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Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 146
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
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Neunundzwanzigstes Kapitel

Fast zur gleichen Zeit, da der gotische Kriegsrat seine verhängnisvollen Beschlüsse faßte, ließ sich Narses, der wieder schwer an epileptischen Anfällen gelitten hatte in diesen Tagen, in seiner offenen Sänfte, umgeben von seinen Heerführern, von seinem Zeit in Helvillum aus auf einen Hügel tragen vor seinem Mitteltreffen, von wo das gesamte Gefilde, das heute Gualdo Tadino heißt, zu überschauen war.

«Hier», sagte er, mit seiner Krücke aus der Sänfte deutend, «hier, zwischen Caprä und Taginä fällt die Entscheidung. Hättest du doch Taginä – oder selbst nur Caprä – noch besetzt, Cethegus.»

«Der schwarze Teja kam mir um drei Stunden zuvor», sagte dieser grollend.

«Es gibt keine solche Verteidigungsstellung gegen Übermacht auf der ganzen flaminischen Straße mehr bis Rom», fuhr Narses fort. «Meisterhaft haben die Barbaren diese Stellung gewählt. Gewannen sie jene Hügel nicht, so ergoß sich unser Heer unaufhaltsam fort bis Rom.

Nun habt acht auf jedes meiner Worte, – das Sprechen wird mir nicht leicht: – Narses sagt nichts zweimal. Nun, Langobarde, was sinnest du?» Und er rührte mit der Krücke an Alboins Schulter, der wie verzückt in die Landschaft hinausgeblickt hatte.

«Ich?» sagte dieser, auffahrend aus seinen Träumen, «ich sinne, wie wunderbar reich und schön dies Land, welcher Segen ringsum! Es ist das Weinland unsrer Lieder.»

«Du sollst dich nicht lassen gelüsten deines Nächsten Italien und allem, was sein ist», sagte Narses, mit der Krücke drohend. «Die Traube Italia, Fuchs Alboin, hängt sehr hoch.»

«Ja: solang du lebst, ist sie sauer», sprach der Langobarde.

«Einstweilen lebt er noch, der Gotenkönig, dessen Erbe du antreten willst», mahnte Narses. «Also, mein Plan.

Du, Orestes, nimmst mit Zeuxippos den linken Flügel bei den ‹Gräbern der Gallieri› (busta Gallorum), gegenüber dem hohen Waldberg mit den weißschimmernden Klostergebäuden.»

«Woher rührt der Name?» fragte Alboin.

«Hier schlug», antwortete Cethegus, «der Römerkonsul Decius, sich dem Tode weihend für das Vaterland, der Gallier ungeheure Übermacht. Der Boden ist heilig und von guter Vorbedeutung für Rom und», schloß er bitter, «gegen alle Arten von Barbaren.»

«Wann war das?» forschte Alboin weiter.

«Im Jahre vierhundertachtundfünfzig der Stadt.»

«Das ist lange her», meinte der Langobarde.

Narses aber fuhr fort: «Du, Johannes, übernimmst mit Valerianus und Dagisthäos den rechten Flügel bei Eugubium gegenüber dem Fluß Clasius und dem Flüßchen Sibola. Ihr haltet euch ganz ruhig, bis hier in der Mitte die Entscheidung gefallen: alsdann, – denn wer Übermacht hat und sie nicht zur Überflügelung braucht, verdient nicht, sie zu haben – dann schwenkt ihr von beiden Seiten ein – ihr reicht ja weit über die schmale Stirnlinie der Barbaren hinaus – und ihr schneidet ihnen mit zusammenschlagendem Netz den Rückzug nach Rom ab: euer Zusammentreffen ist auf der flaminischen Straße östlich hinter Taginä, in der Nähe von Nuceria Camellaria. Gelingt das, so ist der Krieg zu Ende mit einem Schlag.»

«Schade», meinte Alboin.

«Ja, dir blutet das Herz nicht, mein Wölflein, wenn du des Kaisers Italien recht lange zerfleischen kannst. Aber mir, nicht viele Schlachten gewinnen, – das ist Freund Belisars Vergnügen! – viele Feldzüge mit einem Schlag beenden, das ist meine Art, Erst aber, eh' ihr überflügeln könnt auf den Flanken, muß hier, in der Mitte, in der Ebene die Blutarbeit getan sein. Ich muß Caprä und Taginä stürmen; wenn sie klug sind, die Barbaren, zeigen sie sich nicht auf dem freien Feld vor Caprä: dort würden meine Wölfe sie niederrennen. Nicht wahr, mein Wolfskönig?»

«Ein prächtiger Wiesenplan für die Reiterschlacht!» rief Alboin, «ich sehe sie schon zurückfliehen nach den Toren von Caprä.»

«Sie werden dir den Gefallen nicht tun, sich hierher zu wagen, mein Wölflein. Keinesfalls aber unterstehst du dich, mit deinen Reitern Caprä anzugreifen.»

«Oh», meinte Alboin, «wir sind gewöhnt, abzuspringen und zu Fuß zu kämpfen, wenn's vonnöten. Die Rößlein bleiben lammfromm stehen und kommen auf den Pfiff im Trabe nach.»

Ein heftiger Krampf schüttelte Narses: seine Züge verzerrten sich. «Langbart», sprach er, als er wieder seiner mächtig geworden, «ärgere mich nicht. Ärger und Schreck bringen mir das böse Schütteln. Wenn du dir einfallen läßt, Caprä anzugreifen, ehe mein Fußvolk ganz heran ist, schicke ich dich nach der Schlacht nach Hause.» –

«Das wäre allerdings die härteste Strafe.»

«Du, Anzalas, führst das armenische Fußvolk und du, Cethegus, das illyrische, samt deinen trefflichen isaurischen Söldnern, zum Sturm auf Caprä und Taginä. Ich folge mit der Masse der Makedonen und der Epiroten nach.» Abermals rüttelte den Feldherrn ein Schauer.

«Ich fürchte, morgen kehrt das Übel stärker wieder.

Du, Liberius, vertrittst dann meine Stelle, bis ich wieder sprechen und befehlen kann.»

Cethegus furchte die Stirn.

«Ich hätte dir, Präfekt», fügte Narses, dies bemerkend, bei, «die Vertretung übertragen. Aber du wirst nicht müßig in Helvillum zusehn wollen. Ich brauche dich und dein gefürchtet Schwert beim blutig schweren Sturm auf die beiden Städte.»

«Und wenn ich dabei falle», lächelte Cethegus, «wird des Kaisers Feldherr den Verlust überleben.»

«Wir sind alle sterblich», sprach Narses, «o Präfekt: unsterblich sind nur wenige von uns – nach ihrem Tod.»

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