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Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 138
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
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Einundzwanzigstes Kapitel

«Willkommen, Licinius, in Italien und im Siege», rief Cethegus im Eintreten. «Wo hast du die Langobarden?»

«Salve, Flottenzerstörer», antwortete der Tribun. «Die Langobarden kommen zwanzigtausend Mann.»

«Das sind sehr viel!» sprach Cethegus, plötzlich sehr ernst. «Ich hatte nur siebentausend gewünscht: – ich weiß kaum, woher das Gold für die fast dreifache Zahl aufzubringen. Denn wohl gemerkt: in meinem, nicht in des Kaisers Sold, will ich sie haben.»

Freudestrahlend, stolzen Auges aber sprach der junge Ritter: «Ich hoffe auf deine Zufriedenheit, Magister Militum. Unentgeltlich kommen die Langobarden nach Italien.»

«Wie das? Und so viele?»

«Ja: der Sohn ihres Königs Audoin, – Alboin ist sein Name, den schon weithin das Heldenlied der Germanen preist bis zu den Bajuvaren am Önus und den Saxonen an dem Wisurgis, – ein sehr tapfrer und für einen Germanen erstaunlich kluger Jüngling... –»

«Ich weiß von ihm – er diente lang unter Narses», meinte Cethegus mißtrauisch

«Dieser kühne und schlaue Barbar hat sich im vorigen Jahre, als Roßhändler verkleidet, nach Italien geschlichen und unerkannt das ganze Land bis Rom und Neapolis durchwandert, die Wege erforscht und die Waffenplätze der Goten. Er wäre noch länger geblieben, hätte ihn nicht derselbe Gote, der meinen armen Bruder erschlagen... –»

«Der schwarze Teja?»

«Derselbe – mit Argwohn verfolgt und ihn zuletzt als Späher festzunehmen gedroht. Da floh Alboin zurück nach Pannonien. Aber Wein und köstliche Edelfrüchte unseres Landes brachte er mit nach Hause und zeigte sie seinem Vater und seinem Volk: und seither brennen alle Langobarden, dieses Wunderland zu betreten. Alboin verlangt nur alle Beute, die seine Langobarden machen werden, und verzichtet auf Sold: es sind prachtvolle Barbaren, diese Langbärte, viel wilder und rauher als die Goten. ‹Ja›, meinte Alboin lachend, als ich ihm dies sagte, ‹wir haben ein Sprichwort: der Gote der Hirsch, der Langobarde der Wolf.› Er trinkt aus dem Schädel des Gepidenkönigs, den er im Kampf erschlug. Du wirst deine Freude haben an ihm und seinen Reitern – die sind mehr wert als Isaurier und Abasgen.»

«Ich danke deinem Eifer», sagte Cethegus zögernd, «er ist mir fast allzugroß. Es sind so viele.»

«Ja, auf geringere Zahl ließ sich Alboin nicht ein: ‹rudelweise rennen die Wölfe!› lachte er.»

«Nun», schloß Cethegus, «ich vertraue: an der Spitze von zwei kaiserlichen Heeren und von Italien halt' ich auch diese große Zahl von Raubtieren in Gehorsam. Zu den Goten werden sie sich doch nicht schlagen?»

«Nein, mein Feldherr. Es geht ein alter Haß durch die Geschichte beider Völker: aus einem jener unfaßlichen Gründe, die nur diese Germanen zum Hasse finden. In grauer Vorzeit hat einmal eine langobardische Königin einen Gotenfürsten ermorden lassen oder umgekehrt: – wer kann sich diese Dinge merken! – und seither ist es Ehrenpflicht von Geschlecht zu Geschlecht, sich zu hassen und zu morden. ‹Wir sind die Totengräber und die Erben dieser Goten›, sagte mir Alboin.»

«Wohl: ihr Unglück sollen sie erben», drohte Cethegus, «sonst haben die Goten nichts zu hinterlassen: sie sterben in der Fremde auf italischer Scholle! Und wann kommen sie, diese pannonischen Wölfe? Ich brauche sie bald.»

«Das hat Alboin noch nicht bestimmen können. Sie haben einen Bund mit den noch wilderen Awaren – das sind keine Germanen! – geschlossen, gemeinsam das arme Volk der germanischen Gepiden noch vollends auszumorden und deren Land zu teilen.»

«Ein grimmiges, gefährliches Geschlecht», sprach Cethegus kopfschüttelnd.

