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Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 29
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
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Zehntes Kapitel

Es war eine sechspfündige Steinbutte, seit Jahren im Meerwasserweiher des Kallistratos mit Gänselebern gemästet. Der vielgepriesene «Rhombus» kam auf silberner Schüssel, ein goldenes Krönchen auf dem Kopf.

«Alle guten Götter und du, Prophete Jonas!» lallte Balbus zurücksinkend in die Polster, «der Fisch ist mehr wert als ich selber.» – «Still, Freund», warnte Piso, «daß uns nicht Cato höre, der gesagt: wehe der Stadt, wo ein Fisch mehr wert als ein Rind.» Schallendes Gelächter und der laute Ruf: Euge belle! übertönte den Zornruf des Halbberauschten.

Der Fisch ward zerschnitten und köstlich erfunden.

«Jetzt, ihr Sklaven, fort mit dem matten Massiker. Der edle Fisch will schwimmen in edlem Naß. Auf, Syphax, jetzt paßt, was ich zu dem Gelage beigesteuert. Geh und laß die Amphora hereinbringen, welche die Sklaven draußen in Schnee gestellt. Dazu die Phialen von gelbem Bernstein.»

«Was bringst du Seltenes, aus welchem Land?» fragte Kallistratos. «Frag', aus welchem Weltteil? bei diesem vielgereisten Odysseus», sagte Piso.

«Ihr müßt raten. Und wer errät, wer diesen Wein schon gekostet hat, dem schenk' ich eine Amphora, so hoch wie diese.»

Zwei Sklaven, eppichbekränzt, schleppten den mächtigen, dunkeln Krug herein: von schwarzbraunem Porphyr und fremdartiger Gestalt, mit hieroglyphischen Zeichen geschmückt und wohlvergipst oben an der Mündung.

«Beim Styx! Kommt er aus dem Tartarus? Das ist ein schwarzer Gesell», lachte Marcus.

«Aber er hat eine weiße Seele – zeige sie, Syphax.» Der Nubier schlug mit dem Hammer aus Ebenholz, den ihm Ganymedes reichte, sorgfältig den Gips herunter, hob mit silberner Zange den Verschluß von Palmenrinde heraus, schüttete die Schicht Öl hinweg, die oben schwamm, und füllte die Pokale. Ein starker berauschender Geruch entstieg der weißen, klebrigen Flüssigkeit. Alle tranken mit forschender Miene.

«Ein Göttertrank!» rief Balbus absetzend. – «Aber stark wie flüssiges Feuer», sagte Kallistratos.

«Nein, den kenn' ich nicht!» sprach Lucius Licinius.

«Ich auch nicht», beteuerte Marcus Licinius. – «Aber ich freue mich, ihn kennen zu lernen», rief Piso und hielt Syphax die leere Schale hin.

«Nun», fragte der Wirt, zu dem letzten, bisher fast ganz stummen Gast zu seiner Rechten gewendet, «nun, Furius, großer Seefahrer, Abenteurer, Indiensucher, Weltumsegler, wird deine Weisheit auch zuschanden?»

Der Gefragte erhob sich leicht von den Kissen, ein schöner athletischer Mann von einigen dreißig Jahren, von bronzener, wettergebräunter Gesichtsfarbe, kohlschwarzen, tiefliegenden Augen, blendend weißen Zähnen und vollem Rundbart nach orientalischem Schnitt.

Aber ehe er noch sprechen konnte, fiel Kallistratos rasch ein: «Doch, beim Zeus Xenius, ich glaube, ihr kennt euch gar nicht?» Cethegus maß die fesselnde Erscheinung mit scharfem Blick. «Ich kenne den Präfekten von Rom», sagte der Schweigsame. – «Nun, Cethegus, und dies ist mein vulkanischer Freund, Furius Ahalla, aus Korsika, der reichste Schiffsherr des Abendlands, tief wie die Nacht und heiß wie das Feuer. Er hat fünfzig Häuser, Villen und Paläste an allen Küsten von Europa, Asien und Afrika, zwanzig Galeeren, ein paar tausend Sklaven und Matrosen und –»

«Und einen sehr geschwätzigen Freund», schloß der Korse. «Präfekt, mir ist es leid um dich, aber die Amphora ist mein. Ich kenne den Wein.» – Und er nahm ein Kibitzei und zerschlug es mit goldenem Löffel.

