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Arthur Conan Doyle: Ein Duett - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Conan Doyle
titleEin Duett
publisherLadyschnikow, Verlag G. m. b. H.
yearo.J.
translatorLeopold Rosenzweig
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20160329
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Ein Ausweg

Der Tag der Verhandlung kam heran, und der Ruin saß an ihrer Seite bei Tag und schlief mit ihnen in der Nacht. Sein düsterer Schatten bedeckte alles um sie her und verfinsterte ihr Leben. Wenn sie den Prozeß verloren, und Owen verbarg ihnen auch in hoffnungsvollster Stimmung nicht, daß das möglich war, dann hatten sie außer der ursprünglichen Summe auch die doppelten Kosten zu zahlen. Alles, was sie besaßen, reichte dazu nicht hin. Andererseits konnte, wenn sie gewannen, die reiche Gesellschaft an eine höhere Instanz appellieren und sie in eine neue Reihe von Sorgen und Kosten stürzen. Wie immer es ging, drohte ihnen Gefahr. Frank sprach wenig, und er schlief wenig.

Eines Abends, zwei Tage vor der Verhandlung, kam Wingfield, der Beamte der Gesellschaft, zu ihnen nach Woking. Die ganze Sache war ihm von den Direktoren zur Führung übertragen worden. Sein Besuch war eine Art Ultimatum.

»Wir sind noch immer bereit, unsere Kosten zu tragen,« sagte er, »wenn Sie unsere Forderung anerkennen.«

»Das kann ich nicht«, erwiderte Frank verbissen.

»Die Kosten wachsen erschreckend an, und jemand wird sie zahlen müssen.«

»Ich hoffe, daß Sie das sein werden.«

»Nun gut, sagen Sie aber nicht, daß ich Sie nicht gewarnt habe. Lieber Herr Crosse, ich versichere Ihnen, daß Sie falsch beraten sind, und daß Sie nicht die geringste Aussicht haben.«

»Das soll eben die Verhandlung erweisen«, versetzte Frank.

Er begegnete dem Feinde mutig, doch als Wingfield gegangen war, sah Maude, daß sein Vertrauen stark erschüttert war.

»Er schien seiner Sache sehr gewiß«, sagte er. »Er würde so nicht sprechen, wenn er nicht wüßte, was er sagt.«

Aber Maude war anderer Ansicht.

»Wenn sie sicher sind, daß ihnen das Geld vom Gericht zugesprochen wird, wozu hätten sie Wingfield hergesandt?«

»Er ist ein gutherziger Mensch, er will uns Kosten ersparen.«

Maude war weniger vertrauensvoll.

»Er tut sein Bestes für seine Partei«, sagte sie. »Das ist seine Pflicht, und wir können ihm daraus keinen Vorwurf machen. Aber wenn er es für gut findet, hinter dem Rücken seiner Advokaten hieher zu kommen, so muß er doch wohl einige Zweifel über den Ausgang der Verhandlung haben. Vielleicht wäre er einem Vergleich nicht abgeneigt.«

Aber Frank schüttelte nur den Kopf.

»Wir haben den Kork herausgezogen und müssen den Wein trinken«, sagte er. »Wir sind zu weit gegangen, um jetzt noch innezuhalten. Jede Vergleichssumme, zu der sie sich verstehen würden, wäre für uns ebenso unerschwinglich wie der ganze Betrag. Wir müssen es auskämpfen.«

Aber Maude nahm diesesmal seine Meinung nicht wie sonst als endgültig entscheidend an, sondern lag die ganze Nacht wach und sann über die Sache nach. Sie war entschlossen, auf eigene Faust zu handeln, und war so begierig, damit anzufangen, daß sie kaum den Morgen erwarten konnte. Als sie zum Frühstück herunterkam, war ihr Feldzugsplan fertig.

»Ich fahre mit dir nach der Stadt, Frank.«

»Das freut mich, Schatz.«

Wenn sie Einkäufe zu besorgen hatte, begleitete sie ihn häufig am Morgen nach der Stadt, er war also nicht überrascht. Wohl aber wäre er überrascht gewesen, wenn er gewußt hätte, daß sie durch Jemima folgende drei Depeschen abgesandt hatte, ehe er noch auf war:

»Robert Selby, 53 Fenchurch Street, E. C. Komme elf Uhr zu dir. Wichtiges Geschäft. Maude.«

»Leutnant Selby, Kaserne, Canterbury. Bitte komm nächsten Zug, erwarte mich Fenchurch Street, halb zwölf. Sehr wichtig. Maude.«

»Owen, 14 Shirley Lane, E. C. Komme zwölf Uhr zu Ihnen. Wichtig. Maude Crosse.«

Damit hatte sie ihre Kampagne eröffnet.

