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Arthur Conan Doyle: Ein Duett - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Conan Doyle
titleEin Duett
publisherLadyschnikow, Verlag G. m. b. H.
yearo.J.
translatorLeopold Rosenzweig
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20160329
modified20180502
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Eine Kapitalsanlage

»Ich möchte mich mit dir beraten, Maude.«

Sie sah frisch und blühend aus in der Morgensonne. Sie trug eine geblümte französische Bluse – kleine Rosenbuketts auf weißem Grunde – und eine Spitzenkrause um ihren schönen, weißen, runden Hals. Die Schnalle ihres braunen Ledergürtels glänzte gerade über der Tischkante. Vor ihr befand sich ein Häuflein Briefe, eine Kaffeetasse und zwei leere Eierschalen – denn sie war eine gesunde Frau, die sich eines vorzüglichen Appetits erfreute.

»Worüber denn, Schatz?«

»Ich fahre mit dem späteren Zug. Da brauche ich nicht so zu eilen und kann gemächlich zur Station gehen.«

»Ach, das ist lieb von dir!«

»Ich weiß nicht, ob Dinton der gleichen Ansicht sein wird.«

»Nur eine kleine Stunde Unterschied, was kann das ausmachen?«

»Bureaus kann man nicht nach solchen Grundsätzen leiten. Eine Stunde bedeutet viel in der City.«

»Ach, diese City hasse ich! Sie ist das einzige, was uns immer trennt.«

»Sie dürfte wohl jeden Morgen eine beträchtliche Anzahl liebender Ehepaare voneinander trennen.«

Er war zu ihr herübergekommen, und ein Eierbecher wurde umgeworfen. Dann war er ausgescholten worden, und sie saßen nun lachend nebeneinander auf dem Sofa. Nachdem er ihre kleinen, glänzenden Lackschuhe und die beiden entzückenden Kurven durchbrochener Strümpfe darüber bewundert hatte, erinnerte sie ihn daran, daß er sich mit ihr beraten wolle.

»Worum handelt sich's, Schatz?« Sie runzelte die Stirn und trachtete so auszusehen, wie ihr Vater, wenn er über eine Geschäftssache nachdachte. Nur war ihr Vater in solchen Augenblicken nicht dadurch behindert, daß der Arm eines jungen Mannes um seinen Hals lag. Es ist sehr schwer, in einer solchen Situation vollkommen geschäftsmäßig zu sein.

»Ich habe etwas Geld, das ich anlegen möchte.«

»Ach, Frank, das hast du klug gemacht!«

»Es sind nur fünfzig Pfund.«

»Gleichviel, Schatz, es ist ein Anfang.«

»Das denke ich auch. Es ist der Grundstein unseres künftigen Vermögens. Und daher wollte ich Ihre Hoheit fragen – mußt aber nicht die Stirn runzeln, das ist nicht erlaubt.«

»Es ist aber eine große Verantwortlichkeit, Frank.«

»Allerdings. Wir wollen es nicht verlieren.«

»Gewiß, Schatz, wir wollen es nicht verlieren. Wie wär's, wenn wir es in einem der modernen Pianos zu fünfzig Guineen anlegten? Unser guter alter Broadwood war ein vorzügliches Instrument, als ich ein Kind war, aber er fängt nun an in den hohen Noten ein wenig zu quieken. Vielleicht können wir beim Umtausch etwas dafür bekommen.«

Er schüttelte den Kopf.

»Ich weiß, du brauchst eines sehr notwendig, Herzchen, und eine so vorzügliche Spielerin wie du sollte das beste Instrument besitzen, das für Geld zu haben ist. Ich verspreche dir, sowie wir etwas erübrigt haben, sollst du ein Prachtstück bekommen. Vorläufig aber dürfen wir für das Geld nichts kaufen – ich meine, nichts für unseren Gebrauch, – sondern wir müssen es anlegen. Man kann ja nicht wissen, was geschieht. Ich kann krank werden. Ich kann sterben.«

»Frank, wie abscheulich du heute bist!«

»Nun ja, man muß auf alles vorbereitet sein. Ich möchte daher dieses Geld beiseite legen, so daß wir es im Notfall zur Verfügung haben und daß es uns mittlerweile Zinsen trägt. Was sollen wir also kaufen?«

