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Gutenberg > Eduard Bauernfeld >

Ein deutscher Krieger

Eduard Bauernfeld: Ein deutscher Krieger - Kapitel 4
Quellenangabe
typedrama
booktitleGesammelte Schriften Band 5
authorEduard v. Bauernfeld
firstpub1844
year1871
publisherWilhelm Braumüller
addressWien
titleEin deutscher Krieger
pages95-96
created20060810
sendergerd.bouillon
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Dritter Act.

(Saal im churfürstlichen Schloß zu Dresden. Eine Mittel- und zwei Seitenthüren. Gegen den Hintergrund eine schmale Tapetenthüre.)

Erste Scene.

Der Kanzlist Schöpflein und Hans (in Civil-Kleidern, treten durch die Mitte auf).

Schöpflein. Hier kommt man in die inneren Gemächer – dort rechts geht's zu der Frau Churfürstin Gnaden; hier links zum Churfürsten selbst, durch das Conferenz-Zimmer, wo sie eben Sitzung halten.

Hans (halblaut aus Respect). Dort in der Wand ist aber noch eine kleine Thüre –

Schöpflein. Die führt in die geheime Registratur, und steht von der andern Seite mit meinem Logis in Verbindung.

Hans. Geheime Re – Herr Vetter, Herr geheimer Herr Kanzlist – sagt's noch 'mal! Geheime Re –

Schöpflein. In die geheime Registratur.

Hans. Geheime Registratur! – Wie herrlich das klingt, wie erhaben! – Registratur – ich habe noch nie ein Wort mit so viel Wollust ausgesprochen. Registratur!

Schöpflein. Ja, es hat was Sublimes – aber man gewöhnt's nach und nach.

Hans. Herr Vetter, Herr geheimer Herr Kanzlist, darf ich Ihm etwas sagen?

Schöpflein. Sprich, mein Sohn. Du kannst lauter reden. Du hörst ja, daß auch ich meine Stimme nicht zurückhalte.

Hans. Ja, Er hat leicht laut reden – Er ist was Geheimes – aber ich! – Ich wollte nur sagen: Alles, was ich am Hofe gesehen habe, ist so schmucklos, so einfach – ganz anders, als es in den Ritterbüchern von der Tafelrunde und dergleichen beschrieben wird – und doch hat's mich mit einem Respect erfüllt – ja, mit einer Art von Angst, die sich gar nicht ausdrücken lassen.

Schöpflein. Das ist das sogenannte Hof-Fieber, das einen jeden Uneingeweihten befällt – aber man gewöhnt's.

Hans. Es ist doch was Großes um einen geborenen Fürsten!

Schöpflein. O ja! Wie man's nimmt. – Uebrigens – geboren sind wir Alle – man gewöhnt's. – (Laut.) Dein Vater ist also zufrieden mit dem neuen Pacht, den ich ihm verschafft habe?

Hans. Sehr zufrieden, höchst zufrieden. – (Leise.) Herr Vetter, Herr geheimer Herr Kanzlist, werden wir denn die Herrn d'rinnen im Rath nicht stören?

Schöpflein. Sorg' Dich nicht, Vetter Hans! Die sind genugsam beschäftigt, die hören uns nicht. Die Einen disputiren, die Andern schlafen.

Hans. Schlafen? In der Rathssitzung?

Schöpflein. Je nun! Man gewöhnt's.

Zweite Scene.

Vorige. Graf Dohna.

Graf (prächtig gekleidet, an der Seitenthür links, halb sichtbar). Heda! Ist Niemand hier?

Schöpflein (nähert sich ihm lässig). Excellenz!

Graf. Schöpflein! Gut, daß Er da ist. Wir brauchen die Acten vom Prager Frieden.

Schöpflein. Gleich, Excellenz. (Graf wieder hinein.) Bleib' hier, Hans. Ich komme gleich wieder. Das war der geheime Rath, Graf Dohna. (Im Abgehen.) Prager Frieden – Fascikel Nr. 120 vom Jahr 35 – man gewöhnt's. (Ab durch die Tapetenthüre.)

Dritte Scene.

Hans, dannFr. v. La Roche.

Hans (allein). Der Graf ist geheimer Rath, ist Excellenz – und ich hab' ihm damals einen Rippenstoß versetzt. Ein Glück, daß er mich nicht erkannt hat – ich wäre vor Scham in den Erdboden versunken.

(Ein Kammerdiener öffnet die Mittelthüre. Frau von La Roche tritt ein und geht nach der Seite rechts.)

Hans (für sich). Das ist die Ex-Melusine! Abenteuer über Abenteuer! Und in welchem Glanz, welcher Pracht! (Verneigt sich.)

Fr. v. La Roche (dankt, und bleibt dann stutzend stehen). Seh' ich recht? Bist du nicht –?

Hans. Euer Engel – Euer Wegweiser.

Fr. v. La Roche. Hans Büttner! Du bist hier in Dresden?

Hans. Nur in der Nähe – auf dem Lande. Mein Vater hat den Pacht –

Fr. v. La Roche. Du bist nicht mehr Soldat?

Hans. Mein Herr Oberst hat mich beurlaubt; auch ist unser Regiment später aufgelöst worden.

Fr. v. La Roche. Ich weiß, ich weiß! – Dein Oberst – er soll hier sein – aber Niemand kennt seinen Aufenthalt.

Hans. Er hält sich bei meinem Vater auf.

Fr. v. La Roche. Bei Deinem Vater?

Hans. Auf Grobitz. Das ist das hübsche Gut nahebei, an der Elbe, das der Kammerdiener des Churfürsten gekauft hat, der Herr Hübner. Mein Vater hat's eben gepachtet.

Fr. v. La Roche. – Und Dein Oberst – wie geht es dem?

Hans. Wie soll's ihm gehen? Wie Einem, dem man den Proceß machen will. So meint wenigstens der Vater.

Fr. v. La Roche. Ach ja! Den Prozeß! – Grobitz heißt es?

Hans. Grobitz – dicht an der Elbe.

Fr. v. La Roche. Die Frau Churfürstin hat mich rufen lassen – ich muß zu ihr. Aber ich bin noch in Deiner Schuld, guter Hans. Der schlechte Goldreif war kein Lohn.

Hans (für sich). Ich hab' ihn auch nicht mehr – ich hab' ihn meinem Herrn Obersten schenken müssen.

Fr. v. La Roche (bereits zum Gehen gewendet). Grobitz also? Leb' wohl! (Ab zur Seite rechts.)

Vierte Scene.

Hans, dann Schöpflein.

Hans (allein). Sie ist noch in meiner Schuld? Sie wird's wohl bleiben. Aber gut, daß sie mich an meinen Herrn Obersten erinnert hat. Ich hätte ihn bald vergessen – über der Registratur.

Schöpflein (mit einem Actenstoß kommt zurück, klopft an die Seitenthüre links, und reicht die Acten hinein). So, das wäre geschehen. Nun werden sie wohl nichts mehr brauchen.

Hans. Sagt doch, Herr Vetter, Herr geheimer Herr Kanzlist, das war der Prager Frieden?

Schöpflein. Ja. Vom Jahre 35. Er hat uns Schweiß genug gekostet, mich und meinen Chef, den geheimen Herrn Finanzrath, Dr. Döring. Er hat den Frieden aufgesetzt, und ich hab' ihn mundirt – (erklärend) das heißt: abgeschrieben.

