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Ein Fallissement

Bjørnstjerne Bjørnson: Ein Fallissement - Kapitel 3
Quellenangabe
typedrama
authorBjörnstjerne Björnson
booktitleAbsalons Haar ? Der König ? Ein Fallissement
titleEin Fallissement
publisherMitteldeutsche Verlagsanstalt Lehmann & Fink
seriesBjörnson Ausgewählte Werke
volumeZweiter Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid124bb4d1
created20070422
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Zweiter Akt.

Dasselbe Zimmer. Der Tisch ist ausgezogen, – darauf Sektflaschen und Teller mit Dessert. Signe und ein Diener und ein Mädchen sind am Tisch beschäftigt. Dora gibt Anordnungen. Von rechts tönt lautes Reden und Gelächter.

Erste Szene

Dora, Signe.

Dora (müde). Ich denke, jetzt ist alles in Ordnung.

Signe Das Essen dauert aber lange!

Dora (auf die Uhr sehend). Wenn Konsul Lind um fünf fahren will, bleibt zum Dessert kaum eine halbe Stunde.

(Im Nebenzimmer wild es still)

Signe Jetzt sind sie fertig, – sie stehen auf und kommen her.

Dora Komm'.

(Dora wird von Signe beim Abgehen unterstützt. Das Mädchen geht auch. Der Diener öffnet mehrere Sektflaschen.)

Zweite Szene.

Konsul Lind mit Tjälde. Holm mit Ring. Der Pastor mit Hamar. Knutzen mit Falbe. Finne , Knudsen Jakobsen, zuletzt Pram. Später Dora, Walborg, Signe.

Lind Wirklich, das Diner war ganz vorzüglich.

Tjälde Aber ich bitte Sie. Es war nicht halb das, was ich Ihnen gern vorgesetzt hätte, – aber hier in einer kleinen Stadt, – gewissermaßen auf dem Lande. (Beide sehen auf die Uhren.) Nur noch eine halbe Stunde, wenn Sie im Ernst schon um fünf fort wollen. – Wollen Sie mir wirklich nicht bis zum nächsten Dampfer die Freude Ihres Besuches machen?

Lind Unmöglich! – Wirklich ganz unmöglich! (Sprechen weiter)

Holm (der indessen mit Ring eingetreten ist) Ich sage Ihnen, die Holzpreise werden immer mehr fallen.

Ring Das glaube ich nicht. Die Holzpreise stehen im umgekehrten Verhältnis zu den Preisen für Eisen und Kohlen.

Holm Diese Anschauung kann ich eben nicht teilen.

(Der Pastor und Hamar sind gleich nach den Vorigen eingetreten. Der Pastor ist leicht angetrunken und wird von Hamar geführt.)

Der Pastor Ich wiederhole, – ich habe nichts gegen den Austritt aus der Gemeinde, wenn jeder verpflichtet bleibt, dem Geistlichen auch ferner den gesetzlichen Beitrag zu zahlen, mag er seine Dienste in Anspruch nehmen oder nicht. In allen Dingen muß Ordnung herrschen, weil die Ordnung ein wesentlicher Bestandteil des Reiches Gottes ist.

Hamar Haben Sie schon den neuen Fuchs meines Schwiegervaters gesehen?

(Knutzen und Falbe treten ein)

Falbe Die Tänzerin, die ich in Hamburg gesehen habe, konnte sechs Meter hoch springen.

Knutzen Kaum glaublich. Aber da Sie mit ihr an derselben Table d'hôte gegessen haben, müssen Sie es ja wissen. (Finne, Knudsen und Jakobsen sind inzwischen eingetreten)

Jakobsen Ich setze meinen Kopf zum Pfande, daß – –

Finne Sie haben mich falsch verstanden.

Knudsen (zu Jakobsen.) So wie Sie es auffassen, war es ja gar nicht gemeint – –

Jakobsen Was Sie meinen oder nicht, ist mir ganz gleichgültig. Ich sage Ihnen, mein Prinzipal ist der größte Kaufmann und der ehrenhafteste Mann auf der ganzen Welt, – jedenfalls in ganz Norwegen.

(Pram tritt allein ein)

Tjälde (schlägt an sein Glas) Meine Herren! (Stille. Man hört nur noch Falbe und Jakobsen, die durch Zischen zur Ruhe gebracht werden.) Meine Herren! – Es tut mir leid, daß das Essen sich so lange hinausgezogen hat –

Alle Nein, nein – – – –

Tjälde Unser verehrter Gast will uns leider schon in einer halben Stunde verlassen. – Gestatten Sie mir zum Dessert einige Worte. – Meine Herren! Wir haben heute in unserer Mitte einen Fürsten. Ich sage: einen Fürsten! – Denn wenn es wahr ist, daß das Geld die Welt regiert, – und das ist wahr, meine Herren –

Pram (seine Hände ganz vorn auf den Tisch stützend, feierlich.) Ja.

Tjälde. Dann ist dieser Mann ein Fürst. Kaum ein größeres Unternehmen haben wir im Lande, das er nicht gegründet hätte, – das er nicht in dieser oder jener Weise unterstützt hätte –

Pram. Herr Konsul Lind, darf ich mir erlauben – (Er will mit Lind anstoßen.)

Mehrere. Ruhe!

Tjälde. Ja, meine Herren, – wo etwas Bedeutendes erreicht werden soll, steht sein Name an erster Stelle. –

Pram. – erster Stelle.

Tjälde. Ist er nicht ein Fürst?

Falbe. Ein Fürst.

Tjälde. Meine Herren, – eben jetzt greift er wieder kräftig, – ich kann wohl sagen, schöpferisch in die Ereignisse ein. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, er ist in diesem Augenblick der größte Wohltäter des Landes.

Pram. – größte Wohltäter des Landes.

Tjälde. Auf sein Wohl leere ich dieses Glas. – Möge sein Haus blühen, sein Name unsterblich sein in Norwegen. Herr Konsul Lind, er lebe hoch! hoch! hoch!

Alle. Hoch! (Allgemeines Anstoßen der Gläser.)

Tjälde (zu Hamar, den er etwas zur Seite führt, während die anderen ans Dessert gehen.) Wo bleiben denn die Böllerschüsse? –

Hamar (erschreckend.) Herrje! Das ist ja wahr. – (Er eilt ans Fenster, kehrt aber gleich wieder um.) Mein Taschentuch!? – Ich muß es im Eßzimmer haben liegen lassen.

Tjälde. Da, – nimm meins! (Er gibt es ihm.) Ob man sich wohl einmal auf dich verlassen kann. Jetzt kommt der Salut zu spät. Wir blamieren uns nur. (Hamar winkt mit dem Taschentuch. Man hört Schüsse. Die Gäste stehen mit dem Teller in der Hand in einem Kreise.)

Holm. Das kommt etwas spät.

Knutzen. Ja – spät.

Ring. Immerhin ein sehr bedeutungsvoller Augenblick.

Holm. Ein unerwarteter jedenfalls.

Knutzen. Unter Salutschüssen führt man einen an der Nase herum.

Ring. Ein großartiger Kopf, der Tjälde!

Tjälde. Herr Konsul Lind wird die Güte haben, einen Toast auszubringen. (Man tritt schweigend um Lind.)

Lind Unser verehrter Herr Wirt hat mir sehr schmeichelhafte Worte gewidmet. – Ich meine, ein großes Vermögen ist uns vor allen Dingen dazu anvertraut, damit wir den Fleiß, das Genie und große segensreiche Unternehmungen unterstützen.

Pram (wie vorher) Schön gesagt!

Lind Ich bin nur der Verwalter eines solchen Vermögens, – und gewiß oft ein sehr schwacher und kurzsichtiger.

