Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felix Dahn >

Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 30
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
Schließen

Navigation:

Elftes Kapitel

«Immerhin», sagte der Hausherr, die Polster glättend, «obwohl ich keine glänzende Rolle dabei spiele.

Also an den vorigen Kalenden etwa kam ich zur achten Stunde aus den Bädern des Abaskantos nach Hause.

Da steht auf der Straße niedergelassen eine Frauensänfte, vier Sklaven dabei, ich glaube, gefangene Gepiden. Unmittelbar aber vor der Türe meines Hauses stehen zwei verhüllte Frauen, die Calantica über den Kopf gezogen. Die eine trug sklavisches Gewand, aber die andre war sehr reich und geschmackvoll gekleidet, und das wenige, was von Wuchs und Gestalt zu sehen, war göttlich. Welch schwebender Schritt, welch feiner Knöchel, welch hochgewölbter Fuß! Als ich näher herankam, ließen sich beide rasch in die Sänfte heben, und fort waren sie. Ich aber – ihr wißt, es steckt des Bildhauers Blut in allen Hellenen –, ich träumte des Nachts von dem feinen Knöchel und dem wogenden Schritt.

Mittags drauf, da ich die Türe öffne, aufs Forum zu gehn zu den Bibliographen, wie ich pflege, seh' ich dieselbe Sänfte rasch von dannen eilen.

Ich gestehe, ohne sonst besonders eitel zu sein, diesmal hoffte ich eine Eroberung gemacht zu haben – ich wünschte es so sehr. Und ich zweifelte gar nicht mehr, als ich, um die achte Stunde nach Hause kommend, wieder meine Fremde, diesmal unbegleitet, an mir vorüberschlüpfen sah und nach ihrer Sänfte eilen. Folgen konnt' ich den raschen Sklaven nicht, so trat ich in mein Haus, froher Gedanken voll. Da sagte Ostiarius: ‹Herr, eine verhüllte Sklavin wartet dein in der Bibliothek.›

Pochenden Herzens eile ich in das Gemach. Richtig, es war die Sklavin, die ich gestern gesehen. Sie schlug den faltigen Mantel zurück: eine hübsche, verschlagne Maurin oder Katthagerin – ich kenne den Schlag – sah mich mit schlauen Augen an.

‹Ich bitte um Botenlohn›, sagte sie, ‹Kallistratos, ich bringe dir gute Kunde.›

Ich faßte ihre Hand und wollte ihr die dunkle Wange streicheln – denn wer die Herrin begehrt, der küsse die Sklavin –, aber sie lachte und sprach: ‹Nein, nicht Eros, Hermes sendet mich.›

‹Meine Herrin› – hoch horchte ich auf –, ‹meine Herrin ist – eine leidenschaftliche Freundin der Kunst. Sie bietet dir dreitausend Solidi für die Aresbüste, die in der Nische neben der Tür deines Hauses steht.›

Laut lachten die jungen Leute, Cethegus mit ihnen.

«Ja, lacht nur», fuhr der Hausherr selbst einstimmend fort, «ich aber lachte damals nicht. Aus all meinen Träumen heruntergefallen, sprach ich verdrießlich: ‹Mir ist das Werk nicht feil.› Die Sklavin bot fünftausend, bot zehntausend Solidi; ich wandte ihr den Rücken und griff nach der Tür.

Da sagte die Schlange: ‹Ich weiß, Kallistratos von Korinth ist unwillig, weil er ein Abenteuer gehofft und fand ein Geldgeschäft.

Er ist Hellene, er liebt die Schönheit, er brennt vor Neugier, meine Herrin zu sehn.› Das war so richtig, daß ich nur lächeln konnte.

‹Wohlan›, sprach sie, ‹du sollst sie sehn. Und dann erneuere ich mein letzt Gebot. Schlägst du's dann dennoch aus, hast du immerhin den Vorteil, deine Neugier gestillt zu haben. Morgen um die achte Stunde kommt die Sänfte wieder. Dann halte dich bereit mit deinem Ares.›

Und sie schlüpfte hinweg. Unruhig blieb ich zurück.

Ich konnte nicht leugnen, meine Neugier war sehr gespannt. Fest entschlossen, meinen Ares nicht herzulassen und die Kunstnärrin doch zu sehen, erwartete ich gierig die bestimmte Stunde. Die Stunde kam, und die Sänfte kam. Ich stand lauschend an meiner offnen Tür. Die Sklavin stieg heraus.

‹Komm›, rief sie mir zu, ‹du sollst sie sehn.›

Bebend vor Aufregung trat ich heran, der Purpurvorhang der Sänfte fiel halb zurück, und ich sah –»

«Nun», rief Marcus, sich vorbeugend, den Becher in der Hand.

«Was ich nie wieder vergessen werde. Ein Gesicht, Freunde, von ungeahnter Schönheit. Kypris und Artemis in einer Person. Ich war wie geblendet. Ich kann sie nicht schildern. Der Vorhang fiel zu. Ich aber sprang zurück, hob den Ares aus der Nische, reichte ihn der Punierin, wies ihr Gold zurück und taumelte in meine Tür, betäubt, als hätt' ich eine Waldnymphe gesehn.»

«Nun, das ist stark», lachte Massurius. «Bist doch sonst kein Neuling in den Werken des Eros.»

«Aber», fragte Cethegus, «woher weißt du, daß diese Zauberin eine Gotin war?»

«Sie hatte dunkelrotes Haar und milchweiße Haut und schwarze Augenbrauen.»

«Alle guten Götter!» dachte Cethegus. Aber er schwieg und wartete.

Keiner der Anwesenden sprach den Namen aus.

«Sie kennen sie nicht», sagte Cethegus zu sich. – «Und wann war das?» fragte der Wirt.

«An den vorigen Kalenden.»

«Ganz richtig», rechnete Cethegus; «da kam sie von Tarentum durch Rom nach Ravenna. Sie ruhte hier drei Tage.»

«Und so hast du», lachte Piso, «deinen Ares eingebüßt für einen Blick. Schlechter Handel! Diesmal waren Merkur und Venus im Bunde. Armer Kallistratos.»

«Ach», sagte dieser, «die Büste war gar nicht so viel wert. Es war moderne Arbeit. Jon in Neapolis hat sie vor drei Jahren gemacht. Aber ich sag' euch, einen Pheidias hätt' ich hingegeben um jenen Anblick.»

«Ein Idealkopf?» fragte Cethegus, wie gleichgültig, und hob den ehernen Mischkrug, der vor ihm stand, scheinbar bewundernd, auf

«Nein, das Modell war ein Barbar – irgendein Gotengraf – Watichis oder Witichas – wer kann sich die hyperboreischen Namen merken!» sagte Kallistratos seinen Bericht schließend und einem Pfirsich die Haut abziehend.

Nachdenklich schlürfte Cethegus aus seiner Schale von Bernstein.

 << Kapitel 29  Kapitel 31 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.