Hans. Abgeschrieben? Den ganzen Prager Frieden?

Schöpflein. Das geht nicht anders, mein Sohn – aber man gewöhnt's. – Komm' jetzt, Hans! Ich will Dich auch in den Hofgarten führen.

Hans. Verzeiht, Herr Vetter, Herr geheimer Herr Kanzlist, fast hätt' ich die Hauptsache vergessen – mein Vater, sein Herr Vetter, bittet Ihn dringend um Auskunft, wie jetzt die Sache des Herrn Oberst Götze steht.

Schöpflein. St! Sprich nicht so laut. Dein Vater ist ein unvorsichtiger Mann.

Hans. Unvorsichtig? Wieso?

Schöpflein. Ich weiß, daß er sich des Obersten annimmt, der in die allerhöchste Ungnade gefallen ist.

Hans. Aber er verdient's nicht!

Schöpflein. Gleichviel! Ungnade ist Ungnade. Freilich – man gewöhnt's – aber es bleibt immer ein Unglück. Uebrigens – wir wollen sehen, was zu thun ist. Jedenfalls werd' ich dem Vetter einen Rath geben, wie er sich zu verhalten hat – einen Rath, der wohl auch dem Obersten nützen kann. – Still! die Herren rücken drinnen mit den Stühlen. Die Sitzung ist aus.

Hans. Schon aus? Wie? Sind sie denn in der kurzen Zeit mit dem ganzen dicken Prager Frieden fertig geworden?

Schöpflein. Der ist längst fertig, und ich habe ihn nur zum Nachschlagen herbei schleppen müssen – es ist, was wir ein Prius nennen, ein Simile. – Nun werden sie gleich hier durchkommen.

Hans. So laßt uns gehen, Herr Vetter!

Schöpflein. Warum?

Hans. Da kommt schon Einer von den gnädigen Herren – – da wieder Einer! (Macht den Räthen Bücklinge, die ohne auf ihn zu achten, mit Complimenten aus dem Seitenzimmer kommen, und durch die Mitte abgehen.)

Schöpflein. Laß sie nur kommen! Blos vertraute Leute haben hier Zutritt. Aber Du bist mein Vetter – und in meiner Gesellschaft bist Du sicher.

Hans. Herr Vetter, Herr geheimer Herr Kanzlist, werd' ich denn auch die geheime Registratur zu sehen kriegen?

Schöpflein. Ich führe Dich aus meinem Logis hinein – zum Schluß – denn das ist das Beste, was wir hier haben.

Hans. Ich will's gerne glauben.

Schöpflein. Jetzt fort! Siehst Du den Dicken dort? Das ist immer Einer von den letzten. Nun wird gleich der Churfürst kommen. Da muß der Saal leer sein.

Hans. So kommt geschwinde! Aber ich möchte den Churfürsten wohl einmal sehen.

Schöpflein. Dazu kann leicht Rath werden. Er spaziert viel unterm Volk herum.

Hans. Ein Churfürst! Das muß doch was ganz Apartes sein.

Schöpflein. Warum? Es ist ein Mensch, wie Andere auch – man gewöhnt's. Komm' jetzt, komm'! (Beide ab, die letzten Räthe entfernen sich.)

Fünfte Scene.

Der Churfürst (im einfachen Hausgewand).Graf Dohna.

Churfürst (im Auftreten). Ich bin zufrieden, Graf Dohna – (Ruft dem letzten Rathsherrn nach.) Lebt wohl, Dr. Döring. (Der Rathsherr verneigt sich, winkt dem Grafen zu, wie der ihm, und geht ab. Der Churfürst fährt fort.) Bin zufrieden mit Eurer Relation, lieber Graf – besser als mit Eurem Frieden. Ihr habt gehört, was uns der bis heute kostet? Wir haben im Ganzen dreißig Tonnen Goldes beigeschossen. Dreißig Tonnen Goldes! Hört Ihr's, Graf? Und was haben wir damit gewonnen? Daß wir auf demselben Punkte stehen, wie damals vor dreizehn Jahren, nach dem Prager Frieden.

Graf. Gnädigster Herr –

Churfürst. Ich weiß, was Ihr sagen wollt! Wir müssen froh sein, daß wir haben, was wir haben – nicht wahr? Gott besser's! Euch geb' ich nicht die Schuld. Ihr habt Eure Feder tüchtig gehandhabt – und könnt Ihr dafür, daß der Schwede und Franzose sie spitzer geschnitten hat! Und geht's dem guten Kaiser besser als uns? Wer Ruhe wünscht, muß Opfer bringen. Deutschland hat seinen Frieden: das ist die Hauptsache. – Ich bin müde vom Sitzen und Zuhören. Mir ist nicht wohl unter den Acten, die täglich mächtiger anwachsen. Ich brauche Bewegung, frische Luft. Laßt die Expeditionen über Alles ausfertigen, und schickt mir's zur Unterschrift. (Geht auf und ab, bleibt stehen.) Unter Andern, Graf! Wie steht's mit der Commission, die den Oberst Götze untersuchen soll?

Graf. Die Arbeiten haben noch nicht angefangen, gnädigster Herr –

Churfürst. Und warum nicht? Warum zögert Ihr? – Der Oberst ist hier, wie ich höre? Ich bin sehr ungehalten auf den Götze. Ich will's ihm auch zeigen.

Graf. Verzeiht – aber wozu?

Churfürst. Wozu? Ihr sprecht ihm das Wort? Ihr wart immer sein Gegner.

Graf. Ja, als er meinen größeren Zwecken im Wege stand. Das ist jetzt vorüber! Ich verfolge meine Feinde nicht, ich mache sie nur unschädlich. Der Oberst ist ein unschuldiger Phantast, und ich bin nicht rachsüchtig, gnädigster Herr.

Churfürst. Aber ich. Der Götze hat mich beleidigt, meine Person. Wenn er noch zu mir käme – aber er kommt nicht!

Graf. Meiner Meinung nach –

Churfürst. Erlaubt, Graf Dohna, ich brauche hier Eure Meinung nicht – ich habe meinen Willen. – Was Ihr da für ein schönes Kleid anhabt! Ich hab' es schon während der Sitzung bewundert. Der Sammt – die Stickerei – die geschlitzten Aermel – prächtig, prächtig!

Graf. Es ist die letzte Pariser Mode.

Churfürst. Sie verstehn's! Das muß man ihnen lassen. Sie geben in Allem den Ton an: in Kleidern – wie in Friedensschlüssen. Aber ich ziehe mein altes bequemes Wams und unsere alten Länder-Gränzen zuletzt doch vor. – Was meint Ihr, Graf? Wir wollen mit Nächsten eine große Jagd veranstalten, eine Schweinhatz – wie?

Graf. Verzeiht, gnädigster Herr –

Churfürst. Nun?

Graf. Es fällt mir schwer – aber –

Churfürst. Was denn? So sprecht doch!