»Papa kaufte immer ein Haus.«

»Dazu reicht es nicht.«

»Auch für ein kleines nicht?«

»Nein, nicht für das kleinste.«

»Eine Hypothek?«

»Der Betrag ist zu gering.«

»Staatsschuldscheine, Frank, wenn du sie für sicher hältst.«

»O ja, sicher sind sie genug. Aber sie tragen so wenig Zinsen.«

»Wie viel würden wir bekommen?«

»Die fünfzig Pfund würden uns, glaube ich, dreißig Schilling jährlich tragen.«

»Dreißig Schilling! Frank!«

»Eher weniger als mehr.«

»Denke nur, eine große, reiche Nation wie die unsere nimmt uns unser Geld und behandelt uns so! Das ist doch geradezu schmutzig! Gib es ihnen nicht, Frank.«

»Nein, ich geb's ihnen nicht.«

»Wenn sie es wollen, sollen sie uns ein anständiges Gebot machen.«

»Wir wollen lieber etwas anderes versuchen.«

»Sie haben es nur sich selbst zuzuschreiben. Aber ich sehe, du hast schon irgendeinen Plan, Frank. Also laß hören!«

Er nahm das Morgenblatt vom Tische und legte es so zusammen, daß der finanzielle Teil obenauf war.

»Ich habe gestern in der City mit jemand gesprochen, der in Goldminen bewandert ist. Ich konnte nur einige Minuten mit ihm sprechen, aber er riet mir dringend, Eldorado-Goldminenaktien zu kaufen.«

»Was für ein schöner Name! Ob sie uns wohl welche verkaufen werden?«

»O ja, sie sind auf offenem Markte zu haben. Die Sache ist so, Maude. Die Mine war sehr gut und zahlte schöne Dividenden. Dann hatte sie Unglück. Erst war kein Wasser da, dann kam zu viel Wasser, und die Gruben wurden überschwemmt. Dadurch fielen die Aktien natürlich. Nun sind sie des Wassers Herr geworden, aber die Aktien stehen noch niedrig. Es scheint, daß es wirklich ein günstiger Augenblick ist, einige davon zu kaufen.«

»Sind sie sehr teuer, Frank?«

»Ich habe gestern abend, ehe ich heim kam, im ›Minenregister‹ nachgesehen. Der ursprüngliche Preis war zehn Schilling, da sie aber gefallen sind, werden sie wohl tiefer stehen.«

»Zehn Schilling? Das scheint nicht viel für einen Anteil an einer Mine mit einem solchen Namen.«

»Hier sind sie,« sagte er, mit dem Bleistift auf eine Zeile in einer langen Liste deutend. »Hier zwischen Royal Bonanza und Alabaster Consols. Du siehst: Eldorado Goldminen. Danach steht: 4¾–4⅞. Ich verstehe nicht viel von diesen Sachen, aber das muß wohl der Preis sein.«

»Freilich, Schatz, über der Kolonne steht: ›Gestrige Preise.‹«

»Richtig. Der ursprüngliche Preis war also, wie wir wissen, zehn Schilling. Durch die Überschwemmung der Mine ist er natürlich gefallen und scheint nun vier Schilling, neun Pence oder dergleichen zu sein.«

»Wie klar du das gleich übersiehst, Schatz!«

»Ich denke, es kann kein Wagnis sein, zu diesem Preis zu kaufen. Für fünfzig Pfund können wir zweihundert haben, und wenn sie dann wieder steigen, können wir sie verkaufen und daran gewinnen.«

»Ach, das wäre schön! Wenn sie aber nicht steigen?«

»Sie können wohl kaum noch fallen. Ich glaube, daß eine Aktie zu vier Schilling, neun Pence nicht mehr viel heruntergehen kann. Es ist kein Platz dafür. Aber steigen können sie unbegrenzt.«

»Außerdem sagte dein Freund, sie würden steigen.«

»Ja, er schien seiner Sache ganz sicher. Was denkst du also, Maude? Ist es ratsam oder nicht?«

»Ach Gott, ich wage kaum eine Meinung abzugeben, Frank. Denk dir nur, wenn wir alles verlieren würden! Glaubst du nicht, daß es klüger wäre, nur hundert zu kaufen, und für die andern fünfundzwanzig Pfund lieber Royal Bonanzas? Sie können doch nicht alle beide fallen.«