»Richtig, Frank«, sagte sie, als sie miteinander im Zuge saßen. »Morgen ist ja dein Geburtstag.«

»Jawohl, Schatz«, erwiderte er niedergeschlagen.

»Mein Gott, was soll ich meinem Schatz zum Geburtstag schenken? Möchtest du irgend etwas?«

»Ich habe alles, was ich begehre«, sagte er, sie ansehend.

»Ich muß aber doch etwas finden. Ich will mich einmal in der Stadt umsehen.«

Sie begann dieses Umsehen damit, daß sie ihren Vater in seinem Bureau aufsuchte. Es war ihm etwas Neues, von Maude geschäftliche Depeschen zu bekommen, und er war davon sehr überrascht gewesen.

»Du siehst brillant aus, mein Kind. Dein Aussehen ist ein ehrenvolles Zeugnis für deinen Mann. Wie geht's in Woking? Die zweite Köchin ist hoffentlich ein Juwel?«

Aber Maude war nicht gekommen, um zu plaudern.

»Lieber Papa,« sagte sie, »du mußt mir beistehen, denn ich habe Sorgen. Bitte, lieber, guter Papa, sieh einmal die Dinge ganz mit meinen Augen an und mache keine Einwendungen, und tu das, um was ich dich bitte.« Sie warf die Arme um seinen Hals und drückte ihn fest an sich.

»Halt, das ist Erpressung!« rief er, seinen weißen Kopf befreiend. »Wenn so etwas in der City von London zugelassen wird, ist es mit allem Geschäft zu Ende.« Aber seine Augen zwinkerten, und er sah nicht unzufrieden aus. »Nun, Madame, womit kann ich Ihnen dienen?«

»Ich will ganz geschäftsmäßig sein«, sagte sie und umarmte ihn nochmals, ehe sie sich setzte. »Du gibst mir eine Rente von fünfzig Pfund jährlich, nicht wahr, Papa?«

»Mein liebes Kind, ich kann sie nicht erhöhen. Jack braucht so viel bei den Husaren –«

»Ich will nicht, daß du sie erhöhst.«

»Was denn willst du?«

»Wenn ich mich recht erinnere, hast du mir gesagt, Papa, daß diese fünfzig Pfund die Interessen von tausend Pfund sind, die für mich angelegt sind.«

»Ganz recht, in fünfprozentigen Pfandbriefen.«

»Nun, sieh einmal, Papa, wenn ich mich mit fünfundzwanzig Pfund jährlich begnügen würde, so könnte ich fünfhundert Pfund von meinem Gelde beheben, und niemand wäre dadurch verkürzt.«

»Niemand als du.«

Darüber lachte Maude.

»Ich brauche das Geld nur für einen Tag. Ich werde gewiß nicht alles brauchen. Ich will gerade nur das Bewußtsein haben, daß ich soviel besitze, wenn ich es brauchen sollte. Liebes, gutes Papachen, bitte, bitte, frage nichts mehr, sondern sei recht gut und sag mir, wie ich die fünfhundert Pfund haben kann.«

»Und du willst mir nicht sagen, wozu du sie brauchst?«

»Ich möchte lieber nicht – aber ich will's, wenn du darauf bestehst.«

Der alte Selby sah in die tapferen, ehrlichen Augen seiner Tochter und bestand nicht darauf.

»Hör einmal. Du hast deine eigene kleine Bankrechnung, nicht wahr?«

»Ja, Papa.«

»Gut. Vermische sie nie mit der deines Mannes.« Er füllte einen Scheck aus. »Zahl das ein. Es sind fünfhundert Pfund. Ich werde die Hälfte der Pfandbriefe verkaufen und dich für die Courtage belasten. Ich bin für genaue Rechnung unter Verwandten. Wenn du die fünfhundert Pfund zurückzahlst, wird dein Einkommen wieder fünfzig Pfund jährlich sein.«

Maude indossierte den Scheck auf der Stelle und sandte ihn durch die Post an ihre Bank. Dann umarmte sie ihren Vater noch einmal zum Abschied und eilte zu weiteren Siegen fort. Jack Selby erwartete sie unten, eine Zigarette rauchend.