Pram Sehr schön.

Lind Ich irre wohl aber schwerlich, wenn ich sage, daß Herrn Tjäldes großartige Wirksamkeit, die wir alle bewundern müssen, auf großer und gesunder Grundlage ruht. Niemand kann das in diesem Augenblick besser beurteilen als ich. (Alle sehen sich überrascht an.) Mit Recht kann ich sagen, daß seine Arbeit ein Segen ist für diese Stadt, diese Gegend, ja, für das Land. – Deshalb verdient sie, in ihrer ganzen Kraft und Genialität unterstützt zu werden. – Ich trinke auf das Gedeihen dieses Hauses.

Alle Hoch! hoch!

(Hamar gibt das Zeichen zum Schießen. Schüsse!)

Tjälde Meinen herzlichsten Dank, Herr Konsul. Ich bin tiefgerührt.

Lind Nur meine Überzeugung, Herr Tjälde.

Tjälde Herzlichsten Dank. – (Zu Hamar.) Jetzt läßt du zu Ehren des Wirtes schießen! – Welche Blamage!

Hamar Die Toaste sollten doch mit Böllerschüssen begleitet werden.

Tjälde Ach – du bist ein – –

Hamar Nein, – das halte ich aber nicht länger aus. –

Holm Also Tatsache.

Knudsen Fait accompli! – Der Toast gilt unter Brüdern mindestens 400 000 Kronen.

Ring Ich hab's immer gesagt, – der Tjälde ist ein großer Kopf.

(Falbe stößt ehrerbietig mit Lind an. Jakobsen und Knudsen kommen sprechend nach vorn.)

Jakobsen (mit gedämpfter Stimme) Kein wahres Wort ist daran!

Knudsen Aber bester Jakobsen, Sie mißverstehen mich.

Jakobsen (lauter) Ach was! Mißverstehen! Ich kenne meine Leute.

Knudsen Schreien Sie doch nicht so, Mensch!

Jakobsen (noch lauter.) Was ich sage, kann jeder hören.

Tjälde (fast gleichzeitig.) Der Herr Pastor hat ums Wort gebeten.

Knudsen Still, – der Pastor will reden –

Jakobsen (sehr laut.) Was! Ich soll still sein, wenn so ein verdammter – –

Tjälde (scharf.) Der Herr Pastor hat ums Wort gebeten.

Jakobsen Verzeihung.

Der Pastor (mit etwas unsicherer Stimme.) Als dieses Hauses Seelsorger habe ich die angenehme Pflicht, die Gaben zu segnen, die so verschwenderisch auf dieses Haus und seine Freunde herabströmen, – mögen sie der Seele zum Heil gereichen – in Zeit und Ewigkeit.

Pram. Amen.

Der Pastor. Ich trinke mein Glas auf das Wohl der lieben Kinder, – der holden Mädchen, deren künftiges Glück in meine Gebete eingeschlossen ist von ihrer Konfirmation ab, – seit jener unvergeßlichen Zeit, in der dieses Haus und sein Seelsorger einander so nahe getreten sind. Möchten sie wie bisher, so auch künftig zunehmen an Gottesfurcht, Demut und Dankbarkeit gegen ihre liebevollen Eltern –

Alle Fräulein Walborg! Fräulein Signe!

Hamar (zu Tjälde.) Soll ich schießen lassen?

Tjälde Du bist wohl –

Hamar. Nein, wirklich – das halte ich nicht länger aus –

Tjälde (gleichzeitig.) Ich danke Ihnen, Herr Pastor. Ich hoffe wie Sie, daß das schöne Verhältnis zwischen Eltern und Kindern in meinem Hause –

Der Pastor. Stets bin ich mit Freuden zu Ihnen gekommen – in dieses trauliche Heim, in dem –

Tjälde. Darf ich mir erlauben, Herr Pastor, ein Glas auf Ihr Wohl zu trinken –

Der Pastor Ich versichere Ihnen – ein sehr edler Champagner –

Lind (zu Holm.) Was Sie da sagen, tut mir in der Tat sehr leid. Dieser Ort, für den Tjälde so viel getan hat, dankt ihm das also so wenig. –

Holm (leise) Man hat ihm nie recht getraut.

Lind Ach was!? – Man hat aber immer so viel Gutes von ihm gehört. –

Holm. Verstehen Sie mich recht: Ich meine, seine Verhältnisse –

Lind Seine Verhältnisse? – Glauben Sie mir, das ist weiter nichts als Neid. Diejenigen, die durch ihren großen Unternehmungsgeist weiter gekommen sind als die meisten, werden sehr oft verleumdet.

Holm Sie können versichert sein, es ist nicht –

Lind (abweisend.) Ich will das nicht bezweifeln – aber – (Er kehrt ihm ostentativ den Rücken.)

Jakobsen (der eben mit Tjälde angestoßen hat.)Meine Herren!

Knutzen (zu Holm.) Soll der Grobian wirklich reden? (Mit einem Glas in der Hand zu Lind.) Herr Konsul, darf ich mir erlauben –?

(Mehrere reden laut, um Jakobsen am Sprechen zu hindern.)

Jakobsen (mit starker Stimme.) Meine Herren! – (Es wird stiller, Jakobsen fährt mit ruhiger Stimme fort.) Darf ein einfacher Mann sich erlauben, bei dieser feierlichen Gelegenheit auch ein paar Worte zu sagen? – Als kleiner armer Junge bin ich zu Konsul Tjälde gekommen, er hat mich aus dem Schmutz emporgezogen. (Gelächter.) – Jetzt bin ich, was ich bin, meine Herren! – Wenn jemand über Konsul Tjälde sprechen kann, bin ich es – ich kenne ihn. – Ich weiß, er ist ein braver Mann!

Lind (zu Tjälde.) Kinder und Betrunkene –

Tjälde. Sprechen die Wahrheit.

Jakobsen. Es gibt Leute, die bald das – bald das sagen, – und er mag auch seine Fehler haben. – Aber wenn ich in so feiner Gesellschaft bin, dann sage ich es gerade heraus: – Hol' mich der Teufel! Er ist zu gut für das ganze Pack!

(Gelächter.)

Tjälde Nun lassen Sie es gut sein, Jakobsen.

Jakobsen Nein, es ist noch nicht gut; – denn wir alle haben ein Hoch vergessen, trotzdem wir alle miteinander so gut gegessen und getrunken haben. (Gelächter.)

Falbe (in die Hände klatschend.) Bravo!

Jakobsen. Gar nichts gibt es zu lachen. – Denn es ist ein Hoch für Frau Tjälde, – auf die hat noch keiner von uns getrunken.

Lind. Bravo!

Jakobsen. Was sie als Gattin, als Mutter ist – und – und – das ist wahr, sie sorgt für alles, und ist doch kränklich, – sie hat alles zu tragen und beklagt sich nie. – Gott segne und schütze sie! – Und jetzt bin ich fertig.

Mehrere. Frau Tjälde soll leben!

Pram Das war hübsch von Ihnen, Jakobsen. (Er drückt Jakobsen die Hand, Lind tritt hinzu, Pram tritt ehrerbietig zurück.)

Lind Auf Ihr Wohl, Jakobsen!

Jakobsen Schönsten Dank, Herr Konsul. – Ich bin zwar nur ein einfacher Mann –

Lind Aber ein sehr braver. – Ihr Wohl!

(Man sieht indes das Boot an der Veranda anlegen. Sechs Matrosen stellen die Ruder auf. Sannäs steht unter der Flagge am Steuer.)

Holm (Finne zuflüsternd). Tjälde weiß, was er tut, wenn er Jakobsen einlädt.

Knutzen Das Boot! Das Boot!