Graf. Dr. Döring lag mir eben dringend an, Eurer churfürstlichen Gnaden den Zustand der Finanzen darzulegen –

Churfürst. Döring? Finanzen? Weiß schon, weiß Alles. Der Döring hat wieder kein Geld – nicht wahr? Warum hat er schlecht gewirthschaftet! Wozu ist er Finanzrath, wenn er nicht Geld schaffen kann? Aber ich will selber dazu sehen. Ich will vor Allem dem Döring auf die Kappe gehen. Meine Churfürstin hat recht! Dem losen Vogel ist nicht zu trauen.

Graf. Meine Kenntniß von Finanzsachen ist nur gering –

Churfürst. Freilich, freilich! Ihr seid ein Diplomat. Die wissen das Geld nur auszugeben.

Graf. So viel ich davon begreifen kann, dürften Einschränkungen nöthig sein –

Churfürst. Einschränkungen? Gewiß, gewiß.

Graf. Auch im Hof-Haushalt. Darum mein' ich, gnädigster Herr – die kostspielige Jagd – es würde böses Blut machen –

Churfürst (aufbrausend). Wer sagt Dir denn, daß ich jagen will? (Lachend.) Seht, Herr Graf! Da habt ihr des heiligen römischen Reiches Erz-Oberjägermeister, der nicht einmal jagen darf! – Aber ich jage doch – Euch Allen zum Trotz. Jetzt gleich! Ich nehme meine Büchse über die Schulter, und gehe pirschen, wohin's mir gefällt, ganz allein – das kostet nichts. – (Entläßt ihn.) Na, lebt wohl, Graf Dohna. Auf Wiedersehen.

Graf. Gnädigster Herr –

Churfürst. Wollt Ihr noch was?

Graf. Eine gehorsamste Bitte –

Churfürst. Ohne viel Präambulum! Heraus damit!

Graf. Habt die Gnade, mir Urlaub zu gewähren, durchlauchtigster Herr –

Churfürst. Was? Urlaub? Ihr wart erst unlängst in Töplitz.

Graf. Zum Theil in Geschäften. Uebrigens das Wichtigste ist beendigt – meine Gesundheit ist zerrüttet – gönnt mir Ruhe, gnädigster Herr, gönnt mir Zeit, meine eigenen Angelegenheiten zu besorgen.

Churfürst. Eure eigenen Angelegenheiten? Und die der Frau von La Roche? Nicht wahr? – Wißt Ihr, daß sie häufig bei meiner Magdalena Sibilla zu treffen ist?

Graf. Bei der Frau Churfürstin Gnaden?

Churfürst. Die Frauen haben Gefallen an einander gefunden; nur ist die meinige nicht so kostbar – versteht Ihr? Die ist weit einfacher, weit schlichter. Im Ganzen kann ich Eure Wahl nur billigen.

Graf. Ich bin leider nicht in der Lage, mich über diese Billigung meines Fürsten freuen zu dürfen. Frau von La Roche hat sich mit ihrem Cousin, dem Grafen Guébriant, wie auch mit mir entzweit, und hat meiner Bewerbung kein Gehör gegeben.

Churfürst. Nicht? – Je nun! Sie ist allzu kostbar, wie gesagt. –Steht's denn nicht mehr zu ändern? – Nicht? – Thut mir leid, recht leid. Es ist eine liebenswürdige Frau, und reich, sehr reich – aber kostbar. – Geh' also, lieber Dohna, besorge Dein Haus, kehre heiter wieder, und diene mir so treu, wie bisher. Ich verlange keinen besseren Diener. (Reicht ihm die Hand.)

Graf (küßt ihm die Hand). Dank, gnädigster Herr! Und möge keine Einflüsterung gegen Euren treuesten Diener jemals den Weg zu Eurem fürstlichen Herzen finden. (Ab.)

Sechste Scene.

Der Churfürst, dann Frau von La Roche.

Churfürst (allein). Einflüsterung? Aha! Das geht auf meine Frau Churfürstin Liebden, die ihm auch niemals grün war. Je nun! Der Graf mag seine Fehler haben, aber er ist brauchbar – das ist die Hauptsache – und ich hätt' ihm gern was Gutes gönnen wollen.

Fr. v. La Roche (von der Seite rechts, eine Tasse mit einem Becher und einen Blumenstrauß tragend). Durchlauchtigster Herr, darf man Sie stören?

Churfürst. Immer zu, schöne Frau! Man hat mich lange genug geplagt, daß mir einige Erholung mit Euch vergönnt sein darf. – Ihr wart in der Kammer? Was bringt Ihr denn da?

Fr. v. La Roche. Die Frau Churfürstin besorgen, Euer Gnaden hätten sich vermuthlich im Rath erhitzt, und bitten Sie, dieses kühlende Getränk einzunehmen, das sie selbst bereitet.

Churfürst. He he! Meine Magdalena Sibilla doktert gern. Gebt her. (Trinkt.) Nicht übel! Aber ein Glas alter Rheinwein schmeckt doch besser. – Und was sollen denn die Dinger hier?

Fr. v. La Roche. Ihre Durchlaucht befinden sich in ihrem Haus-Gärtchen, und haben dort diese Blumen für Sie gepflückt, gnädigster Herr.

Churfürst. Es ist ein liebes, gutes Weib! Dank' Euch, Madame. Ihr seid sehr gütig, selber die Botin zu machen. Verzeiht, daß ich Euch Ihrze – ich bin das moderne »Sie« noch nicht recht gewohnt. – Nun, Frau von La Roche, wie gefallt Ihr Euch bei uns in Dresden?

Fr. v. La Roche. Es ist der freundlichste Ort von der Welt und ich hätte große Lust, mich hier anzusiedeln.

Churfürst. Thut das, thut das! Und wenn ich Euch rathen soll, siedelt Euch recht fest an – versteht Ihr? (Für sich.) Ich will doch sehen, ob mein guter Dohna gar keine Hoffnung hat. (Zu Fr. von La Roche.) Ihr seid Witwe – ich meine, Ihr solltet wieder einen Gatten wählen.

Fr. v. La Roche. Gnädigster Herr –

Churfürst. Verzeiht, daß ich so offen spreche.

Fr. v. La Roche (nach einer Pause). Laßt auch mich offen sprechen, Durchlaucht. Ich habe mein Vermögen, ja mein Leben für die französische Sache auf das Spiel gesetzt, die jetzt, dem Anschein nach, mit der deutschen in Verbindung steht. Ich ward früher zu den Berathungen beigezogen – ich zog selbst in den Krieg – allein mein Handeln war stets offen und ehrlich. Die erste Ungerechtigkeit, an der ich wider Willen Theil nehmen mußte, die ich meiner eigenen Partei gegenüber tadelte, zog mir die Kälte, ja den Unwillen dieser Partei zu. Das hat mich aufgeklärt. Es ist jetzt Friede, und ich bin fest entschlossen, mich den Umtrieben der Politik für immer zu entschlagen, mir selbst zu leben, und die Freiheit meiner Person und meiner Gesinnung um keinen Preis, und wär's der höchste, zu verkaufen.

Churfürst (für sich). Hm! 's ist nichts mit dem Dohna. (Zu Frau von La Roche.) Ich lern' Euch da von einer neuen Seite kennen, Frau von La Roche.

