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Ein fröhlicher Bursch

Bjørnstjerne Bjørnson: Ein fröhlicher Bursch - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorBjörnstjerne Björnson
titleEin fröhlicher Bursch
publisherPhilipp Reclam jun.
translatorH. Denhardt
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
projectid312314bb
created20061018
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Achtes Kapitel.

Liebe Eltern!

Jetzt haben wir weit mehr zu arbeiten bekommen, aber ich habe die andern auch schon beinahe eingeholt, so daß es mir nicht mehr so schwer fällt Und nun werde ich auf Vaters Ackerwirthschaft vieles verändern, wenn ich nach Hause komme, denn in ihr wird vieles verkehrt angefangen, und es ist wunderbar genug, daß das bisher gut gethan hat. Aber ich werde alles wieder in Ordnung bringen, da ich jetzt vieles gelernt habe. Ich habe Lust, nach einer Stelle zu kommen, wo ich alles, was ich nun weiß, benutzen kann; deshalb muß ich mich nach einer großen Stelle umsehen, wenn ich fertig bin. Hier sagen alle, Jon Hatlen sei nicht so geschickt, als bei uns zu Hause erzählt wird, aber er besitzt einen eigenen Hof, so daß das keinen andern angeht als ihn selbst. Viele, die von hier kommen, erhalten sehr hohen Lohn; sie werden aber nur so gut bezahlt, weil unsere Ackerbauschule die beste im Lande ist. Einige meinen zwar, daß eine im nächsten Bezirk noch besser sei, aber das ist gar nicht wahr. Hier dreht sich alles um zwei Worte: das eine heißt Theorie und das andere Praxis, und es ist gut, wenn man sie beide hat, und das eine ist nichts ohne das andere, aber das letzte ist doch das beste. Und das erste Wort bedeutet die Kenntnis der Ursache und des Grundes zu einer Arbeit, aber das andere bedeutet, daß man die Arbeit auch selbst machen kann, wie zum Beispiel jetzt, wo uns ein Sumpf Arbeit macht. Denn es giebt viele, die ganz gut wissen, wie sie es bei einem Sumpfe machen sollen, machen es aber trotzdem verkehrt, denn sie können es nicht. Viele andere wieder können es und wissen es nicht, und so kann es auch schlecht ausfallen, denn es giebt vielerlei Arten Sümpfe. Aber wir auf der Ackerbauschule, wir lernen beide Worte. Unser Director ist so tüchtig, daß sich kein Einziger mit ihm messen kann. Bei der letzten Versammlung der Landwirthe aus dem ganzen Lande stellte er zwei Fragen auf, während die andern Direktoren jeder nur eine einzige aufzustellen hatten, und immer wurde es, wie er sagte, wenn sie es sich erst hatten überlegen können. Aber bei der vorjährigen Versammlung, auf der er war, ging alles nach bloßem Zufall. Den Lieutenant, der das Land messen lehrt, hat der Direktor nur wegen dessen großer Tüchtigkeit bekommen, denn die anderen Schulen haben keinen Lieutenant; aber er ist so geschickt, daß er aus der Lieutenantsschule der allerbeste gewesen sein soll.

Der Schulmeister fragt, ob ich in die Kirche gehe. Ei ja, gewiß gehe ich in die Kirche, denn jetzt hat der Pfarrer einen Hilfsgeistlichen erhalten, und der predigt so, daß allen in der Kirche ganz bange wird, und es eine Freude ist zuzuhören. Er ist von der neuen Religion, die sie in Christiania haben, und den Leuten kommt er zu streng vor, aber das kommt ihnen nur zu Gute.

Augenblicklich lernen wir viel Geschichte, die wir vorher nicht gelernt haben, und es ist merkwürdig, alles zu erfahren, was in der Welt vorgegangen ist, namentlich aber bei uns. Denn wir haben beständig gesiegt, ausgenommen wenn wir geschlagen wurden, und damals sind wir noch viel kleiner gewesen. Jetzt haben wir Freiheit, und die hat kein Volk in so hohem Grade wie wir, ausgenommen Amerika, aber da sind sie nicht glücklich. Und unsere Freiheit sollen wir mehr als alles andere lieben.

Jetzt will ich für diesmal schließen; denn ich habe einen sehr langen Brief geschrieben. Der Schulmeister wird wohl den Brief lesen, und wenn er für Euch antwortet, so soll er mir doch etwas Neues von dem Einen oder dem Andern erzählen; denn das thut er nicht. Aber seid nun vielmals gegrüßt von Eurem ergebenen Sohne

Oeyvind Thoresen.    

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