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Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 27
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
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Achtes Kapitel

«Und im Schmause – wie weit seid ihr damit?» fragte Cethegus, «schon bei den Äpfeln? sind es diese?»

Und er sah blinzelnd nach zwei Fruchtkörben von Palmenbast, die hoch aufgehäuft auf einem Bronzetisch mit elfenbeinernen Füßen prangten. «Ha, Triumph!» lachte Marcus Licinius, des Lucius jüngerer Bruder, der sich mit der liebhaberischen Spielplastik der Mode abgab. «Da siehst du meine Kunst, Kallistratos! Der Präfekt nimmt meine Wachsäpfel, die ich dir gestern geschenkt, für echt.» – «Ah, wirklich?» rief Cethegus wie erstaunt, obwohl er den Wachsgeruch längst ungern vermerkt. «Ja, Kunst täuscht die Besten. Bei wem hast du gelernt? Ich möchte dergleichen in meinem kyzikenischen Saal aufstellen.»

«Ich bin Autodidakt», sagte Marcus stolz, «und morgen schicke ich dir meine neuen persischen Äpfel: – denn du würdigst die Kunst.»

«Aber das Gelag ist doch zu Ende?» fragte der Präfekt, den linken Arm auf das Polster der Kline stützend.

«Nein», rief der Wirt, «ich will es nur gestehn: da ich auf unsern Festkönig erst zur Trinkstunde rechnen durfte, hab' ich noch einen kleinen Nachschmaus zu den Bechern gerüstet.» – «O du Frevler», rief Balbus, sich mit der zottigen Purpurgausape die fettglänzenden Lippen wischend, «und ich habe so schrecklich viel von deinen Feigenschnepfen gegessen!» – «Das ist wider die Verabredung!» rief Marcus Licinius. – «Das verdirbt meine Sitten!» sagte der fröhliche Piso ernsthaft. – «Sprich, ist das hellenische Einfachheit?» fragte Lucius Licinius. – «Ruhig, Freunde», tröstete Cethegus mit einem Zitat: «Auch unverhofftes Unheil trägt ein Römer stark.»

«Der hellenische Wirt muß sich nach seinen Gästen richten», entschuldigte Kallistratos, «ich fürchte, ihr kämt mir nicht wieder, böte ich euch marathonische Kost.» – «Nun, dann bekenne wenigstens, was noch droht», rief Cethegus, «du, Nomenklator, lies die Schüsseln ab: ich werde dann die Weine bestimmen, die dazu gehören.»

Der Sklave, ein schöner lydischer Knabe, in einem bis an die Knie aufgeschlitzten Röckchen von blauer pelusischer Leinwand, trat dicht neben Cethegus an den Tisch von Zypressenholz und las von einem Täfelchen ab, das er an goldenem Kettchen um den Hals trug: «Frische Austern aus Britannien in Thunfischbrühe mit Lattich.» – «Dazu Falerner von Fundi», sprach Cethegus ohne Besinnen. «Aber wo steht der Schenktisch mit den Pokalen? Rechter Trunk mundet nur aus rechter Schale.»

«Dort ist der Schenktisch!» und auf einen Wink des Hausherrn fiel der Vorhang zurück, der die eine Ecke des Zimmers, den Gästen gegenüber, verhüllt hatte.

Ein Ruf des Staunens flog von den Tischen.

Der Reichtum der dort zur Schau gestellten Prunkgeschirre und der Geschmack ihrer Anordnung war selbst diesen verwöhnten Augen überraschend. Auf der Marmorplatte des Tisches stand ein geräumiger silberner Wagen mit goldnen Rädern und ehernem Gespann: es war ein Beutewagen, wie sie in römischen Triumphen aufgeführt zu werden pflegten: und als köstliche Beute lagen darin Pokale, Gläser, Schalen jeder Gestalt und jedes Stoffes in scheinbarer Unordnung, doch mit kunstverständiger Hand gehäuft.

«Bei Mars dem Sieger», lachte der Präfekt, «der erste römische Triumph seit zweihundert Jahren. Ein seltner Anblick! Darf ich ihn zerstören?» – «Du bist der Mann, ihn wieder aufzurichten», sagte Lucius Licinius feurig. – «Meinst du? Versuchen wir's! Also zum Falerner die Kelche dort von Terebinthenholz.»

«Weindrosseln vom Tagus mit Spargel von Tarent!» fuhr der Lydier fort. «Dazu den roten Massiker von Sinuessa aus jenen amethystnen Kelchen.»

«Junge Schildkröten von Trapezunt mit Flamingozungen.»

