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Ein Berliner Junge

Adolf Damaschke: Ein Berliner Junge - Kapitel 14
Quellenangabe
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authorAdolf Damaschke
titleEin Berliner Junge
publisherHillgers Deutsche Bücherei
editorNS.-Kulturgemeinde Hermann Hillger Verlag
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Handwerkersorgen

Am häufigsten und zuletzt wohl ausschließlich wurden in unserer Werkstatt sogenannte Sofatische hergestellt. Das Kostbarste an ihnen war ihre dünne Mahagonischicht. Es war jedesmal eine große Aufgabe, diese teure Holzschicht so aufzulegen, daß keinerlei Unebenheiten entstanden. Vater war darin wohl übergenau. Von Kennern wurden seine Tische besonders geschätzt. Aber die Kenner bilden immer die Minderheit. Nach dem siegreichen Krieg von 1870/71 kamen die Neureichen jener Zeit auf, und Dessin, an den er die meisten Tische lieferte, sagte immer häufiger: »Sie müssen billiger arbeiten, Meister! Die Leute, die Tische kaufen, haben wirklich kein Urteil über die Sorgfalt, die Sie darauf verwenden – billig, billig!« Und dann kam der Jammer, daß die Möbelfabriken die gelieferten Tische nicht gleich bezahlten, sondern auf Lager nahmen, während Vater den Gesellen jeden Sonnabend den Lohn auszahlen mußte. Wie oft ist da Mutter gegangen, Freitag oder Sonnabend, und hat Wertgegenstände versetzen müssen, nur damit am Sonnabend der Lohn zur rechten Zeit vorhanden war. Es ist heute noch eine der erbärmlichsten Pflichtverletzungen auf sozialem Gebiet, wenn Leute die Bezahlung der Dienste des Handwerkers »vornehm« vergessen und hinausschieben. Sie wissen gar nicht, wieviel Verlegenheit, wieviel wirkliche Not sie dadurch verbreiten! Das Wort der Bibel, daß man mit dem Auszahlen des Lohnes nicht länger zögern dürfe, als bis die Sonne untergehe, sollte viel mehr als eine ernste soziale Pflicht erkannt und geübt werden.

Und dazu kam der ungeheuerliche Zwischenverdienst. Als ich einmal mit Vater über den Gendarmenmarkt ging und einen Neuaufbau des Möbelgeschäfts von Pfaff sah, fuhr er bitter auf: »Das wird zum Teil auch aus unseren Knochen erbaut!« Es ist ja noch eine große Frage, wie der Weg vom Erzeuger zum Verbraucher gewonnen werden kann, ohne daß der Zwischenhandel den Hauptteil des Verdienstes beschlagnahmt. Das Problem wird wohl noch manche Geschlechter beschäftigen. Irgendwie aber muß es einmal in anderer Weise gelöst werden, als es heute noch der Fall ist.

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