauen dort die aus China eingeführte Gossypium religiosum, die gelbe Samenhaare, kurzstapelig, von zwanzig Millimeter Länge hat. Die Ernte ist ihrer Quantität nach stets befriedigend gewesen, weil durch die Nilregulierung und die Gleichmäßigkeit des Klimas alle Zufälligkeiten fast ausgeschlossen sind. Die Ballen der rohen Baumwolle wurden auf dem Schiffswege den westlichen Nil und den Mahmoudiehkanal entlang nach Alexandrien geführt, wo meine eigenen Dampfer, ›Iwan der Große‹ und ›Ramses der Große‹, die eine regelmäßige Verbindung zwischen dort und Odessa unterhalten, sie übernahmen. Unsere Baumwolle wurde abgegeben an Spinnereien in Moskau und Kiew. Indessen hat die Qualität der Baumwolle von Jahr zu Jahr nachgelassen; es besteht kaum ein Zweifel mehr, daß die Ursache davon der zur Regulierung und Ansammlung des Nilwassers gebaute Damm in Oberägypten ist. In dem zurückgehaltenen Wasser sinken die Bestandteile, die die natürliche Düngung der Felder besorgten, es ist vor allem wohl Tatsache, daß sich das Wasser dadurch an seinem Gehalt, besonders an kohlensaurem Kalk, der achtzehn Prozent betrug, erheblich verringert hat. Diese Verhältnisse haben in mir den Plan erstehen lassen, ohne die an sich ja sehr blühende Faktorei El Chatb aufzugeben, Baumwollkultur in Ostafrika, in unserer Kolonie, zu beginnen, in der Voraussicht, daß die dortige Produktion, wenn auch in ihrer Quantität nicht von solcher Regelmäßigkeit, doch in ihrer Qualität ganz besonders erstklassig sein würde.«

Der Senator Hedenbrink hatte längst befriedigt vor sich hingenickt – unwillkürlich – weil er hörte: seinem Plan ward kein Segelwind weggenommen, Bording wollte offenbar ganz wo anders hinaus. Und nun sah er so gesammelt aufmerksam den Sprecher an, daß in der Konzentration seines rechnerischen Nachdenkens ihm eine kleine Ader auf der Stirn anschwoll.

Bording sprach weiter. Er berichtete, daß sein Disponent Peter H. Petersen, von der Regierung der Kolonie unterstützt, beraten von Orts- und Fachkundigen, in Deutsch-Ostafrika Ländereien, soweit angängig längs oder in Nähe der in Bau befindlichen Bahn, aufgekauft habe, die für Baumwollkultur besonders geeignet seien. Man würde dort vorteilhafter die auch in Amerika angebaute Gossypium hirsutum mit langstapeligen Samenhaaren kultivieren. Die Ernte könne mit dem zweiten Jahr beginnen und würde im fünften Jahr des Bestehens der Plantagen volle Produktionskraft darstellen. Mittlere Ernten angenommen, dürfe die Produktion auf zwölf- bis fünfzehntausend Ballen eingeschätzt werden. Auf dem Wasserwege nach Hamburg verfrachtet, von dort durch den Kanal nach hier weitergeführt, würde diese Quantität genügen, um eine hierorts zu gründende Baumwollspinnerei von fünfzigtausend Spindeln und einen Arbeiterstab von zirka siebenhundert Köpfen zu beschäftigen. Bording legte auch dar, wie und wo das Absatzgebiet für das zu erzeugende Fabrikat zu suchen sei, und kam dann auf die Frage der Finanzierung des Unternehmens, das er sich als Gesellschaft mit beschränkter Haftung denke. Das Grundkapital habe vier Millionen zu betragen. Mit einer Million denke er als erster Zeichner aufzutreten. Die Nordische Handelsbank in Hamburg sei wahrscheinlich bereit, mit anderthalb Millionen sich zu beteiligen; der Bescheid hierüber, nach vorangegangenen ausführlichen Verhandlungen mit ihm, solle jetzt, von dieser Konferenz aus, per Telephon erfragt werden; man sei verbunden und der Draht für die Dauer dieser Sitzung belegt. Die weiteren anderthalb Millionen, denke er, würden sich in der Stadt unterbringen lassen. Er wisse, daß bei dem mehr nur wohlhabenden als reichen Charakter der Stadt vielleicht mit Zögerungen und Schwierigkeiten zu rechnen sei, aber da er ganz bestimmt an eine große Zukunft des Unternehmens glaube, so werde durch die Teilnahme vieler eben auch vielen die große Dividende zugeführt. Und mit dieser Teilnahme erwache das Interesse und die Lust für andere, zukünftige Unternehmungen.