»Royal Bonanza-Aktien sind teuer, und dann haben wir über diese keine Information. Nein, ich denke, wir bleiben am besten bei unserer Meinung.«

»Also gut, Frank!«

»Das ist also abgemacht. Ich habe ein Depeschenformular hier.«

»Kannst du sie nicht selber kaufen, wenn du in der Stadt bist?«

»Solche Dinge kann man nicht selber kaufen. Man muß einen Makler dazu haben. Ich habe Harrison versprochen, daß ich mich seiner erinnern werde, wenn ich ein derartiges Geschäft zu besorgen habe. Also! Was hältst du davon:

Harrison, 13a Throgmorton Street, E. C. – Kaufen Sie zweihundert Eldorado.

Crosse, Woking.«

»Klingt das nicht sehr befehlend, Frank?«

»Nein, nein, das ist Geschäftsstil.«

»Er wird doch hoffentlich nicht beleidigt sein?«

»Darüber bin ich unbesorgt.«

»Du hast den Preis nicht angegeben.«

»Man kann den Preis nicht angeben, weil man ihn nicht weiß. Es steigt und fällt immer, weißt du. Heute mag er etwas höher oder etwas niedriger sein als gestern. Groß kann der Unterschied nicht sein, das ist sicher. Du lieber Gott, Maude, es ist zehn Uhr fünfzehn! Drei und eine halbe Minute für eine Viertelmeile. Adieu, Herzchen! Du bist zum Küssen in dieser Bluse. O Gott – Adieu!«

* * *

»Nun, ist etwas vorgefallen?«

»Ja, du bist zurückgekommen. Ach, ich bin so froh, daß ich dich wieder habe, Herzensschatz!«

»Denk ans Fenster, Liebling!«

»O Himmel! Hoffentlich hat er's nicht gesehen. Nein, er sieht nach der andern Seite. Also, die Goldminenaktien haben wir.«

»Harrison hat telegraphiert?«

»Ja, hier ist seine Depesche:

Crosse, Lindenhaus, Woking. – Kaufte zweihundert Eldorados 4¾.

Harrison.«

»Vortrefflich! Ich habe beinahe gehofft, Harrison im Zuge zu treffen. Es sollte mich nicht wundern, wenn er auf dem Wege vom Bahnhof bei uns vorspräche, da er ja ohnehin hier vorbei muß.«

»Sicher kommt er.«

»Was hast du denn da?«

»Eine Zeitung.«

»Was für eine Zeitung?«

»Wer spricht immer von der Neugierde der Frauen?«

»Laß mal sehen.«

»Das ist nämlich, mußt du wissen, das ›Finanzielle Echo‹.«

»Wo in aller Welt hast du das her?«

»Ich wußte, daß die Montresors ein finanzielles Blatt halten. Ich erinnerte mich, daß mir Frau Montresor einmal sagte, wie schrecklich langweilig es sei. Wie du nun fortgegangen warst, sandte ich Jemima hinüber, um darum zu bitten, und las es durch, um zu sehen, ob etwas über unsere Mine darin enthalten ist – unsere Mine, Frank, klingt das nicht großartig?«

»Nun, und ist etwas darin?«

Sie klatschte vor Freude in die Hände.

»Ja, hier steht es. ›Diese glänzende Mine‹, so nennen sie sie. Hier, siehst du, unter der Überschrift: Australische Nachrichten.« Sie hielt ihm das Blatt hin, auf die Stelle weisend, aber sein Gesicht bekam einen enttäuschten Ausdruck, als er las.

»Ach, Maude, es ist schändlich!«

»Was ist schändlich?«

»Schändlich nennen sie die Mine, nicht glänzendIm Original: prosperous und preposterous. – ›diese schändliche Mine‹«.

»Frank!« Sie wandte das Gesicht ab.