«Halt an, beim heiligen Bacchus», rief Balbus. «Das sind ja die Qualen des Tantalus. Mir ist ganz gleich, aus was ich trinke, aus Terebinthen oder Amethyst – aber dies Aufzählen von Götterbissen mit trocknem Gaumen halt' ich nicht mehr aus. Nieder mit Cethegus dem Tyrannen, er sterbe, wenn er uns hungern läßt.» – «Mir ist, ich wäre Imperator und hörte das getreue Volk von Rom. Ich rette mein Leben und gebe nach. Tragt auf, ihr Sklaven.» Da tönten Flöten aus dem Vorgemach, und im Takte der Musik schritten sechs Sklaven, Efeu um die glänzend gesalbten Locken, in roten Mänteln und weißen Tuniken heran. Sie reichten den Gästen frische Handtücher von feinstem sidonischem Linnen mit weichen Purpurfransen.

«Oh», rief Massurius, ein junger Kaufmann, der vornehmlich mit schönen Sklaven und Sklavinnen handelte und in dem zweideutigen Ruhme stand, der feinste Kenner solcher Ware zu sein, «das weichste Handtuch ist ein schönes Haar» – und er fuhr dem eben neben ihm knienden Ganymed durch die Locken. «Aber, Kallistratos, jene Flöten sind hoffentlich weiblichen Geschlechts – auf mit dem Vorhang – laß die Mädchen ein.»

«Noch nicht», befahl Cethegus. «Erst trinken, dann küssen. Ohne Bacchus und Ceres, du weißt –»

«Friert Venus, nicht Massurius.»

Da erscholl aus dem Seitengemach der Klang von Lyra und Kithara, und ein trat ein Zug von acht Jünglingen in goldgrün schillernden Seidengewändern, worauf der «Anrichter» und der «Zerleger»: die sechs andern trugen Schüsseln auf dem Haupt: sie zogen im Taktschritt an den Gästen vorüber und machten vor dem Anrichttisch von Citrus halt. Während sie hier beschäftigt, waren, erklangen vom Mittelgrunde her Kastagnetten und Zimbeln, die großen Doppeltüren drehten sich um ihre erzschimmernden Säulenpfosten, und ein Schwarm von Sklaven in der schönen Tracht korintischer Epheben strömte herein. Die einen reichten Brot in zierlich durchbrochenen Bronzekörben, andre verscheuchten die Mücken mit breiten Fächern von Straußenfedern und Palmblättern, einige gossen Ö1 in die Wandlampen aus doppelhenkeligen Krügen mit anmutvollen Bewegung, indes etliche mit zierlichen Besen von ägyptischem Schilf von dem Mosaikboden die Brosamen fegten und die übrigen Ganymed die Becher füllen halfen, die jetzt schon eifrig kreisten.

Damit stieg denn die Raschheit, die Wärme des Gesprächs, und Cethegus, der, wie überlegen nüchtern er blieb, völlig im Moment versunken schien, bezauberte durch seine Jugendlichkeit die Jünglinge.

«Wie ist's», fragte der Hausherr, «wollen wir würfeln zwischen den Schüsseln? Dort neben Piso steht der Würfelbecher.» – «Nun, Massurius», meinte Cethegus mit einem spöttischen Blick auf den Sklavenhändler, «Willst du wieder einmal dein Glück wider mich versuchen? Willst du wetten gegen mich? Gib ihm den Becher, Syphax!» winkte er dem Mauren.

«Merkur soll mich bewahren!» antwortete Massurius in komischem Schreck. «Laßt euch nicht ein mit dem Präfekten – er hat das Glück seines Ahnherrn Julius Cäsar geerbt.»

«Omen accipio!» lachte Cethegus, «das nehm' ich an, mitsamt dem Dolch des Brutus.»

«Ich sag' euch, er ist ein Zauberer! Erst jüngst hat er eine ungewinnbare Wette gegen mich gewonnen an diesem braunen Dämon. –» Und er wollte dem Sklaven eine Feige ins Gesicht werfen: aber dieser fing sie behende mit den glänzend weißen Zähnen und verzehrte sie mit ruhigem Behagen.

«Gut, Syphax», lobte Cethegus, «Rosen aus den Dornen der Feinde! Du kannst ein Gaukler werden, sobald ich dich freilasse.»

«Syphax will nicht frei sein, er will dein Syphax sein und dein Leben retten wie du seins.»

«Was ist das – dein Leben?» fragte Lucius Licinius mit erschrockenem Blick. – «Hast du ihn begnadigt?» fragte Marcus.

«Mehr, ich hab' ihn losgekauft.»

«Ja, mit meinem Gelde!» brummte Massurius.

«Du weißt, ich hab' ihm dein verwettet Geld sofort als Peculium geschenkt.»

«Was ist das mit der Wette? Erzähle, vielleicht ein Stoff für meine Epigramme», fragte Piso.

«Laßt den Mauren selbst erzählen – sprich, Syphax, du darfst.»

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