Seine Stimme war zuletzt ein wenig spröde geworden. Er spürte mit der Feinheit des Nervösen, auf den die Stimmung der anderen wie von selbst hinüberwirkt, der aus dem Fühlen heraus schon Wissen hat, daß einige der Anwesenden ihm eine obstinate Stumpfheit entgegensetzten. Und das irritierte ihn. Zuletzt richtete er Wort und Blick nur an den scharfzügigen, weißhaarigen Kopf des Senators Hedenbrink, dessen kluge Augen wachsam waren. Große Kaufherren enthusiasmieren sich nie mit lebendigen Gesten und in raschem Feuer. Mit keiner Miene verriet Hedenbrink seinen Beifall oder sein Mißfallen. Er merkte eben nur sehr genau auf.

Jetzt gingen die Bögen mit den topographischen Aufzeichnungen, den Berechnungen und den Entwürfen für die Fabrik, den Abbildungen von Maschinen herum. Mit einem dumpfen, fast glucksenden Ton schwankten die Pappbögen in den Händen, rauschten knitternd die Papierblätter.

Und nebenan, vor dem breiten Fenster, beulte sich der Wind in die Markise, die knarrend widerstrebte.

Der erste, der ein Wort sprach, war Herr Heinrich T. Kröger. Mit dem Ausdruck äußerster Verstimmung sagte er: »Laß die Industriellen ihre Industrie besorgen. Ich bin Kaufmann.«

Der Konsul Hartmann-Flügge, der nachdenklich ein bißchen vor sich hingesummt hatte, lehnte sich zurück, versenkte die Hände in die Taschen seiner hellen Hose und sagte: »Oje – wem liefe nicht das Wasser im Mund zusammen, wenn er von hohen Dividenden hört! Das Dumme ist: es dauert immer zwei, drei Jahr, ehe sie 'reinkommen. Und das kann nicht jeder aushalten. Das finnländische Geschäft is höllisch prekär und mager geworden. Ich sitze da unangenehm fest. Dennoch, Jakob – vorbeilassen will ich das auch nich – Und recht hast du auch: nur wenn breite Kreise sich an neuen industriellen Sachen beteiligen, werden sie gewissermaßen Gemeingut des Ehrgeizes und helfen der Stadt weiter. Ich muß aber leider meine Zeichnung auf zehntausend Em beschränken.«

»Ich habe schon gestern meinem Vetter gegenüber meine Bereitwilligkeit erklärt, mich mit hunderttausend Mark an der Gründung zu beteiligen,« sprach Burmeester.

»Sag' ich es nich – die Juristen!« nickte Hartmann-Flügge vor sich hin.

»Meine Herren!« begann der Konsul Gundlach, indem er sich erhob – was er törichterweise immer tat, wenn er sprach, weil er sich dann noch wichtiger vorkam, während für andere dann erst recht das possierliche Mißverhältnis zwischen seinem Kopf und Körper hervortrat. »Meine Herren!«

Hier folgte schon eine Pause, während welcher Gundlach seinen Kopf erst nach rechts, dann nach links wandte.

»Meine Herren! An dem Einwand meines verehrten alten Freundes Kröger komme ich nicht vorüber. Der steht da wie ein Wahr- und Mahnwort. Jawohl, meine Herren, wir sind Kaufleute – mit Ausnahme unseres verehrten Senators Doktor Landskron und des Herin Doktor Burmeester – jawohl, Kaufleute sind wir. Laß die Kolonisten Plantagen bauen, laß die Industriellen Industrie betreiben.«

Er setzte sich. Er war innerlich sehr zufrieden, eine Devise gefunden zu haben, unter der er verneinen konnte. Denn er würde niemals eingestanden haben, daß es ihm an den Mitteln fehle, eine des Konsuls Gundlach würdige Zeichnung zu machen.

Der Senator Doktor Landskron fühlte sich irgendwie ein wenig wie von einem Vorwurf oder einer Frage betroffen, durch Gundlachs Verbeugung zu ihm hin. Mit seinem heißen Gesicht, etwas atemlos, sprach er: »Ich, meine Herren, bin Jurist. Nicht wie unser verehrter Freund Doktor Burmeester im Gründungswesen, auf dem Kapitalmarkt und in kaufmännischen Fachangelegenheiten hocherfahren...«

»Gerissen,« flüsterte Hartmann-Flügge verbessernd, wofür er von Burmeester unter dem Tisch einen Knuff bekam.