Ring Ein großartiger Kopf, dieser Tjälde – ein großartiger Kopf!

(Die Damen kommen rechts die Treppe herauf.)

Tjälde Meine Herren, die Abschiedsstunde schlägt. Da kommen die Damen, um unserem lieben Gast Lebewohl zu sagen. Zum letzten Male scharen wir uns um ihn, – danken ihm und grüßen ihn mit einem dreimaligen: Hurra! (Man ruft dreimal: Hurra! Pram noch einige Male mehr.)

Lind Ich danke Ihnen, meine Herren. Die Zeit drängt. Ich muß mich darauf beschränken, jedem von Ihnen ein einfaches Lebewohl zu sagen. Leben Sie wohl, liebe Frau Tjälde. Sie hätten den schönen Trinkspruch hören sollen, der auf Sie ausgebracht worden ist. Haben Sie Dank für die herzliche Aufnahme – und verzeihen Sie mir die Umstände, die ich Ihnen gemacht habe. – Adieu, Fräulein Signe. – Schade, daß wir uns nicht näher kennen gelernt haben. Aber wenn Sie bald einmal in die Hauptstadt kommen –

Signe Werde ich mir erlauben, Ihrer Frau Gemahlin meine Aufwartung zu machen.

Lind Sie werden uns von Herzen willkommen sein. Adieu, Fräulein Walborg. – Aber schaun Sie immer so ernsthaft drein?

Walborg Nur manchmal.

Lind Leben Sie wohl. – (Zu Hamar.) Adieu, Herr – Herr – –

Hamar Oberleutnant der Kavallerie – –

Lind Ja, ja, jetzt weiß ich. Sie waren es ja, der mir vorhin von dem Pferde sprach. – Der Herr Schwiegersohn! – Verzeihen Sie, daß ich nicht gleich – –

Hamar Aber ich bitte Sie. –

Lind Adieu!

Hamar Glückliche Reise, Herr Konsul.

Lind (kalt zu Holm). Adieu, Herr Holm.

Holm (sehr höflich). Ich wünsche Ihnen glückliche Reise.

Lind Herr Oberzollkontrolleur –

Pram (seine Hand festhaltend, nach Worten suchend.) Darf ich Ihnen meinen Dank aussprechen – für – – für – –

Lind Sie sind gewiß ein sehr braver Mann.

Pram Ja, das freut mich, daß ich das bin. Ich danke Ihnen – –

Lind (zu Knutzen) Adieu, Herr –

Knudsen (schnell) Knutzen –

Pram Mit 'm z.

Lind (zu Knudsen.) Leben Sie wohl, Herr – –

Knudsen Ebenfalls: Knudsen –

Pram Mit 'm s.

Lind (vor Falbe stehend) Herr – –

Falbe Falbe. Agent Falbe.

Lind Adieu, Herr Agent. – (Zu Ring) Ich habe mich sehr gefreut, Sie so wohlauf gefunden zu haben.

Ring (sich verbeugend.) O danke – gleichfalls.

Lind Herr Pastor –

Der Pastor (feierlich) Mein lieber Herr Konsul, darf ich Ihnen Glück und Segen wünschen –

Lind Danke, danke. (Versucht sich loszumachen)

Der Pastor Für die Reise in die Ferne – über das drohende Meer – lieber Herr Konsul – –

Lind (wie vorher.) Danke, danke.

Der Pastor Darf ich Ihnen ferner eine recht, recht glückliche Heimkehr wünschen und –

Lind Danke. Besten Dank.

Der Pastor – In der Heimat – der geliebten Vaterstadt, mein lieber Herr Lind, die in Ihnen –

Lind Entschuldigen Sie, Herr Pastor, aber die Zeit drängt – –

Der Pastor Darf ich Ihnen danken für diesen Tag, – dieses schöne Zusammentreffen, diese – –

Lind Keine Ursache. Leben Sie wohl. – (Zu Jakobsen) Jakobsen, leben Sie auch recht wohl –

Jakobsen Ich bin zwar nur ein einfacher Mann, aber trotzdem darf ich Ihnen wohl eine glückliche Reise wünschen. –

Lind Gewiß, lieber Jakobsen. – Adieu, Finne. – (Er zieht ihn beiseite) Ein Wort, Finne. – Sagtest du nicht vorhin, Berent sei hier? (Sie sprechen leise)

Tjälde (zu Hamar) Jetzt vergiß die Böllerschüsse nicht. – Himmel! Herrgott! Nein! – Lauf' doch nicht gleich weg! – Doch erst, wenn das Boot abstößt! – Wenn es nach dir ginge, wären wir wieder blamiert! (Wendet sich um.)

Hamar. Ja, das ist aber wirklich nicht länger – –

Tjälde (zu Lind, der seine Hand faßt). Leben Sie wohl, Herr Konsul. (Leise.) Ich kann Ihnen nicht sagen, wie dankbar ich Ihnen für Ihren Besuch bin. – Sie allein können begreifen –

Lind (etwas kühl). Hat nichts zu sagen, Herr Konsul. – Viel Glück in den Geschäften. – – (Wärmer.) Leben Sie alle recht wohl, meine Herren. – Schönsten Dank für die angenehmen Stunden.

(Ein Diener hat ihm vorher schon den Hut gereicht. Lind besteigt das Boot.)

Alle. Adieu, Herr Konsul! Adieu!

Tjälde Noch ein: Hurra!

(Hurrarufe und Böllerschüsse gleichzeitig. Das Boot stößt ab, man weht mit den Taschentüchern.)

Tjälde. Ich habe kein Taschentuch! – – Dieser Dummkopf hat – – (Zu Walborg.) Warum wehst du nicht mit dem Taschentuch?

Walborg. Weil ich nicht will.

Tjälde (sieht sie starr an – ergreift mit jeder Hand eine Serviette und weht aus dem Fenster). Leben Sie wohl! Leben Sie wohl!

Signe. Wir wollen noch hinuntergehen – auf die Landungsbrücke!

Alle. Ja, ja! (Alle über die Veranda nach rechts ab.)

Tjälde (zurückkehrend). Ich habe Berent kommen sehen.

(Walborg, die zurückgeblieben war, geht durch die Tür rechts ab.)

Tjälde (wirft sich in einen Stuhl). O Gott! O Gott. – Das soll aber auch das letzte Mal gewesen sein. – Nun habe ich es ja nicht mehr nötig! Nein – – jetzt – nicht – mehr. – – Der Advokat! – (Er steht auf.)

Dritte Szene.

Tjäldes Kontor. Links ein Pult mit Büchern und Papieren. Rechts ein Kamin, davor ein Lehnstuhl. Etwas weiter vorn rechts ein großer Tisch mit Schreibgeräten, davor zwei Lehnstühle. Zwei Fenster links, an beiden Seiten des Pultes. Dem Kamin gegenüber eine Tür. Im Hintergrunde eine Tür zu den anderen Bureaus. Neben der Tür zwei Stühle. In der Ecke links eine Wendeltreppe zum Schlafzimmer.

Tjälde. Berent.

Tjälde (ernst). Sie müssen entschuldigen, daß ich Sie hier hereinführe. Ich hatte einige Gäste zu Tisch, – infolgedessen ist es in den anderen Zimmern noch etwas unordentlich.

Berent Ich habe schon gehört, daß Sie Besuch hatten.

Tjälde Konsul Lind aus Christiania.

Berent So.

Tjälde Wollen Sie bitte Platz nehmen.

(Berent legt Hut und Mantel auf einen Stuhl im Hintergrunde, geht dann langsam nach vorn, setzt sich auf einen Stuhl am Tisch und zieht Papiere aus der Brusttasche. Tjälde hat sich in den anderen Lehnstuhl gesetzt und beobachtet Berent gleichgültig.)

