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Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 63
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
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Fünftes Kapitel

Bald darauf erschien Johannes wieder mit seinem Bruder Perseus und ungefähr dreißig entschlossenen armenischen Söldnern, die außer ihren Schwertern kurze Handbeile führten. «Wenn wir drin sind», sprach Johannes, «reißt du, Perseus, das Ausfallpförtchen auf, rechts von der Porta Capuana, im Augenblick, da die andern unsre Fahne auf dem Wall entfalten. Auf dies Zeichen stürzen von außen meine Hunnen auf die Ausfallpforte. Aber wer hütet den Turm an der Porta? Den müssen wir haben.»

«Isak, ein großer Freund der Edomiten, der muß fallen.»

«Er fällt», sprach Johannes und zog das Schwert: «Vorwärts!» Er war der erste, der in den Hohlgang der Wasserleitung stieg. «Ihr beiden, Paukaris und Gubazes, nehmt den Juden in die Mitte: beim ersten Verdacht – nieder mit ihm!»

Und so, bald auf allen vieren kriechend, bald gebückt tastend, bei völliger Dunkelheit, rutschten und schlichen die Armenier ihm nach, sorgfältig jeden Lärm ihrer Waffen vermeidend: lautlos krochen sie vorwärts.

Plötzlich rief Johannes mit halber Stimme: «Faßt den Juden! Nieder mit ihm! – Feinde! Waffen! – Nein, laßt!» rief er rasch, «es war nur eine Schlange, die vorüber rasselte! Vorwärts.»

«Jetzt zur Rechten!» sprach Jochem, «hier mündet die Wasserleitung in einen Tempelgang.»

«Was liegt hier? – Knochen – ein Skelett!»

«Ich halt's nicht länger aus! Der Modergeruch erstickt mich! Hilfe!» seufzte einer der Männer.

«Laßt ihn liegen! Vorwärts!» befahl Johannes. «Ich sehe einen Stern.» – «Das ist das Tageslicht in Neapolis», sagte der Jude – «nun nur noch wenige Ellen.» –

Johannes' Helm stieß an die Wurzeln eines hohen Ölbaums, die sich im Atrium des Tempelhauses breit über die Mündung des Tempelgangs spannten.

Wir kennen den Baum.

Den Wurzeln ausweichend, stieß er den Helm hell klirrend an die Seitenwand: erschrocken hielt er an. Aber er hörte zunächst nur den heftigen Flügelschlag zahlreicher Tauben, die da hoch oben wild verscheucht aus den Zweigen der Olive flogen.

«Was war das?» fragte über ihm eine heisere Stimme.

«Wie der Wind in dem alten Gestein wühlt!» Es war die Witwe Arria. «Ach Gott», sprach sie, sich wieder vor dem Kreuze niederwerfend, «erlöse uns von dem Übel und laß die Stadt nicht untergehen, bis daß mein Jucundus wiederkommt! Wehe, wenn er ihre Spur und seine Mutter nicht mehr findet. O laß ihn wieder des Weges kommen, den er von mir gegangen: zeig' ihn mir wieder, wie ich ihn diese Nacht gesehen, aufsteigend aus den Wurzeln des Baumes.»

Und sie wandte sich nach der Höhlung. «Oh! dunkler Gang, darin mein Glück verschwunden, gib mir's wieder heraus! Gott, führ' ihn mir zurück auf diesem Wege.» Sie stand mit gefalteten Händen gerade vor der Höhlung, die Augen fromm gen Himmel gewendet.

Johannes stutzte. «Sie betet!» sagte er, «soll ich sie im Gebet erschlagen?» – Er hielt inne, er hoffte, sie solle aufhören und sich wenden. «Das dauert zu lange, ich kann unserm Herrgott nicht helfen!» Und rasch hob er sich aus den Wurzeln heraus. Da schaute die Betende mit den halberblindeten Augen nieder; sie sah aus der Erde steigen eine schimmernde Mannesgestalt.