»Ich bin Gelehrter und auch im Senat mehr als alle anderen juristischen Senatoren ein wenig Spezialist in diesen und jenen Verwaltungssachen. Meine Berufung in diese Konferenz hat mich überrascht und ich bin Herrn Bording zu großem Dank dafür verpflichtet. Die glänzenden Darlegungen haben etwas Begeisterndes. Das Unternehmen, wenn es zustande kommt – und ich wünsche heiß, daß es zustande kommt – ist geeignet, unsere Stadt abermals um einen guten Schritt vorwärts zu bringen. Ich bitte Herrn Bording um Erlaubnis, mich in dem sehr bescheidenen Maß, das ich ihm schon vor der Sitzung andeutete, an den Zeichnungen beteiligen zu dürfen. Ich bin nicht vermögend.«

Die Beflissenheit, mit der er diesen Schlußsatz anfügte, hatte für Jakob Bording etwas sehr Wohltuendes. Es lag so viel vornehme Besorgnis darin, in finanzieller Hinsicht von irgendeinem der Anwesenden vielleicht gar überschätzt zu werden. Man sah: dieser feine Mensch, in all seiner Unsicherheit von Entschlüssen, hatte doch die vollkommenste Sicherheit einer Persönlichkeit von reinlichem Stolz.

Bording schaute ihn fast liebevoll und sehr nachdenklich an.

Senator Landskron erwiderte den Blick strahlend. Er seufzte ein wenig. Und dachte abermals höchst unlogisch: »Ja – meine Therese ...«

Die beiden, auf die es hier im praktischen Sinn vor allem ankam, hatten sich noch nicht geäußert. Senator Hedenbrink saß über die Berechnungen gebeugt und verfolgte Zahlengruppen mit dem Bleistift in der Rechten.

Sanders saß starr und stumm. In einer kleinen, wohlfeilen Böswilligkeit ließ er auf seine Äußerung warten. Seinem Verstand, der schnell und scharf war, leuchtete die Sache ein. Er wollte sich, wenn sie zustande kam, auch daran beteiligen. Aber er wollte auch Jakob Bording reizen.

Und außerdem wußte er nicht, wie sich Senator Hedenbrink zu der Angelegenheit stellen werde. Er war von den kaufmännischen Senatoren der einflußreichste und galt als Mann von Entschlossenheit. Sanders dachte, es sei klug, der Meinung des Senators Hedenbrink zu sein – in einem Moment, wo man selbst in den Senat gewählt zu werden wünschte...

Bording hatte in Geschäften die zähe, fruchtbare und für seine Gegner furchtbare Geduld, die große Arbeiter mit großen Zielen haben. Aber dem einzelnen Menschen gegenüber verließ sie ihn manchmal. Und er war in seinem Gefühl unfrei vor Sanders...

Er fing an, seinen Schnurrbart mit kurzen Bewegungen rasch abzuwischen, seine Nasenflügel bebten.

»Nun, Sanders?« fragte er endlich.

»Man müßte ja mal hören, was die Nordische Handelsbank sagt,« antwortete Sanders langsam.

»Das hab' ich bereits mitgeteilt. Sowie wir ihr telephonieren, daß die Gründung einer Gesellschaft, mit dem Zweck der Baumwollkultur in Ostafrika und der Baumwollspinnerei an hiesigem Platz, beschlossen ist, wird sie sich erklären, ob sie sich definitiv mit anderthalb Millionen beteiligen will, und zu welchen Bedingungen.«

»Wenn sie das auch tut – anderthalb Millionen kriegen Sie hier nicht zusammen,« sagte eifrig der Konsul Gundlach, indem er sich erhob, um sich fast sofort wieder zu setzen.

»Die hiesigen Banken sollen natürlich herangezogen werden und die Emission der Aktien übernehmen, sicher wird man auch auf ihre eigene Beteiligung rechnen dürfen,« sagte Burmeester.

Sehr abfällig, fast verächtlich, äußerte Herr Heinrich T. Kröger: »Mit Baumwollspinnerei kriegen Sie die Stadt auch nicht wieder hoch. In früheren Jahrhunderten hat es hier auch nich so was gegeben. Und da waren wir groß. Da regierten wir die Welt, nich bloß hier oben um die Ostsee rum. Das waren andere Zeitläufte. Jawoll, das waren sie. Die können Sie nicht wieder herschaffen.«

Hierauf sprach man ein wenig durcheinander, und Burmeester versuchte in aller Geschwindigkeit eine kleine kulturhistorische Belehrung Krögers.

Da erhob sich eine scharfe, durchdringende Stimme. Senator Nikolaus Hedenbrink sprach, und er war, wie Bording, gewöhnt, gehört zu werden und autoritativ zu sein.