»Hallo, Maude! Berufst die Reserven ein? Was ist los? Es war ein Glück, daß ich nicht Dienst hatte. Ihr Mädels glaubt, ein Soldat hat nichts zu tun. Einmal war das ja so, jetzt sind wir aber alle verdammte Bücherwürmer geworden. Nein, danke, ich geh' nicht zum Alten hinauf. Er würde glauben, ich will Geld, und das würde ihm den Tag verderben.«

Maude nahm ihren Bruder mit in den Wagen und erzählte ihm, welches Unheil Frank betroffen hatte, indem sie ihn zugleich mit ihren Absichten bekannt machte. Jack zeigte lebhaftestes Interesse.

»Was hat der Alte dazu gesagt?«

»Ich habe ihm nichts erzählt. Ich dachte, Frank würde es nicht gern sehen.«

»Das war recht. An mir wird ihm nichts liegen. Er weiß, daß ich selber ein wenig Geschäftsmann bin. Hab' nur einmal im Leben ein kleines Papier unterschrieben, und ich bin noch nicht fertig damit. Das Ding war nicht viel größer als eine Postkarte, aber was die Leute nachher für Lärm damit machten! Ich kann mir vorstellen, daß sie Frank gehörig zugesetzt haben.«

»Seit Monaten haben wir keine ruhige Stunde.«

»Sorgen sind ungesund für die Jugend. Er sollte sich nichts daraus machen. Sollte sich an mir ein Beispiel nehmen. Nun wollen wir mal sehen, wie wir die Sache miteinander ins Geleise bringen, Maude. Ich sehe deine Bahn und reite mit dir.«

Sie fanden Owen zu Hause, und Maude erklärte ihm ihre Absicht.

»Ich habe die Überzeugung, daß sie nicht zu Gericht gehen wollen. Daß Herr Wingfield gestern zu uns kam, ist mir ein Beweis dafür. Mein Mann ist zu stolz, um mit ihnen zu feilschen, aber mir liegt nichts daran. Glauben Sie nicht, daß ich selber zu Herrn Wingfield ins Bureau gehen, die dreihundertvierzig Pfund bezahlen und uns die Sorgen endgiltig vom Halse schaffen soll?«

»Als Advokat«, versetzte Owen, »muß ich ein solches Vorgehen als nicht ordnungsgemäß bezeichnen. Als Ihres Mannes Freund sehe ich keine Gefahr dabei. Aber ich möchte nicht, daß Sie ihnen gleich den ganzen Betrag anbieten. Sagen Sie einfach, Sie seien zu einem annehmbaren Vergleich bereit, und fragen Sie, welches die geringste Summe wäre, die die Gesellschaft zur Ebnung dieser Sache akzeptieren würde.«

»Überlassen Sie das mir«, sagte Jack, dem Advokaten zuzwinkernd. »Ich bin Nummer I, Klasse A in Geschäftssachen. Wir werden ihnen die Gebißstangen um ein Loch kürzer schnallen, wenn sie uns Kapriolen machen! Komm, Maude, machen wir die Sache ab.«

Er war ein ausgezeichneter Gefährte für sie, denn sein fröhlicher Übermut verwandelte das Ganze in einen Spaß. Sie konnte es in seiner Gegenwart nicht zu ernst nehmen. Sie begaben sich zur Prudentia und fragten nach Herrn Wingfield. Er war beschäftigt, aber Herr Waters, der Sekretär, ein sehr dicker, wichtigtuender Herr, kam zu ihnen herein.

»Es tut mir ungemein leid, Frau Crosse« sagte er, »aber es ist zu spät für einen Vergleich irgendeiner Art. Wir müssen unsere Kosten in Betracht ziehen, und es bleibt uns nichts übrig, als die Verhandlung durchzuführen.«

Die arme Maude brach beinahe in Tränen aus.

»Aber wenn wir Ihnen – –«

»Noch eine Stunde Bedenkzeit gäben?« fiel Jack rasch ein.

Herr Waters schüttelte melancholisch den Kopf.