Ein Strahl der Verklärung spielte um ihre Züge. Selig breitete sie die Arme aus. «Jucundus!» rief sie.

Es war ihr letzter Hauch. Schon traf sie des Byzantiners Schwert ins Herz.

Ohne Weheruf, ein Lächeln auf den Lippen, sank sie auf die Blumen: Miriams Blumen.

Johannes aber wandte sich und half rasch seinem Bruder Perseus, dann dem Juden und den ersten dreien seiner Krieger herauf. «Wo ist das Pförtchen?» – «Hier links, ich gehe zu öffnen!» Perseus wies die Krieger an. – «Wo ist die Treppe zum Turm?» – «Hier rechts», sprach Jochem – es war die Treppe, die zu Miriams Gemach führte, wie oft war Totila hier hereingeschlüpft! – «still, der Alte läßt sich hören.»

Wirklich, Isak war es. Er hatte von oben Geräusch vernommen: er trat mit Fackel und Speer an die Treppe: «Wer ist da unten? Bist du's, Miriam, wer kommt?» fragte er.

«Ich, Vater Isak», antwortete Jochem, «ich wollte euch nochmal fragen...» – und er stieg katzenleise eine Stufe höher. Aber Isak hörte Waffen klirren.

«Wer ist bei dir?» rief er und trat vorleuchtend um die Ecke Da sah er die Bewaffneten hinter Jochem kauern. «Verrat, Verrat!» schrie er, «stirb, Schandfleck der Hebräer!» Und wütend stieß er Jochem, der nicht zurück konnte, die breite Partisane in die Brust, daß dieser rücklings hinabstürzte. «Verrat!» schrie er noch einmal.

Aber gleich darauf hieb ihn Johannes nieder, sprang über die Leiche hinweg, eilte auf die Zinne des Turmes und entfaltete die Fahne von Byzanz. Da krachten unten Beilschläge: das Pförtchen fiel, von innen eingeschlagen, hinaus, und mit gellendem Jauchzen jagten – schon war es ganz dunkel geworden – die Hunnen zu Tausenden in die Stadt.

Da war alles aus.

Ein Teil stürzte sich mordend in die Straßen, ein Haufe brach die nächsten Tore ein, den Brüdern draußen Eingang schaffend.

Rasch eilte der alte Uliaris mit seinem Häuflein aus dem Kastell herbei. Er hoffte, die Eingedrungenen noch hinauszutreiben, umsonst: ein Wurfspeer streckte ihn nieder. Und um seine Leiche fielen fechtend die zweihundert treuen Goten, die ihn noch umgaben.

Da, als sie die kaiserliche Fahne auf den Wällen flattern sahen, erhoben sich – unter Führung alter Römerfreunde, wie Stephanos und Antiochos des Syrers – ein eifriger Anhänger der Goten, Kastor, der Rechtsanwalt ward, da er hemmen wollte, erschlagen – auch die Bürger von Neapolis: sie entwaffneten die einzelnen Goten in den Straßen und schickten, glückwünschend und dankend und ihre Stadt der Gnade empfehlend, eine Gesandtschaft an Belisar, der, von seinem glänzenden Stab umgeben, zur Porta Capuana hereinritt.

Aber finster furchte er die majestätische Stirn, und ohne seinen Rotscheck anzuhalten sprach er: «Fünfzehn Tage hat mich Neapolis aufgehalten. Sonst lag ich längst vor Rom, ja vor Ravenna. Was glaubt ihr, daß das dem Kaiser an Recht und mir an Ruhm entzieht? Fünfzehn Tage lang hat sich eure Feigheit, eure schlechte Gesinnung von einer handvoll Barbaren beherrschen lassen. Die Strafe für diese fünfzehn Tage seien nur fünfzehn Stunden – Plünderung. Ohne Mord: – die Einwohner sind Kriegsgefangene des Kaisers – ohne Brand, denn die Stadt ist jetzt eine Feste von Byzanz. Wo ist der Führer der Goten? Tot?»