Fr. v. La Roche. Ich mich selbst, gnädigster Herr. Ich war nicht immer so! Ein brennender Ehrgeiz peitschte mich – meine Jugend, mein heißes Blut trieben mich an, das Ziel des Lebens nur in hohen Kreisen, in bedeutenden Verbindungen zu suchen, wo sie nicht immer zu finden sind – aber ich bin enttäuscht worden, und fühl' es jetzt lebhaft, daß das Glück und die stille Beschränkung am liebsten bei einander wohnen.

Churfürst. Sehr wahr, sehr wahr! Ich gesteh' Euch, Frau von La Roche, obwohl ich der Churfürst von Sachsen bin, ich wär' ein beklagenswerther Mann, wenn ich meine Magdalena Sibilla nicht hätte. Groß oder klein, hoch oder niedrig, der ganze Mensch wurzelt zuletzt doch nur im Gemüth. Aber von dem Wort versteht Ihr Französinnen freilich nichts!

Fr. v. La Roche. Doch, doch, gnädigster Herr.

Churfürst. Wirklich? Beweist mir das.

Fr. v. La Roche. Auf Ihre Unkosten, mein Fürst – warum nicht?

Churfürst. Auf meine Unkosten? wie das?

Fr. v. La Roche. Wer Gemüth hat – wie Ihr Deutsche sagt – der ist wohl auch dankbar – nicht so?

Churfürst. Das versteht sich. Das ist das Unterste vom Gemüth. Aber wie paßt das hieher?

Fr. v. La Roche (nach einer kleinen Pause). Es gibt einen Mann, der mir das Leben geschenkt, zu einer Zeit, als er noch mein Feind war, und den ich längst – aus Pflicht der Dankbarkeit – Eurer Gnade empfehlen wollen.

Churfürst. Ja, ja! Ich hab' von der Geschichte gehört. Aber auch Ihr sprecht für Euren Feind?

Fr. v. La Roche. Er ist es nicht mehr – er ist jetzt unglücklich, verfolgt – auch wollt' ich Euch zeigen, daß ich Gemüth habe, gnädigster Herr.

Churfürst. Gemüth? Aber der Oberst hat kein's – hat kein's für mich.

Fr. v. La Roche. Die Frau Churfürstin Gnaden meinen das Gegentheil.

Churfürst (hitzig). Die Frau Churfürstin Gnaden sind – mit Verlaub – ein Weib, und Weiber haben nichts d'rein zu reden. Frau Magdalena Sibilla zieht überhaupt gegen alle Leute los, die ich brauchen kann, und begünstigt einen Jeden, der sich unnütz macht. Ich möchte doch wahrhaftig wissen, was sie zu Gunsten des Götze vorbringen kann? Er hat eigenmächtig gehandelt, hat meine Befehle nicht respectirt – das darf man nicht ungeahndet lassen.

Fr. v. La Roche. Wenn man die Verhältnisse bedenkt –

Churfürst. Verhältnisse! Pah! Ich bin der Herr, und er ist der Diener – das ist das Verhältniß. Punctum. Aber ich kenn' den Götze! Er ist ein Starrkopf, ist soldatentoll – er übernimmt sich – das duld' ich nicht. Und warum kommt er nicht zu mir? Weil er sich schämt – oder weil er trotzt.

Fr. v. La Roche. Er ist so gut wie ein Gefangener –

Churfürst. Wer sagt das? Der Weg zu mir steht ihm frei. Aber er kommt nicht – will nicht kommen – schon gut, schon gut! Sein Recht soll ihm werden – und das sehr bald – aber auch weiter nichts. – Nehmt mir's nicht übel, Frau von La Roche, aber mit dem Götze bleibt mir vom Leibe, wenn wir gute Freunde bleiben sollen. Mit Eurer Erlaubniß! (Geht nach dem Hintergrunde, und ruft hinaus.) Den Wagen – nur bis vor's Thor. Meine Flinte hinein – den grauen Rock – ich geh' jagen – ganz allein. – Frau Magdalena Sibilla ist also im Garten?

Fr. v. La Roche. Ja, gnädigster Herr.

Churfürst. Ich muß ihr doch Valet sagen. – Kommt bald wieder, Madame! Die Churfürstin Liebden sieht Euch gerne. Auch der Churfürst – versteht sich – obwohl Ihr eine spröde Diana seid, und die edelsten Freier zurückweist. (Im Abgehen, für sich.) Kostbar, viel zu kostbar! Da ist die Meinige ganz anders. (Zur Seite rechts ab.)

Fr. v. La Roche (allein, macht Miene dem Churfürsten zu folgen, besinnt sich aber, wie als faßte sie einen Entschluß, und geht rasch durch die Mitte ab).

Siebente Scene.

(Landhaus. Offene Arcaden, oder Säulen. Im Vordergrunde rechts und links ein Zugang. Im Hintergrunde und in der Entfernung ist Dresden sichtbar.)

Büttner, später der Oberst.

Büttner (kommt von der Seite rechts, und blickt nach dem Hintergrunde, die Hand über den Augen). Der Hans ist noch immer nicht zurück – ich trug ihm doch Eile auf – aber die Plaudertasche kommt nirgends vom Fleck. (Blickt nach der andern Seite.) Der Herr arbeitet im Garten. Er scheint frisch und munter – aber ich fürchte fast, er stellt sich nur so. In seinem Innern arbeitet's auch.

Oberst (tritt auf in einer Art militärischen Hausgewand, und stellt Gartengeräthe bei Seite). Sieh da! Büttner! Das heißt sich sein Brot verdienen! (Wischt die Stirne.) Ich bin auch rechtschaffen müde – müde und hungrig. (Wirft sich in den Lehnstuhl.) Wie wird's denn in der Küche stehen?

Büttner. Ich meine, ziemlich mager, gnädiger Herr. Meine Alte kocht zwar drinnen aus Leibeskräften; aber Ihr wolltet Euch gestern kein Wildpret schießen.

Oberst. Ich bin lieber Gärtner als Jäger, denn die Jagd mahnt an – – Wir brauchen im Grunde kein Wildpret. Wenn wir nur satt werden.

Büttner. Daran soll's nicht fehlen, Herr Oberst.

Oberst. Laß Er mich noch eine Weile hier schmarotzen, Büttner. Aber wart' Er nur! Wenn meine Forderungen an die Kriegskassa liquidirt sind, dann soll's flott hergehen, dann wollen wir schmausen – auf meine Kosten.

Büttner. Von Herzen gern. Wenn euch die Herren aus der Kanzlei in Dresden Eure Rechnungen nur nicht bekritteln.

Oberst. Das mag wohl sein! Auch meine Handlungen – aber man muß sich's gefallen lassen. Nur von Einem kränkt es mich –

Büttner. Von Einem?

Oberst. Von Einem, und (halblaut) von Einer – die mich Beide vergessen haben, wie es scheint. (Abbrechend.) Wie milde ist doch heute die Novembersonne! Seht, wie sie das freundliche Dresden bestrahlt!

Büttner. Die Luft ist gar zu lau. Ich wette, das schlägt bald um, und wir kriegen einen langen und harten Winter.

Oberst. Weiß er, wie ich den Winter zubringen werde, Büttner? Ich will fleißig lesen. Sein Hans soll mir vorlesen. Aus der römischen Geschichte. Das wird dem Jungen selber nützen, der nichts im Kopf hat als die Ritterbücher. Wo ist er denn?

