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Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 36
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
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Siebzehntes Kapitel

Am Morgen darauf erhob sich die schöne Kaiserin vergnügt von dem schwellenden Pfühl, dessen weiche Kissen, mit blaßgelber Seide überzogen, mit den zarten Halsfedern des pontischen Kranichs gefüllt waren.

Vor dem Bette stand ein Dreifuß mit einem silbernen Becken, den Okeanos darstellend, darin lag eine massiv goldne Kugel. Die weiche Hand der Kaiserin hob lässig die Kugel und ließ sie klingend in das Becken fallen: der helle Ton rief die syrische Sklavin in das Gemach, die im Vorzimmer schlief. Mit auf der Brust gekreuzten Armen trat sie an das Lager und schlug die schweren Vorhänge von violetter chinesischer Seide zurück. Dann ergriff sie den sanften iberischen Schwamm, der, in Eselsmilch getränkt, in kristallner Schale ruhte, und bestrich damit sorgfältig die Masse von öligem Teig, die Gesicht und Hals der Kaiserin während der Nacht bedeckte.

Dann kniete sie vor dem Bette nieder, das Haupt fast zur Erde gebeugt, und reichte die rechte Hand hinauf.

Theodora faßte diese Hand, setzte langsam den kleinen Fuß auf den Nacken der Knienden und schwang sich dann elastisch zur Erde. Die Sklavin erhob sich und warf der Herrin, die jetzt, nur mit der Untertunika von feinstem Batist bekleidet, auf dem Palmenholzrand des Bettes saß, den feinen Ankleidemantel von Rosagewebe über die Schultern.

Dann verneigte sie sich, wandte sich zur Tür, rief: «Agave!» und verschwand. Agave, eine junge, schöne Thessalierin, trat ein; sie rollte dicht vor die Herrin den mit unzähligen Büchschen und Fläschchen besetzten Waschtisch von Citrusholz und begann, ihr Gesicht, Nacken und Hände mit weichen, in verschiedene Weine und Salben getauchten Tüchern zu reiben.

«Das große Bad erst gegen Mittag!» sagte sie.

Darauf erhob sich diese vom Lager und glitt auf den bunten, mit Pardelfell überzogenen Stuhl, die Kathedra.

Da schob Agave eine ovale Wanne von Terebinthenholz heran, außen mit Schildpatt bekleidet, gefüllt mit köstlich duftendem Wasser, und hob die zierlichen, glänzend weißen Füße der Herrin hinein. Hierauf löste sie das Netz von Goldfäden, das die Nacht über die blau glänzenden Haare der Kaiserin zusammenhielt, so daß jetzt die weichen schwarzen Wellen über Schultern und Brust wallen konnten. Sie schlang ihr noch das breite Busenband von Purpur um, verneigte sich und ging mit dem Rufe: «Galatea!»

Eine betagte Sklavin löste sie ab, die Amme und Wärterin und, leider müssen wir hinzufügen, die Kupplerin Theodoras in der Zeit, da sie nur erst des Akacius, des Löwenwärters im Zirkus flitterbehängtes Töchterlein und, fast noch ein Kind, der schon tief verdorbne Liebling des großen Zirkus war. Alle Demütigungen und Triumphe, alle Laster und Listen auf der Abenteurerin wechselndem Pfad bis zum Kaiserthron hatte Galatea getreulich geteilt.

«Wie hast du geschlafen, mein Täubchen?» fragte sie, ihr in einer Bernsteinschale die aromatische Essenz reichend, welche die Stadt Adana in Cilicien für die Toilette der Kaiserin in großen Mengen als jährlichen Tribut einzusenden hatte.

«Gut, ich träumte von ihm.» – «Von Alexandros?» – «Nein, du Närrin, von dem schönen Anicius.» – «Aber der Bestellte wartet schon lange draußen in der geheimen Nische.» – «Er ist ungeduldig», lächelte der kleine Mund, «nun, so laß ihn ein.» Und sie legte sich auf dem langen Diwan zurück, eine Decke von Purpurseide über sich ziehend; aber die feinen Knöchel der schönen Füße blieben sichtbar.