»Mach dir nichts daraus, Schatz! Was liegt daran?«

»Ach, Frank, unsere erste Kapitalsanlage, unsere fünfzig Pfund! Und ich habe die Zeitung als Überraschung für dich aufgehoben!«

»Nun ja, der Druck ist verwischt, und man konnte das Wort leicht falsch lesen. Das Blatt kann sich schließlich auch irren. – Bitte, nicht, Liebling, nicht! Es ist es nicht wert – alles Gold der Erde ist so viel nicht wert! Nun, sei wieder lustig, mein Herzchen! Schon besser? Ach, der Henker hole die offenen Gardinen!«

Ein großer, eleganter junger Mann mit glänzendem Zylinder kam durch den Garten. Einen Augenblick danach führte ihn Jemima herein.

»Hallo, Harrison!«

»Grüß Gott, Crosse! Guten Tag, gnädige Frau!«

»Guten Tag, Herr Harrison. Entschuldigen Sie mich einen Augenblick, ich will nur den Tee aufgießen lassen.«

Das Teeaufgießen schien mit sehr viel Wasserplätschern verbunden zu sein. Maude kam mit frischerem Gesicht zurück.

»Ist das ein gutes Blatt, Herr Harrison?«

»Welches? Das ›Finanzielle Echo‹? Nein, das käuflichste Schmierblatt in der City.«

»Ach, ich bin so froh!«

»Warum?«

»Sie wissen, wir haben heute einige Aktien gekauft, und es nennt unsere Mine schändlich.«

»Ist das alles? Wer schert sich darum, was das ›Finanzielle Echo‹ sagt? Es würde die Bank von England ein schändliches Institut nennen, wenn es glaubte, dabei etwas verdienen zu können. Seine Meinung ist nicht einen Heller wert. Im übrigen, Crosse, hat mich eben dieser Ihr Auftrag hergeführt.«

»Ich habe Sie erwartet. Ich bin selbst erst soeben heimgekehrt und habe Ihre Depesche vorgefunden, womit Sie mir den Kauf anzeigen.«

»Ja, und ich dachte mir, ich bringe Ihnen gleich die Rechnung. Montag ist Abrechnungstag, wie Sie wissen werden.«

»Schön. Danke. Ich werde Ihnen einen Scheck geben. Was – was ist das?«

Die Rechnung war offen aus den Tisch gelegt worden. Frank starrte bleich und mit weitgeöffneten Augen darauf. Sie lautete wie folgt:

13a Throgmorton Street.
Kaufte für Herrn Francis Crosse, Woking.
(Den Regeln und Usancen der Londoner Börse unterworfen.)
200 Eldorado-Goldminenaktien à 4¾ £ 950. 0. 0
Stempel und Gebühren " 4. 17. 6
Courtage " 7. 10. 0

£ 962. 7. 6
Valuta 7. ds. Mts.

»Hier scheint ein Irrtum vorgefallen zu sein,« sagte Frank mit sehr trockenen Lippen.

»Ein Irrtum?«

»Ja, das ist etwas anderes, als ich erwartete.«

»O, Frank! Nahezu tausend Pfund!« rief Maude, nach Atem ringend.

Harrison sah von einem zum andern. Er merkte, daß die Sache ernst war.

»Es tut mir sehr leid, wenn ein Irrtum vorgefallen ist. Ich war bemüht, Ihrem Auftrag zu entsprechen. Sie wünschten zweihundert Eldorados, nicht wahr?«

»Ja, zu vier Schilling, neun Pence.«

»Vier Schilling, neun Pence? Sie stehen vier Pfund fünfzehn.«

»Aber ich las doch, sie lauteten nur auf zehn Schilling und seien in letzter Zeit gefallen?«

»Ja, sie sind Monate hindurch gefallen. Aber sie standen einmal zehn Pfund. Jetzt sind sie bis auf vier Pfund fünfzehn gefallen.«

»Warum in der Welt steht das nicht in der Zeitung?«

»Wenn ein Bruch notiert ist, so bedeutet das immer Bruchteile eines Pfundes.«

»Du lieber Gott! Und ich muß das bis Montag bezahlen?«

»Montag ist Abrechnungstag.«

»Ich kann es nicht, Harrison. Es ist mir unmöglich.«

»Dann bleibt nur das Übliche.«

»Nein, lieber will ich sterben. Ich will nicht bankerott werden, niemals!«

Harrison fing an zu lachen und wurde dann plötzlich tiefernst, als er ein paar grauer Augen vorwurfsvoll auf sich gerichtet sah.