Büttner. Ich hab' ihn nach der Stadt geschickt zu dem Herrn Vetter. Aber laßt auch mich am Lesen Theil nehmen, Herr. Von den großen Historien mag ich gerne hören.

Oberst Wer wird's nicht mögen? (Steht auf.) Ich will Ihm was sagen, Büttner: die ganze Welt muß sich jetzt auf's Lesen und Bücher schreiben verlegen, denn die Zeit der Thaten ist vorüber.

Büttner. Gott sei dafür gepriesen! Ich hatte das Dings längst herzlich satt. Dreißig Jahre waren auch eine hübsche Zeit, sich mit 'nander herum zu fuchteln.

Oberst. Still, Büttner! Das versteht Er nicht.

Büttner. Ach, bester Herr, ich versteh', daß jetzt Frieden ist, und daß unser Eins wieder frei athmen kann.

Oberst. Frei athmen? Nicht ein Jeder kann's. Der alte Major Kanne konnt' es nicht. Weiß Er, woran der starb? Am Frieden.

Büttner. Nicht doch, Herr Oberst! An Altersschwäche. Der war längst reif. Andere bleiben frisch und gesund dabei. Da ist z. B. der Johann von Werth, der bairische General –

Oberst. Ja, der!

Büttner. Was haltet Ihr von ihm?

Oberst. Daß er ein ganzer Mann ist.

Büttner. Nicht wahr? Wißt Ihr auch, daß man Euch gerne mit ihm vergleicht?

Oberst. So?

Büttner. Nun, der ist munter und guter Dinge, und soll sich erst unlängst wieder verheirathet haben, und obendrein mit einer blutjungen vornehmen Dame.

Oberst. Das ist richtig! Obwohl er den Fünfziger schon gehört hat, und obwohl er ein Bauernsohn ist – wie ich.

Büttner. Nun seht Ihr! Der versteht's. Eine Familie, und Weib, und Kind – das ist's, was der Mann braucht.

Oberst. Es ist auch das Einzige, was ihm noch übrig bleibt.

Büttner. Pah! Höher bringt's doch Keiner. Was soll von uns übrig bleiben, wenn's nicht die Kinder sind? Aber – he, he! Das solltet Ihr dem Johann von Werth nachmachen, Herr Oberst – ich meine, das mit der Heirath.

Oberst. Ich? Was fällt Ihm ein?

Büttner. Warum denn nicht? Im Kriege hattet Ihr alle Hände voll zu thun, da kamt Ihr nicht dazu, aber jetzt – nach dem Frieden –

Oberst (getroffen). Nach dem Frieden –!

Büttner. Ja, und darum meint' ich –

Oberst. (rasch). Laß Er das, Büttner, laß Er das! (Geht auf und ab.)

Büttner (für sich). Mir scheint, da hab' ich was Dummes gesagt.

Achte Scene.

Vorige. Hans.

Hans. Herr Vater –

Büttner. Hans! Kommst Du endlich!

Hans. Willkommen, Herr Oberst! (Leise zu seinem Vater.) Da ist ein Brief von dem Herrn Vetter – es steht nicht zum besten.

Büttner. Gib her. Erlaubt, gnädiger Herr. (Erbricht den Brief.)

Oberst. Du warst in Dresden, Hans?

Hans, Ja, Herr Oberst. Ich war bei Hof – ich war in der geheimen Registratur. Weiß Er, was das ist, Herr Vater, eine Registratur?

Büttner. Laß mich. Nein.

Hans (von Einem zum Andern gewendet). Eine Registratur ist ein Ding, Herr Oberst, wo sie die Acten hinterlegen, und Acten, Herr Vater, sind die papiernen Dinger, womit man das ganze Churfürstenthum Sachsen regiert – nebst Prius und Simile – sie haben einen großen Berg davon erbaut, mit Stollen, zum Durchspazieren – und ein Actuar hält das Alles in Ordnung, und muß die geheimnißvollen Acten alle bewachen, wie der Zauberdrache die Schätze, und muß die Nummern d'rauf schreiben und sie, wie man's nennt, registriren – – Die Stelle ist jetzt leer, und erfordert nichts als einen vertrauten Mann mit einer guten Schrift – und der treue Mann darf dann – muß dann – lesen, lesen, sein ganzes Leben lang lesen – – ach, Herr Vater! Ach, Herr Oberst! Wer die Stelle bekäme! Wer da Protection hätte! – Geheimer Registraturs-Actuar! Ach, Frau Mutter! Dann hätte sie recht prophezeit, da wär' ich was Großes.

Büttner (für sich). Schlimm, sehr schlimm! Aber der Vetter hat recht – er muß fort.

Oberst (der ihn beobachtet). Was hat Er, Büttner? Darf man's wissen?

Büttner. Ach, Herr, lieber Herr! Daß ich's mit Einem Mal heraus sage: die in Dresden sinnen Euch Uebles.

Oberst. So? Das weiß ich längst.

Büttner. Aber der Churfürst selbst –

Oberst. Der Churfürst? Nun?

Büttner. Will eine Commission über Euch niedersetzen –

Oberst. Eine Commission? Eine Commission über Oberst Götze?

Büttner. So räth mir denn ein kluger Freund, wenn Ihr eine Reise machtet – etwa in die Schweiz – mein Hans begleitet Euch – nur bis der Zorn des Herrn sich gelegt hat.

Neunte Scene.

Vorige. Frau von La Roche (trat während der letzten Rede ein, und bleibt im Hintergrunde. Reich gekleidete Lakaien haben sie begleitet).

Oberst. Der Zorn des Herrn! Sind das die Friedensfrüchte? Ich danke Dir für Deinen guten Willen, Büttner, aber ich will hier bleiben und mich der Commission stellen.

Fr. v. La Roche (tritt vor). Das sollt Ihr nicht, Oberst Götze.

Oberst. Wie? Frau von La Roche?

Fr. v. La Roche. Laßt uns allein, liebe Leute.

Büttner (im Abgehen zu Hans). Sag' doch, Hans! ist das die Dame –?

Hans. Die Melusine– freilich!

Büttner. So, so! Die Dir den Ring –?

Hans. St! Merkt Er was, Vater? Ich auch. (Beide ab, durch den Seiten-Eingang rechts.)

Zehnte Scene.

Frau von La Roche. Oberst.

Fr. v. La Roche (auf ihn zueilend). Oberst, theurer Oberst –

Oberst. Helene de la Roche! Ihr kommt zu mir, dem Angeklagten, dem Beschuldigten! Er durfte Euch nicht aufsuchen – aber Ihr kommt zu ihm, kommt ihn zu trösten, ihn aufzurichten, nicht wahr?

Fr. v. La Roche. Konntet Ihr daran zweifeln?

Oberst. Ich zweifelte – ja! Weil ich's im Stillen hoffte.

Fr. v. La Roche. Ihr hättet glauben sollen. So freut Euch dieser Besuch?

Oberst. Mehr als ich sagen kann.

Fr. v. La Roche. Das ist mir lieb, sehr lieb, denn nun werdet Ihr auch meinem Rathe folgen. Hört mich an, lieber Oberst! Der Churfürst weiß, daß Ihr hier seid – warum wart Ihr nicht bei ihm?

