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Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 145
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
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Achtundzwanzigstes Kapitel

Es versammelten sich nun um den König der alte Hildebrand, Graf Teja, Graf Wisand, Graf Thorismut, Graf Markja, Aligern und der junge Herzog von Apulien.

Totila wies auf die Wand des Zeltes: dort hing die von ihm selbst mit kundiger Hand gezeichnete Übersicht der Gegend von Taginä: die Grundlage bildete die römische Straßenkarte des Picenums, zumal der Via flamina: auf dieser hatte er die wichtigsten Örtlichkeiten eingetragen.

«Gern, meine Helden», hob er an, «würde ich, nach alter Goten Weise, einfach im Keil auf den Feind losstürmen und sein Herz zu durchstoßen suchen. Aber den größten Feldherrn des Jahrhunderts, an der Spitze eines doppelt starken Heeres, in einer selbst gewählten, vortrefflichen Stellung, schlagen wir nicht mit unsrer von Odin stammenden einfältigen Weisheit», lächelte er.

«Erzürne nicht den Siegesgott durch Spott am Tage vor der Schlacht», warnte der alte Hildebrand.

Aber Totila fuhr fort:

«Wohlan denn: laß sehen, ob der große Stratege, der Germanen durch Germanen schlagen will, nicht durch seine eignen Mittel zu verderben ist.

Die Entscheidung des Tages fällt hier, im Herzen der beiden Stellungen bei Taginä. Die beiden Flügel haben nur hinzuhalten.

Du, Hildebrand, übernimmst unsern linken, gegenüber Eugubium. Ich gebe dir zehn Tausendschaften, dort der Wald und das Flüßchen Sibola, das da in den größeren, den Clasius mündet, geben dir gute Deckung. Desgleichen dir, Teja» – er stand hart an seiner Schulter – «auf dem rechten Flügel, mit fünfzehn Tausendschaften, der Berg rechts hinter Caprä, der fast bis an den Klosterberg der Valerier und an das Grab des Numa stößt.»

«O laß mich, mein König, morgen hart in deiner Nähe, an deiner Schildseite, fechten. Ich hatte einen finstern Traum», fügte er leiser bei.

«Nein, mein Teja», erwiderte Totila, «nicht nach Träumen wollen wir unsern Schlachtplan ordnen. Ihr sollt beide zu fechten genug bekommen, sobald die Entscheidung hier, im Herzen, gefallen. Denn hier» – und er deutete mit dem Finger auf den Raum zwischen Caprä und Taginä – «ich sag' es nochmal: hier liegt die Entscheidung.

Deshalb habe ich die volle Hälfte unsres Heeres, fast fünfundzwanzig Tausendschaften, hier in das Mitteltreffen gestellt.

Im Herzen von Narses' Aufstellung stehen die Heruler und – seine beste Schar – die Langobarden. Er ändert das nicht mehr: denn früher wohl, als ich, der ‹Barbar›, hat der große Schlachtenmeister es erkannt, daß dieser Tag durch das Gefecht der Mitten entschieden wird.

Nun habt wohl acht.

Ich kenne die Langobarden, ihre Kampfgier, ihren Reiter-Ungestüm. Darauf bau' ich meinen Plan: wenn Narses uns durch Germanenkraft vernichten will, so soll er durch Germanenfehler erliegen.

Mit meinen wenigen gotischen Reitern schwärme ich von Caprä aus gegen die Langobarden, die vor Helvillum stehn, des Narses starkes Mittellager. Sie werden nicht säumen, sich mit ihrer Übermacht auf mich zu stürzen. Sofort, durch ihren Anprall scheinbar geworfen, jage ich in ordnungsloser Flucht zurück auf Caprä zum Nordtor herein.

Das Nordtor lass' ich zwar hinter uns schließen. Sonst schöpfen sie Verdacht. Aber nicht verteidigen.

Und schlecht kenne ich die Langobarden, wenn sie nicht, in übermütiger Verfolgungslust des Reiters, die lustige Hetze fortsetzen, weit voran dem langsam folgenden Fußvolk.