»Ich glaube nicht, daß wir unseren Entschluß ändern würden. Herr Wingfield wird übrigens sogleich hier sein, und er wird natürlich alles in Betracht ziehen, was Sie ihm zu sagen haben. Mittlerweile bitte ich Sie mich zu entschuldigen, da ich stark beschäftigt bin.«

»Maude, du kleiner Einfaltspinsel!« rief Jack, als die Tür sich hinter ihm geschlossen hatte. »Du warst schon im Begriffe, dich zur Bezahlung der Kosten zu erbieten. Ich hab' dich gerade noch im letzten Augenblick verhalten.«

»Ich wollte nur fragen, was sie betragen.«

»O du lieber Gott! Na, du kannst von Glück sagen, daß du einen Geschäftsmann an der Seite hast. Den Kerl da konnte ich nicht vertragen. Ein bißchen zu haarig an den Fesseln für meinen Geschmack. Hast du denn nicht gesehen, daß er uns nur bluffen wollte?«

»Wieso weißt du das, Jack?«

»Das war ihm an der Nase abzulesen. Glaubst du, es hat einer so viele Remonten gekauft wie ich, ohne sagen zu können, wenn der Händler blufft? Er hat so griesgrämig getan, damit, wenn der andere Brahmine herbeikommt, er leichtes Spiel mit uns habe. Ich sage dir, du brauchst einen wohlgesinnten Eingeborenen wie mich, um dich in dieses Land zu wagen. Nun halte mir den, der jetzt kommt, kurz, und lasse ihn keinen Augenblick aus der Hand.«

Herr Wingfield trat ein, und seine Art war sehr verschieden von der des Sekretärs. Er hatte Sympathien für die Crosses und außerdem wenig Lust, die schmutzige Wäsche der Gesellschaft vor der Öffentlichkeit zu waschen. Er war deshalb viel geneigter, zu einer Verständigung zu kommen, als er zu zeigen wagte.

»Es ist eigentlich nicht in Ordnung, daß ich Sie empfange, gnädige Frau«, sagte er. »Ich sollte Sie an unsere Anwälte weisen.«

»Nun, wir haben Sie ja auch empfangen, als Sie zu uns nach Woking kamen«, erwiderte Maude. »Ich glaube, daß wir bei direkter Aussprache leichter zu einem Einvernehmen gelangen werden.«

»Ich will es gerne hoffen,« sagte Wingfield. »Ich werde mit Vergnügen hören, was Sie mir vorzuschlagen haben. Geben Sie vor allem Ihre Verpflichtung zu?«

»Bis zu einem gewissen Grade,« versetzte Maude, »wenn die Gesellschaft zugibt, daß sie ebenfalls im Unrecht ist.«

»Nun, wir wollen Ihnen soviel zugestehen, daß wir wünschten, wir hätten öfter revidiert, und daß wir unser schlecht angebrachtes Vertrauen in unsern Agenten bedauern. Ich denke, daß Sie damit zufrieden sein können, gnädige Frau. Daß Sie zum mindesten eine gewisse Verpflichtung zugeben, ist schon ein wesentlicher Schritt vorwärts. Wir wollen ja nicht unbillig sein, aber so lange Sie jede Verpflichtung bestritten, blieb uns nichts anderes als der Prozeßweg. Wir kommen nun zu dem entscheidenden Punkte, nämlich, wieviel des Schadens auf Sie entfallen soll. Meine Ansicht ist, daß jeder Teil seine Kosten trägt, und daß Sie außerdem der Gesellschaft einen angemessenen Betrag bezahlen. Wieviel schlagen Sie vor?«

»Vierzig Pfund«, sagte Jack fest.

Maude erwartete, daß der Beamte aufstehen und das Zimmer verlassen werde. Da er dies jedoch nicht tat und auch sonst keinerlei Heftigkeit erkennen ließ, wiederholte sie: »Ja, vierzig Pfund.«

Wingfield schüttelte den Kopf.

»Das ist eine sehr geringe Summe, gnädige Frau«, sagte er.

»Vierzig Pfund sind unser Angebot«, sagte Jack.

»Und worauf ist dieses Angebot begründet?«

»Wir haben nachgerechnet und finden, daß vierzig Pfund angemessen sind.«

Wingfield erhob sich.