Galatea schob den Riegel vor den Haupteingang, durch welchen sie eingetreten, und ging dann quer durch das Gemach zu der Ecke gegenüber, die durch eine eherne Kolossalstatue Justinians ausgefüllt war.

Die scheinbar unbewegliche Last wich sofort zur Seite, sowie die Vertraute eine Feder berührte, und zeigte eine schmale Öffnung in der Wand, welche durch die Statue in ihrer gewöhnlichen Stellung vollständig verdeckt wurde: ein dunkler Vorhang war vor den Spalt gezogen. Galatea hob den Vorhang auf, und herein eilte Alexandros, der schöne junge Gesandte.

Er warf sich vor der Kaiserin aufs Knie, ergriff ihre schmale Hand und bedeckte sie mit glühenden Küssen.

Theodora entzog sie ihm leise. «Es ist sehr unvorsichtig, Alexandros», sagte sie, den schönen Kopf zurücklehnend, «den Geliebten zur Ankleidung zuzulassen. Wie sagt der Dichter? ‹Alles dienet der Schönheit. Doch ist kein erfreulicher Anblick, das Entstehen zu sehn, was nur entstanden gefällt.›

Allein ich hab' es dir bei Abreise nach Ravenna verheißen, dich einmal in meiner Morgenstunde vorzulassen. Und du hast deinen Lohn reichlich verdient. Du hast viel für mich gewagt. – Fasse die Flechten fester!» rief sie Galatea zu, die an die ihr allein zustehende Arbeit gegangen war, das prachtvolle Haar der Gebieterin zu ordnen.

«Du hast das Leben für mich gewagt.» – Und sie reichte ihm wieder zwei Finger der rechten Hand.

«O Theodora», rief der Jüngling, «für diesen Augenblick würd' ich zehnmal sterben.»

«Aber», fuhr sie «warum hast du mir nicht auch von dem letzten Brief der Barbarin an Justinian Abschrift zukommen lassen?» – «Es war nicht mehr möglich, es ging zu rasch. Ich konnte von meinem Schiff keinen Boten mehr senden: kaum gelang es gestern, nach der Landung, dir sagen zu lassen, daß ihr Bild bei den Geschenken sei. Du kamst im rechten Augenblick.»

«Ja, was würde aus mir, wenn ich die Türsteher Justinians nicht doppelt so hoch besoldete als er? Aber Unvorsichtigster aller Gesandten, wie täppisch war das mit der Jahreszahl!»

«O schönste Tochter von Kypros, ich hatte dich mondenlang nicht mehr gesehen. Ich konnte an nichts denken als an dich und deine berauschende Schönheit.»

«Nun, da muß ich wohl verzeihen. Das schwarze Stirnband, Galatea! Du bist ein besserer Liebhaber als Staatsmann. Deshalb hab' ich dich auch hierbehalten. Ja, du solltest wieder nach Ravenna. Aber ich denke, ich schicke einen älteren Gesandten und behalte den jungen für mich. Ist's recht so?» lächelte sie, die Augen halb schließend.

Alexandros, kühner und glühender werdend, sprang auf und drückte einen Kuß auf ihre roten Lippen.

«Halt ein, Majestätsverbrecher», schalt sie und schlug mit dem Flamingofächer leicht seine Wange. «Jetzt ist's genug für heute. Morgen magst du wiederkommen und von jener Barbarenschönheit erzählen. Nein, du mußt jetzt gehn. Ich brauche diese Morgenstunde noch für einen andern.»

«Für einen andern!» rief Alexandros zurücktretend. «So ist es wahr, was man leise zischelt in den Gynäceen, in den Bädern von Byzanz? Du ewig Ungetreue hast –»

«Eifersüchtig darf ein Freund Theodoras nicht sein!» lachte die Kaiserin. Es war kein schönes Lachen. «Aber für diesmal sei unbesorgt – du sollst ihm selbst begegnen. Geh.»

Galatea griff ihn an der Schulter und drehte den Widerstrebenden ohne weiteres hinter die Statue und zur Türe hinaus.

Theodora setzte sich nun aufrecht, das faltige Untergewand mit dem Gürtel schließend.

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