Ich weiß gewiß, sie reißen die Tore auf und jagen uns durch Caprä hindurch, noch zum Südtor hinaus, auf das freie Feld zwischen Caprä und Taginä: – hier.

Aber kurz vor Taginä wird die flaminische Straße zu beiden Seiten von zwei waldigen Hügeln überragt, dem Collis nucerius rechts, dem Collis clasius links: – seht ihr? da.

Auf diesen Hügelkronen, im dichten Wald versteckt, liegen unseres vortrefflichen Korsen treffliche Reiter im Hinterhalt, und sowie die Langobarden heran sind, zwischen den beiden Hügeln, – dann wend' ich mich aus der versteckten Flucht zu ernstem Angriff auf der flaminischen Straße selbst.

Das Heerhorn bläst zum Reiterstoß.

Auf dieses Zeichen brechen deine Reiter, Furius, zugleich von beiden Seiten auf die Langobarden, und –»

«Sie sind verloren!» jubelte Wisand, der Bandalarius.

«Aber das ist nur die erste Hälfte meines Planes», fuhr Totila fort. «Narses muß entweder seines Heeres Blüte verloren geben...»

«Das tut er nicht», sagte Teja ruhig.

«Oder mit seinem Fußvolk nachrücken. In den Häusern von Caprä aber halte ich unsere Bogenschützen, in denen von Taginä unsere Speerträger verborgen, und wenn des Narses Armenier zwischen den beiden Städten in den Reiterkampf eingreifen wollen, werden sie von hinten und von vorn zugleich von dem aus den Toren brechenden Fußvolk angegriffen: du, Wisand, befehligst in Caprä, du, Thorismut, in Taginä.»

«Ich möchte morgen kein Langobarde sein», meinte der Korse. «Lange Bärte und kurze Freuden werden sie haben», lachte Adalgoth. «Kein Mann von den Armeniern entkommt», sprach Markja.

«Ja: – wenn der Plan gelingt», schloß Teja.

«Ihr aber, Hildebrand und Teja, sowie ihr das Fußvolk des Narses aus Helvillum gegen Caprä vorbrechen seht, zieht euch mit euren der Mitte nächsten Scharen ebenfalls gegen Caprä: – nur soviel zur Verteidigung eurer Flügel erforderlich, laßt dort stehen – ihr helft uns so, das Mitteltreffen zermalmen. Dann wenden wir uns gegen die beiden Flügel, und leicht sind sie nach links und rechts hin auseinander gerissen: denn ohne Helvillum haben sie keinen Halt: ihre große Zahl selbst wird ihnen hinderlich in jenen Engen, wenn wir sie von Helvillum her in der Flanke fassen.»

Der alte Hildebrand schüttelte dem König die Rechte.

«Du bist Odins Liebling», flüsterte er ihm ins Ohr.

«Schlimm!» antwortete der König, ebenso leise, mit Lächeln. «Du weißt: zuletzt versagt der von Odin geschenkte Speer, und der Siegesgott nimmt seinen Liebling hinauf nach Walhall. – Nun lebt wohl, meine Helden!»

Nachdem die Feldherrn das Zelt verlassen, zögerte der Korse noch an der Türe. «Um eine Gunst noch hab' ich dich zu bitten, König. Wann morgen deine Schlacht geschlagen und gewonnen, geh' ich in See – auf Nimmerwiederkehr.

Laß mich zuvor noch Abschied von... von ihr nehmen, ein letztes Mal ihr Bild mir in die Seele prägen.»

Aber der König furchte die Stirn. «Wozu das? Es kann nur dich quälen und sie.»

«Mich beglückt es. Und du – bist du zu neidisch oder am Ende gar zu ängstlich, andern auch nur zu zeigen, was du besitzest? Bist du eifersüchtig, König der Goten?»

«Furius!» rief der König verletzt und im Innern erbittert über des Korsen ganzes Wesen. «Geh, suche sie auf: und überzeuge dich, wie fern du stehst ihrer Art.»

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