«Schwerlich», lächelte Cethegus spöttisch.

«Doch. Es ist Isiswein. Aus Ägypten. Aus Memphis.» Und ruhig schlürfte er das goldrötliche Ei.

Erstaunt sah ihn Cethegus an. «Erraten», sagte er dann. «Wo hast du ihn gekostet?» – «Notwendig da, wo du. Er fließt ja nur aus einer Quelle», lächelte der Korse. – «Genug mit euren Geheimnissen! Keine Rätsel unter den Rosen!» rief Piso. – «Wo habt ihr beiden Marder dasselbe Nest gefunden?» fragte Kallistratos.

«Nun», rief Cethegus, «wisset es immerhin. Im alten Ägypten, im heil'gen Memphis voraus, haben sich immer noch, dicht neben den christlichen Einsiedlern und Mönchen in der Wüste, glaubenszähe Männer und namentlich Frauen erhalten, die nicht lassen wollen von Apis und Osiris und besonders treu den süßen Dienst der Isis pflegen. Sie flüchten von der Oberfläche, wo die Kirche das Kreuz der Askese siegreich aufgepflanzt, in die Tiefen, in den geheimen Schoß der großen Mutter Erde mit ihrem heiligen teuren Wahn. In einem Labyrinth unter den Pyramiden des Cheops haben sie noch einige hundert Krüge geborgen des mächtigen Weines, welcher dereinst die Eingeweihten zu den Orgien der Freude, der Liebe berauschte. Die Kunde geht geheimgehalten von Geschlecht zu Geschlecht, immer nur eine Priesterin kennt den Keller und bewahrt den Schlüssel.

Ich küßte die Priesterin, und sie führte mich ein: – sie war eine wilde Katze, aber ihr Wein war gut: – und sie gab mir zum Abschied fünf Krüge mit aufs Schiff.

«So weit hab' ich es mit Smerda nicht gebracht», sagte der Korse; «sie ließ mich trinken im Keller, aber als Andenken gab sie mir nur das mit» – und er entblößte den braunen Hals. – «Einen Dolchstich der Eifersucht», lachte Cethegus. «Nun, mich freut, daß die Tochter nicht aus der Art schlägt. Zu meiner Zeit, das heißt, als mich die Mutter trinken ließ, lief die kleine Smerda noch im Kinderröckchen. Wohlan, es lebe der heil'ge Nil und die süße Isis.» Und die beiden tranken sich zu.

Aber es verdroß sie, ein Geheimnis teilen zu sollen, das jeder allein zu besitzen geglaubt.

Doch die andern waren bezaubert von der Laune des eisigen Präfekten, der jugendlich wie ein Jüngling mit ihnen plauderte und jetzt, da das beliebteste Thema für junge Herren unter den Bechern angeregt war – Liebesabenteuer und Mädchengeschichten –, unerschöpflich übersprudelte von Streichen und Schwänken, die er meistens selbst erlebt. Alle hingen mit Fragen an seinen Lippen. Nur der Korse blieb stumm und kalt.

«Sage», rief der Wirt und winkte dem Schenken, als gerade das Gelächter über eine solche Geschichte verhallt war, «sag' an, du Mann buntscheckiger Erfahrung: ägyptische Isismädchen, gallische Druidinnen, nachtlockige Töchter Syriens und meine plastischen Schwestern von Hellas –, alle kennst du und weißt du zu schätzen, aber sprich, hast du je ein germanisch Weib geliebt?»

«Nein», sagte Cethegus, seinen Isiswein schlürfend, «sie waren mir immer zu langweilig.»

«Oho», meinte Kallistratos, «das ist zuviel gesagt. Ich sage euch, ich habe an den letzten Kalenden einen Wahnsinn gehabt für ein germanisch Weib, die war nicht langweilig.»

«Wie, du, Kallistratos von Korinth, der Aspasia, der Helena Landsmann, erglühst für ein Barbarenweib? O arger Eros, Sinnenverwirrer, Männerbeschämer», schalt der Präfekt.

«Ja, wenn du willst, war's eine Sinnesverwirrung: ich habe nie dergleichen erfahren.»

«Erzähle, erzähle», drängten die andern.

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