Berent Es erscheint mir zunächst notwendig, einen Ausgangspunkt für die Bestimmung der Werte zu gewinnen – besonders des Grundbesitzes.

Tjälde Natürlich.

Berent Hierzu dürfte es zweckmäßig sein, eines der Geschäfte durchzusprechen, das die weitesten Verzweigungen, den größten Grundbesitz hat.

Tjälde Jawohl.

Berent Hier am Orte bietet nun keines in dieser Beziehung so günstige Bedingungen wie das Ihre. Haben Sie etwas dagegen, wenn wir von Ihrem Geschäft ausgehen?

Tjälde Nicht im geringsten.

Berent Ich muß ferner bitten, mir zu Ihren Berechnungen einige Bemerkungen zu erlauben.

Tjälde Ganz wie Sie wünschen.

Berent Sie kennen die ungefähren Werte gewiß besser als ich. (Tjälde verbeugt sich leicht.) Um mit dem ersten besten anzufangen, z. B. dem Mölstädter Wald. – Sie haben ihn, wie ich sehe, auf 340 000 Kronen angesetzt.

Tjälde Ich hätte ihn vielleicht zu 400 000 Kronen veranschlagen können, aber man muß bei solchen Berechnungen jedenfalls auf eine eventuelle Realisation Rücksicht nehmen.

Berent Um nicht zu sagen: auf einen unfreiwilligen, möglichst schleunigen Verkauf, – Ich bin ganz Ihrer Ansicht. – Aber mir scheint, den Mölstädter Wald haben Sie etwas zu hoch eingeschätzt.

Tjälde (gleichgültig). So?

Berent Sie haben ihn für 200 000 Kronen gekauft.

Tjälde Ganz richtig, vor vier Jahren. – Die Wälder standen damals sehr niedrig im Preise.

Berent Sie haben aber seit der Zeit für mehr als 200 000 Kronen Holz schlagen lassen.

Tjälde Wer hat Ihnen denn das erzählt?

Berent Konsul Holst.

Tjälde Was weiß denn der davon!

Berent Es handelt sich aber hier darum, möglichst vorsichtig zu sein.

Tjälde Gewiß. Meine Angabe beruht auf sehr genauer Schätzung.

Berent Daran zweifle ich nicht. – Trotzdem scheint mir der Anschlag zu hoch.

Tjälde Man kann aber von den gegenwärtigen allerniedrigsten Holzpreisen, die geradezu unnatürlich sind, bei der Schätzung seines Eigentums nicht ohne weiteres ausgehen.

Berent Andere Preise können die Banken doch nicht in Rechnung ziehen. – Darüber haben wir uns doch gleich anfangs verständigt.

Tjälde Nun, die ganze Geschichte geht mich ja gar nichts an, aber die, die es betrifft, werden wohl doch dagegen protestieren.

Berent Ich denke also, wir sagen anstatt 340 000 Kronen 200 000.

Tjälde 200 000? – (Lacht) Wie Sie wollen.

Berent Nach demselben Maßstabe können wir den Stavener Wald kaum höher als auf 80 000 Kronen einschätzen.

Tjälde Erlauben Sie, – wenn es mir, wie gesagt, auch ganz gleichgültig ist, wie hoch Sie meinen Besitz einschätzen, so möchte ich doch wissen, was für einen Zweck diese Herabsetzungen der Zahlen haben sollen.

Berent Sie haben den Zweck, die Banken für den Fall einer plötzlichen Versteigerung schadlos zu halten, – deshalb werden die niedrigsten Tagespreise zugrunde gelegt.

Tjälde Ich muß mir die Bemerkung erlauben, daß bei einer solchen Verhandlungsweise die ganze Westküste fallit wird.

Berent Nun, das wollen wir doch abwarten.

Tjälde Na, mich berührt's ja nicht. – Es fragt sich nur, ob die Banken selbst darauf vorbereitet sind.

Berent Sie haben bis jetzt noch nichts zu befürchten. – Wenn sie aber weiter in Anspruch genommen werden sollen, müssen sie unterscheiden, was solide und was unsolide ist.

Tjälde Da Sie so liebenswürdig waren, mich um meine Meinung zu fragen, wollte ich nur warnen.

Berent Die Werft nebst Vorräten haben Sie auf 240 000 Kronen veranschlagt.

Tjälde Einschließlich der beiden im Bau befindlichen Schiffe.

Berent Die aber noch in so unfertigem Zustande sind, daß Sie kaum einen Käufer dafür finden dürften.

Tjälde So?

Berent Sie wissen zweifellos besser als ich, daß man momentan in allen Geschäften sehr zurückhaltend ist.

Tjälde Schön, schön. – Aber lassen Sie die Schiffe erst fertig sein – und wir werden hier ganz andere Zeiten bekommen!

Berent Unter allen Umständen müssen wir dabei bleiben, wie es jetzt ist, – dürfen nicht davon reden, wie es vielleicht werden könnte. Also können wir für die Werft nebst Vorräten höchstens 160 000 Kronen schreiben. – Ich fürchte sogar, man wird das noch reichlich hoch finden.

Tjälde Wenn Sie mir eine solche Werft mit so großen Vorräten in so vorzüglicher Lage für 160 000 Kronen verschaffen können, bin ich sofort bereit, sie zu kaufen – und wäre sicher, allein bei diesem Geschäft meine 80 000 Kronen zu verdienen.

Berent Gestatten Sie mir, weiter zu gehen.

Tjälde Bitte sehr. – Aufrichtig gesagt, fange ich an, neugierig zu werden, wie sich meine Besitzungen in dieser durchaus neuen Beleuchtung ausnehmen werden.

Berent Bedeutend zu hoch scheint mir aber dieses Grundstück eingeschätzt zu sein, – mit den Ländereien, Gärten, Häusern, Packhäusern, Ladeplätzen usw. Auf die Brauerei und Fabrik komme ich später. – Als Handelsplatz hat dieses Grundstück überhaupt nur Wert für einen großen Kapitalisten.

Tjälde Ganz recht.

Berent Aber auf einen solchen Käufer kann man kaum rechnen. Wenn für ihn das Grundstück rentabel sein sollte, müßte er außer großem Kapital Ihre außerordentliche Einsicht, Ihre Begabung haben.

Tjälde Nun und? –

Berent Den Luxus in den Wohnhäusern wie eine Reihe von überflüssigen Gebäuden kann man überhaupt nicht nach ihrem wirklichen Wert in Anschlag bringen. – Angenommen, ein Landwirt kaufte das Grundstück, – und das ist sehr wahrscheinlich. –

Tjälde Mich haben Sie wohl schon hinausgeworfen?

Berent Mit der Möglichkeit eines Verkaufs muß ich jedenfalls rechnen.

Tjälde (aufstehend.) Wie hoch haben Sie es denn veranschlagt – so ungefähr?

Berent Auf weniger als die Hälfte, das heißt auf – –

Tjälde Entschuldigen Sie, wenn ich endlich sage, was ich lange denke: – Das ist eine Unverschämtheit! – Sie kommen unter dem Vorwande, meine Meinung zu hören, – brechen gewissermaßen in mein Besitztum ein – und rauben mir auf dem Papier mein Eigentum!

Berent Ich verstehe Sie gar nicht. – Ich habe Ihnen gesagt, ich wolle einen Maßstab für die Schätzung der Grundstücke hier an Ort und Stelle gewinnen, – Sie haben selbst gesagt, das Ganze gehe Sie nichts an.

Tjälde Tut es auch nicht. – Aber selbst im Scherz darf man nicht die im Vertrauen angebotenen Berechnungen eines Ehrenmannes wie ein falsches Dokument behandeln.