»Es scheint mir, daß Sie noch nicht viel derartige Geschäfte gemacht haben, Crosse.«

»Nein, noch nie – und bei Gott, nie wieder!«

»Sie nehmen es viel zu schwer. Wenn ich von dem Üblichen sprach, so habe ich nicht entfernt an Bankerott gedacht. Sie haben nichts anderes zu tun, als Ihre Papiere morgen wieder zu verkaufen und die Differenz zu bezahlen.«

»Das kann ich tun?«

»Sicherlich. Warum nicht?«

»Und wie viel würde die Differenz betragen?«

Harrison zog ein Abendblatt aus der Tasche. »Wir haben hauptsächlich mit Eisenbahnwerten zu tun, und ich bin mit dem Minenmarkte nicht in Fühlung. Sehen wir einmal den Kurs. Oho!« Er pfiff durch die Zähne.

»Nun?« Frank fühlte unter dem Tische die kleine, warme Hand seiner Frau auf der seinen.

»Die Differenz ist zu Ihren Gunsten.«

»Zu meinen Gunsten?«

»Ja, hören Sie einmal: ›Sowohl der afrikanische als der australische Minenmarkt eröffneten flau, belebten sich aber im Laufe des Tages und schlossen durchgehends mit Avancen. Randminen gewannen durchschnittlich 1/16 bis ⅛. Das Hauptereignis des australischen Marktes war eine lebhafte Hausse von ⅝ in Eldorados, auf eine Depesche, daß die Gruben gänzlich ausgepumpt sind.‹ Crosse, ich gratuliere!«

»Ich kann sie wirklich teurer verkaufen, als ich sie kaufte?«

»Das will ich meinen. Sie haben zweihundert und gewinnen zwölf Schilling per Stück.«

»Maude, laß Whisky und Soda kommen. Harrison, Sie müssen ein Glas trinken. Das sind ja hundert Pfund!«

»Mehr als hundert.«

»Ohne daß ich etwas zu zahlen habe?«

»Nicht einen Pfennig.«

»Wann wird die Börse morgen eröffnet?«

»Um elf Uhr.«

»Seien Sie um elf Uhr dort, Harrison, und verkaufen Sie sie sofort.«

»Sie wollen nicht noch ein wenig abwarten, wie sich der Markt gestaltet?«

»Nein, nein, ich werde keine ruhige Minute haben, bis sie verkauft sind.«

»Gut, lieber Freund. Verlassen Sie sich auf mich. Sie bekommen Dienstag oder Mittwoch einen Scheck für Ihr Guthaben. Guten Abend. Ich freue mich ungemein, daß alles so gut ausgegangen ist.«

»Und das Lustige dabei ist, Maude,« sagte Frank, nachdem sie das ganze Abenteuer vom Anfang bis zum Ende durchgesprochen hatten, »das Lustige dabei ist, daß wir nun erst recht eine Anlage für unsere ursprünglichen fünfzig Pfund ausfindig machen müssen. Ich wäre schließlich doch geneigt, sie in Consols anzulegen.«

»Es wird vielleicht am patriotischsten sein«, sagte Maude.

* * *

Zwei Tage später wurde der alte Broadwood mit den quiekenden hohen Tönen und dem asthmatischen Baß für immer aus dem Lindenhaus verbannt, und an seiner Statt kam ein prachtvoller Flügel zu fünfundneunzig Guineen, in dunklem Nuß mit Vergoldungen und mit so reichem, vollem Ton, daß Maude stundenlang davor sitzen und sich daran erfreuen konnte, bloß hie und da eine einzelne Taste anzuschlagen und dem reinen, sonoren, lang nachhallenden Ton zu lauschen, der aus seinen Tiefen kam. Sie nannte es ihr Eldorado-Piano und versuchte ihren Besucherinnen zu erklären, wie ihr Mann so geschickt gewesen war, es an dem Geschäft eines einzigen Tages zu verdienen. Da ihr selbst die Sache nicht ganz klar war, so gelang es ihr nie, sie jemandem vollkommen verständlich zu machen, und allmählich verbreitete sich eine unbestimmte und Achtung einflößende Meinung, der junge Frank Crosse sei ein außerordentlich tüchtiger Mensch und habe in einer australischen Goldminenangelegenheit etwas ungemein Geschicktes vollbracht.

 

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