Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felix Dahn >

Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 164
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
Schließen

Navigation:

Siebentes Kapitel

Wenige Tage, nachdem Cethegus mit seinen Söldnern die von ihm gewählte Stellung eingenommen zur Linken des Narses, kam in das Lager der Byzantiner die Kunde von der Bezwingung der Goten in dem Grabmal Hadrians. So war nun ganz Rom den Römern wiedergegeben: kein Gote und, fügte Cethegus frohlockend in Gedanken bei, kein Byzantiner wartete mehr in seinem Rom.

Gelang es nun, die Isaurier unter Führung der Tribunen in die Stadt zu werfen, so stand der Präfekt Narses noch viel günstiger gegenüber als je Belisar, mit welchem er sich in den Besitz der Stadt hatte teilen müssen.

Einer der Boten, welche die Nachricht aus Rom überbrachten, gab zugleich dem als Geisel behaltenen Aulus einen Brief der beiden Centurionen, der Brüder Macer, der besagte: «die Braut ist der langen Krankheit genesen, sobald der Bräutigam kommen will, steht der Hochzeit nichts mehr entgegen von den nächsten Ide an: komm, Aulus.»

Es waren die verabredeten Worte. Cethegus teilte sie seinen römischen Rittern mit.

«Wohlan», sagte Licinius entschlossen, «so werd' ich denn die Stätte mit einem Denkstein schmücken können, wo mein Bruder für Rom und für Cethegus fiel.» – «Ja, unverjährbar ist der Römer Recht auf Rom», fiel Salvius Julianus ein. «Nur sorge, Präfekt», mahnte Piso, «daß dem größten Krüppel aller Zeiten unser Abmarsch so lang verborgen bleibt, bis er uns nicht mehr einholen kann, wenn wir heimlich, gegen seinen Willen, aufbrechen sollen.»

«Nein», sprach Cethegus, «das sollt ihr nicht. Ich habe mich überzeugt, daß weit über unsere Stellungen auf dem linken Flügel hinaus der vorsichtigste aller Helden noch Vorposten aufgestellt: – seine langobardischen Wölflein, die er überall verteilt hat: was wir für unsere Vorposten hielten, ist umsäumt von seinen Vorposten. Weder mit Gewalt noch mit Täuschung könnt ihr euren Abzug ohne seinen Willen bewirken. Es ist auch weit klüger, offen zu handeln. Wenn er will, kann er es vereiteln, und er erfährt es doch. Aber er wird nichts dagegen haben – ihr werdet es erfahren –. Ich künde ihm meinen Entschluß an, und ihr werdet sehen: er heißt ihn gut.»

«Feldherr, das ist sehr gewagt, sehr groß.»

«Es ist das einzig Mögliche.»

«Ja, du hast recht, wie immer, o Cethegus», stimmte nach einigem Besinnen Salvius Julianus bei. «Gewalt und Täuschung sind unmöglich. Und willigt er ein, dann will ich gern gestehn, daß meine Besorgnisse...»

«Auf Überschätzung des Staatsmannes Narses beruhten. Euch haben die dicken Zahlen eingeschüchtert und die freilich gar nicht zu überschätzende Feldherrngröße des Kranken. Ja, ich gestehe es: vor Taginä sah es gewitterschwül aus –, aber da ich noch lebe, waren jene Annahmen Irrtümer. Ich schicke euch beide selbst sofort mit meiner Anfrage an Narses; ihr seid mißtrauisch; ihr werdet also scharf beobachten. Geht, sagt ihm: die Römer wollten mich, den Stadtpräfekten, jetzt schon, noch vor Vernichtung der Goten Tejas, in ihre Mauern lassen. Ich ließe ihn fragen, ob er gestatten wolle, daß ihr mit meinen Isauriern sofort nach Rom abzöget, oder ob er darin eine Verletzung unseres Übereinkommens erblicke: ohne seinen Willen würden die Isaurier und ich nicht aufbrechen.»

Die beiden Tribunen schieden voneinander und Piso lachte beim Hinausschreiten aus dem Zelt des Präfekten. «Länger hat euren Geist die Krücke des Narses als meine Finger der Knüttel des Hirten unbrauchbar gemacht.»

Als sie draußen waren, eilte Syphax auf seinen Herrn zu: «O Herr», sprach er ängstlich, «mißtraue diesem Kranken mit dem ruhigen, durchdringenden Auge. Ich habe in letzter Nacht wieder das Schlangenorakel gefragt: die abgestreifte Haut meines Gottes, in zwei Hälften geteilt, auf Kohlen gelegt das Stück ‹Narses› überlebte das Stück ‹Cethegus› lange, lange. Soll ich nicht noch einmal versuchen? Du weißt, ein Hautritz mit diesem Dolche, und er ist verloren. – Was liegt daran, wenn sie dann Syphax pfählen, des Hiempsals Sohn. – Mit List geht es nicht: – der Langbärtge Fürst schläft in seinem Zelt, das Feldbett quer vor den Eingang gerückt, und sieben seiner ‹Wölflein› liegen auf der Schwelle. Die Heruler stehen Wache vor der Tür. Ich habe, deinem Wink gemäß, seit Helvillum alle Nachtlager ausgespäht: kaum eine Stechfliege entgeht den Herulern und Langobarden, fliegt sie ins Zelt. Aber offen, bei Tage, einen Sprung in seine Sänfte – eine Hautwunde, und er ist ein toter Mann in einer Viertelstunde.»

«Und noch vorher nicht nur Syphax, des Hiempsals Sohn, – auch Cethegus. Nein. Aber höre: ich habe entdeckt, wo der Feldherr seine Geheimgespräche mit Basiliskos, auch mit Alboin, hält.

Nicht im Zelt – das Lager hat tausend Ohren –: im Bade. Die Ärzte haben ihm ein Morgenbad im Meeresschlamm im Golf von Bajä verordnet: eine Badehütte haben sie ihm ins Meer gebaut, nur auf dem Kahne zu erreichen. Bevor Basiliskos und Alboin ihn dahin begleiten, sind sie nur so gescheit wie – nun, wie Basiliskos und Alboin. Kommen sie aber von daher zurück – sind sie immer von narsetischer Klugheit, wissen, was aus Byzanz für Briefe gekommen und andres mehr. Rings um die Badehütte wogt Schilf – Syphax, wie lange kannst du tauchen?»

«Lange genug», sprach der Maure, nicht ohne Stolz, «bis sich das schwerfällige und mißtrauische Krokodil in unsern Strömen die als Köder ins Schilf geworfene Gazelle genau genug betrachtet und sich endlich entschlossen hat, darauf los zu schwimmen – dann das Messer von unten in den Bauch. Dieser kleinäugige Narses hat etwas vom Krokodil – laß sehen, ob ich nicht auch ihn überdauere in geduldigem Tauchen.»

«Vortrefflich, mein Panther zu Lande, meine Tauchente zu Wasser!»

«Auch ins Feuer spräng' ich für dich, mein Skorpion.»

«Ja, belausche diese Badegespräche des Kranken.»

«Das schließt sich vortrefflich an ein anderes Spiel.

Seit mehreren Tagen winkt und blinzelt mich ein Fischer immer so einfältig klug an, der morgens und abends seine Netze wirft und nie was fängt. Ich glaube: er lauert auf mich, nicht auf die Meeräschen. Aber die langbärtigen Wölflein dieses Alboin sind mir immer auf den Fersen –: vielleicht erwische ich, aus dem Wasser tauchend, was mir dieser Fischer vertrauen will.»

 << Kapitel 163  Kapitel 165 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.