Berent Ich sehe nur, daß die Ansichten über die Werte momentan sehr auseinandergehen.

Tjälde Sie können von mir nicht verlangen, daß ich mir selbst etwas vorlüge! – Ich weiß, was alle diese Besitzungen wert sind. Stück für Stück habe ich sie zusammengebracht, durch meine eigene Arbeit ausgebaut und unter unglaublich schwierigen kaufmännischen Verhältnissen bewahrt. – Sie sind durch meine Familie geweiht, – sind Teile meines Lebens geworden!

Berent Ich begreife das ja vollkommen. – Die Brauerei hatten Sie angesetzt zu – –

Tjälde Nein, ich kann Ihnen nicht gestatten, in dieser Weise fortzufahren. – Machen Sie bitte das Eigentum eines anderen zum Ausgangspunkt Ihrer Berechnungen, – und suchen Sie sich einen Berater, der Ihre merkwürdigen Auffassungen teilt. Ich danke!

Berent (sich zurücklehnend). Hm, – das ist schade. – Die Banken sollten mit Ihrer Beantwortung meiner Bemerkungen bekannt gemacht werden.

Tjälde Haben Sie denn meine Bilanz den Banken eingereicht.

Berent Gleichzeitig mit den Anmerkungen von Konsul Holst und mir.

Tjälde Eine Überrumpelung also! – Ich war allerdings der Ansicht, ich hätte es mit einem Ehrenmann zu tun.

Berent Die Banken oder ich, – das ist ganz dasselbe, da ich ihre Vollmacht habe.

Tjälde Ihr Vorgehen läßt sich damit nicht entschuldigen.

Berent Die Banken hier werden mit den anderen Geldinstituten konferieren.

Tjälde Und meine Berechnungen sollen bei der Konferenz in Christiania vorgelegt werden, nicht wahr? – Ohne meine Einwilligung – ohne meinen Wunsch!

Berent Sie waren selbst so liebenswürdig, mir Ihre Bilanz als Grundlage meiner sämtlichen Berechnungen anzubieten.

Tjälde Ja, hier. Ihnen persönlich. – Sie haben aber mein Anerbieten in einer ganz unerhörten Weise ausgebeutet.

Berent Heute morgen haben Sie mir versprochen, auch Ihrerseits zur Klärung der hiesigen Verhältnisse beizutragen. Das konnte nicht besser geschehen als durch Ihre eigene Aufstellung.

Tjälde Ach was! – Was Sie getan haben, ist geradeheraus gesagt, ein Einbruch. – Ich werde Sie zur Verantwortung ziehen.

Berent Ich möchte den Vorschlag machen, alle starken Ausdrücke zu vermeiden, – zunächst wenigstens, – und lieber die Folgen der eingesandten Berechnungen zu bedenken,

Tjälde Mit den Folgen wird einer von uns sich jedenfalls auseinanderzusetzen haben.

Berent Hm. – Das Bankhaus Lind – auch.

Tjälde Sollen meine Angaben mit Ihren merkwürdigen Randglossen vielleicht auch dem Konsul Lind vorgelegt werden? – Ist Lind auch zu Ihrer Konferenz eingeladen worden?

Berent Als ich vorhin die Salutschüsse hörte, war mir Ihr Verhältnis zu Lind sofort klar, – und ich habe mir erlaubt, die Banken aufzufordern, ihn zu benachrichtigen.

Tjälde Mit anderen Worten, – Sie haben hier auf der Lauer gelegen! – und versuchen mit allen Mitteln meine Geschäftsverbindungen zu untergraben.

Berent Ihre Lage scheint also doch so zu sein, daß Sie dergleichen zu fürchten haben.

Tjälde Von meiner Lage ist hier gar nicht die Rede, – wir sprechen von Ihrem Betragen mir gegenüber!

Berent Ich denke, wir bleiben lieber bei der Sache. – Also: Die Brauerei haben Sie angesetzt – –

Tjälde Ihr Benehmen ist so beispiellos, daß ich als anständiger Geschäftsmann auf jede weitere Verhandlung mit Ihnen verzichten muß. – Wie gesagt, ich bin gewohnt, nur mit Ehrenmännern zu verkehren.

Berent Sie verkennen scheinbar Ihre Lage. Ihre Schulden bei den Banken sind so bedeutend, daß diese wohl ein Recht haben, von Ihnen eine Erklärung über Ihre Geschäftslage zu fordern. – Sie müssen es sich gefallen lassen, daß wir Ihre Berechnungen einer gewissen Kritik unterziehen.

Tjälde (ruhiger). Es scheint mir hier ein Mißverständnis vorzuliegen. – Sie wissen wohl nicht, daß meine Verbindung mit den Banken aufgehört hat. Ich brauche sie in Zukunft nicht mehr.

Berent Dieses – Mißverständnis hat jedenfalls schon zur Folge gehabt, daß wir Ihre Lage – wie wir sie auffassen – sofort dem Konsul Lind mitgeteilt haben. – – Ich meine deshalb, Sie tun gut, sich mit unserer Auffassung bekannt zu machen, um ihr dort entgegentreten zu können, wie Ihr Interesse es fordert.

Tjälde (nach kurzem Bedenken). Schön. – Aber bitte nicht die einzelnen Posten! – Das Resultat, kurz und bündig!

Berent (in seinen Papieren blätternd). Das Resultat ist, daß Sie Ihre Aktiva auf 1 816 000 Kronen angesetzt haben, – ich nur auf 812 000.

Tjälde (ruhig). Auf diese Art haben Sie mir also über eine Million Passiva herausgerechnet.

Berent Doch nicht. – Ihre Berechnung der Passiva stimmt auch nicht mit der meinen überein.

Tjälde Selbstverständlich.

Berent Die Dividende zum Beispiel, die die Möllersche Konkursmasse ergeben dürfte – –

Tjälde – haben wir verschieden berechnet.

Berent Eine verschiedene Berechnung kann man es kaum noch nennen, wenn die Masse tatsächlich nur zehn Prozent ergibt – und Sie – –

Tjälde Verschonen Sie mich, bitte! – Wir wollen uns über unsere verschiedene Schätzung der Werte nicht noch einmal unterhalten. – Was schulde ich der Möllerschen Konkursmasse, nach Ihrer Berechnung natürlich?

Berent 200 000 Kronen. – Ähnlich verhält es sich mit den anderen drei Konkursen, – zum Beispiel im Sanneschen haben Sie – –

Tjälde Nicht die einzelnen Posten! Meine Passiven betragen – –

Berent Gleich – (blättert in den Papieren) – Ihre Passiven betragen nach meiner Schätzung gegen 1 600 000 Kronen, genau: 1 587 440.

Tjälde Eine Unterbilanz also von etwa – –

Berent Eine Unterbilanz von ungefähr 781 000 – rund 800 000 Kronen.

Tjälde Halten wir uns an die runden Summen.

Berent Zwischen Ihrer und meiner Berechnung besteht also der Unterschied, daß Sie sich einen Überschuß von 496 000 Kronen herausgerechnet haben, während ich eine Schuldenlast von 800 000 Kronen feststelle.

Tjälde Sehr liebenswürdig. – Wissen Sie, wie mir zumute ist? – (Berent sieht auf). Als ob man mich mit einem Verrückten in ein Zimmer gesperrt hätte.

Berent Das Gefühl habe ich schon lange.

Tjälde Wissen Sie, – ich habe schon viel von Ihrer Brutalität gehört, – aber Sie übertreffen alle meine Erwartungen. – Ich weiß eigentlich nicht, weshalb ich Ihnen nicht schon längst die Tür gewiesen habe, – jetzt tue ich es!

Berent Wir werden bald beide hinausgehen, – aber erst haben wir uns wohl noch wegen der Übergabe der Masse an das Konkursgericht zu besprechen.