Oberst. Er hat mich nicht rufen lassen – er läßt Gericht über mich halten –

Fr. v. La Roche. Das war eine Laune, ein Einfall, der wohl niemals zur Ausführung kommt, wenn Ihr erst ihm gegenüber steht. Darum geht zu ihm! Er kann's verlangen. Bedenkt, es ist am Ende doch Euer Herr. Der Herr will – der Herr will seinen Willen – Ihr kennt ihn ja. Gebt nach, Götze! Er wird Euch gewiß gnädig aufnehmen. Thut's mir zu Liebe.

Oberst. Euch zu Liebe?

Fr. v. La Roche. Ja! Man weiß, daß ich Eure Feindin war – daß ich jetzt viel am Hof gelte – man wird sagen, ich sei gegen Euch aufgetreten –

Oberst. Wissen wir's doch besser! – Aber nein – ich kann nicht, darf nicht – auch nicht Euch zu Liebe!

Fr. v. La Roche. So geht wenigstens zur Churfürstin, die Euch immer gewogen war. Sie ist allein in ihrem Gärtchen, der Herr ist auf der Jagd, und wenn er später nach Hause kehrt – o kommt Götze, kommt! Ich hoffe Alles von dieser Zusammenkunft! Wo sich zwei gute Menschen gegen einander aussprechen, da entsteht immer was neues Gutes!

Oberst (in ihrem Anblick verloren). Meint Ihr?

Fr. v. La Roche. Ihr kommt also mit mir – nicht wahr?

Oberst (zerstreut). Wie? Wovon spracht Ihr?

Fr. v. La Roche. Ihr gebt nicht acht. Ihr hört nicht –

Oberst. Doch, doch! Auf Euch – auf den Klang Eurer Stimme –

Fr. v. La Roche. Aber nicht auf meine Worte.

Oberst. Ich höre keine andern.

Fr. v. La Roche. Wenn das so ist, dann werdet Ihr mir auch hübsch folgen – ja, Ihr werdet, Ihr müßt! – (Ergreift seine Hand.) Ach, nun weiß ich, daß Ihr's müßt, Götze!

Oberst. Daß ich's muß?

Fr. v. La Roche. Ja, ja, denn Ihr tragt den Ring am Finger, den ich damals meinem Führer schenkte – nein! Zieht Eure Hand nicht zurück! Dieser Ring sagt mir, daß Ihr mich nicht vergessen habt, daß meine Worte, meine Bitten eine Macht über Euch haben, daß ich Euch etwas – etwas gelte, Oberst Karl!

Oberst (ergreift ihre beiden Hände, drückt sie an seinen Mund und an seine Brust, und eilt dann zur Seite links ab).

Eilfte Scene.

Frau von La Roche, später Hans, dann der Churfürst.

Fr. v. La Roche (allein, lächelnd durch die Thränen). Er gibt nach . . . ich wußt' es ja. (Trocknet die Augen.) Was für ein Mann! So ganz, so fest – und doch weich und milde, wie ein Kind. (Hinter der Scene fällt ein Schuß.) Was ist das?

Hans (rasch auftretend). Ein Wildschütz! Ich sah ihn vom Fenster aus – dort kommt er! (Im Abgehen.) Heda! Ihr da! Bleibt stehen, sag' ich. (Geht hinaus.)

Churfürst (von draußen). Laß mich, Junge! Was fällt Dir ein?

Fr. v. La Roche. Die Stimme ist mir bekannt –

Hans. Gebt den Hasen her – der Hase ist unser!

Churfürst. Hand weg, Bursche, oder es geht Dir schlimm! (Beide werden sichtbar, Hans mit dem geschossenen Hasen, der Churfürst mit der Büchse.)

Fr. v. La Roche. Schickung des Himmels! Es ist der Churfürst! (Sie zieht sich zurück und verschwindet während des Anfangs der nächsten Scene, und wird später von Zeit zu Zeit wieder sichtbar.)

Hans. Ich will Euch lehren, auf fremdem Revier jagen! Unsere Hasen schießen!

Churfürst. Sei doch klug! Der Hase lief über's Feld – aus dem churfürstlichen Revier, wo ich das Recht habe –

Hans (fixirt ihn). Ihr? So? – Aber Ihr habt ihn auf unserm Revier geschossen, das der Vater gepachtet hat, und darum müßt Ihr zahlen.

Churfürst (sucht in den Taschen). Wenn's nicht anders ist –

Hans. Der Hase ist fett – der kostet acht Groschen.

Churfürst (wie oben). Das ist sehr billig –

Hans. Und einen Thaler Strafe extra.

Churfürst (wie oben). Ein Thaler, acht Groschen – ganz gut – aber ich habe kein Geld bei mir.

Hans. Kein Geld? Ihr seht darnach aus. Ihr mögt wohl auch zu Hause nicht im Ueberfluß schwimmen? Wie?

Churfürst (lachend). Leider nein! Du hast's errathen.

Hans. Das dacht' ich gleich. Aber müßt Ihr deßhalb gleich ein Wildschütz werden? Schäm' Er sich! Ein so alter Herr –

Churfürst. Wildschütz? Ei du vertracter Junge!

Hans. Gleich nenn' Er mir seinen Namen, damit man sich in der Folge vor Ihm hüten kann.

Churfürst. Meinen Namen? Warum nicht? Ich heiße Johann George.

Hans. Johann George? Das ist ein sehr gemeiner Name.

Churfürst. Was, Bursche? Heißt nicht der Churfürst so?

Hans. Der Churfürst? Das ist ein anderes. Der heißt Johann George der Erste von Sachsen – der hat doch einen Zunamen – aber Er! Johann George schlechtweg – Johann George Wildschütz – nicht wahr?

Churfürst. Schon wieder? Warte, Bursche! Wie heißest denn Du?

Hans. Du, Du! Ueber's Dutzen sprechen wir später. Inzwischen – mein ehrlicher Name lautet: Hans Büttner.

Churfürst (zieht die Schreibtafel hervor). Hans Büttner. Eingeboren?

Hans. Ja. Im Elsaß.

Churfürst. Also kein Sachse! Eingewandert?

Hans. Seit Kurzem, wenn Er nichts dagegen hat. Ist Er vielleicht Thorschreiber, daß Er mich so genau examinirt? Setz' Er noch dazu: Hans Büttner, vormaliger Recrut, und künftiger churfürstlich sächsischer geheimer Actuar.

Churfürst. Mir scheint, der Bursche ist verrückt! – Recrut! Du hast also gedient?

Hans. Im Götze'schen Freicorps.

Churfürst. Was? Bist Du auch Einer von der wilden Horde des tollköpfigen Götze?

Hans. Nun hab' ich's satt! Höll-Element! Wilde Horde! Tollköpfiger Götze! Schimpft Er mir meinen braven Herr Obersten? Schießt fremde Hasen und hat kein Geld, und thut obend'rein patzig, als ob Er der Herr über Alles wäre!

Churfürst. Das bin ich auch. Ich bin der Churfürst.

Hans. Der Churfürst? Er? In dem Kittel? Ha ha ha! Aber wollt' ich doch fast, daß Er's wäre! Ich möchte dem guten Herrn längst die Augen öffnen.

Churfürst. Du? Worüber denn?

