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Ein Berliner Junge

Adolf Damaschke: Ein Berliner Junge - Kapitel 3
Quellenangabe
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authorAdolf Damaschke
titleEin Berliner Junge
publisherHillgers Deutsche Bücherei
editorNS.-Kulturgemeinde Hermann Hillger Verlag
correctorreuters@abc.de
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Kurzsichtig

Als ich geboren war, weinte Mutter laut auf: »Der Junge hat ja keine Augen!« Aber die Hebamme beruhigte sie, ich wäre nur so dick, daß die Augen zugequollen wären. Ich weiß nicht, ob es damit irgendwie zusammenhängt, aber die Tatsache blieb: von Jugend an war ich als einziger in der Familie kurzsichtig. Ich empfand es lange als eine Art Anrecht, dessen ich mich zu schämen hätte, und verbarg es, leugnete es wohl ab, obgleich daraus in steigendem Maße Schwierigkeiten erwuchsen. Ich konnte die Normaluhr auf dem nahen Hackeschen Markt nicht erkennen, ebensowenig die Uhr der nahen Sophienkirche vom Rosenthaler Garten aus, was die Freunde einmal benutzten, mich vom Besuch der Nachmittagsschule abzuhalten, indem sie immer wieder beteuerten, es sei noch nicht Zeit. In der 58. Schule schickte mich der Lehrer als Klassenersten einmal auf den Flur, um zu sehen, ob die Schuluhr schon vier sei. Ich konnte sie nicht erkennen; aber ich schämte mich, es zu sagen, und da meine Neigung stark für Schulschluß war, erklärte ich, es wäre Zeit. Darauf wurde geläutet; alle Klassen traten zusammen. Aber es stellte sich heraus, daß noch eine Viertelstunde fehlte. Die Klassen brachten diese Zeit auf dem Hofe zu. Ich selbst aber konnte keine Erklärung für meine irreführende Angabe geben, da ich, wie gesagt, die Tatsache meiner Kurzsichtigkeit ängstlich verbarg. In der Schularbeit hat mir das insoweit geholfen, als ich von vornherein auf jedes Absehen von dem Nachbar verzichten mußte, was mir auf die Dauer zugute kam.

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