Tjälde (laut lachend). Wissen Sie auch, daß ich in jedem Augenblick telegraphisch soviel Geld zu erwarten habe, daß ich nicht nur momentan gedeckt bin, sondern mir auch nach allen Seiten Luft schaffen kann?

Berent Ja. Der Telegraph ist eine sehr schöne Erfindung.

Tjälde (nach kurzem Überlegen). Was wollen Sie damit sagen?

Berent Nun, – daß ich auch telegraphiert habe. – Herr Konsul Lind bekommt auf der nächsten Dampferstation zweifellos ein Telegramm seines Bankhauses. – Das Geld dürfte wohl nicht an Sie ausgezahlt werden.

Tjälde Das ist nicht wahr! Das haben Sie nicht gewagt!

Berent Doch.

Tjälde Geben Sie mir meine Berechnung zurück! – Ich will sie noch einmal durchsehen. (Will das Schriftstück an sich nehmen.)

Berent (die Hand darauf legend). Pardon!

Tjälde Sie wagen es, mir mein Eigentum vorzuenthalten!?

Berent Ich wage sogar, es in die Tasche zu stecken. (Er tut es.) Eine unrichtige Bilanz, eigenhändig von Ihnen datiert und unterschrieben, ist immerhin ein nicht ganz unwichtiges Dokument.

Tjälde Sie sind entschlossen, mich zugrunde zu richten.

Berent Das haben Sie schon längst getan. Ich bin mit Ihrer Lage schon sehr lange vertraut. Etwa seit einem Monat korrespondiere ich mit allen Plätzen des In- und Auslandes, zu denen Sie Beziehungen haben.

Tjälde Infam! Und raffiniert! – Also seit einem Monat bin ich von Spionen umgeben! – Eine förmliche Verschwörung zwischen Geschäftsfreunden und Banken! Man schleicht sich in mein Haus und meine Geschäftsgeheimnisse ein, um mich nachher zu verraten. (Sehr heftig.) Aber Sie sollen mich kennen lernen! Sollen erfahren, was es heißt, eine geachtete Firma durch Verleumdungen zugrunde richten zu wollen!

Berent Diese geachtete Firma ist nach meiner Schätzung schon seit drei Jahren fallit. – – Ich frage Sie, ob Sie bereit sind, sich sofort für insolvent zu erklären?

Tjälde (lacht). Und das, weil Sie auf einem Blatt Papier mein Fallissement herausgerechnet haben?

Berent Einen Monat können Sie sich noch halten, – ich weiß wohl. – Aber ich rate Ihnen dringend, in Ihrem eigenen und vor allem im Interesse anderer, Ihr Fallissement schon jetzt anzumelden. – Das allein war der Zweck meiner Reise hierher.

Tjälde So! Endlich kommen Sie mit der Sprache heraus. – Und da stellen Sie sich besorgt als der Mann vor, dem es nur um Klarheit zu tun ist! – Man müsse Solides und Unsolides unterscheiden und so weiter, – bitten heuchlerisch um meine Hilfe – – –

Berent Ganz recht. – Aber hier am Ort ist gerade Ihr Geschäft und was damit zusammenhängt, das Unsolideste.

Tjälde In Ihrem Kopf, ja. – – Was wollen Sie! In einem Monat kann viel passieren. – Ich habe schon manches Mal gezeigt, daß ich Verstand genug habe, um Auswege zu finden.

Berent Ja, um sich immer tiefer in die Lüge hineinzuarbeiten.

Tjälde So etwas versteht nur ein Kaufmann. Hätten Sie kaufmännischen Blick, ich würde zu Ihnen sagen: Geben Sie mir 400 000 Kronen, und ich rette alles für alle. – Solch ein Entschluß wäre eines großen Kopfes würdig. Dann könnte man sagen, daß Sie die Verhältnisse ganz durchschaut hätten mit einem bewundernswerten Scharfblick. Sie würden der Wohltäter Tausender werden und dem Lande einen unschätzbaren Dienst erweisen.

Berent Auf den Köder beiß ich nicht.

Tjälde Halten Sie es dafür? – Nein. Ein so genialer Geschäftsmann wie Lind hat das sofort eingesehen. – Ohne Ihre unglückliche Einmischung wäre es gelungen. – – Aber es ist ja noch nicht alles verloren. – Ich muß ihn noch einmal sprechen.

Berent Soviel ich weiß, reist er ins Ausland.

Tjälde Ich reise ihm sofort nach.

Berent Nach den letzten Aufklärungen dürfte ihm eine so hastige Reise doch etwas verdächtig vorkommen.

Tjälde Meine Reise werde ich ihm schon erklären. Das hat nichts auf sich.

Berent (ernst). Es hat sehr viel auf sich. Es würde Betrug sein, ihn jetzt noch zur Hergabe von 400 000 Kronen zu veranlassen. – Übrigens täuschen Sie sich selbst, wenn Sie glauben, er werde es jetzt noch tun.

Tjälde (nachdenklich). Freilich, – er sagt sehr leicht zu – und dann sucht er Ausflüchte. – Aber Sie, – Sie werden nicht tun, was Sie vorhaben! – Wenn Sie wollen, beweise ich Ihnen klipp und klar, daß 400 000 Kronen genügen, dies große Geschäft wieder flott zu machen. – Innerhalb dreier Monate ist alles wieder im Gleise. – Ich kann Ihnen das so klar machen, daß – – –

Berent – daß Sie selbst aus einer Täuschung in die andere geraten. So haben Sie es wahrend der letzten drei Jahre gemacht, – und zwar von Monat zu Monat.

Tjälde Weil alle, aber auch alle Preise in diesen letzten Jahren zurückgegangen sind. – Es war eine fürchterliche Zeit! Aber jetzt, nachdem die Krisis vorüber ist, wird alles besser werden.

Berent Auf diese Weise haben Sie sich drei Jahre hindurch belogen.

Tjälde Nein. Jeder kluge Geschäftsmann denkt ebenso.

Berent So denkt jeder – – Ich will das Wort nicht aussprechen.

Tjälde Bringen Sie mich nicht in Verzweiflung! – Wissen Sie, was ich in den letzten Jahren durchgemacht habe? – Wissen Sie, wozu ich fähig wäre?

Berent Zu noch größerer Unwahrheit.

Tjälde Nehmen Sie sich in acht! – – Ja, Sie haben recht, – ich stehe vor dem Abgrund! – Es ist wahr, daß ich drei Jahre lang getan habe, was irgend in menschlicher Kraft stand, um mich vor dem Zusammenbruch zu bewahren! – Ich kann sagen, ich habe mit der Kraft eines Riesen diesen entsetzlichen Kampf gekämpft. – – Ich verdiene eher Lohn als alle andere! – – Sie haben Vollmacht, – Ihnen glaubt man! – Verstehen Sie doch Ihre Mission recht! – – Ist es nicht auch für Sie ein schreckliches Gefühl, Hunderte mit mir zugrunde gehen zu sehen?

Berent Kommen wir doch zu Ende.

Tjälde Zum Henker! Nein! – Ich werde solch einen Kampf nicht mit einer sinnlosen Kapitulation beendigen.

Berent Womit denn sonst?

Tjälde Es gibt keinen Ausweg, den ich nicht schon bedacht, tausendmal bedacht hätte. – Wahrhaftig. – – Aber ich weiß, was ich zu tun habe. – Der Hohn, der Klatsch dieses erbärmlichen Nestes, – der Jubel derer, die mich bis heute beneidet haben – hier an der ganzen Küste, – mich soll das nicht treffen, nein!

Berent So? – Was wollen Sie denn tun?