»Meine Herren! Die Einwände der Herren Kröger und Gundlach sind mir nicht entgangen. Ich muß ihnen antworten, daß ein beklagenswertes Beharrungsvermögen sich in den dargetanen Ansichten kundgibt. Wenn es jemals für unsere alte und ruhmreiche Freie und Hansestadt eine günstige Möglichkeit gegeben hat, ihre einstige Blüte in veränderter und den heutigen handelspolitischen Konstellationen gemäßen Form wieder zu erobern, so ist es im Jahrhundert der Technik und der Chemie! Diese beiden gewaltigen Faktoren bestimmen jetzt fast in jedem Beruf die Arbeit, zeigen ihr neue Ziele, zersprengen ihre bisherigen Schranken. Sie sind es, die den Agrarier zum Fabrikanten und Kaufmann machten, sie erweitern das Feld des Kaufmanns und leiten ihn zu Plantagenbau und zur Industrie. Die Kulturaufgaben des Kaufmanns, die ich in unserem bürgerlichen Jahrhundert, im Jahrhundert des Verkehrs, höher einzuschätzen geneigt bin als die fast jedes anderen Berufes, diese Kulturaufgaben haben sich verzehnfacht! Nicht nur die Gesellschaft war früher in Kasten geteilt und ist es bei uns, in verhüllter Weise, vielleicht noch. Auch der Erwerb hatte seine Etiketten und Schranken. Zünftig war der Geist. Zerbrechen wir diese Einseitigkeit, wenn es mit Verstand und Vorsicht geschehen kann. Der Anfang ist seit fünfzehn Jahren ungefähr gemacht, er war, er ist schwer, aber er ist nicht entmutigend. Auch ich, meine Herren, kam in diese Versammlung mit einem Plan, betreffend ein anderes Unternehmen, in der Tasche. Ich erkenne, daß die von Herrn Jakob Bording uns dargestellte Gründung viel weiter vorgediehen ist, als meine Projekte es zur Stunde sind. Ich stelle sie deshalb auf einige Zeit zurück, bezwungen von der Klarheit und Gesundheit des Unternehmens, daran teilzunehmen Herr Bording uns proponiert. Alle heutigen Abmachungen werden ja naturgemäß nur einen provisorischen und noch nicht rechtsverbindlichen Charakter haben, jedermann wird das Material gründlich nachprüfen, aber jedermann wird sich auch an seine hier und heute gegebene Zusage ehrenhaft gebunden halten, wenn die Nachprüfung dem ersten Eindruck entspricht. Ich beantrage deshalb nunmehr: Die hierorts Versammelten, mit Ausnahme der Herren Gundlach, Kröger und Sanders, beschließen die Gründung einer Gesellschaft, deren Zweck es ist, Baumwollkultur in Ostafrika und Baumwollspinnerei am hiesigen Platz zu betreiben.«

»Mit Ausnahme meiner? Wieso?« fragte Sanders mit rotem Kopf.

»Ihre Haltung war so zögernd, daß ich sie für höfliches Fernbleibenwollen hielt,« sprach der Senator Hedenbrink in seiner völlig objektiven Art. Ihm waren der Mensch Bording und der Mensch Sanders ganz egal. Er wußte vielleicht nicht einmal etwas von ihrer kühlen Stellung zueinander. Ihm galt immer nur: die tüchtige Sache, der tüchtige Mann, das Vorwärtskommen der Stadt.

»Aber ich bitte, Herr Senator – –« versicherte Sanders in ergebenstem Ton. Und fuhr dann fort: »Beeindruckt von den Auseinandersetzungen des Herrn Bording erkläre ich mich bereit, vorbehaltlich der von Herrn Senator mit Recht erwähnten Notwendigkeit einer Nachprüfung des Materials, mich mit einem Betrage von Hundertfünfzigtausend Mark an der zu gründenden Gesellschaft zu beteiligen.«

Er würde in diesem Moment sein halbes Leben darum gegeben haben, wenn er sich mit seiner Ziffer in gleicher Höhe neben Bording hätte aufrecken können.

Aber um wenigstens in den Anwesenden die Vorstellung zu erwecken, er sei durchaus in der Lage, wenn er bloß wolle, sprach er jetzt, wo die Sitzung für einen Moment unterbrochen schien, ehe entscheidende Maßnahmen begannen: »Bording ist Junggesell. Der kann sein Kapital immer neu in Unternehmungen 'reinstecken und es so kühn umsetzen, wie er will – ich muß liquides Vermögen sammeln, ich habe Söhne und eine Frau.«

»Und was für eine!« bestätigte Hartmann-Flügge beifällig. Dann fragte er anschließend: »Sag mal, Sanders, heut morgen stand kolossal fettgedruckt in der Zeitung, daß deine Thora 'n Anhänger verloren hat. Ihr bild't euch doch nich ein, daß ihr 'n wiederkriegt?«