«Ja», sprach Johannes, «hier ist sein Schwert, Graf Uliaris fiel.»

«Den meine ich nicht!» sprach Belisar. «Ich meine den jungen, den Totila. Was ward aus ihm? Ich muß ihn haben.»

«Herr», sprach einer der Neapolitaner, der reiche Kaufherr Asklepiodor, vortretend, «wenn ihr mein Haus und Warenlager von der Plünderung ausnehmt, will ich's euch wohl sagen.»

Aber Belisar winkte: zwei maurische Lanzenreiter ergriffen den Zitternden. «Rebell, willst du mir Bedingungen machen? Sprich, oder die Folter macht dich sprechen.» – «Erbarmen! Gnade!» schrie der Geängstigte. «Der Seegraf eilte mit wenigen Reitern während der Waffenruhe hinaus, Verstärkung zu holen von Castellum Aurelians: er kann jeden Augenblick zurückkehren.»

«Johannes», rief Belisar, «der Mann wiegt so schwer, wie ganz Neapolis. Wir müssen ihn fangen! Du hast, wie ich befahl, den Weg nach Rom abgesperrt? Das Tor besetzt?»

«Es hat niemand nach dieser Richtung die Stadt verlassen können», sprach Johannes.

«Auf! Blitzesschnell, wir müssen ihn hereinlocken!

Zieh rasch das gotische Banner auf dem Kastell des Tiberius wieder auf und auf der Porta Capuana. Die gefangenen Neapolitaner stelle wieder bewaffnet auf die Wälle: wer ihn warnt, mit einem Augenwinken, ist des Todes. Zieht meinen Leibwächtern gotische Waffen an. Ich selbst will dabei sein! Dreihundert Mann in der Nähe des Tors. Man lasse ihn ruhig herein. Sowie er das Fallgitter hinter sich hat, läßt man's nieder. Ich will ihn lebend fangen. Er soll nicht fehlen beim Triumphzug in Byzanz.»

«Gib mir das Amt, mein Feldherr», bat Johannes. «Ich schuld' ihm noch Vergeltung für einen Kernhieb.» Und er flog zurück zur Porta Capuana, ließ die Leichen und alle Spuren des Kampfes wegschaffen und traf sonst seine Maßregeln.

Da drängte sich eine verschleierte Gestalt heran: «Um der Güte Gottes willen», flehte eine liebliche Stimme, «ihr Männer, laßt mich heran! Ich will ja nur seine Leiche, o gebt acht! Sein weißer Bart! O mein Vater.» Es war Miriam, die der Lärm plündernder Hunnen aus der Kirche nach Hause gescheucht hatte. Und mit der Kraft der Verzweiflung schob sie die Speere zurück und nahm das bleiche Haupt Isaks in ihre Arme.

«Weg, Mädel!» rief der nächste Krieger, ein sehr langer Bajuvare, ein Söldner von Byzanz: – Garizo hieß er. «Halt uns nicht auf! Wir müssen den Weg säubern! In den Graben mit dem Juden!»

«Nein, nein!» rief Miriam und stieß den Mann zurück.

«Weib!» schrie dieser zornig und hob das Beil.

Aber die Arme schützend über des Vaters Leiche breitend und mit leuchtenden Augen aufblickend blieb Miriam furchtlos stehen: – wie gelähmt hielt der Krieger inne: «Du hast Mut, Mädel!» sagte er, das Beil senkend. «Und schön bist du auch, wie die Waldfrau der Luisacha. Was kann ich dir Liebes tun? Du bist ganz wundersam anzuschauen.» – «Wenn der Gott meiner Väter dein Herz gerührt», bat Miriams herzgewinnende Stimme, «hilf mir die Leiche dort im Garten bergen – das Grab hat er sich lange selbst geschaufelt neben Sarah, meiner Mutter, das Haupt gegen Osten.» – «Es sei!» sprach der Bajuvare und folgte ihr. Sie trug das Haupt, er faßte die Knie der Leiche: wenige Schritte führten sie in den kleinen Garten: da lag ein Stein unter Trauerweiden: der Mann wälzte ihn weg, und sie senkten die Leiche hinein, das Antlitz gegen Osten. –