Tjälde Das werden Sie schon früh genug erfahren. – – (Heftig.) Wollen Sie mir unter keiner Bedingung behilflich sein?

Berent Nein.

Tjälde Sie wollen durchaus, daß ich mich sofort zahlungsunfähig erkläre?

Berent Ja.

Tjälde (in höchster Erregung mit gedämpfter Stimme). Gut. – Meine Verzweiflung haben Sie gesehen. Was ich bis heute schon durchgemacht habe, wissen Sie nicht. – – Jetzt ist die Entscheidung da, – und – und der Mann, der mich retten müßte, – der es aber nicht will, steht vor mir, – ich habe ihn in meiner Gewalt. – Gut, so mag er mein Schicksal teilen!

Berent (sich im Stuhl zurücklehnend). Das verspricht ja feierlich zu werden.

Tjälde Hören Sie lieber auf mit Ihrem Hohn! – Er dürfte Ihnen teuer zu stehen kommen! (Er verschließt alle Türen, geht dann an sein Pult und nimmt einen Revolver heraus.) Wie lange glauben Sie wohl, daß ich das Ding hier liegen habe?

Berent Vermutlich, seitdem Sie es gekauft haben.

Tjälde Glauben Sie, daß ich, der Beherrscher dieser Stadt, der angesehenste Mann an der ganzen Küste, die Schande eines Fallissements ertragen werde?

Berent O, diese Schande tragen Sie schon ziemlich lange.

Tjälde Sie haben mein Schicksal in Ihrer Hand. – Wie Sie gegen mich vorgegangen sind, können Sie Schonung nicht erwarten, – und ich werde Sie nicht schonen. – Fassen Sie Ihren Bericht an die Banken so ab, daß ich 200 000 Kronen erheben kann, – auf ein Jahr, – mehr brauche ich nicht, um alles zu retten. – Überlegen Sie sich's jetzt! – Bedenken Sie meine Familie, meine alte Firma, die vielen Menschen, die durch meinen Ruin brotlos werden! – Denken Sie an Ihre eigene Familie. – Tun Sie nicht, was ich mit gutem Recht fordern darf, dann kommt von uns beiden keiner lebend hier weg!

Berent Sagen Sie mal, – ist das Ding geladen?

Tjälde (den Hahn spannend). Das werden Sie gleich sehen. – Antworten Sie!

Berent Ich will Ihnen einen Vorschlag zur Güte machen. – Schießen Sie sich zuerst tot, – und dann mich.

Tjälde (tritt näher und hält ihm den Revolver dicht vor die Stirn). Die Lust zu Witzen wird Ihnen bald vergehen.

Berent (steht auf und zieht ein Papier aus der Tasche). Ich habe hier die Übergabe der Masse an das Konkursgericht aufgesetzt. Unterschreiben Sie! – Dann tun Sie, was Sie sich, Ihrer Familie und Ihren Gläubigern schuldig sind. – Also bitte! – Schließen Sie den Revolver wieder ein und nehmen Sie lieber den Federhalter.

Tjälde Ich habe das längst beschlossen, was ich jetzt tun will. Aber Sie sollen mein Los teilen!

Berent Tun Sie, bitte, was Sie beschlossen haben. – Mich zwingen Sie durch Ihre Drohungen zu keiner Lüge.

Tjälde (läßt den Revolver sinken, erhebt ihn wieder und zielt). Also – – –

Berent (tritt ihm einen Schritt näher. Tjälde läßt den Arm sinken). Ein Mensch, der so lange zwischen Lüge und Angst gelebt hat, mag Verstand haben, – aber sicher keinen Mut. – Sie wagen es gar nicht.

Tjälde (wütend). Das werde ich Ihnen beweisen. (Tritt zurück und erhebt den Arm aufs neue.)

Berent (ihm folgend). Schießen Sie! – Dann knallt's! – Sie scheinen sich ja nach einem Knalleffekt zu sehnen. – Aber besser ist es wohl, Sie machen dem Spektakel ein Ende, gestehen offen Ihre Lage ein und nehmen Ihr verdientes Geschick auf sich.

Tjälde Nein! – Dann hol' uns der Teufel! – Sie und mich!

Berent – und den Fuchs.

Tjälde Den Fuchs?

Berent Ich meine das wundervolle Pferd, auf dem Sie von der Möllerschen Auktion nach Hause galoppiert sind – Erschießen Sie sich doch auf dem Fuchs, – auf Ihrer letzten großen Geschäftslüge. (Eindringlich.) Aber besser, Sie legen die Lüge ab, wenn Sie dazu noch fähig sind, – und das Fallissement wird Ihnen mehr Segen bringen als bisher Ihre betrügerischen Reichtümer.

(Tjälde läßt den Revolver zu Boden fallen und sinkt in einen Stuhl.)

– Pause. –

Berent Sie haben während der letzten drei Jahre einen Riesenkampf gekämpft. Ich kenne keinen, der hätte tun können, was Sie in dieser Zeit geleistet haben. – Aber in diesem entsetzlichen Kampf haben Sie sich selbst verloren. – Entschließen Sie sich jetzt zur Entscheidung – tragen Sie die Folgen, – und Sie werden es einmal nicht mehr bereuen.

Tjälde (verbirgt sein Gesicht in den Händen und weint). O Gott! –

Berent Sie haben mein Verfahren gegen Sie getadelt. – Ich bin Ihnen nicht böse dieser letzten Minuten wegen. – – (Kleine Pause.)– Versuchen Sie, mit mir Ihre Lage anzusehen, wie sie wirklich ist, – und fügen Sie sich dann als Mann in das Unabänderliche.

Tjälde O – O Gott – –

Berent (setzt sich neben ihn). Lockt Sie die Hoffnung nicht, Ihr gutes Gewissen wieder gewinnen und in Frieden mit Ihrer Familie leben zu können? – Denn das haben Sie doch in diesen Jahren nicht gekonnt.

Tjälde Gott! – –

Berent Sehen Sie, ich begreife alles, – habe in den Jahren meiner Praxis manchen Spekulanten kennen gelernt, – manches Bekenntnis gehört. Ich weiß, was Sie durchgemacht haben, – nicht eine ruhige Nacht, – nicht einen Bissen in Frieden haben Sie genossen. Sie kennen Ihre Kinder kaum noch, – und Ihre Gattin.

Tjälde Meine Frau?

Berent Ja, sie hat sich für Feste und Mahlzeiten abmühen müssen, die den einzigen Zweck hatten, die Hohlheit Ihrer Lage zu verdecken. Sie ist gewiß die müdeste Dienerin in Ihrem Hause.

Tjälde Meine geduldige, fromme Frau. – –

Berent Sie haben gewiß oftmals gewünscht, lieber der letzte Ihrer Arbeiter zu sein, – als alles das durchmachen zu müssen.

Tjälde Tausendmal lieber – –

Berent Und Sie können noch zögern, vor dem letzten Schritt, der Sie doch nur wieder zurückführt zur Wahrheit? – Hier – unterschreiben Sie – –

Tjälde (auf die Knie fallend). Erbarmen! Erbarmen! Sie wissen nicht, was Sie von mir verlangen! – Die eigenen Kinder werden mich verdammen! Vor wenigen Stunden erst habe ich es von meiner ältesten Tochter hören müssen. – Und die Geschäftsfreunde, die ich ruiniere, – es sind zu viele, – – sie und ihre Familien. – Ich habe über 400 Arbeiter, – sie alle, ihre Frauen und Kinder werden brotlos. – Haben Sie Mitleid! – Ich – kann es nicht, – darf es nicht. – Es war abscheulich von mir, Sie zu bedrohen. – Aber helfen Sie mir im Namen derer, die ein besseres Geschick verdienen als ich, – denen ich in treuer Arbeit mein Leben opfern will.

