Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felix Dahn >

Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 141
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
Schließen

Navigation:

Vierundzwanzigstes Kapitel

Die Nacht über ritt Cethegus mit geringer Begleitung, in tiefes Sinnen versunken, Narses entgegen. Auf der Tribunen Mahnung, das Gefolge zu vermehren, hatte er erwidert: «Hunderttausend kann ich doch nicht mitnehmen!»

Bei grauendem Morgen stieß er bei Fossa nova auf den Vortrab des anrückenden Heeres. Es waren wild aussehende Reiter, von deren spitz zulaufenden Helmen schwarze Roßschweife auf die Wolfsfelle über ihren Rücken flatterten: sie führten Ringpanzer, breite Schlachtschwerter und lange Lanzen: Arme und Beine nackt, nur an dem linken Fuß, an Riemen befestigt, einen Sporn: ohne Sattel saßen sie sehr sicher auf ihren starken Pferden.

Der Führer der Reiter – er trug einen reich vergoldeten Plattenpanzer und statt des Roßschweifs zwei Geierflügel auf dem Helm – jagte pfeilschnell auf seinem roten Roß heran und hielt erst dicht vor Cethegus, der an seines kleinen Zuges Spitze ritt: lange, rote Haare, auf der Stirn gescheitelt, flogen um seine Wangen, und der Schnurrbart hing, in zwei schmalen Streifen, von dem Munde auf die Brünne: aus dem hellgrauen Auge blitzte Kühnheit und Verschlagenheit.

Eine Weile maßen sich die beiden Reiter mit forschenden Blicken. Endlich rief der mit dem Geier-Helm: «Das muß Cethegus sein! – der Beschirmer Italiens.»

«Der bin ich.»

Und der andere riß sein Pferd herum und jagte davon, noch schneller als er gekommen, über die Stellung seiner Reiter hinaus auf ein Waldstück zu, aus dessen Rändern man nun Fußvolk in dichten Reihen heranrücken sah.

«Und wer seid ihr? und wer ist euer Führer?» fragte Cethegus in gotischer Sprache die Reiter, welche er nun erreichte.

«Wir sind Langobarden, Cethegus, in Narses' Dienst», antwortete auf Lateinisch der Gefragte, «und jener dort ist Alboin, unseres Königs Sohn.»

«Also darum, Licinius, hast du deine Mühe verloren!»

Schon sah Cethegus von ferne des Narses offne Sänfte herannahen. Sie war vom einfachsten Holz, ohne Zierat: nur eine Wolldecke, statt der üblichen Purpurpolster, lag darin. Nicht von Sklaven, von erlesenen Soldaten, denen diese Ehre abwechselnd zur Belohnung eingeräumt wurde, ließ sich der Krüppel tragen.

An seiner Seite ritt mit gezogenem Schwerte Alboin und flüsterte ihm zu: «Also du willst wirklich nicht, Narses? Der Mann scheint mir gefährlich, sehr. Du brauchst nicht zu sprechen – ein Zucken deiner Wimper und es ist geschehen.»

«Laß ab zu drängen, du Zukunft der Langobarden.

Ich könnte sonst glauben: du willst den Mann nicht mir, sondern dir selber aus dem Wege räumen.»

«Wir Söhne der Cambara haben ein Sprichwort: Erschlagner Feind hat noch selten gereut.»

«Und wir Romäer haben ein anderes», sagte Narses: «Wirf die Leiter erst um, wann erstiegen der Wall.

Erst, mein eifriger, junger Freund, laß uns Totila durch Cethegus vernichten. Der kennt Rom, Italien und die Goten doch noch besser als Alboin, der Roßhändler. Was diesen Exmagister militum per Italiam selber anlangt, so ist sein Geschick besiegelt... –»

Alboin sah ihn fragend an.

«Aber auch noch versiegelt. Zur rechten Stunde werd' ich es ihm eröffnen und vollenden.»

Gleich darauf hielt Cethegus neben der Sänfte. «Willkommen, Narses», sprach er: «Italien begrüßt den größten Feldherrn des Jahrhunderts als seinen Befreier.»

«Laß das gut sein. Mein Kommen hat dich wohl überrascht?»

«Wer einen Areobindos als Helfer erwartet und einen Narses statt dessen findet, kann nur erfreut sein. Aber, allerdings», fügte er lauernd bei, «da Belisarius begnadigt ist, hätte auch er, seinem Wunsche gemäß, nach Italien gesendet werden können.»

«Belisar ist nicht begnadigt», sagte Narses kurz.

«Und meine Gönnerin, die Kaiserin... – wie starb sie so plötzlich?»

«Das weiß genau nur sie selber.

Und jetzt vermutlich die Hölle.»

«Hier liegt ein Geheimnis», sagte Cethegus.

«Ja: – doch lassen wir's liegen.

Kein Geheimnis aber mehr ist dir, daß jetzt Narses in Italien steht. Bekannt ist dir wohl von früher, daß Narses niemals geteilten Heerbefehl führt. Der Kaiser hat dich mir unterstellt mit dem ‹ersten Heer›. Willst du unter mir in meinem Lager dienen, so soll mich's freuen: denn du verstehst den Krieg, Italien und die Goten. Willst du nicht, so entlasse deine Söldner: – ich brauche sie nicht. Ich befehlige einhundertzwanzigtausend Mann.»

«Du trittst mit großen Mitteln auf»

«Ja: denn ich habe große Zwecke. Und nicht kleine Feinde.»

«Du bist den Goten stark überlegen – wenn sie nicht auch ihr Südheer aus Regium hierher ziehen.»

«Das können sie nicht. Denn ich habe auch vor dem Hafen von Rom und auf der Höhe von Regium zwei Geschwader mit zwanzigtausend kreuzen lassen, die das gotische Südheer vollauf beschäftigen.»

Cethegus staunte. Das war wieder eine Überraschung.

«Du aber wähle», sprach Narses, «bist du mein Gast oder mein Unterfeldherr? Ein Drittes gibt es nicht in meinem Lager.»

Cethegus übersah klar die Lage. Er war Unterfeldherr oder – Gefangener. «Es ehrt mich, unter dir zu dienen, nie besiegter Perser-Überwinder.» – «Warte nur», dachte er: «auch Belisar trat auf als mein Herr, zu Rom ward ich der seinige.»

«Wohlan», befahl Narses, dessen Sänfte während der Unterredung auf die hohen, stelzengleichen Tragestangen war niedergestellt worden: «so ziehen wir gemeinsam gegen die Barbaren. Tragt euren Vater wieder, liebe Kinder.»

Und die Krieger traten wieder an die Sänfte.

Cethegus wollte bei dem Aufbruch sein Pferd an die rechte Seite des Feldherrn lenken. Aber in sehr gutem Latein rief ihm Alboin zu:

«Nichts da, Herr Römer. Mich nennt man die rechte Hand des Narses. Der Ehrenplatz ist mein: – die linke, die Unheilseite, ist noch frei. Wir haben sie für dich aufgehoben.»

Schweigend ritt Cethegus auf die linke Seite.

«Ich weiß nicht», sagte er zu sich selbst, «ob diese rechte Hand vor ihrem Haupte oder nach ihm fallen muß! Am besten zugleich.»

Am Abend dieses Tages noch erreichte das Heer des Narses die Stellungen zwischen den Bergen von Helvillum und von Taginä.

 << Kapitel 140  Kapitel 142 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.