Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felix Dahn >

Ein Kampf um Rom

Felix Dahn: Ein Kampf um Rom - Kapitel 127
Quellenangabe
typefiction
booktitleEin Kampf um Rom
authorFelix Dahn
publisherVerlag Werner Dausien
addressHanau
isbn3-7684-4210-1
titleEin Kampf um Rom
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
Schließen

Navigation:

Zehntes Kapitel

Der Kaiser beschied seine Kaiserin und Narses mit sich in sein Gemach.

Dort angelangt, umarmte er abermals, ohne des Zeugen Gegenwart zu scheuen, innig und herzlich seine Gemahlin. «Wie freut, wie erhebt mich die Begeisterung! Ich bin stolz auf ein solches Weib! Wie schön stand dir, o Theodora, der edle Zorn. Wie kann ich dir lohnen! Wähle dir jede Gunst, jedes Zeichen meines Dankes, du meine beste Beraterin, ja meine Mitregentin!»

«Soll ich, das schwache Weib, wirklich glauben dürfen, daß ich Anteil nehmen darf an deinen Plänen und Gedanken, an diesem Kriege, so vertraue mir, wie du ihn zu leiten gedenkst.»

«Jedenfalls sende ich zwei Feldherren nach Italien, nie mehr einen, seit Belisarius in jenem Land mit einer Krone gespielt. Aber ihn sende ich wieder, das steht mir fest.»

«So erbitte ich mir die Gnade», sprach Theodora, «den andere Feldherrn vorschlagen zu dürfen. – Narses», fuhr sie fort, ehe Justinian antworten konnte, «willst du der andere sein?» Sie wollte ihn rasch unmöglich machen. –

«Ich danke», sagte dieser bitter. – «Du weißt: ich bin ein störrig unverträglich Roß, ich tauge nicht, mit einem andern zusammen zu ziehn. Den Feldherrnstab und ein Weib, Justinianus, muß man in gleicher Weise haben.»

«Nämlich wie?»

«Allein oder gar nicht.»

«Dann du gar nicht», sagte Justinianus herb. «Du mußt nicht wähnen, unentbehrlich zu sein, Magister Militum.»

«Das ist niemand auf Erden, Justinianus. Sende nur wieder den großen Belisar! Er mag sein Glück zum drittenmal versuchen in jenem Lande, wo die Lorbeern so dicht wachsen. Meine Stunde kommt schon noch.

Als Zeuge eures Eheglückes bin ich wohl überflüssig hier. Und zu Hause, meinem Krankenbett gegenüber, ist die Straßenkarte von Italien angeheftet: vergönne, daß ich in meinem Studium derselben fortfahre: sie ist jetzt interessanter als die Karte unsrer Persergrenze.

Nur noch einen Rat. Zuletzt mußt du doch Narses nach Italien senden.

Je früher du ihn sendest, desto mehr ersparst du an Niederlagen, Verdruß und – Geld. Und wenn nun die Gicht oder jene niederträchtige Epilepsis Narses hinraffen sollte, ehe dieser König Totila auf seinem Schilde liegt, wer wird dir dann den König Totila besiegen? Du glaubst ja an Prophezeiungen. Wohlan, in Italien geht schon lange der Spruch: ‹T. schlägt B., N. schlägt T.›»

«Soll das vielleicht heißen: Theodora schlug Belisar, Narses schlägt Theodora?» höhnte die Kaiserin.

«Das war nicht meine Lösung des Rätselspruchs.

Es war die deine. Aber wohlan, auch diese Lösung nehm' ich an. Weißt du, welches das weiseste deiner vielen Gesetze war, o Justinianus?»

«Nun?»

«Jenes, das den Tod auf jede Anklage gegen deine Kaiserin setzte: denn er war das einzige Mittel, sie dir zu erhalten.» Und er ging.

«Der Unverschämte», sprach Theodora, ihm einen giftigen Blick nachsendend. «Er wagt zu drohn! Wenn erst einmal Belisar unschädlich ist, dann muß rasch Narses folgen.»

«Einstweilen aber brauchen wir noch beide», meinte Justinian. «Und du schlägst – in Wahrheit! – vermutlich zum andern Feldherrn für Italien wieder denselben Namen vor wie bei Cassiodors Abweisung?»

«Denselben.»

«Aber die Gründe meines Mißtrauens gegen jenen Ehrgeizigen sind seither noch verstärkt.»

«Hast du vergessen, wer dir Silverius entlarvt und entwaffnet, wer vor Belisars gefährlichem Kronenspiel geheim und zuerst gewarnt hat?»

«Aber er verkehrt hier mit denselben Männern, welche die Verschwörung gegen mich betreiben.»

«Ja: aber, o Justinianus, auf mein Geheiß, als ihr Verderber.»

«Das wäre! Wenn er aber auch dich täuscht?»

«Wirst du ihm glauben und mir und ihn nach Italien senden, wenn er dir morgen die Verschwörer in Ketten zuführt und darunter ihr geheimes, auch dir noch unbekanntes Haupt?»

«Ich weiß: es ist Photius, Belisars Freigelassener.»

«Nein, o Justinianus: – Er ist es, den du wieder nach Italien senden wolltest, wenn ich nicht warnte, Belisarius selbst.»

Da erbleichte der Kaiser, wankte und griff nach der Armlehne des Thrones.

«Wirst du dann an des wunderbaren Römers Ergebenheit glauben und, statt des Verräters Belisar, ihn nach Italien senden mit deinem Heer?»

«Alles, alles», sprach Justinianus, «gewiß! Belisarius also doch ein Verräter? Dann tut Eile not. Handeln wir.»

«Ich habe schon gehandelt, Justinian. Mein Netz ist unentrinnbar schon gestellt. Gib mir die Vollmacht, es zusammenzuziehn.»

Der Kaiser winkte Gewährung.

Und Theodora befahl, indem sie aus den Vorhängen schritt, dem Velarius: «Hole sogleich aus seinem Hause in mein Gemach Cethegus, den Präfekten von Rom.»

 << Kapitel 126  Kapitel 128 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.