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Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 148
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
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Einunddreißigstes Kapitel

Als der König beim Schein der Sterne das kleine Haus von Taginä erreichte, wo er sein Quartier aufgeschlagen, traf er im Hofe, auf dem Rand der Zisterne, einen Mann in dunklem Mantel sitzen, die Harfe auf den Knien, sie blitzte im Mondlicht; leise Akkorde griff er darauf.

«Du bist es, Teja? Hast du nichts zu tun auf deinem Flügel?»

«Ich habe dort alles geordnet. Hier hab' ich zu tun – mit dir.»

«Tritt mit mir ins Haus. Ist Julius nicht darinnen?»

«Er ging noch in die Basilika Sankt Pauls, für deinen Sieg zu beten. Er kommt wohl bald zurück. Ich habe dir eine Rüstung mitgebracht, die ich dich bitte, morgen in der Schlacht – mir zuliebe – zu tragen, sie ist fest und sehr sicher.»

Totila blieb gerührt stehen: «Welche Sorgfalt echter Freundschaft!»

Hand in Hand schritten sie nun in das Mittelgemach des Hauses. Da lag, auf dem Marmortisch aufgerichtet, eine vollständige Rüstung, vom Helm bis zu den geschuppten Schuhen, von dem besten hispanischen Stahl, leicht und doch undurchdringlich; meisterhaft gearbeitet, aber ohne allen Schmuck, ohne Helmzier, mit dicht geschlossenem Visier, – alles von dunkelblauem Stahl.

«Welcher zauberkund'ge Schmied hat dieses Wunderwerk geschaffen?» frug Totila bewundernd.

«Ich», sagte Teja. «Du weißt: ich habe von jeher Gefallen an Waffenarbeit gehabt. Und ich habe – ich schlafe wenig nachts – diese Schuppen für dich gefertigt. Du mußt sie annehmen.»

«Ja», lächelte Totila – «für meine Bestattung, darin will ich meinen Leichenzug begleiten. Aber morgen, mein Teja, reit' ich in vollem Königsschmuck ins Treffen. Italia soll nicht sagen, ihr König und Bräutigam habe sich an seinem Ehrentag versteckt. Nein, wer morgen den Gotenkönig sucht, soll nicht viel Mühe haben, ihn zu finden.»

«Ich hab' es gefürchtet», seufzte Teja. «So laß mich wenigstens morgen an deiner Seite fechten: nimm mir den Befehl des rechten Flügels ab.»

«Nein, er ist hochwichtig. Mich beschützen kann ich selbst. Die Berge aber mußt du mir decken und den Weg nach Rom. Im Fall eines Unglücks liegt auf deinem Flügel die einzige Rettung für den Abzug.»

Da trat Julius ein mit Graf Thorismut und Herzog Adalgoth und die Diener, – darunter auch Wachis, der nun Teja als Schildträger begleitet hatte – brachten das Nachtmahl: Fleisch, Früchte, Brot und Wein.

«Denke, Julius», lächelte Totila diesem entgegen, «der kühnste Held im Gotenheer ist ängstlich geworden.»

«Nicht für mich», sagte dieser. «Aber meine Träume treffen meistens ein. Und sie sind immer schwarz.»

« Eure Träume», lächelte Totila dem jungen Adalgoth, der sich neben ihm niederließ, und Wachis zu, der dem König den Becher fällte – « eure Träume, ihr Frischvermählten, sind wohl nicht schwarz!»

«Kann nicht klagen darüber, Herr König», schmunzelte Wachis. «Doch ich wünschte –»

«Was hast du noch zu wünschen außer Liuta?» meinte Totila.

«Ich wünschte, der Lange wäre da.»

«Welcher Lange?»

«Nun: der gar Lange: der noch deinen tapfern Bruder Hildebad um eines Hauptes Länge überragt haben würde, der mit dem Bärenfell und mit der Falken-Werferin: – wie hieß er doch?»

«Harald», sagte Teja ernst.

«Ja, den meine ich. Der wäre gut mit seinen starken Riesen morgen.»

«Wir werden ihn nicht brauchen.»