Ohne Worte, ohne Tränen starrte Miriam in die Grube: sie fühlte sich so arm jetzt, so allein; mitleidig, leise schob der Bajuvare die Steinplatte darüber. «Komm!» sagte er dann. «Wohin?» fragte Miriam tonlos. «Ja, wohin willst du?» – «Das weiß ich nicht! – Hab Dank», sprach sie und nahm ein Amulett vom Halse und reichte es ihm: es war von Gold, eine Schaumünze von Jordan, aus dem Tempel.

«Nein!» sagte der Mann und schüttelte das Haupt.

Er nahm ihre Hand und legte sie über seine Augen.

«So», sagte er, «das wird mir gut tun mein Leben lang. Jetzt muß ich fort, wir müssen den Grafen fangen, den Totila. Leb' wohl.»

Dieser Name schlug in Miriams Herz: – noch einen Blick warf sie auf das stille Grab, und hinaus schlüpfte sie aus dem Gärtchen. Sie wollte zum Tore hinaus auf die Straße: aber das Fallgitter war gesenkt, an den Toren standen Männer mit gotischen Helmen und Schilden. Erstaunt sah sie um sich.

«Ist alles vollzogen, Chanaranges?» – «Alles, er ist so gut wie gefangen.» – «Horch, vor dem Wall, – Pferdegetrappel – sie sind's, zurück, Weib.»

Draußen aber sprengten einige Reiter die Straße heran gegen das Tor.

«Auf! Auf das Tor», rief Totila von weitem. Da spornte Thorismut sein Roß heran. «Ich weiß nicht, ich traue nicht!» rief er, «die Straße war wie ausgestorben und ebenso drüben das Lager der Feinde: kaum ein paar Wachtfeuer brennen.»

Da scholl von der Zinne ein Ruf des gotischen Hornes. «Der Bursch bläst ja gräßlich!» sprach Thorismut zürnend. «Es wird ein Welscher sein»! meinte Totila. «Gebt die Losung», riefs herab auf lateinisch. «Neapolis», antwortete Totila entgegen. «Hörst du's? Uliaris hat die Bürger bewaffnen müssen. Auf das Tor! Ich bringe frohe Kunde», fuhr er fort zu den oben Aufgestellten, «vierhundert Goten folgen mir auf dem Fuß: Italien hat einen neuen König.»

«Wer ist's?» fragte es leise drinnen. «Der auf dem weißen Roß, der erste.» Da sprangen die Torflügel auf, gotische Helme füllten den Eingang. Fackeln glänzten, Stimmen flüsterten.

«Auf mit dem Fallgitter», rief Totila, dicht heranreitend. Spähend blickte Thorismut vor, die Hand vor den Augen. «Sie haben gestern getagt zu Regeta», fuhr Totila fort, «Theodahad ist abgesetzt, und Graf Witichis...» –

Da hob sich langsam das Gitter, und Totila wollte eben dem Roß den Sporn geben, da warf sich vor die Hufe seines Hengstes ein Weib aus der Reihe der Krieger. «Flieh», rief sie, «Feinde über dir! Die Stadt ist gefallen!» Aber sie konnte nicht vollenden: ein Lanzenstoß durchbohrte ihre Brust.

«Miriam!» schrie Totila entsetzt und riß sein Pferd zurück.

Doch Thorismut, der längst Argwohn geschöpft, zerhieb, rasch entschlossen, mit dem Schwert, durch das Gitter hindurch, das haltende Seil, an dem das Tor auf und nieder ging, daß es dröhnend vor Totila niederschlug.

Ein Hagel von Speeren und Pfeilen fuhr durch das Gitter. «Auf das Gitter! Hinaus auf sie!» rief Johannes von ihnen: aber Totila wich nicht.