Hans. Erstens – über die Wilddieberei; zweitens – über meinen Herrn Obersten. Ich wollt' ihm's wohl sagen!

Churfürst. Dem Churfürsten? Was denn?

Hans. Herr Churfürst, würde ich sagen, die Sache ist so und so – Ihr thut nicht recht an dem Götze – der Mann ist tapfer und brav – der schießt keine fremden Hasen, der! Im Gegentheil! Er läßt seine eigenen Soldaten aufknüpfen, wenn sie einem Bürger, der seine Steuern zahlt, ein Stück Brot abnehmen. Er kann die Franzosen nicht ausstehen, die jetzt unsere Alliirten sind, das ist wahr – aber jeder Mensch hat seine Antipathien – und dafür ist er äußerst duldsam gegen die Französinnen – wie ich sehr wohl weiß. (Fr. v. La Roche, die eben vortreten wollte, verschwindet wieder.)

Churfürst. Gegen die Französinnen? So? (Für sich.) Der Bursche gefällt mir. – Höre, Hans – Hans Büttner, wie? – Kannst Du denn schreiben?

Hans. Wenn ich Actuar werden will! Fractur, Kanzlei – sauber und nett.

Churfürst. Und bist Du auch verschwiegen?

Hans. Einmal war ich's, und es hätte mich fast den Kopf gekostet.

Churfürst. Nun gut! (Schreibt einen Zettel.) Da, nimm!

Hans (liest). »Ich ernenne den Hans Büttner zum Actuar meiner geheimen Registratur. Johann George.« – Will Er mich vexiren?

Churfürst. Nimm nur – es ist Ernst. Geh' mit dem Zettel zu denen in Dresden, und laß Dir auch den Thaler acht Groschen auszahlen. Adies.

Hans. Halt! So haben wir nicht gewettet. Foppen läßt sich der Hans nicht! Will Er mir Märchen aufbinden? Ich kenn' sie alle, besser als Er – hab' sie alle gelesen. Nehmt Euren Zettel zurück, und gebt die Büchse her, wenn Ihr kein Geld habt. (Nimmt ihm die Jagdflinte weg; Frau von La Roche wird wieder sichtbar.)

Churfürst. Alle Wetter! Mein bestes Jagd-Gewehr –

Hans. Das wird confiscirt – à conto des Hasen.

Churfürst. Bist Du toll? Ich bin ja der Churfürst!

Hans. Nichts da! Ein Wildschütz seid Ihr! Ein Wildschütz!

Fr. v. La Roche (tritt vor). So schweig' doch, Hans –

Churfürst. Wie? Frau von La Roche?

Hans. Kennt Ihr die Melusine auch? (Zu Fr. v. La Roche.) Es ist Einer, der sich für den Churfürsten ausgeben will.

Fr. v. La Roche. Sei doch klug! Er ist es ja.

Hans. Ist es?

Fr. v. La Roche. Verzeiht dem jungen Menschen, gnädigster Herr – er wußte nicht –

Hans. Gnädigster? – Wa –?

Churfürst. Glaubst Du nun, daß ich der rechte Hans George bin?

Hans. Ich bin des Todes. Das ist das entsetzlichste Abenteuer meines Lebens!

Churfürst. Gib mir meine Flinte zurück, Hans Büttner. Den Thaler, acht Groschen sollst Du später kriegen. Die Dame bürgt für mich – nicht wahr? Geh' jetzt.

Hans. Ganz unterthänigst –

Churfürst. Noch Ein's. Nimm den Zettel nur wieder auf – sei artiger ein ander Mal. Bei Deiner Ernennung bleibt's.

Hans (halb auf den Knien). Ach, Allergnädigster –

Churfürst. Geh' nur, geh'!

Hans (im Abgehen). Geheimer Registratur-Actuar – o Frau Mutter! Frau Mutter! (Ab, zur Seite rechts.)

Zwölfte Scene.

Der Churfürst. Frau von La Roche.

Churfürst. Ihr habt mich von der Pfändung befreit – ich dank' Euch, Madame. Aber wie kommt Ihr hieher? Was macht Ihr hier?

Fr. v. La Roche. Ich kam einen Freund zu besuchen, durchlauchtigster Herr –

Churfürst. Einen Freund?

Fr. v. La Roche. Denselben Mann, den ich unlängst Eurer Gnade empfehlen wollen –

Churfürst. Was? Den Götze? Ist der hier?

Fr. v. La Roche. Ihr befindet Euch in seiner Wohnung.

Churfürst. In seiner Wohnung? Lebt wohl, Madame.

Dreizehnte Scene.

Vorige. Oberst (in voller Uniform, tritt rasch heraus).

Fr. v. La Roche. Bleibt nur, gnädigster Herr! Denn seht, da kommt er schon.

Oberst (freudig überrascht). Mein Churfürst – mein Feldherr –

Churfürst. Götze! – Laßt uns allein, Madame.

Oberst. Ihr kommt zu mir, Herr! Verdien' ich das?

Churfürst. Zu Dir? Wer sagt Dir –? Ich bin zufällig hier. Ich war auf der Jagd.

Oberst (mit verändertem Ton). Nur zufällig?

Fr. v. La Roche. Ja doch, Oberst! – Mein Fürst, der Oberst wollte so eben zu Euch kommen –

Churfürst. Wirklich? – Diese Kleider, dieser Schmuck – Du wolltest zu mir kommen? Sprich!

Oberst. Zu Euch? Nein.

Fr. v. La Roche. Wie, Götze?

Churfürst. Da hört Ihr den Trotzkopf! – Also nicht zu mir? Zu wem denn sonst?

Oberst. Zu der Frau Churfürstin Gnaden.

Churfürst. Nun wird's mir bald zu viel! Alles kommt zu ihr! Aber schon gut, schon gut! – Ich habe schlimme Dinge von Dir hören müssen. – Ich hielt Dich sonst für einen braven Mann – das ist aber meine Meinung jetzt nicht mehr – verstehst Du? Ich halte den für keinen braven Mann, der in Allem seiner Laune folgt, der ein Hitzkopf ist. (Heftiger.) Ich halte einen Hitzkopf für keinen braven Mann, und Du warst weit schlimmer als ein Hitzkopf, Götze. Du hast meine Befehle nicht respectirt, hast, so zu sagen, auf eigene Faust Krieg geführt, hast den Degen gezogen gegen den von mir ernannten Commissär, und hast schließlich nicht einmal zu mir kommen wollen – das sind schwere Dinge! Verantworte Dich, wenn Du kannst.

Oberst. Ich kann's nicht, Herr.

Churfürst. Weil Du verstockt bist!

Oberst. Die Commission wird über mich zu urtheilen wissen.

Fr. v. La Roche (leise zu ihm). Schweigt doch, Götze!

Churfürst (überhören wollend). Weil Du einen harten Kopf hast!

Oberst. Einen langsamen Kopf, mag sein. Ich habe nur Einen Gedanken in dem meinigen, der heißt: Deutschland – und für den einzigen Gedanken hätt' ich gerne meinen Kopf zehn tausend Mal her gegeben.

