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Arthur Conan Doyle: Ein Duett - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Conan Doyle
titleEin Duett
publisherLadyschnikow, Verlag G. m. b. H.
yearo.J.
translatorLeopold Rosenzweig
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20160329
modified20180502
projectidc82912eb
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Ouverture

I. Der gewisse Tag

Hier folgen die Anfänge einiger Briefe, die sie einander um jene Zeit schrieben.

Woking, 20. Mai.

Teuerste Maude! Wie Du weißt, schlug Deine Mutter vor, daß unsere Trauung anfangs September stattfinden soll, und wir waren damit einverstanden. Glaubst Du nun nicht, daß wir lieber den 3. August bestimmen sollten? Der Tag ist ein Mittwoch und auch sonst in jeder Beziehung passend. Trachte doch, daß diese Änderung angenommen wird, denn ich denke, es wäre so in vieler Hinsicht besser. Ich möchte gerne baldigst von Dir darüber hören. Und nun, meine süße Maude . . . . (Das Übrige ist nicht von Bedeutung.)

St. Albans, 22. Mai.

Mein geliebter Frank! Mama hat keine Einwendung gegen den 3. August, und ich bin mit allem einverstanden, was Dir und ihr gefällt. Natürlich muß auf die Gäste Bedacht genommen werden und auf die Schneiderin und noch auf viele andere Dinge, aber ich zweifle nicht, daß wir mit allem rechtzeitig zu Stande kommen. O, Frank . . . . . (Was folgt, gehört nicht zur Sache.)

Woking, 25. Mai.

Mein Herzlieb! Ich habe über die Änderung des Tages nachgedacht und bin auf einen Nachteil gekommen, an den ich ursprünglich nicht gedacht hatte. Am 1. August ist BankfeiertagIn England gibt es außer den Sonntagen und dem ersten Weihnachtstag keine offiziellen Feiertage. Vier Tage im Jahre: der Oster- und der Pfingstmontag, der erste Montag im August und der 26. Dezember, an denen die Banken geschlossen halten, sind jedoch zu allgemeinen Festtagen geworden. – Anmerkung des Übersetzers.) und um die Zeit wäre das Reisen nicht angenehm. Ich denke daher, daß wir den Tag etwas früher ansetzen sollten. Stelle Dir zum Beispiel vor, wie unangenehm es für Onkel Josef wäre, wenn er über die ganze Strecke von Edinburg bis hierher inmitten einer Bankfeiertagsmenge reisen müßte. Es wäre egoistisch von uns, wenn wir uns nicht so einrichten würden, daß wir unsere Verwandten keinen Unannehmlichkeiten aussetzen. Ich halte dafür, daß, alle Umstände in Betracht gezogen, der 20. Juli, ein Mittwoch, der beste Tag wäre, den wir wählen könnten. Ich hoffe, Liebling, daß Du alles daran setzen wirst, um Deine Mutter zu dieser Änderung zu überreden. Wenn ich mir vorstelle . . . . . . (Es folgt eine Abschweifung.)

St. Albans, 27. Mai.

Mein geliebter Frank! Was Du über den Tag sagst, ist sehr richtig, und es ist so süß und rücksichtsvoll von Dir, an Onkel Josef zu denken. Natürlich wäre es sehr unangenehm für ihn, wenn er um eine solche Zeit reisen sollte, und wir müssen alles daran setzen, um ihm das zu ersparen. Mama findet, daß es nur noch ein ernstes Bedenken gäbe. Onkel Percival (der zweite Bruder Mamas) kommt erst gegen Ende Juli von Rangun zurück und würde daher nicht bei der Hochzeit (Frank, denke nur, unsere Hochzeit!) sein können, wenn wir sie nicht verschieben. Er hat mich immer sehr gern gehabt und könnte sich verletzt fühlen, wenn wir so unmittelbar vor seiner Ankunft heirateten. Glaubst Du nicht, daß wir doch warten sollten? Mama überläßt das ganz Deiner Einsicht, und wir werden das tun, was Du uns rätst. Ach, Frank . . . (Der Rest ist vertraulich.)

Woking, 29. Mai.