»Warum nicht?«

»Fünfzig Em Belohnung?! Das will ich dir mal sagen, mein Junge, Menschenkenner scheinst du nich. Der Anhänger wird doch woll 'ne fromme Liebesgabe höchstselbst von dir gewesen sein? Na – nu ja – dann setzt man den vollen Wert von so 'ner Chose als Belohnung aus.«

Senator Hedenbrink ärgerte sich über dies Zwischengespräch, aber er wußte, daß kein Mensch die Jovialität des Konsuls Hartmann-Flügge aus dem Gleichgewicht zu bringen vermöge, daß ein verweisender Blick oder ein Wort ihn auch nicht weiter träfe, denn ihm imponierte kein Mensch.

Bording aber saß und horchte, mit einem verschlossenen, ernsten Gesicht, in sich hinein.

Sollte das nun immer so gehen, daß jedes flüchtige Gespräch, das diese Frau streifte, ihm Befangenheit brachte? Bei der Erwähnung des Anhängers sah er sich wieder in der lächerlichen und entwürdigenden Stellung auf dem Fußboden. Und er litt ...

Er begriff nicht: früher war das nicht gewesen – all diese Empfindlichkeit – dies Gefühl der Blöße und Erschreckbarkeit ...

War das der bittere Nachgeschmack nach leidenschaftlichem Rausch? Die entnervende Kleinheit des Katzenjammers? Man war doch einst, auf der flammenumloderten Höhe der Liebe so stolz gewesen, so groß – begierig fast nach Leiden, um darin die überragende Macht dieses Gefühls sich einander erweisen zu können – so Tristan- und Isoldenhaft hatte man sich gedeucht ... Und nun?

Er seufzte schwer – ohne sich dessen bewußt zu sein. Alle hörten es. Und sie nahmen es für einen Ausbruch seiner Ungeduld über Hartmann-Flügges Abschweifen.

»Ich zieh mir deinen Seufzer zu,« sagte dieser gemütlich, »aber Schamröte is nich mehr.«

Man wandte sich nun mit voller Sammlung den Arbeiten zu und ernannte einen provisorischen, geschäftsführenden Vorstand. Die Verteilung der Ämter ergab sich von selbst; Jakob Bording schlug, wie es sein Respekt und der Takt gebot, den Senator Nikolaus Hedenbrink zum ersten Vorsitzenden vor. Er selbst nahm die Wahl zum zweiten Vorsitzenden an und Burmeester, Sanders und Hartmann-FIügge wurden Aufsichtsräte, deren Reihe später noch durch Bankdirektoren vom hiesigen Platz und aus Hamburg verlängert werden würde.

Der Senator Doktor Landskron durfte sich wohl an den Beratungen und an der Gründung selbst beteiligen; aber ihm, als juristischem Senator, war durch die Verfassung verboten, was seinen kaufmännischen Kollegen zustand: an der Spitze einer Handelsgesellschaft ein Amt zu übernehmen. Deshalb konnte er nicht in den Aufsichtsrat gewählt werden. Hierüber war Bording etwas perplex. Das hatte er, als mit der Verfassung nicht intim vertraut, nicht gewußt. Beinahe wäre er verlegen geworden. Was fand man nun eigentlich für einen Sinn darin, daß er den Senator Landskron hierher geladen? Ihm war, als müsse es allen auffällig erscheinen und die unbestimmten Gründe würden von allen Anwesenden erraten und plumpe Deutlichkeit bekommen.

Aber das freudig interessierte Gesicht des Senators beruhigte ihn – ward ihm zum angenehmen Eindruck. Wie überflüssig dieses Mannes Gegenwart hier auch war – ihm selbst schien die Beratung und seine Teilnahme daran doch wie ein Vergnügen.

So wandte Bording sich denn seinem Sekretär zu.

»Baumann, melden Sie der Nordischen Handelsbank Hamburg, daß wir die Direktion zu sprechen wünschen.«

Eine erwartungsvolle Stille legte sich über die Gesellschaft.