Berent Ich kann Sie nicht retten. – Am wenigsten mit dem Vermögen anderer. – Ich müßte mich einer ungeheuren Lüge schuldig machen.

Tjälde Nein, nein. – Schildern Sie meine Lage wie sie ist. – Stellen Sie mich unter Administration. – Nur lassen Sie das Geschäft nicht zugrunde gehen, – lassen Sie mich meine Pläne ausführen, und alle Sachverständigen werden sehen, daß es gehen muß.

Berent Setzen Sie sich doch. – Wir wollen diesen Vorschlag besprechen. – (Tjälde letzt sich.) Ist das, was Sie mir da eben vorschlagen, nicht ganz dasselbe, was Sie seit drei Jahren versucht haben? – Sie haben sich Geld zu verschaffen gewußt, – aber das hat nichts genutzt.

Tjälde Die Konjunkturen! Die Konjunkturen!

Berent (den Kopf schüttelnd). Sie haben Wahres und Falsches so lange durcheinander geworfen, daß Sie die einfachsten Gesetze des Handels vergessen haben. – In schlechten Zeiten in der Hoffnung auf gute spekulieren, – das kann tun, wer die Verluste tragen kann. Die anderen müssen die Finger davon lassen.

Tjälde Die Gläubiger aber, auch die Banken haben doch Interesse daran, daß das Geschäft erhalten bleibt.

Berent Dem soliden Handel ist nicht damit gedient, wenn der unsolide erhalten bleibt.

Tjälde Sie haben aber jedenfalls ein Interesse daran, ihre Kapitalien zu retten.

Berent Ja, das Geschäft muß unter Administration.

Tjälde (erfreut). Ja – also – –

Berent Nachdem Sie aus der Firma ausgeschieden sind.

Tjälde (wieder zusammensinkend). Nachdem ich ausgeschieden bin –

Berent. Mit eigenen Mitteln kann das Geschäft natürlich aufrechterhalten werden, bis bessere Zeiten kommen, – mit geliehenem Gelde nicht.

Tjälde (tonlos). – mit geliehenem Gelde nicht – –

Berent Sie begreifen doch den Unterschied?

Tjälde Ja, – ja – –

Berent Schön. – Dann werden Sie auch begreifen, daß Ihnen nichts anderes übrig bleibt, als zu unterschreiben.

Tjälde – zu unterschreiben – – – – – –

Berent Hier liegt das Dokument. – Ich darf wohl bitten – –

Tjälde Ich kann es nicht – –

Berent Dann stocken in wenigen Tagen von selbst die Geschäfte, – und alles wird nur schlimmer.

Tjälde Erbarmen! Erbarmen! – Ich kann die Hoffnung noch nicht aufgeben. – Bedenken Sie, – nach einem solchen Kampf – –

Berent Sagen Sie doch ganz offen: »Ich habe nicht den Mut. die Folgen zu tragen.«

Tjälde Ja – ja – –

Berent »Ich bin zu feige, ein Leben anzufangen, das auf Wahrheit gegründet ist.«

Tjälde Ja – – ja – –

Berent Ach, Mann, Sie wissen ja nicht mehr, was Sie sagen.

Tjälde Nein, nein, – ich weiß nichts mehr – gar nichts, – nur schonen Sie mich.

Berent (steht auf) Wahrhaftig, das ist Verzweiflung! – Sie tun mir wirklich leid.

Tjälde (schnell aufstehend) Ja, – nicht wahr? – Versuchen Sie es noch einmal, – – verlangen Sie von mir, was Sie wollen – –

Berent Nein – und nochmals nein! – Mit der Unterschrift müssen wir anfangen.

Tjälde (zusammensinkend) Wie soll ich in Zukunft noch vor Menschen treten! – – Allen habe ich getrotzt, – und alle habe ich getäuscht.

Berent Wer so viele unverdiente Ehren genossen hat, muß auch viele verdiente Kränkungen erleiden. – Davor kann ich Sie nicht bewahren.

Tjälde Aber gegen mich wird man grausamer sein als gegen jeden anderen. – Ich weiß, – ich habe es verdient, – – aber ich weiß auch, daß ich es nicht werde ertragen können.

Berent Hm. Sie haben eine außerordentlich widerstandsfähige Konstitution, – das haben Sie in den letzten Jahren bewiesen.

Tjälde Seien Sie barmherzig! – Ihr Genie, Ihr Einfluß, wird irgend einen Ausweg finden.

Berent Nur den, daß Sie unterschreiben.

Tjälde Auch nicht einen Vergleich mit den Gläubigern unter der Hand? – Wenn Sie ihn übernähmen, käme er gewiß zustande.

Berent Unterschreiben Sie. – Hier! – – Jede Stunde ist kostbar.

Tjälde Himmlischer Vater! – – (Er wankt zum Tisch. Mit der Feder in der Hand:) Und Sie wollen den Versuch mit mir nicht wagen, – nach allem, was ich geleistet – und gelitten habe? –

Berent Ehe Sie nicht unterschrieben haben, – kann ich über nichts reden.

(Tjälde unterschreibt und setzt sich mit einem tiefen Seufzer in den Stuhl, von dem Berent eben aufgestanden ist.)

Berent (faltet das Dokument zusammen und steckt es in die Brusttasche) So. Jetzt werde ich aufs Konkursgericht gehen – und dann aufs Telegraphenamt. Vermutlich wird das Gericht schon heute abend herschicken und das Inventar aufnehmen lassen. Ihre Familie muß also vorbereitet werden.

Tjälde Das kann ich nicht! – Lassen Sie mir wenigstens noch etwas Zeit. –

Berent Je schneller, desto besser für Ihre Gläubiger – und vor allem für Sie. (Er sieht sich um.) Vorläufig wäre ich dann fertig.

Tjälde Nein. – Sie dürfen nicht gehen! – Verlassen Sie mich nicht – jetzt noch nicht!

Berent Jetzt wollen Sie Ihre Frau sprechen, – nicht wahr?

Tjälde (gefaßt). Ja.

Berent (vor dem Revolver stehend). Hm – das Ding – (hebt ihn auf) – brauche ich wohl nicht mitzunehmen. – Es ist ja keine Gefahr. Aber ich lege ihn aufs Pult, der anderen wegen. – Wenn Sie mich brauchen, schicken Sie bitte zu mir ins Hotel.

Tjälde Danke.

Berent Bis das Schlimmste vorüber ist, bleibe ich in der Stadt. – Und, wie gesagt, – ich bin bei Tage und bei Nacht für Sie zu sprechen. Sie brauchen nur zu mir zu schicken.

Tjälde Ja. Ich danke Ihnen.

Berent Ach, wollen Sie mir bitte die Tür aufschließen.

Tjälde (steht auf.) Ja. – Verzeihen Sie.

Berent (nimmt Hut und Mantel) Wollen Sie nicht jetzt gleich Ihre Frau rufen?

Tjälde Nein. Erst muß ich mich etwas fassen. – – Das Schlimmste steht mir ja noch bevor.

Berent Freilich. – Gerade deshalb – – (Zieht am Glockenzug)

Tjälde Was tun Sie!?

Berent Ehe ich gehe, will ich mich davon überzeugen, – daß Ihre Frau kommt.

Tjälde Das hätten Sie nicht tun sollen. (Ein Kontordiener tritt ein)

Berent (sieht Tjälde scharf an.)

Tjälde (zum Diener) Bitten Sie meine Frau hierher.

Berent Sofort! (Der Diener geht) Leben Sie wohl einstweilen. (Berent geht hinaus. Tjälde sinkt auf einen Stuhl neben der Tür)

(Ende des zweiten Aktes )

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