«Miriam, Miriam», rief er in tiefstem Schmerz. Da schlug sie nochmal die Augen auf, mit einem brechenden, von Liebe und Schmerz verklärten Blick: – dieser Blick sagte alles, er drang tief in Totilas Herz. «Für dich!» hauchte sie und fiel zurück. – Da vergaß er Neapolis und die Todesgefahr. «Miriam», rief er nochmals beide Hände gegen sie ausbreitend.

Da streifte ein Pfeil den Bug seines Pferdes, blitzschnell prallte das edle Tier hochschäumend zurück. Das Fallgitter fing an, sich zu heben: da faßte Thorismut nach Totilas Zügel, riß das Pferd herum und gab ihm einen Schlag mit der flachen Klinge, daß es hinwegschoß. «Auf und davon, Herr», rief er, «ja, sie müssen flink sein, die uns einholen.» Und brausend sprengten die Reiter auf der Via Capuana den Weg zurück, den sie gekommen; nicht weit verfolgte sie Johannes im Dunkel der Nacht und das Wegs unkundig. Bald begegnete ihnen die heranziehende Besatzung von Kastell Aurelians: auf einem Hügel machten sie halt, von wo man die Stadt mit ihren Zinnen, in dem Schein der byzantinischen Wachtfeuer auf den Wällen, liegen sah.

Erst jetzt raffte sich Totila aus seinem Schmerz, aus seiner Betäubung auf. «Uliaris!» seufzte er, «Miriam! Neapolis, – wir sehen uns wieder.» Und er winkte zum Aufbruch gen Rom.

Aber von Stund' an war ein Schatten gefallen in des jungen Goten Seele: mit dem heiligen Recht des Schmerzes hatte sich Miriam in sein Herz gegraben für immerdar.

Als Johannes mit den Reitern von seiner fruchtlosen Verfolgung heimkehrte, rief er, vom Pferde springend, mit wütiger Stimme: «Wo ist die Dirne, die ihn gewarnt? Werft sie vor die Hunde.» Und er eilte zu Belisar, das Mißgeschick zu melden.

Aber niemand wußte zu sagen, wohin der schöne Leichnam geraten. Die Rosse hätten sie zertreten, meinte die Menge. Aber einer wußte es besser: Garizo, der Bajuvare. Der hatte sie im Tumult sachte, wie ein schlafend Kind, auf seinen starken Armen davongetragen in das nahe Gärtchen, hatte die Steinplatte von dem kaum geschlossenen Grabe gewälzt und die Tochter sorglich an des Vaters Seite gelegt: dann hatte er sie still betrachtet.

Aus der Ferne scholl das Getöse der geplünderten Stadt, in der die Massageten Belisars, trotz seines Verbots, brannten und mordeten und sogar die Kirchen nicht verschonten, bis der Feldherr selbst, mit dem Schwert unter sie fahrend, Einhalt schuf. –

Es lag ein edler Schimmer auf ihrem Antlitz, daß er nicht wagte, wie er so gern gewollt, sie zu küssen. So legte er denn ihr Gesicht gegen Osten und brach eine Rose, die neben dem Grabe blühte, und legte sie ihr auf die Brust. Dann wollte er fort, seinen Teil an der Plünderung zu nehmen. Aber es ließ ihn nicht fort: er wandte sich wieder um. Und er hielt die Nacht über, an seinen Speer gelehnt, Totenwacht am Grabe des schönen Mädchens.

Er sah auf zu den Sternen und betete einen uralten heidnischen Totensegen, den ihn die Mutter daheim an der Luisacha gelehrt. Aber es war ihm nicht genug: andächtig betete er noch dazu ein christlich Vaterunser. Und als die Sonne emporstieg, schob er sorgfältig den Stein über das Grab und ging.

So war Miriam spurlos verschwunden.

Aber das Volk in Neapolis, das im stillen warm an Totila hing, erzählte, schönheitstrahlend sei ein Schutzengel herabgestiegen, ihn zu retten, und wieder aufgefahren gen Himmel.

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