«‹Ja›, lachte Alboin, ‹Wolf und Geier jagen gemeinsam und teilen das Reh. – Ist diese Arbeit getan, dann geht's über Dravus, Savus und Sontius nach Venetia: ich kenne die Wege.›»

«Er kennt sie so gut», sagte Cethegus halb zu sich, «daß man diesen Wolfs-Jüngling sie gar nicht mehr zurückschreiten lassen darf. Licinius, ich brauche rasche und starke Verstärkung. Der Angang war gut: aber nun gehts nicht recht vorwärts. Die Italier, schmählich zu sagen, stehn nicht auf: sie halten zu den Barbaren», lächelte er zornig, «aus ähnlichen Gründen wie mein zu Tod gefressener Freund Balbus. Gewiß rückt der Gotenkönig schon vor Rom heran, mit starkem Heer, seine Flotte zu rächen. Ich kenne ihn: er greift an! So schicke ich denn Eilboten nach Eilboten an Areobindos, der wirklich ein Prinz der Schnecken ist, rasch das ‹zweite Heer› heranzuführen: er soll die versprengten Goten in Epirus an der eignen Tollkühnheit ihrer Stellung zugrunde gehen lassen. Aber kein Areobindos kommt. Und mit meinen Byzantinern kann ich im offenen Feld diesen Totila nicht schlagen, wenn er die Übermacht hat.»

«Und Ravenna? Wird es sich noch halten können, wenn du nicht eilig Entsatz bringst?»

«Ravenna ist befreit. Nach Zerstörung der gotischen Flotte schickte ich auf die Reede von Classis dreißig meiner Trieren unter dem Nauarchen Justinus: sie drangen in den Hafen Classis und versahen die Stadt mit neuen Vorräten. Und vor einigen Tagen vernehme ich, daß der alte Hildebrand die Belagerung auch auf der Landseite aufgehoben und sich in Eilmärschen, westlich um uns herum, mit seinen wenigen Tausendschaften nach Florentina und Perusia gezogen hat. Angeblich, aber das ist eine handgreifliche Unmöglichkeit! weil ein ungeheures Heer des Kaisers auf dem Landweg von Dalmatien, von Salona her, durch Venetien in Eilmärschen gegen Ravenna heranrücke.

Wäre dem doch so! Aber leider weiß ich besser, daß das ‹zweite Heer›, das übrigens kleiner als das meine, nicht in Dalmatien steht und nicht in Salona, welche Stadt die Goten haben und nicht der Kaiser, sondern drüben in Epidamnus sich sammelt, unglaublich langsam. Denn Prinz Areobindos, dem man sehr mit Unrecht Eilmärsche zutraut, pflückt lieber noch wohlfeile Lorbeern in Epirus.

Und deine schöne Gönnerin, mein Licinius, die Kaiserin, ist mir zwar gewogen: aber mich sehr geschwinde siegen zu sehen ist weder ihr noch dem Kaiser der Romäer erwünscht. So muß ich denn harren und harren, bis der Schneckenprinz heranschleicht. Aber da oben bei Senogallia war unseres Bleibens nicht.

Mich zog's gen Rom!

Auch sind die Stellungen da oben zu schwach, sie gegen Übermacht zu halten. Diese treffliche Stellung hier bei Setinum, Caprä und Taginä habe ich mir schon lang einmal ausgewählt.

Und so eilte ich hierher – schnell! Aber doch nicht schnell genug. Denn Setinum zwar gelang es noch zu erreichen.

Aber nicht mehr Caprä und Taginä, die notwendige Deckung.

Und doch ist Taginä der Schlüssel der Stellung: – ohne Caprä und Taginä ist mein Lager eine Festung zwar mit Wall, aber ohne Graben: die drei Flüßchen bei Caprä und Taginä sind deren natürliche Gräben. Sofort sprengte ich selbst von Setinum aus gegen Taginä mit den sarazenischen Reitern: aber zu spät.

Graf Teja – er muß auf den Schwingen des Sturmwindes von Rom herangebraust sein! – Graf Teja hatte Taginä kurz vor mir erreicht mit einer fliegenden, dem Hauptheer vorangeworfenen Schar: und obwohl die Sarazenen sieben gegen drei waren, hat er sie mit seinen gotischen Beilreitern blutig zurückgeworfen: es war kein Halten mehr, nachdem er den Sarazenenkönig Abocharabus den Jüngeren mit dem Beil vom Turban bis zum Gurt durchspalten, heulend rissen meine Sarazenen die Renner herum und jagten davon, über Caprä zurück, mich mit fortreißend.

Heute suchte ich nun die Stärke der Besatzung von Taginä zu erkunden – denn gern möchte ich den Verhaßten erdrücken, ehe das gotische Hauptheer eintrifft – aber die Stellung von Caprä war heute schon nicht mehr zu durchdringen. Und bereits soll der Barbarenkönig selbst im Anzug sein: die Nachhut führe der Herzog Guntharis heran.

Und wo bleibt, wann kommt mein ‹zweites Heer›?»

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