Mein süßer Liebling! Ich denke, daß es unbillig von Onkel Percival wäre, zu verlangen, daß wir eine für uns so wichtige Angelegenheit verschieben sollten, bloß damit er dabei sein könne. Ich bin überzeugt, daß Du und Mama bei reiflicher Überlegung mit mir hierin einer Meinung sein werdet. In einer Beziehung jedoch habt ihr eine vollständig richtige Empfindung. Es wäre sicherlich sehr unpassend, wenn wir unmittelbar vor seiner Ankunft heirateten. Ich glaube, daß er wirklich Ursache hätte, sich zu beklagen, wenn wir das täten. Um zu vermeiden, daß wir ihn in dieser Weise verletzen, denke ich, daß es am besten wäre, wenn wir den 7. Juli als den Tag festsetzen würden, wenn Ihr damit einverstanden seid. Ich sehe, daß es ein Donnerstag ist, und alles würde trefflich passen. Wenn ich Deinen letzten Brief lese . . . . . (Das Weitere ist nebensächlich.)

St. Albans, 1. Juni.

Mein teurer Frank! Du hast ganz recht, daß es besser wäre, die Trauung nicht allzu kurze Zeit vor Onkel Percivals Ankunft stattfinden zu lassen. Wir würden ja so ungern ihn in irgend einer Weise verletzen. Mama war bei Madame Mortimer wegen der Kleider, und sie glaubt, daß sie mit einiger Anstrengung alles bis zum 7. Juli fertig machen kann. Sie ist sehr aufmerksam, und ihre Schösse haben einen so wundervollen Fall! Ach, Frank, nur noch wenige Wochen, und dann . . . . . .

Woking, 3. Juni.

Mein süßes, kleines Maudie! Wie lieb von Dir und von Mama, daß Ihr mit meinen Vorschlägen einverstanden seid. Bitte, bitte, Schatz, mach Dir doch keine Sorgen wegen der Kleider! Du brauchst nur ein Reisekleid für die Trauung, und das übrige kaufen wir dann auf der Reise. Das weiße Kleid mit den schwarzen Streifen – das, worin Du bei den Arlingtons Tennis spieltest – würde, denke ich, ausgezeichnet passen. Du hast damals entzückend darin ausgesehen. Ich glaube fast, es ist mir das liebste unter allen Deinen Kleidern, mit Ausnahme vielleicht des dunklen mit dem lichtgrünen Einsatz, das Deinen Wuchs so wundervoll zeigt. Auch das graue, quäkerartige Alpakakleid gefällt mir sehr gut. Wie eine kleine Taube siehst Du darin aus! Diese Kleider, und natürlich das atlassene Abendkleid, sind die, die mir am besten gefallen. Wenn ich übrigens nachdenke, finde ich, daß ich Dich nur in diesen Kleidern gesehen habe. Aber das graue ist mir doch das liebste, denn Du trugst es, als ich zum ersten Mal . . . . . . weißt Du noch? Du darfst diese Kleider niemals weggeben. Sie sind voll süßer Erinnerungen. Ich will Dich in ihnen noch viele, viele Jahre sehen.

Was ich also sagen wollte, ist, daß Du so viele reizende Kleider hast, daß wir uns wohl von Madame Mortimer unabhängig erachten dürfen. Wenn die Sachen zu spät fertig werden, so wird man sie ja nachher immer noch brauchen können. Ich will weder egoistisch noch rücksichtslos sein, mein einziges Herzenskind, aber es wäre doch unvernünftig, wenn mein Schneider oder Deine Schneiderin ein Hindernis für unsere Vereinigung bilden könnten. Ich will ja nur Dich, Dein süßes kleines Selbst, und hättest Du auch nur »ein einzig Röckchen«, wie Burns sagt. – Jetzt höre einmal, Kind! Ich möchte, daß Du Deine Mutter überredest, einer kleinen Änderung unserer Pläne zuzustimmen. Je früher im Jahr wir unsere Hochzeitsreise machen, desto angenehmeren Aufenthalt werden die Hotels bieten. Ich möchte, daß Deine ersten gemeinsamen Erlebnisse mit mir ganz ohne den Schatten einer Unbehaglichkeit bleiben. Im Juli geht die halbe Welt auf Reisen. Wenn wir nun schon Ende Juni reisen könnten, würden wir dem großen Schwarm voraus sein. Diesen Monat noch, diesen Monat! Bitte, mache das möglich, mein Herzlieb! Der 30. Juni ist ein Dienstag und paßt in jeder Beziehung. Im Bureau könnte ich um diese Zeit mit größter Leichtigkeit entbehrt werden. Wir haben gerade noch Zeit für das dreimalige Aufgebot, wenn nächsten Sonntag das erste ist. Ich lege das in Deine Hände, Liebling! Setze Dich dafür ein, ich bitte Dich!