»Irgendein Angebot ist natürlich besser als keines«, sagte er. »Ich weiß nicht, wie sich die Direktoren dazu stellen werden, aber sie halten heute eine Sitzung, und ich werde ihnen die Sache vorlegen.«

»Und wann werden wir Bescheid haben?«

»Ich könnte Ihrem Anwalt ein paar Zeilen hinübersenden.«

»Es hat keine Eile, ganz nach Ihrem Belieben«, erwiderte Jack. Als sie draußen und im Wagen wieder allein waren, war er überwältigt von der Größe seiner Taten.

»Klasse A, Nummer I, mit Ehrendiplom!« rief er, sich in seinem Entzücken selber umarmend. Seine Schwester umarmte ihn ebenfalls, und er war daher in diesem Augenblicke ein vielgehätschelter junger Mann. »Nun, Maude, bin ich ein Geschäftsmann oder nicht? Die kann man nicht kaufen, man muß sie züchten. Ein Schilling, inklusive Korb! Ich traf ihn gleich im ersten Gang, und er konnte sich nicht mehr erholen.«

»Du bist ein lieber, guter Junge. Du hast dich ausgezeichnet gehalten.«

»So muß man mit den Leuten umgehen. Er sah sogleich, daß er es mit Vollblut zu tun hatte. Ein Geschäftsmann erkennt den andern auf den ersten Blick.«

Maude mußte lachen, denn Jack mit seinem Kavalleristengang und einem weißen Streifen rings um sein sonngebräuntes Gesicht, der die Stelle zeigte, wo sein Sturmband hing, sah von allen Menschen am wenigsten einem Geschäftsmann gleich.

»Warum hast du vierzig Pfund geboten?« fragte sie.

»Man muß doch irgendwo anfangen.«

»Aber warum gerade vierzig?«

»Weil das der Betrag ist, den wir anlegen, wenn wir Remonten kaufen, Truppenpferde, weißt du. Es ist sehr viel wert, in Geschäften ein festes Prinzip zu haben. Ich biete nie mehr als vierzig – Regel eins, Punkt eins, ohne Ausnahmen in den Anmerkungen.«

Sie nahmen das Mittagmahl miteinander in einem Restaurant, und Jack nahm Maude nachher zu einer »wirklich belehrenden Veranstaltung« mit, wie er sie nannte, die sich als eine Pferdeauktion im Tattersall erwies. Dann fuhren sie wieder zum Advokaten und fanden dort einen an Frau Maude Crosse adressierten Brief. Maude riß das Couvert auf.

»Gnädige Frau,« lautete diese wundervolle Botschaft, »ich bin sehr erfreut, Ihnen mitteilen zu können, daß die Direktoren sich entschlossen haben, den Prozeß fallen zu lassen und Ihr Angebot von vierzig Pfund zum völligen Ausgleich unserer Ansprüche an Ihren Gatten anzunehmen.«

Maude, Jack und der gute Owen vollführten einen Siegestanz zu dreien.

»Sie haben Ausgezeichnetes vollbracht, gnädige Frau, Ausgezeichnetes!« rief Owen. »Ich habe im Leben noch kein besseres Tagewerk gesehen. Wenn Sie mir nun Ihren Scheck über vierzig Pfund geben und hier warten wollen, werde ich hinübergehen und alles abmachen.«

»Und bringen Sie den Garantieschein mit, bitte!« sagte Maude.

* * *

So kam es, daß Frank, als er am Morgen seines Geburtstages zum Frühstück herunterkam, eine hübsche silberne Zigarettendose neben seinem Teller fand.

»Ist das für mich, mein Liebling?«

»Ja, Frank, ein kleines Geburtstagsgeschenk von deiner kleinen Frau.«

»Wie lieb und gut von dir! Ich habe noch nie eine so reizende Zigarettendose gesehen. Da ist ja was drinnen!«

»Zigaretten wahrscheinlich.«

»Nein, es ist irgendein Papier. – ›Versicherungsgesellschaft Prudentia.‹ – Mein Gott, kann ich denn nirgends vor dieser teuflischen Sache Ruhe finden! Wie ist es denn da hereingekommen? Was ist das? – ›Ich garantiere Ihnen hiemit – –‹ Was ist das? Maude, was hast du getan?«

»Liebster, Einziger!« rief sie, ihm um den Hals fallend. »Ach, ich bin so glücklich!«

 

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