Churfürst. Deutschland! Und wo ist denn das Deutschland, von dem Du träumst, für welches Du handeln wolltest? – In Deinem Kopf! Sonst nirgends. Darum handeltest Du auch nach Deinem Kopf und für Deinen Kopf, für Dein Hirngespinnst. Was geht Dich Deutschland an? Wer bist Du, daß es Dich angehen sollte? Du bist nicht einmal der Churfürst von Sachsen, wie ich – verstehst Du? Mir liegt es ob, nicht Dir, für mein Land zu sorgen, und ich denk', ich hab' es redlich gethan – im Uebrigen bin ich Dein Feldherr, Du mein Kriegs-Oberster; ich Dein Fürst, Du mein Unterthan. Wenn ich nach Deiner Meinung als Churfürst schlecht gebiete, so machst Du es nicht besser, wenn Du als Unterthan schlecht gehorchst, sondern verwirrst die Dinge nur noch mehr und machst das Ganze faul und schlecht. Siehst Du das ein? Begreifst Du das mit Deinem langsamen Kopf?

Oberst. Ich kann nichts weiter begreifen, Herr, als daß der Churfürst von Sachsen die deutsche Sache aufgegeben hat.

Fr. v. La Roche (wie oben). Aber lieber Götze –

Churfürst (zu Fr. v. La Roche) Da hört Ihr ihn wieder! Er klagt mich an, jetzt, wo er sich rechtfertigen sollte! – Aufgegeben! Die deutsche Sache! Ich, der bis zuletzt, der der Letzte daran hielt!

Oberst. Ja, – bis zu dem Rescript, das mir befahl, mich aller »ernstlichen Affairen« zu enthalten!

Churfürst (tritt nahe zu ihm, halblaut). Durft' ich denn anders? Die Hände waren mir gebunden. – Und was half's auch, wenn Du Dein Zabern besetzt hieltest? Denk' an den Congreß! Hätten wir's nicht wieder heraus geben müssen?

Oberst. So ist's, so ist's! Ihr sprecht mich frei mit diesem Wort, und könnt die Commission ersparen.

Churfürst. Schweig' endlich von der dummen Commission! – Und frei, sagst Du?

Oberst. Ja, Churfürst! Dir selber blutet Dein Herz in der Brust, daß Deutschland seinen Frieden nicht als Sieger schloß, daß es ermattet, erlahmt, das Schwert aus der Hand legen mußte, um die Bedingungen zu unterschreiben, die eine fremde Feder ihm dictirte, eine – (Hält inne.)

Churfürst. Eine französische Feder – sag's nur heraus! Verzeiht, Madame, aber dies Mal hat er recht. Eure Landsleute haben übel an uns gethan, aber es wird ihnen ein Mal herein kommen! Vor der Hand sind wir zwar Freunde –

Fr. v. La Roche. Und sollten wir's nicht bleiben?

Churfürst. Schwerlich – schwerlich! Der Zorn hat noch nicht völlig ausgegoren – der Haß muß seine Zeit haben –

Fr. v. La Roche. Die Liebe auch.

Churfürst (halb zu Götze gewendet). Da hat sie wieder recht! – Aber die Liebe braucht länger.

Fr. v. La Roche. Und warum? – Euch darf ich es sagen: Ein Fürst wie Ihr, ein Krieger wie Ihr wird mich begreifen. Die Völker sind nur uneins, wenn man sie irre leitet. Franzosen! Deutsche! – Und wo läge denn der Grund, daß sie sich ewig hassen sollten! Ist der Stamm der Franken, der Freien, nicht ihre gemeinsame Wurzel? Und wenn sich später die verschiedenen Zweige schieden, die getrennten Völkerschaften sich verfolgten, sich bekriegten – war denn der Krieg des Krieges letztes Ziel?

Churfürst. Das war er nicht – weiß Gott! war's nicht bei mir, bei keinem,
Der's redlich meint, bei keinem – bis auf den,
Der thöricht sich vermaß, mit seinem Frei-Corps
Deutschland und Frankreich unter'n Hut zu bringen.

Fr. v. La Roche. Und wenn er sich getäuscht und ehrlich irrte,
Woll't Ihr ihn d'rum verdammen?

Churfürst.                                         Hm! Er schweigt!
Wißt Ihr warum? Er glaubt's nicht, daß er irrte!
Das macht, er ist ein deutscher Patriot,
Und die sind eben unverbesserlich.

Fr. v. La Roche (bemüht, Beide einander zu nähern).
Kein Mensch, kein Volk ist unverbesserlich –
Die Einzelnen sind wie die Völker, Herr,
Die Völker sind wie Einzelne – sie kennen
Sich nicht, und hassen und verfolgen sich –
Ein falscher Freund schürt wohl dabei das Feuer –
Doch wenn es später erst zur Rede kommt,
Und Ein's das Andere besucht zu Hause,
Des Nachbars Eigenheiten kennen lernt,
Und überrascht nur lauter Gutes findet,
Da rückt man näher, näher – bis zuletzt
Sie sich als Freunde in die Arme sinken.
Das ist die schöne Zeit des ew'gen Friedens!

Churfürst. Sagt das dem Mann, nicht mir – ich glaube d'ran,
Und mögen sich die Völker bald besuchen!
Er aber hat mich nicht besuchen wollen – gelt?

Oberst (nach einer kleinen Pause).
Ich fürchte, Herr, ich hätt' es doch gethan.

Churfürst (schlägt ihn leicht auf die Achsel).
Ei, wenn Du's fürchtest, Götze, will ich's hoffen.

Oberst (losbrechend).
Ach, Herr –

Churfürst (seine Rührung bemeisternd).
                  Laß, laß! – Ging's nach uns Beiden, Oberst,
So hätte Deutschland einen bessern Frieden.

Oberst. Mein Fürst! Mein Herr!

Churfürst (umarmt ihn).             Mein Freund!

Fr. v. La Roche (küßt des Churfürsten Hand).     Mein gnäd'ger Churfürst!

Churfürst (abwehrend).
Nun, nun, Madame! – Sie hat Gemüth, mein Alter!
Gemüth – für Dich – verstehst?

Fr. v. La Roche (mit Beziehung).       Ihr irrt, mein Churfürst!
»Deutsch und Französisch kann sich nie verbinden« –

Oberst. Helene, könnt Ihr mir dies Wort vergeben?

Churfürst (reicht Beiden die Hände).
Der Haß hat seine Zeit – die Liebe auch.
Wenn sich die Völker lieben sollen, müssen
Die Führer, denk' ich, wohl den Anfang machen –
Nun sage, Götz', ob Du kein Hitzkopf bist?
Denn sieh'! Die wolltest Du erschießen lassen!

(Indem der Oberst und Frau v. La Roche sich nähern, fällt der Vorhang.)

 


 

Anmerkung zu »Ein deutscher Krieger«.

Dieses Schauspiel kam im Jahre 1844 der (damals) deutschen Richtung Wien's entgegen, was viel zu seinem Erfolge beitrug. Noch vor den Märztagen war die Aufführung des Stückes sistirt worden, dagegen wurde es im Jahre 1849 zu Ehren Radetzki's bei einer Art Festvorstellung gegeben. In verschiedenen Reactionsphasen verboten, gelegentlich erlaubt, wieder verboten (wie im Jahre 1870 sogar in der Provinz), kann dieses unschuldige Schauspiel (längst ein »überwundener Standpunkt!«), als eine Art politischer Barometer in Oesterreich gelten.

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