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Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 157
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
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Vierzigstes Kapitel

Inzwischen hatten Teja und Hildebrand von beiden Flügeln her den Kapellenhügel des Numa erreicht, wohin, wie ihnen gemeldet war, der verwundete König gebracht worden. Nachricht von den späteren Vorgängen hatte sie noch nicht erreicht.

Noch außerhalb der Umwallung des Kapellenbaus hatten sich beide Führer über den Plan geeinigt, den sie dem König vorschlagen wollten: gab es doch keinen andern Ausweg als schleunigen Rückzug gen Süden unter dem Schutz des Waffenstillstands.

Aber als sie nun in das Innere des ummauerten Haines traten – welcher Anblick bot sich ihnen dar!

Laut aufschluchzend eilte Adalgoth Teja entgegen und führte ihn an der Hand an den efeuumgrünten Sarkophag des Numa.

In diesem lag auf seinem Schilde König Totila: die ernste Majestät des Todes verlieh den edeln Zügen eine Weihe, die schöner war, als je der Schimmer der hellen Freude auf diesem herrlichen Antlitz gestrahlt hatte.

Links von ihm ruhte, in der längst von dem Sarkophag gelösten, gewölbten Deckelplatte, Julius: – die Ähnlichkeit der Dioskuren trat nun, unter dem gemeinsamen Schatten des Todes, wieder ergreifend hervor.

In der Mitte aber der beiden Freunde war auf des Königs blutüberströmtem weißen Mantel von Gotho und Liuta eine dritte Gestalt gebettet worden: auf einem sanft erhöhten Hügel, das edle Haupt an der Zisterne Rand gelehnt, lag Valeria, die Römerin.

Entboten von dem nahe gelegenen Kloster, den verwundeten Geliebten in Empfang zu nehmen, hatte sie sich, ohne Seufzer, ohne Wehegeschrei, über den breiten Schild geworfen, auf welchem Adalgoth und Aligern ihn langsam, feierlichen Schrittes, durch die Mauerpforte trugen.

Ehe noch einer der beiden gesprochen, rief sie: «Ich weiß es: – er ist tot.»

Sie hatte noch geholfen, die schöne Leiche in dem Sarkophag des Numa beizusetzen. Dazu hatte sie, ohne Träne, mit leiser Stimme, vor sich hingesprochen:

«Siehest du nicht, wie schön von Gestalt, wie schimmernd Achilleus? –
Dennoch harret auch seiner der Tod und das dunkle Verhängnis,
Wenn auch ihm in des Kampfes Gewühl das Leben entschwindet,
Ob ihn ein Pfeil von der Sehne dahinstreckt oder ein Wurfspeer.
Doch mir sei dann vergönnt, in die Schatten zu tauchen des Todes.»

Dann zog sie ruhig, langsam, ohne Hast, den Dolch aus seinem Gürtel, und mit den Worten: «Hier, strenger Christengott, nimm meine Seele hin! So lös' ich das Gelübde», stieß sich die Römerin den scharfen Stahl ins Herz.

Cassiodor, ein kleines Kreuz von geweihtem Zedernholz in der Hand, schritt betend, tief erschüttert – Tränen rieselten über das ehrwürdige Antlitz in den weißen Bart – von einer der drei Leichen zu der andern.

Und leise stimmten die frommen Frauen des Klosters, die Valeria begleitet hatten, zu feierlicher, einfacher Weise den Choral an:

Vis ac splendor seculorum,
Belli laus et flos amorum
    Labefacta mox marcescunt: – –
Dei laus et gratia sine
Aevi termino vel fine
    In eternum perflorescunt.

(Bald in Asche muß vergehen,
Was wir stark, was lieblich sehen,
    Aller Stolz und Schmuck der Zeit: – –
Gottes Gnade sonder Wanken,
Gottes Liebe sonder Schranken
    Walten fort in Ewigkeit.)

Allmählich hatte sich der Hain mit Kriegern gefüllt, die den Führern, darunter den Grafen Wisand und Markja, vermöge der Waffenruhe unbehindert, gefolgt waren.

Schweigend hatte Teja des weinenden Adalgoth Bericht mit angehört. Nun trat er an des Königs Leiche dicht heran.

Schweigend, ohne Träne, legte er die gepanzerte Rechte auf des Königs Wunde, beugte sich über ihn und flüsterte dem Toten zu: «Ich will's vollenden.»

Dann trat er zurück unter einen hochragenden Baum, der sich über einem vergessenen Grabhügel erhob, und sprach zu der kleinen Schar, die ehrfurchtsvoll, schicksalergriffen, schweigend, diese Stätte des Todes umgab:

«Gotische Männer: die Schlacht ist verloren. Und das Reich dazu. Wer unter euch zu Narses gehen, sich dem Kaiser unterwerfen will – ich halte keinen. Ich aber bin gewillt, fortzukämpfen bis ans Ende. Nicht um den Sieg: um freien Heldentod. Wer den mit mir teilen will, der bleibe. Ihr alle wollt es? Alle? Gut.»

Da fiel Hildebrand ein: «Der König ist gefallen. Die Goten können nicht, auch um zu sterben nicht, kämpfen ohne König. Athalarich: – Witichis: – Totila: – nur einer kann der vierte sein, der dieser edeln Dreizahl folgen darf – du Teja, unser größter Held.»

«Ja», sprach Teja, «ich will euer König sein. Nicht freudig leben, nur herrlich sterben sollt ihr unter mir. Still! Kein froher Ruf – kein Waffenlärm begrüße mich. Wer mich zum König will – der tue mir nach.»

Und er brach von dem Baum, unter dem er stand, einen schmalen Zweig und wand ihn um den Helm.

Und schweigend folgten alle seinem Beispiel.

Adalgoth, der ihm zunächst stand, flüsterte ihm zu: «O König Teja! Es sind Zypressenzweige –: geweihte Opfer kränzt man so!»

«Ja, mein Adalgoth, du sprichst Weissagung» – und er schwang das Schwert im Kreis über sein Haupt – «dem Tode geweiht».

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