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Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 166
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
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Neuntes Kapitel

Freudig erstaunt kehrten alsbald von Narses die beiden Tribunen Licinius und Julianus zurück in das Zelt des Präfekten. «Abermals hast du gesiegt, o Cethegus!» rief Licinius. «Du hast recht behalten, Präfekt von Rom», sprach Salvius Julianus. «Ich begreife es nicht, – aber Narses überläßt dir wirklich Rom.» – «Ah», frohlockte Piso, der mit eingetreten war, «Cethegus, das ist dein altes, cäsarisches Glück. Neu steigt dein Stern, der sich seit dieses unheimlichen Kranken Auftreten geneigt zu haben schien. Mir ist, auch sein Geist hat manchmal epileptische Anfälle. Denn, bei gesundem Geist dich, ohne Widerstand, nach Rom zu lassen – nein: quem deus vult perdere dementat! Nun wird Quintus Piso wieder auf dem Forum wandeln und an den Läden der Buchhändler nachsehen, ob die Goten fleißig seine ‹epistolas ad amabilissimum, carissimum pastorem Adalgothum et ejus pedum› (Briefe an den höchst liebenswürdigen und geliebten Hirtenknaben Adalogth und seinen Knüttel) gekauft haben.»

«So hast du in der Verbannung gedichtet, wie Ovidius?» lächelte Cethegus.

«Ja», meinte Piso, «die sechsfüßigen Verse kamen leichter, seitdem sie nicht mehr die Goten, die um einen Fuß länger sind, zu scheuen hatten. Unter dem Lärm gotischer Gelage war auch im Frieden schon nicht gut dichten gewesen.»

«Darüber hat er drollige Verse gemacht, mit gotischen Wörtern dazwischen gemengt», warf Salvius Julianus ein. «Wie fingen sie nur noch an: ‹Inter hails gothicum skapja –?›»

«Versündige dich nicht an meinen Worten. Falsch zitieren darf man das Unsterbliche nicht.»

«Nun, wie lauten die Verse?» frug Cethegus.

«Folgendermaßen», sprach Piso.

‹De conviviis barbarorum.
Inter: ‹hails Gothicum! skapja matjan jah drinkan!›
Not audet quisquam dignos educere versus:
Calliope madido trepidat se jungere Baccho,
Ne pedibus non stet ebria Musa suis.›
(Über die Gelage der Barbaren.
Unter dem Gotischen: «Heil! schafft Essen und Trinken den Goten!»
Kann kein vernünftiger Mensch ein erträgliches Verslein ersinnen:
Vor dem Bacchus im Rausch bebt lang die verschüchterte Muse,
Und dem benebelten Vers auch! versagen die taumelnden Füße.)

«Schauderhafte Poesie», meinte Salvius Julianus.

«Wer weiß», lachte Piso, «ob der Durst der Goten nicht unsterblich wird durch diese Verse.»

«Aber meldet nun genauer: was hat Narses geantwortet?»

«Er hörte uns erst sehr ungläubig zu», sprach Licinius.

«‹Freiwillig›, fragte er mißtrauisch, ‹sollten sich die vorsichtigen Römer wieder isaurische Besatzung erbitten und den Präfekten, dem sie so viel Hunger und unfreiwillige Tapferkeit verdanken?›

Ich aber erwiderte: er unterschätze wohl der Römer Römertum. Und es sei deine Sache, ob du dich getäuscht. Ließen uns die Römer nicht freiwillig ein, so seien siebentausend Mann doch gewiß zu schwach, die Stadt zu stürmen. Das schien ihm einzuleuchten. Er verlangte nur das Versprechen, daß wir, wenn nicht freiwillig eingelassen, nicht Gewalt versuchen, sondern dann sofort hierher zurückkehren würden.»

«Das glaubten wir in deinem Namen versprechen zu dürfen», ergänzte Julianus.

«Ihr durftet», lächelte Cethegus.

«‹Gut›, sagte Narses, ‹von mir aus steht nichts im Wege, wenn euch die Römer aufnehmen.› Und – so völlig harmlos ist er», fuhr Licinius fort, «daß er auch deine Person nicht als Geisel behalten zu wollen schien, denn er fragte: ‹wann will der Präfekt aufbrechen?› Er setzte also voraus: du führtest selber deine Isaurier nach Rom! Und auch dawider hat er nichts! Er war sichtlich erstaunt, als ich entgegnete: du zögest vor, hier den Untergang der Goten mit anzusehen.»

«Nun, wo ist er denn, dieser schreckliche Narses, der überlegene Staatsmann? Auch mein Freund Prokop hat ihn arg überschätzt, als er ihn mir einmal ‹den größten Mann der Zeit› nannte.»

«Der größte Mann der Zeit heißt: – – anders!» rief Licinius.