Baumann meldete: »Direktion Nordische Handelsbank am Telephon.«

»Sanders, willst du das Gespräch führen,« sagte Bording in bestimmendem Ton. Ohne Einwendungen erhob sich Sanders und trat an das Telephon. Es befand sich an der Längswand, ungefähr hinter dem Platz, wo der Konsul Gundlach saß und sich in Ärger verzehrte, weil sein Name bei dieser Gelegenheit nicht mit in den Zeitungen stehen würde; er war schon auf dem Wege zum Entschluß, von Bording eine Anleihe zu erbitten, um sich dann mittels des geliehenen Geldes doch noch in den Vorstand hineinschleichen zu können; Bording mußte doch begreifen, was daran lag, daß Konsul Gundlachs Name das Unternehmen stütze! Man hörte jetzt Sanders etwas belegte Stimme: »Hier Sanders, in Firma Sanders und Kompanie. Ich habe zu melden, daß sämtliche Herren, die bereit sind, sich als Gründer an der Gesellschaft für Baumwollkultur und -spinnerei zu beteiligen, sich hier im Konferenzsaal des Hauses Jakob M. Bording versammelt finden. Die Gründung ist fest beschlossen. Als erster Vorsitzender wurde Herr Senator Nikolaus Hedenbrink in Aussicht genommen, als zweiter Bording selbst. Von den übrigen hier Anwesenden werden Konsul Hartmann-Flügge, Dr. jur. Georg Burmeester und Meno Sanders dem Aufsichtsrat angehören.«

Dann sah man ihn lauschen – wobei seine Augen sich halb zukniffen.

Die Anwesenden hielten den Atem an und der arme Baumann ängstigte sich, daß er gerade jetzt einen Hustenanfall bekommen könne.

Sanders am Telephon wurde rot – horchte weiter, ließ den Hörer, ihn in der Hand haltend, sinken und wiederholte das Gehörte: »Die Nordische Handelsbank ist bereit, sich an der Gesellschaft für Baumwollkultur und -spinnerei in besprochener Höhe zu beteiligen, aber nur, wenn die Firma Jakob M. Bording für die ersten drei Jahre einen Zins von fünf Prozent garantiert. Im Falle die Firma Jakob M. Bording hierzu sich bereit erklärt, will die Nordische Handelsbank das Kapital dem Unternehmen für zehn Jahre lassen und es erst dann, in noch festzustellenden Raten, nach und nach wieder herausziehen. Obgleich die Nordische Handelsbank von der Gesundheit und der Zukunft des Unternehmens sich überzeugt hält, muß sie doch ihren Aktionären gegenüber die Festlegung eines so großen Kapitals mit gewissen Sicherheiten verteidigen.«

»Wenn die Nordische Handelsbank eine Dividendengarantie für die ersten drei Jahre verlangt, werden es alle übrigen Aktieninhaber ebenfalls tun,« sagte Hedenbrink.

Sanders wiederholte die Worte in den Schallfänger hinein und sprach nach einer Pause von noch nicht einer Minute: »Dieser Wahrscheinlichkeit, ja Gewißheit hat die Direktion der Nordischen Handelsbank sich nicht verschlossen. Sie begreift, daß an dieser Frage die Sache scheitern kann, ist aber ihrerseits nicht in der Lage, infolge von bestimmten Direktiven ihres Aufsichtsrates, andere Bedingungen zu bieten. Will Herr Jakob M. Bording das Unternehmen nicht als Gesellschaft mit beschränkter Haftung, sondern einzig auf seine Rechnung entrieren, so liegt alles ganz einfach und die Bank bittet Herrn Bording, in jeder Weise über ihr Entgegenkommen zu verfügen, falls er ihrer Dienste bedürfe.«

Bording stand auf.

»Einen Augenblick,« sagte er, »ich bitte – fünf Minuten ...«

Er ging mit starken, gleichmäßigen Schritten auf und ab, von der Wand am Ende des Konferenzsaales, hinter den Stühlen der drei Herren entlang, bis zum Fenster vorn im Kontor – immer hin und her durch beide Räume.

Drüben, hinter den anderen Stühlen, stand Sanders wartend, mit dem Hörer in der Hand.

Alle schwiegen, in ernstes Nachdenken sich vertiefend. Sogar Hartmann-Flügge dachte benommen: »Der Donner ja – das ist kein Pappenstiel ...« Konsul Gundlach und Herr Heinrich T. Kröger sahen sich scheu und rasch an, in der geheimen Hoffnung, daß nun aus der ganzen Geschichte nichts würde, was sie dann an der Börse und in ihren Familienkreisen als einen Sieg ihrer warnenden Solidität herumsprechen konnten.

Senator Doktor Landskron verfiel in eine allgemeine, ängstliche Bekümmertheit. Er dachte: »Wie wird Therese traurig sein, daß es Menschen gibt, die diesem Mann Schwierigkeiten in den Weg legen.«

Denn so sah er dies an. Und er war in aller Geschwindigkeit zum anstaunenden Bewunderer Bordings geworden.

Hedenbrink aber, der Senator, erfaßte mit Burmeester zusammen am völligsten den fast dramatisch spannungsvollen Inhalt dieser Minuten. Sie wußten wohl beide: wenn die Sache an der Forderung der Zinsgarantie scheiterte, so machte Bording sie für eigene Rechnung. Aber das ideale Moment bei dieser Gründung, das fördernde, anspornende, aufrüttelnde sollte ja gerade sein, daß breite Kreise teilnahmen.