«Aber besser ist immer besser, Herr König. Und wenn ich der Herr König gewesen wäre: – den hätt' ich wieder kommen lassen, als der Krieg losbrach.»

«Wir brauchen ihn nicht», wiederholte der König schärfer.

«Ich dachte wie mein Schildmann, o König», sagte Teja, «und habe auf eigne Faust – an deiner Einwilligung zweifelnd – gesendet nach ihm: fortgeschickt hättest du ihn doch nicht, hätte ich ihn zur Stelle schaffen können. Auch mir hat dieser treue Nordlandsheld gefallen –: seine Leute wären gut gewesen wider die Langbärte –: leider war die Flotte von meinem kleinen Schiff nicht einzuholen.»

«Dank, Teja, das war wieder ganz deine Art. Aber mich freut, daß du ihn nicht beischaffen konntest. Wir schlagen und siegen allein. Mein Plan ist ganz unfehlbar, wenn nur... –» Hier flog eine Wolke über des Königs Stirn.

«Wenn der Korse seine Schuldigkeit tut», sprach Teja.

«Sage, Thorismut – ich sandte dich noch vom Kloster aus, wo ich einen kleinen Streit mit ihm hatte, an Furius – ich fragte, ob alles beim alten bleibe zwischen uns: – was antwortete er?»

«Er gab mir diesen offenen Brief an dich.»

«Wo trafst du ihn?» forschte der König, die Wachstafel nehmend.

«Vor Taginä. Er wies seinen Reitern bereits die Stellung im Hinterhalt an. Er hat alles auf das genaueste erfüllt, was du vorschriebst.»

Totila las: «Morgen werd' ich erfüllen, was du von mir erwartest. Du wirst mir nach der Schlacht nichts mehr vorwerfen.»

«Er fügte bei», ergänzte Thorismut, «ein paar Hundert seiner Rosse, die, von der Seereise angegriffen, langsamer marschiert, kämen morgen früh sicher an. Sie sind auch schon gemeldet von Septempeda her: du möchtest, womöglich, die Entscheidung hinausziehen, bis zu ihrem Eintreffen.»

«Warum kommt er nicht selbst hierher?» zürnte Teja.

«Er bemüht sich auf das eifrigste», sprach Thorismut – «ich hab' es selbst gesehen – seinen Reitern genau die Örtlichkeit zu zeigen, wo die Entscheidung fällt. Er hat noch im Mondlicht Gefechtsübungen von den Hügeln herab auf die Straße gemacht.»

Totila aber schloß: «Ich weiß, warum er nicht zu meinem Nachtmahl kommt. Es hat nichts auf sich.»

Und sie setzten sich nun auf die Feldstühle und Truhen, die um den Tisch standen, und begannen das einfache Mahl.

«Der König», hob Teja an, «läßt mich morgen nicht an seiner Seite fechten. So befehl' ich ihn dir, mein tapferer Thorismut: behüte du sein Leben.»

«Das wird er nicht immer können», lächelte Totila, trinkend. «Thorismut muß mir die Speerträger in Taginä befehligen.»

«Solang ich an des Königs Seite halte, geschieht ihm nichts», sagte Thorismut ruhig. «Ich gehe, nochmal zu den Vorposten bei Caprä zu reiten.» Und er schritt aus dem Gemach.

«Ja», rief Totila, «bei Neapolis, am capuanischen Tor, war er mein Retter.»

«Und zu Rom am Tiber der junge Harfenherzog hier», sprach Teja, «wo ist er morgen? Er soll dich wieder decken.»

«Nein!» rief dieser: «Ich habe mir ausgebeten, in dem Reiterangriff voranzureiten und Domna Valerias neue Fahne zu tragen.»

«Nun, frommer Julius», sprach Teja – «du sollst nicht fechten: – aber schirme du des Königs Leben. – Ich weiß, du liebst ihn, auf deine Art: und das wird wohl keine Sünde sein.»

«Ich will um ihn bleiben. Aber besser noch als mein schwacher Arm oder dein starker, Graf von Tarentum, wird mein Gebet zu Gott ihn schützen.»

«Gebet!» sagte Teja. «Noch ist kein Gebet durch die Wolken gedrungen. Und wenn es durchdrang, fand es den Himmel leer.»

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