St. Albans, 4. Juni.

Mein geliebter Frank! Wir mußten beinahe um den Arzt schicken, als wir Deinen lieben, lieben, dummen Brief bekamen. Mama rang auf dem Sofa nach Atem, während ich ihr einzelne Stellen daraus vorlas. Ich, die Tochter des Hauses, sollte in dem alten, schwarz-weiß gestreiften Tenniskleid getraut werden, das ich damals bei den Arlingtons trug, um mein hübsches zu schonen! O, Du bist manchmal wirklich kostbar! Und wie sachkundig Du von meinem Alpakakleid sprichst! Eigentlich ist es ja ein Merinokleid, aber das tut nichts. Nein, wie Du meine ganze Garderobe im Gedächtnis behalten hast! Und willst, ich soll alle diese Kleider noch Jahre und Jahre hindurch tragen! Das will ich tun, Schatz, im geheimen, wenn wir ganz allein sind. Aber sie sind schon jetzt aus der Mode, und wenn Du nach etwa einem Jahre Dein armes kleines Frauchen als Vogelscheuche mit engen Ärmeln in einem Raume voll puffenärmeliger junger Damen sähest, so würde Dich selbst die Erinnerung nicht trösten, daß es das Kleid ist, in welchem Du zum ersten Male – weißt Du noch?

Die Sache steht einfach so, daß ich mein Hochzeitskleid unter allen Umständen haben muß. Mama würde, glaube ich, die Trauung nicht als giltig ansehen, wenn ich es nicht hätte, und wenn Du wüßtest, wie reizend es werden wird, würdest Du nicht das Herz haben, ihm irgend welche Hindernisse in den Weg zu legen. Stelle es Dir nur einmal vor: silbergrau – ich weiß ja, wie sehr Dir grau gefällt – mit weißem Mousseline am Halse und an den Ärmeln und mit einem wundervollen Perlenaufputz. Dazu ein Hut en suite aus hellgrauem Crêpe lisse mit weißer Feder und einer Brillantenschnalle. Ich weiß, daß diese Details an Sie verschwendet sind, mein Herr, aber es wird Dir gefallen, wenn Du es siehst. Es entspricht Deinem Ideal eleganter Einfachheit, von welcher die Männer glauben, daß sie billig ist, bis sie selber verheiratet sind und Putzmacherinnenrechnungen zu bezahlen haben.

Nun aber, das Beste habe ich bis zuletzt aufgespart. Mama war bei Madame Mortimer, und sie sagt, wenn sie einige Nächte zu Hilfe nimmt, wird alles bis zum 30. fertig sein. Frank, scheint es nicht unglaubhaft! Nächsten Dienstag in drei Wochen! Und das Aufgebot! Ach du mein Gott, mir wird angst und bang, wenn ich daran denke! Du wirst meiner niemals überdrüssig werden, Herzensschatz, nicht wahr? Was sollte ich beginnen, wenn ich denken müßte, Du wärst meiner überdrüssig geworden! Und das Schlimmste ist, daß Du mich noch gar nicht kennst. Ich habe hunderttausend Fehler, und Du siehst sie nicht, weil die Liebe Dich blind macht. Aber eines Tages werden Dir die Schuppen von den Augen fallen, und Du wirst alle hunderttausend auf einmal sehen. Was für eine schreckliche Reaktion wird das geben! Du wirst mich sehen, wie ich wirklich bin, leichtfertig, eigenwillig, träge, zänkisch und ganz und gar unausstehlich. Aber ich liebe Dich, mein Frank, aus ganzem Herzen, mit aller Kraft meiner Seele, und Du wirst das als Gegengewicht gelten lassen, nicht wahr? Ich bin so froh, daß ich Dir das alles gesagt habe, denn nun weißt Du wenigstens, was Du zu erwarten hast, und Du wirst Dich einmal erinnern können: »Sie hat mich ehrlich selbst gewarnt, und sie ist nicht schlechter, als sie sich schilderte.« – O Frank, denk an den 30.!

 

P. S. Ich vergaß Dir zu sagen, daß ich zu dem Kleid auch ein graues Seiden-Cape, mit cremefarbener Seide gefüttert, bekommen habe, das einfach entzückend ist.

* * *

In dieser Weise also setzten sie den Tag fest.

 

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