«Prokop natürlich muß seines Belisars überlegenem Feinde die Palme zuerkennen vor allen Erdensöhnen. Aber diesen plumpsten Schnitzer des ‹größten Mannes›, mich freiwillig nach Rom zu lassen, sollte man fast benutzen», fuhr Cethegus nachsinnend fort. «Die Götter könnten zürnen, wenn wir solche Mirakel der Verblendung, die sie für uns vollbringen, nicht nützen. Ich ändere meinen Entschluß: – mich zieht es nach dem Kapitol: – ich gehe mit euch nach Rom. Syphax, wir brechen auf, sogleich – sattle mein Roß.»

Da gab Syphax seinem Herrn einen warnenden Wink.

«Verlaßt mich, Tribunen», sprach Cethegus. «Gleich ruf ich euch wieder.»

«O Herr», rief Syphax eifrig, als beide allein waren, «nur heute gehe noch nicht. Sende jene voraus. Morgen früh angle ich zwei große Geheimnisse aus der See. Ich sprach heute schon, unter seinem Boote durchtauchend, jenen Fischer. Er ist kein Fischer. Er ist ein Sklave, ein Briefsklave Prokops.»

«Was sagst du?» rief Cethegus rasch und leise.

«Wir konnten nur wenige Worte flüstern. Die Langbärte standen am Ufer, mich beobachtend. Sieben Briefe Prokops, offen und heimlich geschickt, haben dich nicht erreicht. Drum wählte er diesen klugen Boten. Heute in dieser Nacht fischt er bei Fackellicht auf Thunfische. Dabei wird er mir den Brief Prokops geben. Er hatte ihn heute nicht bei sich. Und morgen früh, – heute hemmte die Krankheit – morgen badet Narses wieder im Meeresschlamm. Ich habe nun einen Versteck im Schilf gefunden, prächtig nahe: – und ich kann pfeifen, wie die Otter, falls sie wirklich Blasen aufsteigen sehen sollten aus dem Wasser. Ich sah die kaiserliche Post mit dicken Felleisen ankommen: Basiliskos nahm sie in Empfang. Warte nur noch bis morgen früh, gewiß verhandelt Narses morgen mit ihm und Alboin die neuesten Geheimnisse aus Byzanz. Oder laß mich allein zurück...–»

«Nein, das würde dich als Späher sofort kennzeichnen. Du bist mehr wert als zehnfach dein Gewicht in Gold, Syphax. Ich bleibe bis morgen noch», rief er den wieder Eintretenden entgegen.

«O Feldherr, komm mit uns», bat Licinius. «Fort aus der erdrückenden Nähe dieses Narses», mahnte Julianus.

Aber Cethegus furchte die hohe Stirn. «Überragt er mich noch immer in euren Augen? Der Tor, der Cethegus aus seinem Langobarden-bewachten Lager nach Rom entläßt, den Hecht aus seinem Netz zurück ins Wasser wirft! Allzusehr doch hat er euch eingeschüchtert! Morgen abend folg' ich euch. Ich habe hier noch ein Geschäft, das nur ich verrichten kann. Rom ohne Widerstand besetzen, das könnt ihr auch ohne mich. Ich hole euch aber gewiß unterwegs schon bei Terracina ein. Wenn nicht, rückt ruhig in Rom ein. Du, Licinius, wahrst mir das Kapitol.»

Mit leuchtenden Augen erwiderte Licinius: «Hoch ehrst du mich, mein Feldherr! Mit meinem Herzblut steh' ich dir dafür ein. Darf ich eine Bitte wagen?» – «Nun?» – «Setze dich nicht wieder so tollkühn dem Speerwurf des Gotenkönigs aus! Vorgestern warf er zwei Speere zugleich gegen dich: mit der Linken und mit der Rechten. Wenn ich nicht mit dem Schilde den aus der linken Hand gefangen... –»

«Dann, mein Licinius, hätte ihn der Jupiter des Kapitols von mir hinweggeblasen. Denn er braucht mich noch! Aber du meinst es treu.»

«Laß Roma», mahnte Licinius, «nicht verwitwen!»

Cethegus blickte ihn mit seinem unwiderstehlich gewinnenden Blick ehrender Liebe an. Und fuhr fort:

«Salvius Julianus, du besetzest das Grabmal Hadrians: du, Piso, den Rest der Stadt am linken Tiberufer, zumal die Porta latina; durch diese folge ich euch. Narses allein öffnet ihr so wenig, wie weiland Belisar allein. Lebt wohl, grüßt mir mein Rom. Sagt ihm: der letzte Kampf um seinen Besitz, der zwischen Narses und Cethegus, habe mit des Cethegus Sieg geendet. Auf Wiedersehn in Rom! Roma eterna!»

«Roma eterna!» wiederholten begeistert die Tribunen und eilten hinaus.

«Oh, warum ist dieser Licinius nicht Manilias Sohn!» sagte Cethegus, dem Jüngling nachblickend, «Torheit des Herzens! Was bist du so zäh! Licinius, du sollst mir als mein Erbe Julius ersetzen! Oh, wärst du doch selber mein Julius!»

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