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Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 165
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
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Achtes Kapitel

Ernsten Sinnes, aber nicht mehr in tränenweicher Stimmung, hatte Adalgoth seinem jungen Weibe den Entschluß des Königs und den letzten Ausweg aus Knechtschaft und Schmach mitgeteilt. Er erwartete einen Ausbruch des Schmerzes, wie er selbst ihn kaum niedergekämpft.

Aber zu seinem Staunen blieb Gotho unerschüttert.

«Ich habe das längst vorausgesehen, mein Adalgoth.

Das ist kein Unglück –: ein Unglück ist nur, im Leben verlieren, was man liebt. Ich habe höchstes Erdenglück erreicht. Ich ward dein Weib. Ob ich das nun zehn Jahre bleibe oder zwanzig oder ein halbes kaum – das ändert nichts. So sterben wir zusammen, an einem Tag, wohl in einer Stunde. Denn König Teja wird nicht verbieten, wenn du in der letzten Schlacht dein Teil getan und, vielleicht verwundet, nicht weiter kämpfen kannst, daß du hierher zurückkehrst und mich auf den Arm nimmst – wie oft daheim auf dem Iffinger – und mit mir in die Tiefe springst. O mein Adalgoth», rief sie, ihn heftig umarmend, «wie glücklich waren wir! Wir wollen's verdienen durch mutigen Tod, ohne feiges Jammern. Der Baltensproß soll nicht sagen», lächelte sie, «das Hirtenkind habe nicht Schritt halten können mit seiner Seele.

Mir steigt die Großheit unsrer Berge mächtig im Gemüt empor.

Der Ohm Iffa hat mich beim Scheiden gemahnt, der frischen, freien Bergluft zu gedenken, der strengen, hehren Zucht der stolzen Höhen, wann uns das Leben in den niedern, engen Goldgemächern zu klein und dumpf auf den Seelen lasten würde. Das hat uns nicht bedroht. Aber auch nun, da es galt, die Seele emporzureißen zu diesem Todesentschluß aus zagem, weichem Schmerz – der mich auch wohl beschleichen wollte – auch um die stolze Kraft zum stolzen Tod zu finden, hat mich das Bild der Heimatberge stark gemacht: ‹Schäme dich›, sprach ich still zu mir, ‹schäme dich, Tochter der Berge! Was würden die Iffinger und der Wolfshaupt und alle die steinernen Heldenriesen sagen, sähen sie das Hirtenkind verzagen? Sei deiner Berge wert und deines Baltenhelden.›» Und stolz und selig drückte Adalgoth das junge Weib an die Brust.

Hinter dem Zelt des Herzogs erhob sich die niedre Laubhütte, in welcher Wachis und Liuta hausten; diese, die von Gotho den drohenden Ausgang vernommen, hatte ihrem wackern Mann (der kopfschüttelnd an seinem von langobardischen Wurfpfeilen bei der letzten Schluchtwache übel zugerichteten Schilde flickte, stopfte und hämmerte und manchmal zu pfeifen versuchte, um das Ringen mit dem Schluchzen zu verbergen) sehr ernsthaft zureden müssen, ihn zu der gleichen Entsagung zu steigern.

«Ich glaube nicht», sagte der Schlichte, «daß das der liebe Himmelsherr mit ansehen kann. Ich bin von denen, die niemals gern sagen: ‹jetzt ist alles aus.› Die Stolzen, die das Haupt so hoch tragen wie König Teja und Herzog Adalgoth, die rennen freilich immer und überall an die Balken des Schicksals. Aber wir kleinen Leute, die wir uns fügen und ducken können, wir finden leicht noch ein Mausloch oder eine Mauerlücke zu entrinnen. Es ist doch gar zu niederträchtig! elend! grausam! hundsföttisch!» – und jedes Wort begleitete ein stärkerer Hammerschlag. – «Ich will's nicht glauben vom lieben Gott! – daß hier in die Tausende von braven Weibern und hübschen Mädchen und lallenden Kindern und von grauen Greisen in das höllische Feuer! dieses verfluchten! Zauberberges! springen sollen, als wär's ein lustig Sonnwendfeuer, und als kämen sie drüben heil und gesund wieder heraus. Verbrennen hätt' ich dich auch in dem Haus bei Fäsulä schon lassen können. Und nun sollst nicht nur du verbrennen –: auch unser kommend Kind, das ich jetzt schon ‹Witichis› vorbenannt habe.»

«Oder: – ‹Rauthgundis›!» fügte errötend Liuta leise bei, sich an ihres Mannes Schulter schmiegend und sein Hämmern hemmend. «Laß dich diesen Namen mahnen, Wachis. Denk' an Rauthgundis, die Herrin! War sie nicht tausendmal herrlicher als Liuta, die Flachsmagd? Und würde sie sich besinnen, sich weigern, zu sterben an einem Tag zusammen mit ihrem Volk?»

«Recht hast du, Weib! rief Wachis, mit einem letzten grimmen Hammerschlag, daß die Funken stoben. «Weißt, ich bin von Bauernart –, wir wollen durchaus nicht gerne sterben! Aber fällt der Himmel ein, schlägt er auch alle Bauern tot. Und vorher – hassa! hau' ich noch manchen Hieb! Das wäre auch Herrn Witichis und Frau Rauthgundis recht! Ihnen zu Ehren – ja, du hast recht, Liuta – wollen wir tapfer leben –, und geht's denn wirklich gar, gar nicht anders –, tapfer sterben.»

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