Diese beiden klugen Männer wußten, daß eine solche Gründung nicht nur eine volkswirtschaftliche, daß sie auch eine erzieherische und bildungsfördernde Bedeutung haben könne. Jeder Aktieninhaber nicht nur, alle intelligenteren Köpfe der Bevölkerung würden sich über die in Frage kommenden Materien unterrichten. Das weitete Wissen und Blick. Und wenn die ersten Dividenden hereinkamen, wuchs der Mut – die bescheidenste Vergrößerung des Einkommens, womit sich den Aktieninhabern das Wagnis lohnte, gab Unternehmungslust, trieb zur Wachsamkeit an, erregte den Wunsch, in solchen Dingen urteilsfähig zu werden – ward Vorstufe zum weiteren Aufstieg. Hedenbrink dachte auch zurück. Er erinnerte sich noch der Erzählungen seines Großvaters und Vaters. Durch diese Berichte fuhren auf den lebhaft bevölkerten Landstraßen noch Planwagen dahin, der schwer ausschreitende Fuhrmann im blauen Kittel neben den großen Pferden mit klirrenden Aufzäumungen, den gedankenvoll mitwandernden Wolfspitz fast an seinen Hacken. An der Deichsel baumelte die Laterne, und hart stöhnten die plumpen Räder. Mit lärmender Umständlichkeit führten diese Planwagen Stückgut heran und hinaus. – Segelschiffe erlitten romantische und furchtbare Gefahren, wenn Skorbut die Besatzung befiel – in gelben Postwagen kamen Geschäftsfreunde vorkutschiert, und Briefe wurden einmal am Tage ausgetragen. – Dann, in des Vaters Erzählungen, war der Pulsschlag des Verkehrs schon rascher, und man erinnerte sich voll Erstaunen des Widerspruchs und der Besorgnis, die die erste Eisenbahn hervorrief. Er selbst, Nikolaus Hedenbrink, bewahrte aus seiner Jugend im Gedächtnis das Wunder der ersten Telegramme und wußte noch, wie sein Vater die Ausgabe für ein solches erwogen, und welche Aufregungen entstanden, wenn ein Telegramm eine Antwort selbigen Tages forderte ...

Hedenbrink dachte an das Buch, an dem er sich in seiner Jünglingszeit begeistert hatte, und in Erinnerung an die Erhebung, die er damals empfunden, ging leise ein weiches Lächeln über sein Gesicht. »Soll und Haben.« Ja – wer auf die klassischen Bilder jenes Kaufmannslebens aus gelasseneren Zeiten ein anderes folgen lassen wollte, eines, das den Großkaufmann von heute schilderte, in der Fülle seiner, die Erde umspannenden Beziehungen – sie von seinem Schreibtisch aus bemeisternd, als habe er elektrische Funken in seinen Fingerspitzen ...

Immer unmittelbarer, immer peitschender war der Verkehr geworden und der Zwang zu weittragenden raschen Entschlüssen ...

Was einst in beschaulicher Betrachtung, in weitläufiger Hin- und Herrede lange erwogen ward, ehe es sich zum Entschluß kristallisierte, sollte nun in einer zusammengefaßten Kraft aller Gedanken, die über tausendfältige Möglichkeiten in scharfem Überblick hinglitten, in Minuten entschieden werden ...

Der eigene Vorteil, die Verantwortlichkeit gegenüber fremdem Kapital, der volkswirtschaftliche Schaden oder Nutzen einer Sache, ihre handelspolitische Tragweite, ihr Platz im Rahmen der gegebenen Verhältnisse, ihr Widerhall in der öffentlichen Meinung, die Arbeitsleistung, die sie forderte und die sich den schon vorhandenen Pflichten einzuordnen hatte – – all dies und noch zahllose, unnennbare Feinheiten, Gemütsmomente, die in jedem Verstandesentschluß mit enthalten sein müssen, soll er nicht die Kälte und Unfruchtbarkeit des Eises haben – die ganze ethische und finanzielle Verantwortlichkeit, zusammengepreßt in Minuten – –

»Ja,« dachte Hedenbrink, »das kostet Nerven! Der Kaufherr von heute muß die Phantasie eines Künstlers, die rechnerische Konzentration eines Mathematikers und die Entschlossenheit eines Feldherrn, in einer Minute zusammengefaßt, aufbringen ...«

Und er sah voll hoher Achtung auf den jüngeren Berufsgenossen, der mit blassem, strengem Gesicht, in Nachdenken versunken, auf und ab schritt ... Nun stand Bording still. Er hatte seine Berechnungen beendet. Er sah niemand an. Seine grauen Augen richteten ihren durchdringenden Blick nach der Wand gegenüber auf das kleine dunkle Rund des Schallfängers.

