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Ein Kind unserer Zeit

Ödön von Horváth: Ein Kind unserer Zeit - Kapitel 22
Quellenangabe
typefiction
authorEdmund Josef von Horváth
titleEin Kind unserer Zeit
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080317
projectida9cf3da6
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Variationen über ein bekanntes Thema

Im Tal brennen die Dörfer.

Sie stehen in Flammen, umgeben von einer wilden Bergwelt.

Bravo, Flieger!

Obwohl ich euch persönlich nicht riechen kann, muß mans doch der Gerechtigkeit halber anerkennen: Ihr habt ganze Arbeit geleistet!

Mit den Augen der Falken habt ihr alles erspäht.

Mit der Witterung des Wildes alles aufgespürt –

Eine prächtige Meute!

Nichts ist euch entgangen, auch wenn sichs noch so sehr den Bodenverhältnissen angepaßt hat.

Nichts habt ihr übersehen, auch wenn das Rote Kreuz noch so grell sichtbar gewesen ist.

Nichts habt ihr ausgelassen – – keine Fabrik und keine Scheune, keine Kirche und kein Lazarett –

Alles habt ihr erledigt!

Bravo, Flieger! Bravo!

Frohen Mutes folgen wir eueren Spuren.

Immer weiter rücken wir voran –

Vorwärts!

Heimlich, als wären wir Diebe, hatten wir die lächerliche Grenze dieses unmöglichen Staatswesens überschritten – morgen sinds drei Wochen her, aber die Hauptstadt ist schon unser. Heut sind wir die Herren!

Es ist ein kleines Land und wir sind zehnmal so groß – – drum immer nur frisch voran!

Wer wagt, gewinnt – – besonders mit einer erdrückenden Übermacht.

Vorwärts!

Und am Himmel droben über den höchsten Wolken, da ziehen sie mit uns mit, unsere dahingeschiedenen historischen Helden.

Sie feuern uns nach unten an –

Blickt nur voll Befriedigung auf uns herab, ihr Altvorderen, denn nun rächen wir euch!

Was euch vor Jahrhunderten durch Schicksals Tücke und schändlichen Verrat verwehrt war zu erobern – all euere Träume, die werden nun durch die Überlegenheit unserer Aufrüstung Wirklichkeit! Und durch den Geist, der uns beseelt.

Wir lechzen schon nach einer Schlacht, aber wir haben noch gar kein reguläres feindliches Militär getroffen, nur paar Zivilisten mit Gewehr. Wir knüpften sie an den nächsten Baum.

Die Flieger nahmen uns bis heute alles ab und außerdem soll dieses erbarmungswürdige Staatswesen, hört man, überhaupt keine allgemeine Wehrpflicht kennen.

Ein lebensunfähiges Land.

Es soll eine Regierung haben, die es allen ihren Untertanen recht machen möcht.

Die typische Regierung der Korruption.

Es soll Untertanen haben, die ihr höchstes Ideal darin sehen, gut zu essen, gut zu trinken, Familien zu gründen, in faulem Frieden zu arbeiten – –

Das typisch dekadente Volk.

Reif zum Untergang.

Ihre Sprache ist häßlich – – wir verstehen kein Wort.

Sie scheinen keine Lieder zu haben, denn wir hörten sie noch niemals singen. Wir verzichten auch gerne darauf. Ihre Häuser sind niedrig, eng und schmutzig. Sie waschen sich nie und stinken aus dem Mund. Aber ihre Berge sind voll Erz und die Erde ist fett. Ansonsten ist jedoch alles Essig.

Selbst ihre Hunde taugen einen Dreck. Räudig und verlaust streunen sie durch die Ruinen –

Keiner kann die Pfote geben.

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