»Ich bin bereit,« sagte er, »für das ganze Kapital für die Dauer von drei Jahren eine Verzinsung von fünf Prozent zu gewährleisten.«

Eine freudige Bewegung entstand.

Mit sehr kräftigem Händedruck sprach Senator Hedenbrink ihm stumm Beifall und Dank aus.

Sanders bebten die Flügel des Falkennäschens zwischen den langen, vollen Wangen. Er dachte erbittert: »Bording läßt es sich was kosten, um sich populär zu machen vor der Senatswahl.«

Kröger rechnete nach: »Der Bank und den Aktionären zahlt er fünf Prozent, mit seinem eigenen Geld in seinem Geschäft macht er fünfzehn und zwanzig, also ist es immer noch ein Profit für ihn, wenn er das Unternehmen zu drei Viertel mit fremdem Geld unter Dach bringt. Und wenn die Geschichte wirklich schon im zweiten Jahr groß verdient, sackt er obenein noch das Plus über die fünf Prozent Dividende ein – so wird er sich das doch wahrscheinlich ausbedingen ...«

Er hatte nicht begriffen, worauf es bei der Sache ankam ...

Man blieb noch eine weitere Stunde zusammen, um die notwendigsten Vorarbeiten zu besprechen. Senator Hedenbrink brachte den Antrag, daß Vorsitzende und Aufsichtsräte während der ersten drei Jahre keinerlei Tantieme beanspruchen wollten, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. In gehobener Stimmung trennte man sich. Am erregtesten war von allen Männern der eine, der mit der bescheidenen einzigen Aktie, die er nehmen wollte und konnte, am allerwenigsten praktisch an der Sache beteiligt schien. Aber seelisch fühlte sich der Senator Doktor Landskron dieser Gründung gewissermaßen höchst nahe. Nicht nur weil er, obgleich er kein Kaufmann war, im Gegensatz zu den Herren Kröger und Gundlach, völlig begriffen hatte, worauf es bei diesem Unternehmen ankam ...

Er sagte nachher seiner Therese: »Er ist ein großer und ein herrischer Mann seiner geistigen Struktur nach. Solche Menschen mögen lieber allein handeln, weil sie allein sich am stärksten fühlen. Aber er lädt sich die Beschwerlichkeit auf, dies Unternehmen zu einem allgemeinen zu machen, weil es die Vaterstadt fördern und den neu und immer stärker in ihr wiedererwachenden hansischen Wagemut stärken kann. Liebe Therese, ich muß dir sagen: ich bewundere ihn.«

Therese fiel ihrem Vater um den Hals, in einer wunschlosen Glückseligkeit, weil er rühmte, was ihr groß war. Bording war ihr ja so fern, so fern.

Auch nicht in ihren leisesten Gedanken, in jenen, die man sich nicht zu stummen Worten formen läßt, und die man doch beinahe deutlich erkennt in sich – nicht einmal in diesem nebulösen Hintergrund ihrer Empfindungswelt sah sie einen Zusammenhang zwischen sich und ihm, oder die Möglichkeit, daß ein solcher einmal von den geheimnisvollen Fingern des Schicksals sollte geknüpft werden.

Nein, nichts dergleichen.

Aber sie fühlte einen fröhlichen Trotz in sich. Wen in aller Welt ging das was an, daß sie diesen Mann aus ihrer Herzenstiefe verehrte? Keinen Menschen. Nicht mal ihn selbst ging das was an!

»Ach, wie schön ist es zu leben, wenn man bewundern kann,« dachte sie.

Und Herr Senator Doktor Landskron mußte nun sein berühmtes genaues Gedächtnis zu schärfster Leistung anhalten. Denn Therese, die in seiner verräucherten Studierstube auf seiner Schreibtischecke saß, wollte alles wissen: was der gesagt hatte, was jener für ein Gesicht gemacht habe, wie viel alle gezeichnet hätten – ob Bording sehr imponierend gewirkt habe – ach, dumme Frage – natürlich hatte er das ... wie es in seinem Privatkontor aussähe ... so viele Dinge, auf die selbst der genaueste Beobachter nicht gemerkt hätte. Aber der Vater war gefällig und erzählte so unersättlich, wie die Tochter fragte.

Und eigentlich saßen sie hier nicht zusammen wie ein gelehrter Würdenträger und seine kluge, gereifte Tochter. Sondern wie zwei Spießgesellen, die miteinander eine wundervolle Heimlichkeit haben.

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